E-Roller zum Leihen nun auch in Darmstadt

Insgesamt 300 Leih-E-Roller von „Tier“ sollen im Stadtgebiet stehen.

In Darmstadt gibt es nun auch E-Roller zum spontanen ausleihen – wenn man die App hat und registriert ist.

Echo online: 300 E-Scooter stehen ab sofort in Darmstadt bereit (€)

Interessant fände ich so einen Roller ja, um auf längeren Wegen zwischen ÖPNV-Haltestelle und Ziel schneller zu sein. Mir fällt da jetzt sowas wie die 1,8 Kilometer zwischen der Haltestelle Gräfenhausen Postplatz und dem Steinrodsee ein (was beides aber nicht mehr Darmstadt ist).

Bei 20km/h – so schnell sollen die fahren können – brauche ich für die einfache Strecke im Idealfall um die sechs Minuten anstelle rechnerische 24 Minuten, wenn ich zu Fuß gehe.

Aber die Kosten (laut giga.de): 15-19 Cent pro Minute plus ein Euro fürs Einbuchen. Also 1,9 bis 2,14 Euro für die Fahrt und das gleiche nochmal zurück. Wenn der Roller – den man besser freigibt, weil die Minute sonst 15 Cent kostet – dann noch da ist.

Also grob 1€/km, wenn es keine Pausen gibt. Das kann man mal machen, aber täglich bzw. fünfmal die Woche? Zwei Kilometer hin und zurück, sind vier Euro, das jeden Arbeitstag (20 Tage im Monat), macht 80 Euro pro Monat. Wenn es einen ÖPNV gibt, ist der günstiger. Also sind die Roller eher was zum Spaß. Aber da eine Uhr läuft, ist der Spaß auch relativ, denn unterwegs mal kurz was angucken oder ein Foto machen, kostet dann was.

Der Löwenbrunnen auf dem Mathildenplatz läuft wieder

Der Löwenbrunnen auf dem Mathildenplatz läuft wieder.

„Der Löwenbrunnen ist das letzte was noch saniert werden muss“, sagte der Architekt Jürgen Rittmannsperger mit Blick auf das Ensemble Mathildenplatz am 15. August 2012. Das Rittmanspergersche Büro, Experten für komplexe Altbautensanierung, hatte gerade mit Justizminister und Gerichtspräsidenten die fertig sanierten Gebäude Altes Landgericht und Altes Amtsgericht vorgestellt. „Wir werden als Stadt unser Scherflein beitragen“, hatte Oberbürgermeister Jochen Partsch damals auf Rittmannspergers Hinweis für den Brunnen zugesichert.

Fast neun Jahre und einen Monat später – und sieben Zeitungsartikeln von mir dazu – ist es nun soweit. Es glitzert, rauscht und plätschert wieder auf dem Mathildenplatz; seit dem 10. September, 12 Uhr, läuft der Brunnen wieder.

Dass die Löwen aus gelben Sandstein vom Wasser aus der oberen Schale geduscht werden ist Absicht. Ein Effekt, der aber auch dazu beigetragen hat, dass die Skulpturen verkalkten. Allerdings hat der Brunnen jetzt auch eine Entkalkungsanlage, was das verlangsamen soll.


Im Sommer 2016 sah der Brunnen noch so aus, auf den Löwen und anderen Flächen waren noch millimeterdicke Kalkablagerungen.

Ab 2013 lag der Brunnen trocken, ab 2015 war er eingezäumt. Lange passierte nichts, da erst ein Sanierungskonzept ausgearbeitet werden musste. Unter anderem wurde geprüft, ob man den Brunnen stehen lassen und sanieren kann oder ob man ihn besser abbaut und wieder zusammensetzt. Fun Fact: Was man ja schonmal gemacht hatte. Denn bis 1840 stand der Brunnen auf dem Luisenplatz – da wo jetzt der Lange Ludwig steht.


2017 wurde es dann ernst, die Löwen wurden abmontiert und extern mit einer Kombination aus Chemie und Handarbeit von den Kalkschichten befreit.

Der Brunnen war nicht nur verkalkt, an den Oberflächen hatten sich auch Algen niedergelassen, die dann wieder verkalkten und so weiter. Das Bild ist von 2012.

Die Reliefs wurden vor Ort gereinigt und darunter kamen geschuppte Fische heraus. Die Schuppen sind aber nicht auf allen Reliefs erhalten.

Der ganze Brunnen in Aktion.

