Erinnerung an Novemberpogrome in Eberstadt

Der Schauspieler Stéphane Bittoun rezitiert aus Jizchak Katzenelsons “Großen Gesang vom ausgerotteten Jüdischen Volk“. Hinter ihm sind die Namen der getöteten, verfolgten, vertriebenen, geflüchteten und verschollenen Eberstädter jüdischen Glaubens projiziert.

Ein Eberstädter jüdischen Glaubens hatte es weit gebracht. Der Auswanderer Simon Bamberger (1846-1926) war zwischen 1917 und 1921 Gouverneur des Staates Utah – als erster Nicht-Mormone und erster US-Demokrat. Die in Eberstadt verbliebenen waren ganz normale Bürger, Händler oder Handwerker.

Aber dieses Ankommen in der Gesellschaft war ab 1933 vorbei und bei den Novemeberpogromen 1938 wurden die jüdischen Eberstädter nicht nur von SA-Leuten sondern auch von Nachbarn drangaliert und misshandelt. Am Samstag erinnerte die Dotter-Stiftung mit einer Gedenkveranstaltung wie die “Firniss der Zivilisation” (David Neumann, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde) auch in Eberstadt riss.

Echo online: Pogromnacht in Eberstadt

Warten auf Zahlen in der Centralstation

Fotos vom Landtagswahlabend in der Darmstädter Centralstation. Alle Bilder sind zwischen 18 Uhr und 19 Uhr gemacht worden, da gab es noch keine lokalen Ergebnisse.

Warten auf Zahlen in der Centralstation.

Barbara Akdeniz, Daniela Wagner, Yüksel Akdeniz, Jürgen Deike und Hildegard Förster-Heldmann.

Markus Philipp, Günther Bachmann und Jochen Partsch.

Barbara Boczek.

Daniela Wagner.

Daniela Wagner und Kameras.

Claudia Schick interviewed Barbara Akdeniz.

Einblicke in die Online-Welt in Gräfenhausen

Der Sozialpädagoge Moritz Becker erklärt im Bürgerhaus Gräfenhausen, warum wie in den sozialen Netzwerken kommuniziert wird.

Sozialogisch scheint das, was in den sozialen Netzwerken so passiert, nichts neues zu sein. Wurden früher Schülerinnen oder Schüler “fertig gemacht”, heißt es heute “Cyber-Mobbing.

Am Mittwoch waren der Medienpädagoge Peter Holnick und der Sozialpädagoge Moritz Becker in Gräfenhausen und vermittelten, dass online nicht alles neu sei.

Echo online: Einblicke in die Online-Welt

Zwei Punkte, die auch gut waren, es aber leider nicht mehr in den Artikel schafften. Moritz Becker erinnerte daran, dass Eltern oft den Kindern sagten, dass sich nicht darauf hören sollten, was andere denken. Nur bringe das bei Jugendlichen, die sich und die Welt gerade entdecken, wenig. “Für die gibt es nichts wichtigeres, als das was andere von ihnen denken.” Viele Likes unter einem Selfie vermittelten daher Stabilität und Orientierung.

Und Peter Holnick wies darauf hin, dass die Grenzen zwischen online und offline immer mehr verwischen. “Die jungen Leute wachsen in einer Mischwelt auf.” Rein und raus aus dem Internet – weil jede Minute Geld kostete – wie anfangs in den 90ern, gebe es nicht mehr.

Was Jugendliche prägt und antreibt ist 2018 nicht so viel anders als zum Beispiel 1978.

Europäische Zentralbank – 90 Minuten grau(en) in einem fensterlosen Kasten

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt.

Ich war heute mit einer gemischten Gruppe (keine Bänker oder Experten) bei einem Ausflug zur Europäischen Zentralbank. Kurz: Das war nix.

Man sollte die EZB-Presse- oder Besucherstelle vorher fragen, wie so ein Besuch ganz genau aussieht. Denn bei uns war das Programm: Ausweis vorzeigen, Taschenkontrolle, Körperscanner mit Gürtel ausziehen (wg. Metallschnalle), rein ins Gebäude, Besucherausweise bekommen, Aufzug in den 5. Stock.

