“Negative campaigning” kann doch funktionieren

Früher hieß es in Wahlkämpfen, dass “negative campaigning” nicht funktioniere, weil das die Wähler nicht mögen. Da scheint sich was geändert zu haben, denn unter bestimmten Bedingungen soll das doch funktionieren.

Eine Schweizer Zeitschrift hat dazu mit einem der Spindoktoren gesprochen und der nennt Wahlkämpfe in Israel für Benjamin Netanjahu und Ungarn für Victor Orban als Beispiele.

Das Magazin: Die Finkelstein Formel – (…) Im letzten Schritt stellte Finkelstein nach dieser Methode dem Gegner die Falle: Er setzte eine Behauptung in die Welt und zählte darauf, dass der Gegner sich beim Versuch, diese zu widerlegen, verstrickte. Sobald der Gegner auf die Anschuldigung reagiert, assoziiert er sich mit ihr. Wenn er sie aber ignoriert, lässt er sie unwidersprochen. Im besten Fall ist die Behauptung selbst bereits so merkwürdig oder schockierend, dass Medien sie multiplizieren.

„Polizist? Eine schwerige Arbeit.“

„Polizist? Eine schwierige Arbeit.“ Das sage ich, wenn man im Gespräch darauf kommt, dass er bei der Polizei ist. Ja, Polizeiarbeit ist eine schwierige Arbeit. Die Einsatzkräfte müssen mit allem rechnen, stets den richtigen Ton treffen und teilweise blitzschnell – aber bitte richtig – entscheiden. Und dann haben sie es zudem noch mit Verbrechern zu tun, die auch denen gefährlich werden können. Auf der anderen Seite muss man sich aufeinander verlassen können. Und hat ein paar Vorstellungen von Recht und Ordnung und Strukturen.

Und da Rafael Behr, Professor für Polizeiwissenschaften, die ganze Abwägung beim „Spiegel“ so schön zusammengefasst hat, verlinke ich jetzt auf das Interview, anstelle hier rumzueiern.

Spiegel: "Viele Polizisten merken gar nicht, dass Respekt keine Einbahnstraße ist" – Polizisten machen jeden Tag Vergeblichkeitserfahrungen. Ihre Arbeit führt nicht zum gewünschten Erfolg. Man fühlt sich verletzt und schlecht behandelt. (…) [Polizisten] empfinden sich als Gefahrengemeinschaft, und es gibt eine gewisse Angst, sich aus der Gruppe zu lösen, da jeder auf die Solidarität des anderen angewiesen ist.

Bestechungsprozess von 2016 ist nun rechtskräftig

Der Eingang des Darmstädter Justizzentrums.

Vier Jahre nachdem das Landgericht Manager eines Offenbacher Unternehmens verurteilt hatte, gibt es nun ein rechtskräftiges Urteil, nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil von 2016 teilweise aufgehoben hatte.

sueddeutsche.de (dpa): Mildere Strafe nach Bestechung in Druckmaschinenindustrie

Dass es so lange gedauert hatte, lang an einer Überlastung der Wirtschaftkammer. Dazu hatte ich Anfang 2019 auch mal was geschrieben, da 2018 zwei Hilfskammern eingerichtet worden waren.

Echo online, 8.2. 2019: Am Darmstädter Landgericht wird’s immer enger

Mutige Stadtregierung

Da hatte ich neulich noch der Stadtregierung in einem Kommentar auf fb zuwenig Mut bei der Verkehrspolitik unterstellt, weil ja nächstes Jahr im März Kommunalwahl ist. Das kann ich nun zurücknehmen, denn:

Echo online: Darmstadt will stadtweit Tempo 30 testen (€)

So wäre man auf dem Rad, 30 km/h kann man ja schaffen, kein Hindernis, wenn man die Spur wechseln will. Und man braucht auch nicht zu befürchten, dass einer mit 50 km/h von hinten ranrauscht, wenn man mit Handzeichen die Spur wechseln will.

Und dann sind die Bremswege deutlich kürzer und damit ist auch der Impuls bei einem Unfall kleiner. Was für Fußgänger weniger Verletzungen bedeutet.

Ich ahne was jetzt kommen wird: Während Autofreunde stets von Radfahrern erwarten, dass diese jede Verkehrsregel einhalten (oder nicht auf ihr beharren, wenn es für den Radfahrer gefährlich wird, wenn der Autofahrer sich seinerseits nicht dran hält), werden sie jetzt natürlich sagen, dass Verkehrsregeln ja schön und gut sind, aber bitte nur dort wo sie sinnvoll sind. Aber wehe, so argumentiert die Fahrradlobby.

Neulich bei den OB-Referenten in Raum 1112c – Plätze und Grünanlagen

Der Paulusplatz, eine Grünanlage mit Brunnen vor der Verwaltung der EKHN.