Echo online: Ein gutes Ende für die Löwen in Darmstadt

Die „Judäische Volksfront“ und die „Volksfront von Judäa“ in Darmstadt

Ein buntes Tortendigramm mit 20 Zufallszahlen aus einer TabellenkalkulationEs ist mal wieder soweit: Politikberatung vom Zeitsturmradler. Und da sie kostenlos ist, ist sie öffentlich. Diesmal „bürgerinitiativenfeindlich“.

Die Kommunalwahl rückt näher und es formieren sich neue Listen. Das Bündnis der Bürgerinitiativen in Darmstadt (BBD) meldete, dass es mit den Freien Wählen zusammenarbeiten werde. (Echo online: Darmstädter Bürgerbündnis kooperiert mit Freien Wählern (€). Ok, sagte ich schonmal, das kann klappen, aber ich würde einer Liste, die sich klar für Natur und (West)wald einsetzt, mehr Chancen geben, als einer Initiative in der viele Gruppen mit verschiedenen Zielen sind.

Nun gibt es eine weitere Wählerinitiative, die aus dem BBD hervorgegangen zu sein scheint: Die WGD, was für „Wähler*innen gestalten Darmstadt (WGD)“ steht (Echo online: Neue Wählergemeinschaft gegen finanziellen Schlendrian (€).

Ok. Bei der hessischen Kommunalwahl können sich Listen kaum Stimmen gegenseitig so ungünstig wegnehmen, dass am Ende beide nicht ins Parlament kommen. Denn es gibt keine 5-Prozent-Hürde, an der beide mit 4,99 Prozent scheitern könnten. Es gibt nur eine 1-Sitz-Hürde, das heißt, beide Listen könnten mit insgesamt 9,98 Prozent in die Stadtverordnetenversammlung einziehen. Hinweis: Die Prozente sind Beispiele, die nur da stehen, weil ich von der 5-Prozent-Hürde spreche. Das ist keine Prognose, meine Kristallkugel ist neulich vom Tisch gerollt und kaputt.

Was es hier aber den beiden Initiativen schwer machen könnt, sind meiner Meinung nach:

1. Das Bild nach außen. Die Wähler mögen es nicht, wenn sich eine Partei nicht einig ist, und das gilt auch für Bürger- und Wählerinitiativen.

2. Unklarheit. Wo steckt denn nun die echte BBD drin? Oder: In welcher Liste sind denn jetzt die, die das vertreten was ich möchte?

3. Abgrenzungsprobleme. Die beiden Listen müssen erklären, was sie unterscheidet und warum meine Stimmen bei den Freien Wählern oder der WGD besser aufgehoben sind. Und bei solchen Abgrenzungsversuchen kann es leicht passieren, dass es zu Polarisierungen und scharfen Tönen untereinander kommt. Was Kraft kostet, Unterstützer und Wähler abschrecken kann.

Und: Das ist die Nummer, die am Samstagabend auf Tele 5 gegeben wurde. Da lief „Monty Python‘s Das Leben des Brian“ mit den Zankereien um die „Judäische Volksfront“, die „Volksfront von Judäa“ und die „Populistische Front“. Nur das es in Darmstadt eher um die „Westwaldfreunde“ und die „Freunde des Westwalds“ geht.

Und gerade wegen der Unklarheit, die nun da ist – und manchem erst auffallen wird, wenn er den Wahlzettelt vor sich hat – sehe ich das Risiko, dass zu viele Wähler dann vorsichtshalber gar nichts wählen, oder auf jeden Fall nicht „die“, oder wählen am Ende das was sie immer wählten.

Und noch etwas, warum sich die neuen Listen nicht überschätzen sollten: In Deutschland werden Regierungen abgewählt, und nicht Oppositionen gewählt.

Erzengel Michael auf dem Darmstädter Friedensplatz

Eine Glocke neben der die Sonne als Blendenstern durchsticht.

Es gibt viele Details in dem Kunstwerk zu entdecken, die Gegenstände wurden von Bürgern gespendet.

Echo online: Der „Erzengel Michael“ zückt sein Schwert auf dem Friedensplatz (€) – Am Samstag stellten unter anderem OB Jochen Partsch und der Metallbildhauer Georg-Friedrich Wolf die Skulptur “Erzengel Michael 2020” vor.

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Außenbereiche für die Gastronomie

Wegen der Pandemiebeschränkungen hatten Hessens Gastronomiebetriebe am 21. März 2020 schließen müssen. Am 15. Mai durften sie mit Einschränkungen und Hygienekonzepten wieder öffnen. Inzwischen hatte sich herumgesprochen, dass die Ansteckungsgefahr draußen, vor allem, wenn etwas Wind weht, geringer ist, als in Innenräumen.