Dort konnte man sich ein Getränk nehmen und dann gab es einen 90-Minuten langen Vortrag zur Arbeit der EZB und was zum Brexit. Zwei von 38 konnten dazu was fragen. Eineinhalb Stunden, in einem Hörsaal mit sechs bis neun Variationen der Farbe Grau und ohne Fenster. Dann ging es wieder zurück zum Bus.

Ich hatte ja erst gedacht, das wäre ein Witz mit dem 90-minütigen Vortrag, aber das war ernst gemeint. Und der war voll mit Abkürzungen wie HICP und Fachbegriffen wie “makroprudenziell” und “mikroprudenziell”. Hallo?

Also da habe ich mich echt geärgert. Was. ein. Murks. Für einen Vortrag in einer grautönigen Kammer so ein Aufwand? Da wäre es echt schlauer, die EZB baut auf dem Vorfeld ein Besucherzentrum mit Vortragssaal, wo man gar nicht erst in sicherheitsrelevate Bereiche reinkommt (wie es z.B. Merck gemacht hat). Und mit Dachterrasse von der aus man die EZB fotografieren kann. (Für das Foto oben muss man nicht aufs Gelände, das kann man vom Parkplatz aus machen.)

Ich greife mir jetzt noch an den Kopf. Dieser stumpfgraue Saal auf der einen Seite (das verfolgt mich echt) und auf der anderen ein monumentales Bauwerk. Ein Gebäude mit besonderer Architektur, eine Aussichtsplattform, Baugeschichte und Stadtgeschichte. Und davon kommt gar nichts, man schleußt die Truppe in einen fensterlose Kubus und textet sie eineinhalb Stunde mit etwas zu, was ich besser auf YouTube-Video anschauen oder auf der Website lesen sollte.

Ja, und das alles habe ich den Herrn vom Besucherservice und der Pressestelle auch genauso deutlich gesagt.

Blick von der EZB auf den neuen Henninger-Turm. Das Foto war aus dem Gebäude heraus. Auf den Balkon vorm Fenster durfte man nicht.

Nachtrag: Ich sehe gerade auf der EZB-Website, dass die Organisatoren dieses Angebot gebucht hatten:

(…) Individuell zugeschnittene Vorträge befassen sich ausführlicher mit spezifischen Themen und richten sich an Gruppen, die bereits über fundierte Kenntnisse der Aufgaben und Zuständigkeiten der EZB verfügen.

Teilen Sie uns mit, welches Thema Sie im Zusammenhang mit der Arbeit der EZB besonders interessiert (z. B. Geldpolitik, Bankenaufsicht, Statistik, wirtschaftliche Entwicklungen), und wir bereiten eine Präsentation dazu vor. Dauer: 90 Minuten (…)

Das wusste ich nicht, es war ja ein Ausflug und selbst da hätte ich nicht gedacht, dass die EZB-Kommunikation so leichtsinnig ihre Assets (und sei es ganz billig der Ausblick über Frankfurt) vernachlässigt. Ich weiß auch nicht, ob das Angebot genommen wurde, weil es ansonsten nichts anderes gab oder man tatsächlich etwas blauäugig da ran ging.

Demo für die Wälder auf dem Luisenplatz

“Auch 200 Hetar sind ein wertvolles Biotop.” (Ernst-Ludwig Becker, BUND Darmstadt)

Am Samstag wurde auf dem Luisenplatz für den Erhalt des Hambacher Forstes demonstriert, aber auch auf den Darmstädter Westwald geschaut.

Echo online: “Der Wald soll bleiben”

In der Vorbereitung zu dem Termin hatte ich zum Hambacher Forst ja einiges nachgeguckt. Und habe dann umgerechnet wie viel 200 Hektar – soviel ist von dem Hambacher Wald noch übrig – sind. Da war ich dann doch überrascht, denn 200 Hektar sind zwei Quadratkilometer. Das habe ich dann mehrmals nachgemessen (Google Maps kann auch Flächen ausrechnen), auch auf einer Website zum Hambacher Forst, da mir das so wenig schien. 200 Hektar, das ist zweimal das Merck-Werksgelände oder der Osten Bessungens zwischen Heinrich und Klappacher Straße und zwischen Heidelberger und Nieder-Ramstädter Straße.

