Umweltschutz war ein Nebeneffekt

Es gibt ja inzwischen diese Memes, in denen darauf hingewiesen wird, wie umweltfreundlich doch früher gelebt und was alles wiederverwendet wurde. Ja. Das stimmt. Aber es ging nicht um Umweltschutz. Das war ein Nebeneffekt.

Ich glaube, das frühere Reparieren und Wiederverwenden, Auftragen und Ausschlachten etc., war nicht so sehr vom Umweltschutzgedanken getrieben. Und auch ans Ressourcenschonen wurde eher in der Form gedacht, dass man seinen Geldressourcen schonen wollte, nein, man musste es. Kurz: Man war einfach arm und musste die Mark zweimal umdrehen. Motto war: Spare jeden Pfennig, koste es was es wolle. Geld war früher auch knapper, da wurde auch mal in Naturalien bezahlt. Ich denke da an den Brauch des Eiersammeln bei Kerbburschen. Die sammelten im Ort tatsächlich Eier, weil damit die Musiker für die Band bezahlt wurden.

Früher waren Autos richtig teuer, aber auch Werkzeuge, Kleider, Geschirr, Bestecke, Pfannen und Töpfe (verglichen mit der Kaufkraft) kosteten viel Geld. Sowas kam in die Aussteuer bei der Hochzeit Ich weiß, dass mein einer Großvater (Jahrgang 1914) von seinem Vater Werkzeug erbte. Heute nimmt man den Akkuschrauber nebenbei mit, wenn beim Discounter Handwerkswoche ist.

Man hatte mehr Zeit als Geld. Zeit, um die Sachen von Hand wieder zu reparieren oder anders zu verwerten, was heute Upcycling heißt. Auch Lebensmittel sind heute viel günstiger als früher, daher wurde damals auch alles gegessen und man versuchte so wenig wie möglich wegzuwerfen (z.B. Blutwurst; der Saumagen ist Name des Gerichts und die Hülle für die Füllung; in Bregenwurst war auch Schweinehirn).

Obdachlosenunterkunft mit Konzept

Herr T. war obdachlos und bekam eine Wohnung. Die Miete wurde bezahlt und er erhielt ALG II. „Ich habe das aber nicht gepackt“, erzählt er. Nachdem er eingezogen und die Wohnung eingerichtet war, hielt er es nicht mehr in ihr aus, verschwand aus Köln und lebte wieder auf der Straße und in einer Unterkunft. Zunächst in Alsfeld. „In den drei Monaten überlegte ich, was machste?“, erzählt er, wie er schließlich nach Darmstadt ins Wohn- und Übernachtungsheim der Diakonie in den Zweifalltorweg 14 kam. Denn er will wieder sesshaft werden.

„Der Wohnungsmarkt ist schlecht“, weiß er, „aber das ist gut für mich.“ Denn er weiß auch, dass er Zeit und eine Therapie braucht, damit er nicht wieder aus seiner Wohnung abhaut und sich so Probleme macht, die eigentlich unnötig sind.

Echo online: Das Wohn- und Übernachtungsheim für Obdachlose des Diakonischen Werks in Darmstadt besteht seit 50 Jahren

Links und Fundsachen, 17.9.2018

Der Freitag: Jedes Mal, wenn es zu einem Finanzcrash kommt, erstarken die Rechten und die Populisten. Die Linke profitiert nie davon, dass sie recht gehabt hat – Die wirtschaftshistorische Untersuchung dazu ist von 2016.

Die Welt: Wie nutzen Flüchtlinge Smartphones? – “Flüchtlinge nutzen extra an sie gerichtete Angebote wie arabische Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kaum. Das ist wie bei den Welcome-Apps: Woanders gibt’s die Infos bequemer.”

31.7.1914 – Geldprobleme in Russland

Der russische Außenminister Sergej Sasonow telegrafiert am 31. Juli 1914 an die Botschaft in Paris. Die aktuelle Lage sei für die russischen Banken wegen Devisenmangels sehr schwierig. Französischen Banken sollten wenn möglich ihre Forderungen aufschieben.

19. Juli 1914 – “Die bevorstehende diplomatische Aktion gegen Serbien”

Während in Österreich-Ungarn noch beraten wird wie das Ultimatum zu formulieren ist, sind die k.u.k-Absichten auch in Serbien bekannt. Ministerpräsident Pasic schriebt an seine Gesandschafgten mit Blick auf die kommende Post aus Wien:

Wir können diese Forderungen nicht akzeptieren, die kein anderes Land, das die eigene Unabhängigkeit und Würde achtet, akzeptieren würde.

Wobei das Österreich-Ungarn natürlich in die Kriegspläne spielt, andererseits weiß Serbien Russland an seiner Seite und kann was riskieren.

In Wien treffen sich am 19. Juli einige Minister, um das Ultimatum zu beraten. Die Gruppe trifft sich in Berchtolds Palais Strudelhof, um laut Christopher Clark, unauffällig zu bleiben. Über den Text beraten mit Berchtold, der österreichische Ministerpräsident Graf Stürgkh, der ungarische Ministerpräsident Graf Tisza, der gemeinsame Finanzminister Dr. Ritter von Bilinski, der Kriegsminister Ritter von Krobatin, der Chef des Generalstabes Freiherr Conrad von Hötzendorf, der Stellvertreter des Marinekommandanten Konteradmiral von Kailer und als Schriftführer Legationsrat Graf Hoyos.