Am 17. Juli 2020 teilt die Darmstädter Stadtregierung mit, dass die Gastronomiebetriebe ihren Außenbereiche erweitern dürfen oder sogar welche schaffen dürfen. Den Restaurant- und Cafébetreibern werden auch die Außengastronomiegebühren für 2020 erlassen.

Offenbach vorn?

Wir Darmstädter sollten vielleicht weniger Witze über Offenbach machen, sondern mal gucken, wie die so einiges hinbekommen.

Da ist der Stadtentwicklungsplan/Masterplan, den die in neun Monaten damals fertig hatten. Dann deren Wochenmarkt, der belebter ist als unserer. Und jetzt hat Offenbach bei seinen städtischen Unternehmen auch einen größeren Anteil an Frauen in Führungspositionen (54,5 Prozent) als Darmstadt (15,2 Prozent).

Hat Offenbach am Ende auch mehr Radwege und mehr Wald?  

Neun Monate für einen Masterplan, mit breiter Mehrheit beschlossen – in Offenbach

2018 zeigten Planungsteams auf einem Riesenstadtplan (Maßstab 1:3000) in der Centrastation Elemente und Ergebnisse aus den vergangenen Bürgerforen für den Masterplan. Die Teams bauten auf dem Plan ihre Ergebnisse auf, während sie parallel in Präsentationen erläutert wurden. „Je mehr dazu kam, desto mehr wurden die Grünfächen, also die Pflanzen, verschoben“, schilderte eine Bürgerin nach der Veranstaltung.

Übrigens, Offenbach hat auch einen Masterplan: “Der am 25.2.2016 durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossene Plan (…) wurde im Jahr 2015 in einem neunmonatigen Dialogprozess (…) erarbeitet.

Mit dem Darmstädter “Masterplan 2030+” wurde im Februar 2016 begonnen, nach über vier Jahren wurde er im Juni 2020 vom Stadtparlament beschlossen.

Dann müsste unserer ja viermal besser sein … hm …

Ich kann jetzt nichts zur Qualität des Dialogs in Offenbach sagen, finde auch nicht auf die Schnelle das genaue Abstimmungsergebnis in deren Parlamentsinformationssystem, aber die Offenbach Post berichtet von einer breiten Mehrheit – und das mitten im Kommunalwahlkampf 2016. Die Abstimmung war Ende Februar und im März war die Wahl.

Und jetzt mal politisch nachgedacht: Wenn ich will, das so ein Plan auch nach meiner möglichen Abwahl Bestand hat (klar, sowas Unmögliches in Betracht zu ziehen fällt schwer), dann schaue ich doch, dass ich diese “breite Mehrheit” zusammenbekomme – damit die Parteien, die nach mir ans Ruder kommen, nicht alleine aus politischer Sturheit und Ignoranz sagen können, dass sie den Plan ignorieren oder ändern werden, weil er nicht von ihnen ist.

Aber hier in Darmstadt wurde der Masterplan mit Koalitionsmehrheit im Pandemie-Notparlament durchgedrückt. Weil die Grünen nicht mehr warten wollten. Alle anderen Parteien, auch der Koalitionspartner CDU, hätten die Vorlage zurückgestellt, die Koalition sei jedoch zu einem anderen Ergebnis gekommen.

Echo online: Grün-Schwarz beschließt Darmstädter Masterplan mit Walderhalt

Masterplanvorstellung 2018 in der Centralstation.

Die Darmstädter Grünen und ihr politischer Kompass

Hurra, Politikberatung beim Zeitsturmradler. Und weil sie kostenlos ist, ist sie öffentlich. Diesmal „grünenfeindlich“.

Ich habe das Gefühl, die Darmstädter Grünen verlieren ihr politisches Gespür. Es gibt inzwischen einige Entscheidungen von Grün-Schwarz, bei denen ich mir ziemlich sicher bin, dass die Grünen die heftig bekämpfen würden, wenn die von einem Schwarz-Roten oder Rot-Schwarzen Magistrat gekommen wären.

Ich denke da an die ganze Westwaldsituation. Die Westwaldallianz dürfte nach neun Jahren mit einem Grünen OB und einer von den Grünen dominierten Koalition mit der CDU doch gar keinen Grund mehr haben, aktiv zu sein.

Und dann erinnere ich mich noch an die Westumfahrung (ist die noch geplant?), eine Verbindung zwischen südlichem Eifelring und Eschollbrücker Straße, die am Rand durch den Westwald führt. Die wurde noch nach 2011 vorangetrieben und die damalige Dezernentin zündere auch mal dreist eine schöne Nebelkerze in einem Ausschuss.

