Nobelpreis für die präzise Gen-Schere Crispr/Cas9

Der Chemie-Nobelpreis geht 2020 an die Entwicklerinnen der sehr exakten Gen-Schere Crispr/Cas9: Emmanuelle Charpentier (51) aus Frankreich und Jennifer A. Doudna (54) aus den USA.

Damit sind die Nobelpreisträger – jedenfalls eine von den beiden – auch schon jünger als ich.

Und ausnahmsweise gibt es den Preis für eine mehr oder weniger aktuelle Arbeit. Nicht so spät wie sonst bei den Nobelpreisen. Das “Science”-Paper mit der Methode ist von 2012.

So musste ich nicht nicht nachschlagen, was die diesjährigen Preisträgerinnen vor 40 oder 50 Jahren erforscht haben.

Und es können sich einige deutsche Forschungsmanager auf die Schulter klopfen, weil sie mit Emmanuelle Charpentier im Jahr 2015 eine Nobelpreisträgerin als Direktorin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin eingestellt haben. Und zuvor, 2013, ans Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig geholt haben.

Links: Forschung an Wirkstoffen gegen Covid-19

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

Zuversicht, dass es schon irgendwie gutgehen wird, ist das eine, dass es aber mehr als das nun praktizierte „Flatten the Curve“ gibt, beruhigt mich mehr.

Verband der forschenden Arzneimittelhersteller: Gegen die Coronavirus-Pandemie werden nicht nur Impfstoffe entwickelt, sondern auch Medikamente erprobt – Der Text hat über 20.000 Zeichen und erwähnt zig Ansätze.

NDR: Coronavirus – Welche Medikamente wirken könnten – Es geht in dem Text um Remdesivir und Chloroquin

Welt: Studie mit Ebola-Mittel „Remdesivir“ beginnt

spiegel.de: Ein Malaria-Mittel gegen Covid-19? Tatsächlich ist die Wirkung noch ungewiss.

NDR: Uni Lübeck forscht an einem Wirkstoff

Spektrum: US-Forscher testen möglichen Coronavirus-Impfstoff an Menschen. Die Studie wird über ein Jahr dauern.

Quarks: So lange braucht die Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffs

Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie: Wie lange dauert es durchschnittlich bis ein Impfstoff oder Medikament entwickelt werden kann? (Vorab: Eigentlich Jahre)

Die Coronavirus-Lage wird uns wohl noch länger begleiten

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

Es gibt schlüssige Simulationen , dass “Flatten the Curve”, um die Coronavirus-Lage in den Griff zu bekommen, nicht mal eben in vier Wochen vorbei ist. Und auch nicht in sechs Wochen, weil einige noch Corona-Partys feierten.

Denn was mir natürlich auch nicht aufgefallen war: Wenn 82 Mio. Menschen in Deutschland so langsam angesteckt werden “sollen”, dass man mit der medizinischer Behandlung hinterherkommt, dann dauert das, weil 82 Mio. sehr viele Menschen sind.

spiegel.de: Eine Frage von Monaten – Falls in den kommenden Monaten weder Medikamente noch eine Impfung verfügbar sind, könnte der Lockdown im Extremfall bis ins Jahr 2021 hinein gehen.

„Wir müssen vielleicht davon ausgehen, dass wir gesellschaftlich ein Jahr im Ausnahmezustand verbringen müssen.“
Der Virologe Christian Drosten in der ZEIT.

quarks.de: Darum ist die Corona-Pandemie nicht in wenigen Wochen vorbei

RKI: Modellierung von Beispielszenarien der SARS-CoV-2-Epidemie 2020 in Deutschland (PDF).

Mikroplastik, und wie wir alle es herstellen

Eine Mikroplastikproduktionsmaschine ist beispieweise ein Rasentrimmer. Denn der trimmt das Gras mit einem Nylonfaden. Der dabei auch immer ein bisschen kleiner wird, weil er ja auch gegen was härteres als Gras schlägt. Und das Zeug landet auf dem Rasen.

Was es noch so an Mikroplastikquellen gibt, war gestern Thema auf einem Seminar in Darmstadt.

