Stellungnahme des Corona-Expertenrates der Bundesregierung

Ich sage mal, ab dem 27. Dezember haben wir einen Shutdown, Lockdown oder wie man es nennen will.
Aus der Stellungnahme des Expertenrates der Bundesregierung (PDF) vom 19.12:

Erste Stellungnahme des Expertenrates der Bundesregierung zu COVID-19 – Einordnung und Konsequenzen der Omikronwelle (PDF): Schnell steigende Inzidenzen bergen hohe Risiken für die kritischen Infrastruktur (KRITIS) in Deutschland. Hierzu gehören unter anderem Krankenhäuser, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Telekommunikation, Strom- und Wasserversorgung und die entsprechende Logistik. (…) Aus dem geschilderten Szenario ergibt sich Handlungsbedarf bereits für die kommenden Tage. Wirksame bundesweit abgestimmte Gegenmaßnahmen zur Kontrolle des Infektionsgeschehens sind vorzubereiten, insbesondere gut geplante und gut kommunizierte Kontaktbeschränkungen.

Wobei ich jetzt nicht den Eindruck habe, dass der Einzelhandel jetzt Pandemietreiber war.

Wie lange dauert eigentlich ein PCR-Test auf Corona?

3G bedeutet in Hessen jetzt „geimpft, genesen oder PCR-getestet“.

Will man einen PCR-Test, muss man erstens mehr Geld auf den Tisch legen, ich habe Angebote zwischen 75 und 80 Euro gefunden.

Aber, zweitens, für den PCR-Test braucht man ein Labor. Und die Anbieter, die ich gefunden habe, können die Proben auch „nur“ an ein Großlabor schicken und einem sein Ergebnis erst nach zirka 24 Stunden mitteilen – sagte mir auch ein Labormediziner.

Und: Sonntags bekommt man unter Umständen kein Ergebnis, samstags nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit. Also Vorsicht mit einem Test am späten Freitagnachmittag, es kann passieren, dass man erst am Montag seine Info bekommt.

Echo online: Welche Corona-Regelen gelten in Parlamenten?

„Große Gruppen in geschlossenen Räumen vermeiden“

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS – Die Spike-Proteine sind grün eingefärbt, um die Mutante zu illustrieren. Im CDC-Original sind sie rot.

Ich bin mal einem Link zur „Zeit“ gefolgt und es war einer ohne Paywall (Paywall ist ok, nur finde ich es besser, ich weiß vorher, dass hinter einem Link ein Plus-Artikel steckt). Jedenfalls steht dort ein längeres Interview mit Christian Drosten und einem ganz praxisrelevanten Hinweis:

zeit.de: Die Wissenschaft hat ihren Job gemacht. Was jetzt folgt, ist Sache der Politik – „Das Entscheidende bei der Delta-Variante ist es, große Gruppen in geschlossenen Räumen zu vermeiden. Sie wird über Aerosole übertragen, darum schützt Abstand allein nicht. Der Reflex muss klar sein: Ich gehe in einen Raum mit vielen Menschen, ich setze mir die Maske auf.“

Was wäre bei einen Shutdown ab Anfang Oktober 2020 mit den Coronavirus-Fallzahlen passiert?

Der Physiker Markus Pössel hat mit Zahlen (den R-Werten) aus dem Shutdown vom Jahresanfang 2021 berechnet, was man mit einem ähnlichen Shutdown ab Mitte Oktober 2020 vielleicht hätte verhindern können.

Seine Fragestellung war: „Was, wenn Bundesregierung und Landesregierungen Mitte Oktober angesichts der klaren Warnzeichen ähnliche Maßnahmen durchgesetzt hätten, wie wir sie im Januar-Februar 2021 dann tatsächlich getroffen haben, und die Menschen entsprechend gehandelt hätten? Entweder für 8 Tage oder für 4 Wochen?“

Und er kommt zu dem Ergebnis:

scilogs.spektrum.de: Wie es alternativ hätte laufen können – „Ja, die meisten Corona-Sterbefälle, die wir bis heute beklagen, hätten verhindert werden können. Wenn die Entscheidungsträger*innen im Oktober andere Entscheidungen getroffen hätten.“

Wir erinnern uns. Ende September 2020 steigen die Coronavirus-Fallzahlen. Die niedrigen Werte vom Sommer waren langsam wieder angestiegen und nun in einem Bereich, in dem sie in ein schnelleres expoentielles Wachstum kippen konnten. (Nebenbei: Das zeigt auch, dass die 7-Tage-Inzidenz von 35 auch nicht der Wert ist, bei dem die Gesundheitsämter Infektionen noch nachverfolgen und isolieren können. Denn die Inzidenzen lagen im Sommer ja unter 35 und sie stiegen trotzdem auf über 100.)