Größte Überraschung war für mich, dass das Fürstentum Monaco auch nur 200 Hektar groß ist. Dass das kleiner als Darmstadt ist, hätte ich nicht gedacht.

Was allerdings nicht stimmt, war ein JPG aus dem Internet (nicht auf der Demo!), auf dem behauptet wurde, dass der Hambacher Wald 12.000 Jahre alt sei. Dazu hatte der Bonner Geobotanik-Professor Wolfgang Schumacher im Kölner Stadtanzeiger gesagt: „Vor 12.000 Jahren war im Hambacher Forst nichts als Tundra. Das richtige Alter dürfte bei 4000 bis 5000 Jahren liegen.“ Auch sei der Wald nicht der letzte große Mischwald.

Solche falschen Infografiken ärgern mich. Denn wenn man die Verbreiter dann darauf anspricht, dann kommen sie oder ihre Freunde gerne mit der “guten Sache” und dass das doch ein Anstoß zum Nachdenken sei. Auf der anderen Seite wird jedoch über Fake News gestöhnt und auf eine angebliche Lügenpresse geschimpft. Aber mal fünf Minuten googlen (so lange dauert das, ich habe das mal in meiner Browserhistory nachgeguckt), bevor man sowas “teilt”, ist dann doch zu viel.

Lincoln-Siedlung mal wieder in der Mitte vom ÖPNV abgeklemmt

Die in den Herbstferien geschlossene Haltestelle LIncoln-Siedlung aus dem daran vorbeifahrenden Ersatzbus fotografiert.

Das Mobilitätskonzept für die Lincoln-Siedlung hat ja einen Preis gewonnen. Daher finde ich es jetzt ja schon interessant, dass auf einen “wesentlicher Baustein” (so die Stadt Darmstadt) des Konzepts mal eben verzichtet werden kann. Ich rede von der Haltestelle Lincoln-Siedlung, die bislang jedesmal wegfällt, wenn Bahnen anstelle von Bussen fahren müssen.

Wissenschaftsstadt Darmstadt: Wesentliche Bausteine
(…) Bau einer neuen Straßenbahnhaltestelle in Höhe des Quartiersplatzes, bereits zu Beginn der Quartiersbesiedlung (…)

Das war in den Sommerferien der Fall und jetzt wieder. Weil auf der Gleistrasse gebaut werden muss und daher Busse statt Bahnen fahren müssen.

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass es doch kein Problem sei zu den Haltestellen Landskronstraße oder Marienhöhe zu laufen. Klar, das geht. Nur warum ist woanders Laufen dann ein Problem – wenn es um die Straßenbahn zur Lichtwiese geht? Da ist es Studierenden nicht zuzumuten, dass die von der GBS aus zur Lichtwiese laufen. Ok, in Lincoln sind es um die 550 Meter, an der Lichtwiese etwa ein Kilometer.

Wenn die Haltestelle aber jedes Mal stillgelegt und “überfahren” wird (es gibt keinen Ersatzhalt in der Lincoln-Siedlung), wenn auf der Gleistrasse zwischen Luisenplatz und Haltestelle Frankenstein Bauarbeiten notwendig sind, dann kommen mir Zweifel. Entweder am Sinn der Haltestelle, am Wert des Mobilitätskonzepts oder der Preiswürdigkeit des Konzepts. Und natürlich, warum man dort eine Million Euro für die Haltestelle ins Gleis gesetzt hat, wenn man auf den Halt so locker verzichten kann, wie es inzwischen in den Sommer- und Herbstferien demonstriert wurde.

Echo online, 8. Dezember 2017: Lincoln-Siedlung – Neue Haltestelle bald in Betrieb – Rund eine Million Euro hat Heag-Mobilo mit Unterstützung des Landes Hessen und der Stadt Darmstadt investiert.

