Jedenfalls in Limburg und Montabaur:
Archiv der Kategorie: Darmstadt
Kostenloser Strom im Loop5 für Elektroautos
Irgendwann beschwerte sich mal eine Bekannte, dass ihr Zeitungsartikel im Lokalteil zu wenig Hintergrund hätten. Das nagt seitdem in mir, und wenn ich die Chance und den Platz sehe, Hintergrund zu recherchieren, mache ich das auch. Voilà:
Echo online: Im Parkhaus geht’s an die Steckdose – Energie: Loop 5 und Entega bietenkünftig kostenlosen Stromtanken für Elektroautos an
Eine feine Sache. Nur: In Stadt und Landkreis sind es gerade mal 39 Elektroautos und 290 Hybridfahrzeuge gemeldet (Danke, liebe Pressestellen). In Land und Bund sieht es ähnlich überschaubar aus. Und wenn man gemein sein will: Die, die sich ein „prohibitiv hochpreisiges“ E-Auto leisten können, könnten den Strom dazu auch locker aus der Portokasse bezahlen.

Im Loop 5 in Weiterstadt sind ab sofort Ladestationen für Elektroautos kostenlos nutzbar. Die Stellplätze für die Autos sind mit diesem Tanksäulen-Pictogramm gekennzeichnet.
Und Greenpeace ist sowieso misstrauisch gegenüber E-Autos: „Elektroantriebe können nur dann als Alternative zum Verbrennungsmotor gelten, wenn der Strom aus Erneuerbaren Energiequellen kommt.“ Das wäre beim Entega-Ökostrom im Loop 5 ja der Fall.
Nachtrag: Ende 2020 waren in Deutschland 309.083 Elektroautos unterwegs. Ende 2021 waren es 618.460.
Fotos von Angeklagten in der Zeitung, die nicht fotografiert werden wollen …
… können auch einen Nachteil haben, der denen, die diese Art von Pranger schätzen, wohl weniger gefallen wird. Einer der Ankläger erklärte mir:
Echo online: Schöffin befangen – Prozess geplatzt
Oberstaatsanwalt Rainer Franosch aus Frankfurt gab zu bedenken, dass Presseberichte, in denen man Angeklagte erkenne, auch ein Strafmilderungsgrund sein könnten. (…)
Bei zwei innenpolitischen Themen des vergangenen Jahres sehen die Ankläger aber ein sowohl als auch:
Die Ermittlungen seien mit Daten aus der inzwischen vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Vorratsdatenspeicherung vorangekommen, erklärten die beiden Oberstaatsanwälte Andreas May und Rainer Franosch (…) Die im vergangenen Jahr noch diskutierten (…) Internetsperren für kinderpornografische Seiten hätten diese technisch versierten Angeklagten allerdings nicht abschrecken können, räumten die Anklagevertreter ein.
Dennoch sind ihnen Netzsperren lieber als gar keine.
Hoher Nerdfaktor am Wochenende
Menschen in schwarzen T-Shirts, Club-Mate zum Trinken, wenig Frauen, dafür viele langhaarige junge Männer, Eintrittskarten mit QR-Code und zubuchbarer Kaffee-Flat werden mit der Handykamera gescannt, es gibt Vorträge über Informatik, Raketenbauen und Steampunk und eine sehr kryptisch scheinende Abkürzung – Willkommen bei den „MetaRheinMain ChaosDays„, eine Veranstaltung der lokalen Chaos Computer Club Ableger oqlt e.V., cccffm, Chaos Darmstadt, CCC Mannheim, CCC Mainz sowie Chaostreff Kaiserslautern. Echo online: »Es gibt einen Bedarf an guten Hackern« Computertagung: Bei den »Chaosdays« im Piloty-Gebäude der TU treffen sich Experten aus dem Rhein-Main-Gebiet
Etwa 10 Kilometer weiter südlich, Menschen in bunten und schwarzen T-Shirts, Schalen mit Chili in den Händen, mehr Frauen, dafür Männer mit eher kurzen Haaren, Eintrittskarten mit Nummer, Vorträge über Raumfahrt oder den Maya-Kalender, ein Saal voller Modelle von Raketen- und Raumschiffbauern sowie Steampunk-Fans und ein abgespaceter Titel: Willkommen bei den „Space Days“ in Eberstadt. Echo online: 04./05.09.2010: „Space Days“ in Darmstadt, Offenbach Post: Brücke zwischen Science und Fiction
Ach ja, zwischendrin war noch Spieleabend.