Echo online: Durch Abrieb bei Farben und Lacken kommen 65 Gramm Mikroplastik pro Deutschen und Jahr zusammen (€)

Über „Professoren, die wie Könige herrschen“

Man hat ja manchmal so eine Ahnung, das generell was nicht richtig in der eigenen Branche läuft, wenn man fünf Jahre in einem Institut war. Aber es zeigt sich, dass ich im Jahr 2001 doch die richtige Entscheidung traf. Da kannte ich nur noch nicht Axel Brennickes Laborjornal-Kolumne – weil er die erst 2003 begann.

Laborjournal Professoren wie Könige – Denn so wie noch im 18. Jahrhundert Offiziersstellen für den Adel reserviert blieben, sind in den Kliniken höhere Pöstchen oder gar Professuren für Labormedizin, Nuklearanalytik oder Mikroskopie den Medizinern vorbehalten. Das ist auch richtig so, denn die Mediziner müssen sich mit einem in drei Monaten hart erarbeiteten „Dr. med.“ adeln, während ein Biologe seine Inferiorität schon dadurch zum Ausdruck bringt, dass er mindestens drei Jahre für seinen schäbigen „Dr. rer. nat.“ braucht. Es ist also nur legitim, dass sich später nur mit einem „Dr. med.“ echtes Geld verdienen lässt.

Und ich habe nicht den Eindruck, dass sich das geändert hat.

spektrum.de, 30.10.2018: Macht und Machtmissbrauch in der Wissenschaft – Auf der einen Seite stehen befristet beschäftigte Doktoranden, deren Status oft durch und durch prekär ist. Auf der anderen Seite Professoren, denen das Wissenschaftssystem maximale Freiheiten und Macht garantiert und von deren Wohlwollen ihre Mitarbeiter fachlich und ökonomisch abhängig sind.

Überraschender Mieter im Weiterstädter Logistikzentrum

Als ich hörte, dass das Weiterstädter Logistikzentrum ausgebucht sei, habe ich für einen Artikel beim Makler CBRE nachgefragt, wer denn die zum Schluss dazu gekommenen Mieter seien.

“Die müssten GSI heißen”, sagte mir der Mitarbeiter, der die Unterlagen gerade nicht greifbar hatte. “Hm”, sagte ich, “GSI ist bei uns in Darmstadt ja die Gesellschaft für Schwerionenforschung.” Nur, die GSI macht doch keine Logistik. Also guckte ich, ob es noch eine Firma mit der Abkürzung GSI gibt. Fand aber nicht so richtig was. Weswegen ich auf einen Buchstabenfehler oder -dreher tippte und nochmal fragte, ob es nicht vielleicht GLS ist (die fahren ja Pakete aus). “Doch, GSI Helmholtzzentrum”, wurde mir daraufhin mitgeteilt. Ok, mit Helmholtzzentrum war das eindeutig “unsere” GSI. Woraufhin ich dann bei der GSI-Pressestelle nachfragte, was die denn in dem Logistiklager machen.

Echo Online: Weiterstädter Logistikzentrum ist ausgebucht

Neues zu Wernher von Braun?

Wernher von Braun soll gar nicht der tolle Raketenbauer gewesen sein, sagt der ehemalige Politiker Christopher Lauer in seiner Bachelorarbeit. Und das kommt in dem Jahr raus, in dem sich die Mondlandung zum 50. Mal jährt.

Christopher Lauer: Bachelorarbeit: Umstände und Voraussetzungen für Wernher von Brauns Eintritt in das Heereswaffenamt

Nachtrag: Es gibt einen Podcast mit Christopher Lauer, der sich ganz unterhaltsam anhört. Da klingt es so, dass Wernher von Brauns Vater – Magnus von Braun, Reichslandwirtschaftsminister von 1932 bis 1933 – geguckt hat, dass sein raketeninteressierter, aber mathematisch nicht so begabter Sohn Wernher bei den Raketenforschern der Reichswehr unterkommt.

