Warnstreik im ÖPNV, nur gegen wen?

Unser ÖPNV-Unternehmen Heag Mobilo wurde heute am Montag warnbestreikt. Der Hinweis kam am Freitag, Montag war klar, dass keine Straßenbahn fahren wird, ein paar Buslinien konnten besetzt werden. Also fuhr ich gleich mit dem Rad von Darmstadt zu meinem Termin nach Pfungstadt. Denn die Alternativen wären mit Regionalbahn und Bus umständlich gewesen. Und wer weiß, ob dann noch der Bus gefahren wäre.

Ich frage mich nur, gegen wen gestreikt wurde und wen der Streik treffen sollte? Gegen die Geschäftsführung des Unternehmens wurde jedenfalls nicht gestreikt, wenn ich im Echo lese, dass es a) an Haltestellen ohne dynamische digitale Anzeigen keine Hinweise gab, denn das trifft nur die Fahrgäste. Und b) vermutete ein Betriebsrat, dass der Streik eine noch stärkere Wirkung entfaltet hätte, wenn er später angekündigt worden wäre. Weil dann seine Chefs mehr überrascht geewesen wären? Oder, wohl eher, weil dann die Zeit zum Umorganisieren noch knapper gewesen wäre?

Warum der SVD diese Saison keine Chance hatte ;-)

Ich habe die Kristallkugel für die 2. Bundesliga gefunden (und ChatGPT hat sie gemalt).

Wie wir in der Tabelle der 2. Liga sehen, haben die Darmstädter Lilien in dieser Saison einfach das falsche Gründungsjahr. Denn es gibt unter den ersten sechs Plätzen einen klaren Zusammenhang zwischen Rang und letzter Ziffer des Gründungsjahrs. Der SV 98 konnte also gar nicht aufsteigen.

1. Schalke 04 – hinten eine 4
2. SV Elversberg 05
3. SC Paderborn 07
4. Hannover 96
5. Darmstadt 98
6. 1. FC Kaiserslautern 00 – null zählt natürlich als 10

Die Folge des permanenten Sommertheaters

Ich verstehe unsere Bundespolitiker nicht, vor allen nicht die der Union-SPD-Koalition. Dieser Politikstil mit unabgesprochenen Ankündigungen erzeugte schon immer den Eindruck einer verzankten, chaotischen Regierung. Früher gab es das vermehrt in den großen Ferien, „Sommertheater“ hieß das damals.

Inzwischen ist dass ganze Jahr Theatersaison. Und dieses Gezackere, der öffentliche Streit, führte auch früher schon zu – damals noch folgenloser – Politikerverdrossenheit. Weil die Protestwähler nie über die Fünf-Prozent-Hürde hinauskamen. Inzwischen aber, seit über zehn Jahren, zahlt sowas aber bei den Blauen ein.

Fruchtgummies ohne Zucker

Ah, Fruchtgummies ohne Zucker, dafür mit Ersatzstoffen. Oh, ab einer Menge von zirka fünf Stück können sie abführend wirken. Hm.

Fünf Stück sind rund 20 Gramm, da hält die 125-Gramm-Packung doch glatt sechs bis sieben Tage. So kann man die Kilokalorien natürlich auch im Griff behalten.

Der Abend an dem Bobby Ewing starb

Vor 40 Jahren war ich auf Klassenfahrt. Bei der Abfahrt sagte noch einer, dass es vermutlich eine Explosion in einem Atombergwerk in der Sowjetunion gegeben habe – ich hatte mich verhört, aber deswegen in dem Moment nicht weiter nachgedacht, ein Bergwerk sollte ja kein Problem sein.

An dem Dienstag nach der Reaktorexplosion im Kernkraftwerk Tschernobyl, lief in der ARD die Dallasfolge, in der Bobby Ewing starb (es gibt einem deutschen Spielfilm von 2005, der so heißt), die wir unbedingt sehen wollten. Weswegen wir dann auch die Nachrichten sahen.

Markt schlägt Militär

„Ich würde Ihnen raten nicht so sehr auf die Tagespolitik zu gucken, sondern auf den Markt. So lange die Straße von Hormus nicht vollständig aufgeht, bleibt der Ölpreis hoch. So lange der Ölpreis hoch bleibt, hat Trump ein ökonomisches Problem. Ich denke, das wird er, je näher die Midterms rücken, immer weniger rechtfertigen oder durchhalten können.“
Militärökonom Marcus M. Keupp.

YouTube, ZDFheute Live: Niederlagen für Trump und Putin?

Jamaika in Weiterstadt

In Weiterstadt hat sich nach der Kommunalwahl eine neue Kooperation formiert. Sie besteht aus CDU, ALW-Grüne und FDP. Dass diese Kombination einen Mehrheit hat, hatte ich ja schon nach der Wahl skizziert. Und ich sah auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, denn ALW-Grüne und SPD, das ging schonmal schief. Und auch wenn das über zehn Jahre her ist, das Personal wurde noch nicht komplett ausgewechselt.

