Zweifelhafte “Fachzeitschriften” die alles publizieren

Das “Farce”-Journal, von dem es nur ein Cover gibt, ist natürlich von mir frei erfunden genauso wie die Inhalte. Aber es gibt tatsächlich pseudowissenschaftliche Journals in denen alles mögliche scheinbar seriös publiziert wird, wie NDR, Süddeutsche und WDR zeigen. Die Grafik ist ein 3D-Modell des Proteins Myoglobin. Die Abbildung ist laut dem Autor AzaToth Public Domain und steht in Wikimedia Commons.

Zu meiner Zeit im Labor hatte ich ja mal gelästert, dass man doch Fachzeitschriften (Journals) mit Namen wie “Forum of Artifacts and kinky Experiments” oder “Forum of Artifical Research and Contrived Experiments” herausbringen sollte, damit man auch jeden Unsinn irgendwo publiziert bekommt. Dass die Journals abgekürzt FAKE und FARCE heißen würden, war natürlich Absicht, damit auch die stumpfsten Kollegen merkten, dass das ein Witz sein sollte. Aber witzig ist das eigentlich gar nicht, denn auf solche Fake-Journals mit entsprechend erfundenen oder schlechten Studien fallen auch Menschen herein, die glauben so ein neues Medikament gegen ihre Krankheit gefunden zu haben.

Heute habe ich nun mitbekommen, dass es solche Fake-Journals tatsächlich gibt. Die heißen natürlich anders, denn sie sollen seriös klingen. NDR, Süddeutsche Zeitung und WDR haben einiges recherchiert, Weiterlesen

Paul-Ehrlich-Institut sucht einen neuen Standort – vielleicht bei Griesheim

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen sucht einen neuen Standort. Unter anderem scheinen Konversionsflächen am August-Euler-Flugplatz in Griesheim im Gespräch zu sein, aber auch Hanau scheint interessiert zu sein.

Das PEI ist Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, es erforscht, prüft und bewertet Nutzen und Risiko “biomedi­zinischer Human-Arzneimittel und immunologischer Tier-Arzneimittel”. Das PEI hatte unter auch im Fall der Bottroper “Alten Apotheke” die zu dünn angesetzen Krebsmedikamente untersucht.

Echo online: Konversionsflächen bei Griesheim – kommt das Paul-Ehrlich-Institut?

Das PEI will tatsächlich umziehen, wie sich aus dessen Weiterlesen

Warum nimmt man sich nicht Hans Roslings TED-Talks als Vorbild?

TED-Talks sollen vom Anspruch her ja tolle Vorträge sein. Aber ich finde die meisten langweilig.

Vielleicht sehe ich nur die falschen, vielleicht habe ich da falsche Vorstellungen. Aber derste Video, das ich unter dem Label “TED” sah, war eines mit Hans Rosling. Der mit Text und sinnvoll animierten Grafiken zeigte, wie sich die Welt (alle Länder) tendenziell positiv entwickelt.

TED-Video vom 22.05.2012: Hans Rosling hatte eine Frage: Haben einige Religionen eine höhere Geburtenrate als andere – und wie wirkt sich das auf das globale Bevölkerungswachstum aus? Auf dem TEDxSummit in Doha, Qatar, kartiert er Zeit und Religionen überspannende Daten. Mit seinem ihm eigenen Humor und Scharfsinn kommt er zu einer erstaunlichen Erkenntnis über die Weltfruchtbarkeitsraten.

Seitdem erwarte ich bei TED solche gelungenen Kombinationen von Text und Bild. Aber was mir unter TED in den meines Timelines als “ganz toll” nahegelegt wird, sind wenig packende Vorträge, weil eben einer auf einer Bühne mit dem TED-Logo steht und irgendwas erzählt.

Und wobei oft auf jegliche Grafik zur besseren Erläuterung verzichtet wird – weil Powerpoint und Konsorten ja böse sind und vom gesprochenen Wort ablenken.

Dass sie aber auf einen Blick etwas zeigen können (wie eben Hans Roslings Grafiken und Animationen) wird offenbar ignoriert. Klar, solche Animationen machen Arbeit, und man muss nachdenken, wie man Sachverhalte visualieren kann.

Aber ich glaube, wenn das gelingt, dann begeistert es wirklich, der Funke springt über, man kann es sich merken und erzählt es weiter. Aber wenn einer vorne steht und nur was erzählt, nun ja … Ich habe bislang nur Hans Rosling weiterempfohlen. Und von ihm kommt nichts mehr, denn er ist Anfang 2017 verstorben.