18. Juli 1914 – Russland weiß vom Ultimatum

Am 18. Juli haben der deutsche Kaiser und der russische Außenminister etwas gemeinsam: Sie erfahren was über die k.u.k Ultimatumspläne an Serbien. Nur für den aus dem Urlaub kommenden Sasonow ist das neu und für den noch urlaubenden Kaiser ein Update.

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten im kaiserlichen Gefolge: Nach Mitteilung der Botschaft Wien wird österreichisch-ungarische Demarche in Belgrad am 23. d. M. erfolgen.

Sasonow spricht mit dem k.u.k.-Botschafter Graf Friedrich von Szápáry. Szápáry telegrafiert noch am 18. Juli an seinen Außenminister, den Grafen Berchtold. Nach dem was Szápáry schreibt, hatte der russische Außenminister durchblicken lassen, dass er was weiß. Weiterlesen

18. Juli 1914 – Nibelungentreue mangels besserer Verbündeter?

Gottlieb von Jagow schreibt am 18. Juli 1914 an den deutschen Botschafter Max von Lichnowsky in London einen langen Brief. Tenor: Man habe gerade keinen anderen Verbündeten mehr als die sieche („das sich immer mehr zersetzende Staatengebilde“) Donaumonarchie. Österreich-Ungarn müsse mit Blick auf den russischen Einfluss auf den Balkan aber jetzt unterstützt werden. Und dann kommen die strategischen Überlegungen zur wachsenden militärischen Stärke Russlands, das jetzt noch keinen Krieg brauchen könne, sowie dass die Entente auch keinen Krieg wolle.

Zu einem vollen Erfolg bietenden Verhältnis zu England sind wir leider noch immer nicht gekommen, konnten nach allem, was vorausgegangen, auch gar nicht dazu kommen – wenn wir überhaupt je dazu kommen können. (…)

Österreich, welches durch seine mangelnde Aktionskraft mehr und mehr Einbuße an seinem Ansehen erlitten hat, zählt schon jetzt kaum mehr als vollwertige Großmacht. Die Balkankrise hat seine Stellung noch geschwächt. Durch dieses Zurückgehen der österreichischen Machtstellung ist auch unsere Bündnisgruppe entschieden geschwächt worden. (…)

Dann würde der Prozeß seines Dahinsiechens und inneren Zerfalls noch beschleunigt. Seine Stellung im Balkan wäre für immer dahin. Daß eine absolute Stabilisierung der russischen Hegemonie im Balkan indirekt auch für uns nicht admissibel ist, werden Sie mir wohl zugeben. Österreichs Erhaltung, und zwar eines möglichst starken Österreichs, ist für uns aus inneren und
äußeren Gründen eine Notwendigkeit. Daß es sich nicht ewig wird erhalten lassen, will ich gern zugeben. Aber inzwischen lassen sich vielleicht Kombinationen finden. (…)

Je entschlossener sich Österreich zeigt, je energischer wir es stützen, um so eher wird Rußland still bleiben. Einiges Gepolter in Petersburg wird zwar nicht ausbleiben, aber im Grunde ist Rußland jetzt nicht schlagfertig. Frankreich und England werden jetzt auch den Krieg nicht wünschen. In einigen Jahren wird Rußland nach aller kompetenten Annahme schlagfertig sein. Dann erdrückt es uns durch die Zahl seiner Soldaten, dann hat es seine Ostseeflotte und seine strategischen Bahnen gebaut. Unsere Gruppe wird inzwischen immer schwächer. In Rußland weiß man es wohl, und will deshalb für einige Jahre absolut noch Ruhe. (…)

Ich hoffe und glaube auch heute noch, daß der Konflikt sich lokalisieren läßt. Englands Haltung wird dabei von großer Bedeutung sein. Ich bin vollständig überzeugt, daß die öffentliche Meinung dort sich nicht für Österreichs Vorgehen begeistern wird, und erkenne alle ihre Argumente in dieser Hinsicht als richtig an. Aber man muß tun, was irgend möglich ist, daß sie sich nicht zu sehr für Serbien begeistert, denn von Sympathie und Antipathie bis zur Entfachung eines Weltbrandes ist doch noch ein weiter Weg (…)

17. Juli 1914 – Links

kurier.at: Medienberichte prophezeien bereits, dass “die alte Monarchie in furchtbarem Brande zusammenbricht” – “Oesterreich-Ungarn geht es schlecht! Serbien ist uns feind. Das albanische Experiment ist mißglückt, Rumänien hat sich von uns abgewendet. Rußland erstarkt. Italiens sind wir nie sicher.”

welt.de: Österreichs Politiker pokern hoch – Österreichs Außenminister Leopold Graf Berchtold will das Ultimatum an Serbien so terminieren, dass Frankreich und Russland sich nicht darüber verständigen können, weil der französische Präsident dann gerade auf See ist.

Der Vorwärts: Der französische Militarismus – Der Militarismus verhindert die von der Bevölkerung gewünschte Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich. Dabei verbreiten vor allem französische Politiker die Angst, Frankreich sei nahezu wehrlos. Die deutsche Reaktion auf die französische Aufrüstung folgt prompt.