Nimmt die Kooperation ihre Arbeit auf, wäre die SPD, die seit 2011 die Stadtpolitik (wieder) prägte, nicht mehr Teil der Stadtregierung. 2011 hatte die SPD mit der ALW kooperiert, ab 2014 stellte sie den Bürgermeister, ab 2016 koopperierte sie dann zehn Jahre mit den Freien Wählern. Die Freien Wähler haben sich Ende 2025 selbst aufgelöst. Aber die SPD verlor bei der Kommunalwahl 2026 deutlich und hatte auch die Bürgermeisterwahl 2025 verloren.

2021 hatte die SPD bei der Kommunalwahl noch rund 43,5 Prozent (16 Sitze), 2026 wurden es zirka 32 Prozent (13 Sitze), damit wurde sie wieder, wenn auch knapp, die stärkste Fraktion. Ob nun frühere Wählerinnen und Wähler der FWW nun SPD gewählt haben und sie so vor noch mehr Verlusten bewahrte oder ob die ganz anderen Listen gewählt hatten, wissen wir nicht, dazu müssen Daten erhoben werden, das wurde nicht gemacht. Es ist eben nur eine Kommunalwahl.

Dass die CDU (31,7%) lieber mit zwei kleineren Partner kooperiert, ist aus Unionssicht nachvollziehbar. So kann sie leichter Ansprüche auf den Posten des Ersten Stadtrats anmelden. Das ist in Weiterstadt zwar ein Ehrenamt, aber damit ist man auch Stellvertreter des Bürgermeisters. Und da Bürgermeister Niklas Gehnich parteilos ist, ist eine „Ihr habt den Bürgermeister, wir den Stellvertreter“-Absprache im Stadtparlament schwierig. In einer Kooperation mit der SPD wäre die CDU mit ihren 12 Sitzen der kleinere Partner. Und dann würde die SPD als größte Fraktion – 13 vs. 12 Sitze – noch den Stadtverordnetenvorsteher stellen.

CDU, ALW-Grüne und FDP haben ihre Pläne nun vorgestellt. Dazu gehört interessanterweise auch, dass die CDU den Stadtverordnetenvorsteher sowie den Ersten Stadtrat stellen soll.

Das mit dem Stadtverordnetenvorsteher würde ich ja ich nicht machen. Das ist ein unnötiger Traditionsbruch. Den zudem jeder schnell versteht. Es ist ja nicht so, dass die SPD eine ganz schrechliche Partei ist. Und wie man die Vorstände in den Ausschüssen besetzt, kann man auch diskutieren, aber es interessiert die Wählerschaft eigentlich nicht.

Die SPD kritisiert nun die Pläne der neuen Kooperationspartner. Wobei die Kritik für mich so klingt, als wolle man die Kommunalwahl in der dritten Halbzeit gewinnen.

Ich greife den Punkt heraus, der den Politikbetrieb betrifft. Die Weiterstädter SPD thematisiert, dass die Parlamentsausschüsse mehr Mitglieder bekommen sollen.

Ebenso erhöht die Jamaika-Kooperation die Zahl der Ausschussmitglieder von 9 auf 13 und verkauft dies als Stärkung der Demokratie, obwohl es offenkundig nur um Machtsicherung geht: Bei neun Ausschussmitgliedern hätte nämlich die Unsicherheit bestanden, dass Ausschusssitze gelost werden müssen

Nein, so eine Vergrößerung ist in der Konstellation fair. Im neuen Weiterstädter Stadtparlament haben alle Parteien/Listen mindestens zwei Mandate. Damit haben auch AOF, FDP und Die Partei Fraktionstärke (siehe Hessische Gemeindeordnung). Sie haben auch alle über fünf Prozent, auch wenn es diese Hürde bei Kommunalwahlen nicht gibt. Und es ist richtig, dass alle Fraktionen in den Ausschüssen mit Rede- und Stimmrecht vertreten sind.

Abgesehen davon: Was ein Ausschuss beschließt, ist in der Regel eine Empfehlung für die Stadtverordneten, am Ende entscheidet das Parlament. Und wenn die Ausschüsse die Mehrheitsverhältnisse nicht wiederspiegeln, wird es nur umständlicher. Ich hole mal etwas aus: Dann muss man bei ablehnenden Beschlussempfehlungen im Parlament mit „nein“ gegen den Ausschuss stimmen. Oder: Das Parlament kann den Ausschüssen für bestimmte einzelne Vorlagen eine Vollmacht erteilen, einen Beschluss anstelle des Parlaments zu treffen. Das macht man beispielweise, damit man nicht in Ferien das ganze Parlament einberufen werden muss, die Sache aber eilig ist. Hätte so ein Ausschuss nicht die Mehrheitsverhältnisse wie im Parlament, würde er diese Vollmacht eben nicht bekommen.

Und dann ist noch eine Nebelkerze dabei. Die SPD sagt, dass es nur darum gehe, Mehrheiten zu sichern. Nun, das ist das Lied „Wir wollen ja gestalten, die anderen sind nur machtgeil“, das jede Partei singt. Politik ist schon immer das Setzen von Zielen und das Organisieren von Mehrheiten für diese Ziele. Und dieses Mal haben das offenbar CDU, ALW-Grüne und FDP geschafft und nicht wie zehn Jahre lang SPD und FWW. Demokratie lebt vom Wechsel.