Oder wie 2018 eigentlich Verbündete der Grünen (Radfahrer- und Fußgängerverbände) vom “konzeptionslosen Stillstand” bei der Verkehrsentwicklung sprachen. Und ich erinnere mich, dass es beim Runden Tisch Radverkehr auch eine lange Zeit nicht voranging. Was schließlich in den Radentscheid mündete, in dem eine Bürgerinitiative die Grün-Schwarze Koalition zum Jagen getragen hatte. Ich weiß ja nicht, was da an Pressemitteilungen gekommen wäre, wenn es das unter einem SPD-Verkehrsdezernenten gegeben hätte.

Und das private Bauvorhaben hinten beim Bürgerpark gegenüber des Biergartens. Natürlich kann man da was bauen, man kam ja auch bislang nicht auf die Fläche, weil sie eingezäunt ist. Und man merkt auch gar nicht, dass da was fehlt. Aber der Ansatz der dortigen Bürgerinitiative, die das Areal als Teil des Bürgerparks sieht, ist nachvollziehbar.

Dann der Friedensplatz, der so gar keine Antwort auf den Klimawandel in einer Stadt ist. Eine Freifläche ohne Schatten, die sich im Sommer aufheizt. Und hätte ein SPD-Baudezernent „Das ist ein Platz und keine Grünanlage“ gesagt, würden Grüne in der Opposition doch auf die berühmten harten Bänke steigen und protestieren.

Dann denke ich da die Bürgerbeteiligung beim Aldi in Arheilgen, wo die Bürger erstmal zu spät und dann nur informiert werden, weil das Projekt schon so gut wie beschlossen ist. Auch wenn viele Arheilger dort keinen Aldi wollen.

Weiter: Die Art und Weise, wie Bürger ignoriert werden, die nicht auf Linie der Grünen sind. Da kommt 2012 kein Grüner zu einer Planungswerkstatt zum ehemaligen Radio-Wilms und 2020 kommen nur zwei CDU-Vertreter zu einer Veranstaltung der “Interessengemeinschaft Eberstädter Wald“.

Und eben die Regionalentwicklung. Da gab es das “Regionale Entwicklungskonzept Südhessen” im November 2019 in dem es schon um den Wald ging und jetzt den Masterplan, bei dem die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald aktiv wurde. Und wo die Grün-Schwarze Koalition dann doch – unter heftigen Rückzugsgefechten, dass doch alle alles falsch verstanden und nur skandalisiert hätten – eindeutigere Formulierungen in den Masterplan reinschrieb.

Was ich in der ersten Version vergessen habe ist auch der immer wiederkommende Ärger zwischen der städtischen Bauverein AG und ihren Mietern. Den gibt es allerdings nicht erst mit Grün-Schwarz, denn da hatte sich schon die SPD nicht mit Ruhm bekleckert, wenn die städtische Tochter wieder mal zu marktwirtschaftlich agierte. Aber warum passiert das immer wieder?

Ja, und dann ist da noch das was nicht da ist: Ein Verkehrsentwicklungsplan. Denn der ist im Masterplan nicht mit drin. Da wird 2011 die Nordostumgehung abgeplant, eine Trasse, mit der der alte Plan berechnet wurde. Aber anstelle gleich mit einem neuen Verkehrskonzept anzufangen, wurde damit bis März 2016 gewartet um es gemeinsam mit dem Masterplan zu machen. Was nicht gelang. Jetzt haben wir zwar einen Masterplan, und noch immer kein Verkehrskonzept. Schaffen aber vollendete Tatsachen wie eine Straßenbahn zur Lichtwiese, Protected Bike Lanes, Fahrradstraßen und breitere Radwege und denken über Straßenbahntrassen nach Weiterstadt und Groß-Zimmern nach.

Ich denke, dass sind und waren alles sinnvolle Hinweise aus der Bürgerschaft, und man sollte das nicht so einfach als Miesmacherei oder Verschwörung der bösen Opposition und Medien abtun. Warum wohl wurde die SPD 2011 erst so krachend ab- und 2016 nicht wiedergewählt? Weil die es sich so einfach gemacht hatte.

Nachtrag, Echo online, 31.8.2020: Auf einem 2700 Quadratmeter großen Grundstück in der Eberstädter Villenkolonie, das die Stadt verkauft hat, wurden sechs Bäume gefällt, darunter über 100 Jahre alte Buchen und Eichen

2.9.2020: Beschwerde gegen Umweltamt und Bauaufsicht der Stadt eingereicht

9.9.2020: Stadt Darmstadt verteidigt Fällen der Bäume in Eberstadt

18.9.2020: Offensichtlich mussten auch gesunde Bäume fallen, obwohl sie nicht im Baufenster standen