Nicht-öffentliche Stadtparlament-Vorlagen nun auch im Internet
Morgen gibt es im Stadtparlament eine kleine aber wesentliche Änderung. Wer regelmäßig zuschaut, weiß, es gibt am Schluss einen nicht-öffentlichen Teil. Man darf also gehen und die Stadtverodneten beraten dann – meistens ganz schnell, ist ja keine Presse mehr da, bei der man sich profilieren kann – die Vorlagen.
Neu ist, dass die Überschriften der nicht-öffentlichen Vorlagen nun auch im Stadthaus in der Grafenstraße aushängen und im Internet stehen, z.B.:
Zur Beratung in nichtöffentlicher Sitzung vorgesehen:
1. Vergabe einer Dienstleistungskonzession (V-Nr. 2010/0287)2. Verkauf der städtischen Grundstücke Gemarkung Arheilgen Flur 1 Nr. 117, Nr. 118/4,
Nr. 119/12 und einer Teilfläche von ca. 412 qm aus der Parzelle Nr. 118/3 (V-Nr. 2010/0298)3. Städtische Beteiligungen HSE (V-Nr. 2010/0316)
4. Wissenschafts- und Kongresszentrum Darmstadt GmbH & Co. KG (V-Nr. 2010/0326)
Die Vorlagen in die Öffentlichkeit „gezerrt“ hat die Alternative Darmstadt (AD). Denen war aufgefallen, dass auch die nichtöffentlichen Vorlagen laut Hessicher Gemeindeordnung angekündigt werden müssen.
Aus AD-Sicht verstößt auch die Geschäftsordnung (GO) des Stadtparlaments gehen die HGO, da in der der GO der Stadtverordnetenvorsteher festlegen kann welche Vorlagen in nicht-öffentlichen Sitzung behandelt werden. Das aber müsse aus AD-Sicht die Gemeindevertretung jeweils beschließen.
Das Rechtsamt der Stadt Darmstadt hat daraufhin die bisherige Praxis geprüft und stellt fest, „dass nach der Kommentarliteratur in der öffentlichen Bekanntmachung der Tagesordnung (…) auch die Tagesordnungspunkte zu veröffentlichen sind deren Behandlung im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vorgesehen ist.“
Aber dennoch sind nach Rechtsamtausfassung frühere Beschlüsse nicht öffentlich angekündigter nicht-öffentliche Vorlagen gültig. „Nach der Rechtsprechung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes macht die unterlassene öffentliche Bekanntmachung der Tagesordnung die in der fraglichen Sitzung gefassten Beschlüsse allerdings nicht rechtswidrig.“
Wobei da bestimmt einige nochmal schauen werden, denn die Vorlage zum Sander-Museum wurde damals im nicht-öffentlichen Teil verabschiedet.
Apothekenwechsel im Martinsviertel
Vor rund sieben Jahren schrieb der Stern, Darmstadt sei die Stadt mit der höchsten Apothekendichte (pro Einwohner) Deutschlands. Inzwischen sind es weniger geworden, erstens weil Apotheken schließen und zweitens es mehr Darmstädter geworden sind. Aus den zwei Apotheken am Willy-Brandt-Platz wurde beispielweise eine (die Fuchsche Apotheke übernahm die Fleming-Apotheke und zog in deren Räume), woanders machte eine ganz zu. Und nun heißt es „Abschied von der Martins-Apotheke„. Die Apotheke schließt, weil die Engel-Apotheke den Zuschlag des Vermieters für die Apotheke im bald benachbarten Quartierszentrum bekommen hat.
Und wie es der Zufall will: Die Martins-Apotheke war auch 2003 Thema im Stern-Artikel, und so wissen wir jetzt nicht nur das Ende, sondern auch den Anfang: Weiterlesen
Brennpunkt Darmstadt: No Angels, Kanzlerin und die Verschwörung gegen Sarrazin
Yes, endlich! Darmstadt war diese Woche Dreh- und Angelpunkt der Republik. Hier lief der Prozess gegen eine Sängerin zuende, die Bundeskanzlerin besuchte das ausgezeichnete Plus-Energiehaus an der TU-Darmstadt und ein Focus-Redakteur bricht eine Lanze für Thilo Sarrazin.
Was das letzte mit Darmstadt zu tun hat? Der Redakteur macht aus dem inzwischen zu Eis erstarrtem Kaffee einer Sarrazin-Äußerung hier im Juni eine Verschwörung des hiesigen dpa-Mitarbeiters.