A propos Wernher von Braun, da gibt es noch so ein Spottlied von Tom Lehrer auf YouTube …

Wenn die Primärpersönlichkeit sich frei entfalten kann

Alkohol, Reichtum aber auch Macht legen meiner Erfahrung nach die Primärpersönlichkeit frei. Das heißt, mit wirtschaftlicher Unabhängigkkeit und/oder nicht kontrollierbaren Einfluss fallen die Hemmungen, wie sie auch unter Alkohol fallen, und man zeigt, wie man wirklich ist.

“Geld verdirbt den Charakter”, lautet ein Sprichwort, aber für mich sieht es eher so aus, dass es einem eher ermöglicht, so zu sein, wie er ist. Tja, und nun die Überleitung: Es gibt Berichte über Machtmissbrauch in der Forschung durch Wissenschaftlerinnen. Denn so manche Führungsposition in der Forschung ist recht sicher und mit vielen Möglichkeiten ausgestattet. Da fehlt meiner Meinung nach Kontrolle, unsägliche Professorenauftritte kennt nahezu jeder.

Buzzfeed nennt in seinen Artikeln jetzt auch Namen.

buzzfeed.com: Eine Star-Wissenschaftlerin der Max-Planck-Gesellschaft soll über Jahre ihre Mitarbeiter schikaniert haben

buzzfeed.com: Sie ist die bekannteste Empathie-Forscherin der Welt – und soll jahrelang Mitarbeiter gemobbt haben

spiegel.de: “Ihr Verhalten war unvorhersehbar, und ich hatte Angst und Stress”

spiegel.de: Tatort Universität

Wenn man jetzt noch darauf guckt, dass es auch Forschungsbetrug gibt, bleibt nur die Erkenntnis, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht automatisch die besseren Menschen sind.

Zweifelhafte “Fachzeitschriften” die alles publizieren

Das “Farce”-Journal, von dem es nur ein Cover gibt, ist natürlich von mir frei erfunden genauso wie die Inhalte. Aber es gibt tatsächlich pseudowissenschaftliche Journals in denen alles mögliche scheinbar seriös publiziert wird, wie NDR, Süddeutsche und WDR zeigen. Die Grafik ist ein 3D-Modell des Proteins Myoglobin. Die Abbildung ist laut dem Autor AzaToth Public Domain und steht in Wikimedia Commons.

Zu meiner Zeit im Labor hatte ich ja mal gelästert, dass man doch Fachzeitschriften (Journals) mit Namen wie “Forum of Artifacts and kinky Experiments” oder “Forum of Artifical Research and Contrived Experiments” herausbringen sollte, damit man auch jeden Unsinn irgendwo publiziert bekommt. Dass die Journals abgekürzt FAKE und FARCE heißen würden, war natürlich Absicht, damit auch die stumpfsten Kollegen merkten, dass das ein Witz sein sollte. Aber witzig ist das eigentlich gar nicht, denn auf solche Fake-Journals mit entsprechend erfundenen oder schlechten Studien fallen auch Menschen herein, die glauben so ein neues Medikament gegen ihre Krankheit gefunden zu haben.

Heute habe ich nun mitbekommen, dass es solche Fake-Journals tatsächlich gibt. Die heißen natürlich anders, denn sie sollen seriös klingen. NDR, Süddeutsche Zeitung und WDR haben einiges recherchiert, Weiterlesen

Paul-Ehrlich-Institut sucht einen neuen Standort – vielleicht bei Griesheim

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen sucht einen neuen Standort. Unter anderem scheinen Konversionsflächen am August-Euler-Flugplatz in Griesheim im Gespräch zu sein, aber auch Hanau scheint interessiert zu sein.

Das PEI ist Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, es erforscht, prüft und bewertet Nutzen und Risiko “biomedi­zinischer Human-Arzneimittel und immunologischer Tier-Arzneimittel”. Das PEI hatte unter auch im Fall der Bottroper “Alten Apotheke” die zu dünn angesetzen Krebsmedikamente untersucht.

Echo online: Konversionsflächen bei Griesheim – kommt das Paul-Ehrlich-Institut?

Das PEI will tatsächlich umziehen, wie sich aus dessen Weiterlesen