Und was ist das für ein Signal an die Bürger, denen man gesagt hat: ‘Lincoln wird ein autoarmes Quartier. Und damit das auch schön klappt, bauen wir Euch eine feine Haltestelle vor die Haustür.’?

Was ich im Landkreis beobachten kann ist, dass ÖPNV zuverlässig vorhanden sein muss, damit die Menschen aufs Auto verzichten. Wenn es da nur leichte Schwankungen gibt, wird gleich wieder mit dem Auto gefahren – und das dann wieder für einige Jahre bis Jahrzehnte.

Zeitsturmradler, 27. Juni 2018: Bauarbeiten entfernen zeitweise „wesentlichen Baustein“ fürs Mobilitätskonzept Lincoln

4 Minuten 37 – Leilas Dilemma

Leila (Inken Paland) betritt ihre Wohnung und bemerkt einen Einbrecher. Kameramann im Hintergrund ist Johannes Tran (Hochschule Darmstadt).

Da stand vergangene Woche im Hof der Nachbarschaft plötzlich Ausrüstung mit Filmkameras herum. Und dann kam noch ein Tisch mit Catering dazu, so dass ich dann doch mal fragte, was da gedreht wird. Und damit hatte ich sehr spontan einen Ortstermin bei einem studentischen Filmprojekt, zu dem ich so gut wie keine Anfahrt hatte.

Echo online: Dreharbeiten im Johannesviertel

Im Film “4 Minuten 37” (das ist noch ein Arbeitstitel) geht es darum, darum, dass eine junge Frau (gespielt von Inken Paland) nach Hause kommt und einen Einbrecher bemerkt. Sie ruft die Polizei, kommt dann aber in ein Dilemma. Die 4 Minuten 37 sind die Zeit, die Leila hat, um sich zu entscheiden. Der ganze Film soll um die zehn Minuten dauern.

In Zeiten, in denen Filme mit iPhones gedreht und geschnitten werden, fragte ich Produzentin Katharina Hein (Uni Mainz) sowie Drehbuchautorin und Regisseurin Corinna Kranig (Hochschule Mainz/Sorbonne), warum denn mit “richtigem” Equipment gearbeite wurde. Aber das ist relativ einfach, erklärten die beiden. Mit professioneller Beleuchtung hat man das Licht unter Kontrolle, im Treppenhaus ist es etwas zu duster und das Licht, das aus der Wohnung kommt, sieht dann auch besser aus. Und bei einer Kamera mit großem Sensor kann man besser mit Schärfe und Unschärfe im Bild arbeiten.

Der Film soll dann bei verschiedenen Festivals eingereicht werden, unter anderem auch für Weiterstadt.

Da auch studentische Filmprojekte Geld kosten, haben die Macherinnen ein Crowdfunding eingerichtet: https://www.startnext.com/4minuten37.

Gewonnen :-)

Die Straßenbahn am Luisenplatz musste ganz schnell anhalten. Der Heag Mobilo-Heinerblick aus dem September 2018

Ha, ich habe einen Mini-Fotowettbewerb auf Facebook gewonnen. Die Heag Mobilo, die in Darmstadt Busse und Straßenbahnen betreibt, sucht jeden Monat ein Foto, dass mit ihren Fahrzeugen oder Einrichtungen zu tun hat (Heinerblick des Monats). Unter den eingereichten Bildern wird dann mit Likes abgestimmt. Und diesen Monat gefiel mein Bild den meisten. Weswegen es jetzt einen Monat lang auf den Displays in Bussen und Bahnen zu sehen sein wird.

In einer ersten Version hatte ich tagsüber eine abfahrende Straßenbahn auf der Nordseite des Platzes fotografiert. Aber es sieht besser aus, wenn die Bahn von links nach rechts “fährt”. Ok, das konnte ich auch durch spiegeln erreichen, aber ich wollte für den “Heinerblick” ein Bild einreichen, bei dem man nicht groß was erklären muss. Wenn ich das Foto unten horizontal spiegele, wird der Ludwig auf der Säule Linkshänder und das Luisencenter steht auch falsch.

Der erste Entwurf für den Heinerblick.