Ich weiß ja nicht, auf wen verlasse ich mich mehr nach einem mündlichen Vortrag, wie dem Sarrazins? Auf die Truppe, die sich hat berieseln lasssen, oder auf den der mitgeschrieben hat? Und dann gibt es noch so Weisheiten wie „wenn es quackt wie eine Ente, ist es eine Ente“.
Und ich dachte ja Journalisten sind eigentlich verschwörungsresistent, Konspiration wird uns schließlich an jeder Ecke präsentiert. Ist ja auch logisch, Verschwörungstheorien erklären perfekt, warum wie was gelaufen ist. Nur in der Regel läuft es eher blöd als konspirativ. Naja, und dann ist das vermeintliche Verschwörungsopfer ja manchmal auch nicht das hellste und hat auch Fehler gemacht – die es nur nicht einsehen will, ja nicht einmal nicht einsehen muss – war ja schließlich eine Verschwörung. Der perfekte Zirkelschluss.
Und selbst wenn im Juni falsch berichtet worden sein sollte, dann halte ich mich immer noch an Josef Joffe: „Versuche nie durch Konspiration zu erklären, was auf Chaos oder Inkompetenz zurückgeführt werden muss.“ Aber dass der Mann vom Focus an eine Verschwörung denkt, lässt sich ja auch wieder auslegen und an Verschwörung denken.
Nachtrag: Jörg hat festgestellt, dass Sarrazin was mit einem Charakter aus (dem) einen Darmstädter Lokalschwank gemeinsam hat …
Und wenn ich jetzt nochmal die dpa-Meldung anschaue und das was Sarrazin zur Zeit sagt, weiß ich gar nicht so recht, was der Focus-Redakteur da retten wollte?
Nachtrag, 7.9.2010: Mir erzählte jemand, der beim Sarrazin-Vortrag in Darmstadt dabei gewesen war, dass das was in der Zeitung stand so nicht gesagt wurde. Und dann ist da noch RP-Online:
Der Gastgeber der Veranstaltung, die Arbeitskreise Schule-Wirtschaft der Unternehmensverbände Südhessen, wandte sich gegen diese Darstellung: „Ein Zusammenhang von ethnischem Hintergrund und Intellekt wurde so von Herrn Sarrazin nicht hergestellt“, sagte der Geschäftsführer der Arbeitskreise, Reinhold Stämmler.
Hm. Den Geschäftsführer habe ich auch ein paar Mal getroffen und von dem würde ich auch nicht sagen, dass er lügt.
Aber das wird sich aufklären. Die Staatsanwaltschaft ermittelt ja und nach meinen Informationen hat sie die Teilnehmerliste der Veranstaltung angefordert.
Nachtrag, 6.10.2010: Die Sätze, die soviel wirbel machten, fielen in den letzten fünf Minuten wurde mir gesagt. Und auch, dass sie gefallen seien.
1. Der dpa-Mitarbeiter und ich kennen uns und ich habe auch für die dpa geschrieben.
2. Ein Diskussion, ob TS recht hat oder nicht – wie sie bei Stefan Niggemeier losgebrochen ist – werde ich nur sehr eingeschränkt zulassen. Wer das will, kann das in seinem Blog tun oder eines aufmachen. Ich empfehle WordPress.
Deutsche Annington – die ungeplante Echo-Serie
Manche Dingen fallen einfach zusammen. Wie diesen Monat Echo-Artikel über die Deutsche Annington:
16. August: Mängel und Schandflecke am Hauptbahnhof
Seitdem das Haus nicht mehr der Bahn gehöre, passiere „gar nichts“. Der Besitzer, die Deutschen Annington, sei nicht zu erreichen, der für die Immobilie zuständig Hausmeister auch nicht, sagt eine Mieterin.
19. August: „Bundesweit nur rausholen“
Der Mieterverein kennt das Unternehmen mit seinem „Schön, hier zu wohnen“-Slogan schon länger. „Der stimmt“, sagt Geschäftsführerin Heilmann ironisch, „problematisch wird es, wenn man etwas braucht.“ Das Unternehmen wolle „nur rausholen, doch nichts investieren“. Dem widerspricht Annington-Sprecherin Katja Weisker. Der Investor hinter der Annington (die britische Terra Firma) habe bisher keine Dividendenauszahlung bekommen. Das Geld gehe in die Sanierung, die Bestände und das Unternehmen.