Fallzahlentwicklung bei den Coronavirusinfektionen zwischen März und Ende September 2020.

Also, die Bundeskanzlerin warnte während einer Konferenzschaltung des CDU-Präsidiums vor 19.200 Fällen pro Tag an Weihnachten, wenn das so weitergehe.

tagesschau.de, 28. September 2020: Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor nach Angaben aus CDU-Parteikreisen vor einer massiven Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland gewarnt. „Wenn es so weitergeht mit dem Trend, haben wir 19.200 Infektionen am Tag“, zitierten Teilnehmer der Konferenz laut „Bild“-Zeitung und Nachrichtenagentur Reuters die Kanzlerin.

Am 29. September war dann eine Ministerpräsidentenkonferenz. Aber da wurde kein Shutdown beschlossen, nur ein paar Einschränkungen für die Größe von Veranstaltungen (nzz.de: Bussgelder in der Gastronomie, schärfere Vorgaben für Partys).

Am 14. Oktober 2020 war wieder eine MPK, die Fallzahlen waren inzwischen – auch für Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten – gut sichtbar steil exponentiell am steigen, aber es gab noch immer keinen Shutdown.

Fallzahlentwicklung bei den Coronavirusinfektionen zwischen März und Mitte Oktober 2020.

Erst Ende Oktober 2020 entschlossen sich die Ministerpräsidenten zum „Wellenbrecher Shutdown“.

zeit.de: Bund und Länder wollen die Corona-Infektionszahlen mit massiven Kontaktbeschränkungen über den November hinweg in den Griff bekommen.

Fallzahlentwicklung bei den Coronavirusinfektionen zwischen März und Ende Oktober 2020.

Aus meiner Sicht (und das sage ich seit Ende Oktober 2020, weil ich bis dahin der Politik vertraute) entschlossen sich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten einen Monat zu spät. Alle. Sechs von der CDU, einer von der CSU, die sieben der SPD, einer von den Grünen und einer von der Linken. Und nein, die „Alternative“ ist keine Alternative.

Schnelltest bei symptomfreie Personen nicht so zuverlässig

Hm, die Antigen-Schnelltest sind im Feld unzuverlässiger als gedacht, meldet der Spiegel (€). Sie erkennen infizierte, aber symptomfreie Personen nicht so gut. Der von Roche liegt bei 85% Erfolgsquote, aber es gibt Tests, die gehen runter bis auf 13%.

Das ist ein Problem, weil so ja die Infizierten nicht mehr so gut rausgefischt werden. Großflächige Öffnungen auf Basis von Schnelltests scheinen mir keine gute Idee mehr zu sein.

Aus Österreich kommt nun der Vorschlag, dass die Menschen ihre Proben mit dort entwickelten Gurgeltests machen und dass diese mittels viel empfindlicher PCR im Labor untersucht werden.

Die Hälfte der deutschen Coronavirustoten starb innerhalb des letzten Vierteljahres

This illustration, created at the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), reveals ultrastructural morphology exhibited by coronaviruses.

Heute ist Gedenken an die Toten der Coronavirus-Pandemie. Ich finde es richtig, dass an die Menschen erinnert wird. Aber ich finde auch, wir sollten die zeitliche Entwicklung betrachten.

In Deutschland sind insgesamt ziemlich genau 80.000 Menschen in Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben (79.971 bis zum 17. April 2021 lt. Johns Hopkins University). Aber die Hälfte davon, 40.000, sind seit dem 8. Januar 2021 gestorben. Drei Viertel von den 80.000, also 60.000, sind seit dem 8. Dezember 2020 gestorben. Bis zum 25. Oktober 2020 hatten wir 10.000 Tote.

Daily new confirmed COVID-19 deaths per million people. Raw data on confirmed cases and deaths for all countries is sourced from the COVID-19 Data Repository by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University.

Die Ministerpräsidenten irrritieren mich

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erzählt in einem Spiegel-Interview aus der Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin.

Was mich aber irritiert: Warum sprechen sich die Ministerpräsidenten vorher entlang ihrer Parteibücher ab? (Es gibt, schon sehr viel länger, die SPD-regierten A-Länder und die unionsregierten B-Länder). Und laut Bodo Ramelow reden vor den Konferenzen die Ministerpräsidenten der A-Länder miteinander und stimmen sich ab. Und so wie ich es verstanden habe, machen das auch die der unionsregierten Länder.

Nur, was steht denn in den Parteiprogrammen zu einer Pandemie, so dass man sich da gemäß einer politischen Farbenlehre ausrichten kann? Ist ein Virus links oder rechts?