Grüne und Wissenschaft

Die Grünen haben was gemerkt. Wissenschaft zählt nur, wenn es ihnen in den Kram passt. Das fiel in der Glyphosatdebatte auf.

2002 hatte die damalige Ernährungs- und Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) das Bundesinstitut für Risikobewertung gegründet, um Risikoeinschätzung und Risikomanagement zu trennen. Aber als das BfR bei Glyphosat keine Risiken sah, war das plötzlich nicht mehr ok (taz: „Ich bin entgeistert“).

SpOn: Wie die Grünen Monsanto ärgern könnten – Die Faktentreue der Grünen reicht jedoch immer nur so weit, wie sie zum eigenen Idealismus passt. Als die EFSA zu dem Schluss kam, dass vom Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat keine Krebsgefahr für den Menschen ausgeht, stellte die Partei deren Glaubwürdigkeit plötzlich in Frage.

Jetzt wird das bei den Günen selbst diskutiert: Vom schwierigen Verhältnis zwischen Grün und Wissenschaft

Es kommt auf die Kilokalorien an

Neujahr, der Zeitpunkt für die ganzen guten Vorsätze. Der mit gesünder und weniger Essen ist eigentlich ganz einfach umzusetzen.

Mit so manchen Neujahrsvorsätzen ist es eigentlich einfach. Zum Beispiel das mit dem Abnehmen.

Spiegel online: Das Rezept zum Abnehmen ist einfacher, als viele glauben.

Kurzfassung: Es kommt auf die Kalorien an. Mit wenig Zucker, wenig hochverarbeiteter Nahrung, wenig Fett, dafür mehr Obst, Gemüse und mageres Fleisch wird das Ganze auch gesünder.

Die wissenschaftliche Arbeit, auf die sich Autor Jörg Blech in seinem SpOn-Artikel am Schluss bezieht, ist von 2009:

New England Journal of Medicine: Comparison of Weight-Loss Diets with Different Compositions of Fat, Protein, and Carbohydrates – Reduced-calorie diets result in clinically meaningful weight loss regardless of which macronutrients they emphasize.

Lange Nacht der Sterne beim Esoc

Manchmal braucht man etwas Glück. Das hatte ich am Freitag bei der “Langen Nacht der Sterne” beim europäischen Satellitenkontrollzentrum Esoc (European Space Operations Centre). Das Esoc arbeitet jetzt seit 50 Jahren in Darmstadt und hatte einen Abend der offenen Tür veranstaltet.
Ich sprach auch mit ein paar Besuchern. Zweimal ergab es sich, dass die Besucher was erzählten, was ich sehr schön als Übergang verwenden konnte, da ich dazu auch Experten gefragt hatte.

Echo online: Lange Nacht der Sterne: 5000 Besucher informieren sich über das Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt

Forschung: Es zählt der Inhalt des Stapels und nicht seine Höhe

Nach über zig Jahren kommt bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Erkenntnis, dass Qualität und nicht Quantität zählen.

Zeit.de: “Schluss mit der Salamitaktik” – Bei Anträgen für Forschungsmittel hat der Wissenschaftler bessere Chancen, der die längste Publikationsliste aufweisen kann. Auch auf eine Professur wird nur derjenige berufen, dessen Schriftenverzeichnis äußerst umfangreich ist. […] Um die Publikationsflut einzudämmen und die Qualität der Forschung wieder in den Mittelpunkt zu stellen, will die DFG – die größte Forschungsfördergemeinschaft – ab Juli für ihre Anträge neue Regeln anwenden. Künftig dürfen Forscher nur noch fünf maßgebliche Werke anführen.

Da kann man sich schon fragen, ob die DFG auf Forschung oder Interessen geachtet hat – oder etwa zu doof war, das mit den Publikationslisten zu durchschauen. Da die Forscher ja selber in der DFG sind, kennen sie den Listentrick aus eigener Praxis. Daraus folgt die gute Nachricht: So doof waren sie schonmal nicht.

Dass Arbeiten möglichst aufgeteilt wurden, war doch schon zu Zeiten meiner Promotion (vor 15 Jahren) lange beklagt und ich selbst hatte so meine Zweifel an einem Focus-Uni-Ranking (einem der ersten in den Neunzigern) weil das die Qualität anhand der Höhe der publizierten Papierstapel gemessen hatte. Alle wissen und wussten, dass ein guter/fleißiger Forscher nicht unbedingt ein guter Hochschullehrer ist – und umgekehrt. Aber die DFG und die Berufunggremien offenbar nicht. Also was steckte dahinter? Jedenfalls nicht die Suche nach der Wahrheit und dem was die Welt zusammenhält.