20. August: Der Mietvertrag fehlt – Amtsgericht entscheidet voraussichtlich im Spätherbst
Der Richter gab auch einen Hinweis auf die künftige Miete, wenn man Zu- und Abschläge des Darmstädter Mietspiegels berücksichtige. Dabei kam er sogar auf einen zehn Cent niedrigeren Quadratmeter-Mietzins.
26. August: Angst vorm Aufzug
Mieter: Der Fahrstuhl in einem Hochhaus ist notorisch kaputt, weil sich die Deutsche Annington nicht kümmert. Unternehmen: Ein Außendienst fahre die Mieter mit ihren Anliegen sukzessive ab.
Wie mir gesagt wurde, besteht der Außendienst aus 220 Mitarbeitern, die bundesweit täglich 1300 Termine abarbeiteten. Wenn man das stumpf rechnet, sind das 5,9 Termine am Tag, bei einem Acht-Stunden-Tag hat ein Mitarbeiter für jeden Termin mit Anfahrt etwa 81 Minuten Zeit.
Nachtrag, 28.1.2011: „Vermieter muss auch investieren“ – Niederlage für Annington am Amtsgericht: Mieter muss keinen Zuschlag für Schönheitsreparaturen zahlen
Doppeltes HSE-Logo macht die Runde

Links das Logo der ostdeutschen HSE GmbH, rechts das neue Logo der Darmstädter HSE AG.
Der Preis fürs neue Logo (400.000 Euro, wegen der Panne auf 200.000 reduziert) mag hoch erscheinen, aber das kostet sowas für ein Unternehmen dieser Größe, da werden ja Visitenkarten, Briefköpfe, Websites etc. mit bestückt, Designer haben da Tabellen zur Berechnung.

Ein neues HSE-Logo für den Darmstädter Energieversorger war schon sinnvoll, das alte hatte was vom Todesstern.
Für die (Darmstädter) HSE kommt die Geschichte unpassend. Das städtische Unternehmen fiel in letzter Zeit durch eine umstrittene Pensionsregelung auf, teure Designersessel für die neue Zentrale und angeblich geheim zu haltende Windpark-Investitionen auf.

Die neue HSE-Zentrale in der Frankfurter Straße in Darmstadt.
A propos unpassend:
9. Oktober 2010: HSE-Ausschüttung bleibt womöglich aus.
Die Stadt muss damit rechnen, dass sie von der HSE eine für 2016 erwartete Ausschüttung von 40 Millionen Euro möglicherweise nicht bekommt. (…) Hintergrund (…) ist eine von der HSE-Netz AG geplante 420-Millionen-Euro-Anleihe zur Finanzierung weiterer Investitionen in regenerative Energien. (…) Aufgrund der vorläufigen Einschätzung einer Rating-Agentur (empfehlen Finanzexperten), dass die 2016 anstehende 80 Millionen Euro-Ausschüttung im Unternehmen bleibt.
Links zum Logo:
hr3: Teurer Logo-Klau in Darmstadt
Indiskretion Ehrensache: Jung von Matt in der kleinen PR-Agentur am Rande der Stadt
designtagebuch.de: JvM kreiert Logodoublette
werbeblogger: Jung von Matt und die Recherchepanne bei HSE + Kommentar #12
Germantrails: Dynamisch und exklusiv, na Logo!
Nachtrag: Das Handelsblatt (Peinliche Panne bei der Logo-Suche) und SpOn sind jetzt auch dabei (denen ich wohl die erhöhten Zugriffszahlen verdanke), aber SpOn schreibt von 80.000 Euro Honorar:
Immerhin habe man sich darauf einigen können, dass das Logo-Honorar von etwa 80.000 Euro halbiert werde.
Wo ist denn jetzt der Fehler? Bei SpOn, bei den anderen, oder ist es ein Druckfehler und es fehlt eine Null?
Nachtrag II: Zweites Eigentor – Auch der neue Slogan schon genutzt. Aber auch in der FR steht etwas von 40.000 Euro Honorar …
Schnelle Justiz: Urteil fünf Monate nach Raubüberfall
Sowas hat man ja selten bei einem Prozess: Zwischen Tat und Urteil liegen nur fünf Monate, sieben Kameras zeichneten den Tankstellenüberfall auf, ein Räuber wurde noch am Tatort gestellt und kein Video war verschwunden.
Was man wieder sieht: Bei schwerem Raub (nicht unter drei Jahren, es sei denn minderschwerer Fall) verstehen die Gerichte auch bei noch jugendlichen Ersttätern keinen Spaß.