„Haben wir jetzt eigentlich ein Problem?“, fragen sich die OB-Referenten bei ihrem montäglichen geheimem Strategiekränzchen im Rathaus am Luisenplatz. Im großen, weitläufigen Saal 1112c. Da kann man die Abstände einhalten und im 11. Stock kommt auch keiner zufällig vorbei. Die Referentinnen und Referenten denken an die neue „Dies ist ein Platz und keine Grünanlage“-Stadtgestaltungsrichtlinie ihres Oberbürgermeisters. Die hatte er bei der Friedenplatzvorstellung verkündet. Sind Plätze in Darmstadt nun keine Grünanlagen mehr, überlegen die OB-Referenten.

„Alles super“, sagt der Finanzreferent und freut sich über die Richtlinie. „Je weniger Grünanlagen, umso besser.“ Die Stadt könne dann weniger Gartenarbeiten beauftragen und spare so Geld, erklärt er.

„Aber wie erklären wir das den Anwohnern am Johannesplatz“, fragt die Stadtplanungsreferentin, „wenn wir den Rasen pflastern? Oder wenn wir den Mathildenplatz mit roten und gelben Platten auslegen, passend zum Sandstein des Löwenbrunnens.“ „Und was ist mit den Bäumen auf dem Mathildenplatz?“, wendet die Stadtplanungsreferentin ein. „Die Baumschutzsatzung gilt nur für Bürger, nicht für die Stadt“, erinnert der Finanzreferent.

Die Theaterreferentin erinnert an den Georg-Büchner-Platz. „Sollten die Rasenstreifen weg?“, überlegt sie. „Und asphaltieren wir jetzt die Wiese auf dem Wilheminenplatz? Was ist mit dem ‚Platz der Deutschen Einheit‘ am Hauptbahnhof?“ Wegen der Begrünung wurde der Hauptbahnhof 2010 von „Pro Bahn“ als „grünster Hauptbahnhof Deutschlands“ ausgezeichnet.

„Leute, das ist doch alles kein Problem“, erklärt der Kommunikationsreferent, „das alles war noch unter SPD-Oberbürgermeistern entstanden. Was in den 60 Jahren vor 2011 beschlossen wurde, war doch alles Murks.“ Alle erinnern sich und nicken erleichtert.

„Aber der Paulusplatz?“, fällt der Grünanlagenreferentin ein. „Da hatte unser OB 2012 persönlich und vor Ort zugesagt, dass es einen zweiten Bauabschnitt gibt, in dem die Grünanlage saniert wird.“
Stille.

„Vielleicht räumen wir es nächstes Mal einfach ein, wenn wir was nicht hinbekommen haben“, schlägt die Stadtplanungsreferentin vor. „Nein, Fehler zugeben wäre zu viel neuer Politikstil“, sagen alle im Chor. „Damit würden wir zudem unsere Anhänger im Regen stehen lassen.“ Die Sitzung endet. Und alle hoffen, dass Gras über den OB-Satz gewachsen ist, wenn man die nächste fertige Maßnahme begründen muss.

Der Platz der Deutschen Einheit, dahinter der Darmstädter Hauptbahnhof.

Der Georg-Büchner-Platz beim Staatstheater, im Hintergrund St. Ludwig.

Der Mathildenplatz, fünf Minuten vom Luisenplatz entfernt.

Der Wilheminenplatz zwischen Alice-Denkmal und St. Ludwig.

Wichtiger Hinweis, weil das heutzutage notwendig ist: Das ist eine Glosse, die Dialoge, der Sitzungssaal 1112c, die Personen und die Amtsbezeichungen sind von mir frei erfunden. Das Darmstädter Rathaus am Luisenplatz hat auch keinen 11. Stock. Der Text steht in der Blogkategorie „Spaß & Ironie“.

Pareto-Prinzip auch bei Cornoa? Sorgen 20 Prozent für 80 Prozent der Infektionen?

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

Bei der “Zeit” gibt es eine Zusammenfassung, wie sich das Coronavirus überträgt. Dabei gibt es ein paar Auffälligkeiten. Unter anderem hat der durchschnittliche Übertragungswert eine hohe Varianz. Das heißt, einige stecken gar keinen anderen an, einige aber dafür sehr viele.

Und dann scheint sich ein Muster herauszubilden. Wo laut gesprochen, gesungen oder heftig geatmet wird, gibt es mehr Ansteckungen.

Zeit.de: Jeder könnte Superspreader sein – Der britische Epidemiologe Adam Kucharski von der London School of Hygiene and Tropical Medicine hat für das neue Virus einen k-Wert von ungefähr 0,1 errechnet. (Endo et al., 2020). “Vermutlich führen zehn Prozent der Fälle zu 80 Prozent der Ausbreitung”, sagt er.

In dem Artikel sind auch viele Links, wenn man weiterlesen möchte.

Preise für Drogen und Falschgeld im Landgericht

Ich mag es ja, wenn man im Gericht Sachen erfährt, die man sonst eher nicht mitbekommt, weil man dazu in eine Szene müsste, in die man eigentlich nicht will.

Und so erfuhr ich gestern, was fünf Gramm Kokain kosten können: 188,80 Euro. Das war jedenfalls der Preis am 3. April 2017 im Internet bei “Escobar’s Cousins”, Dealer bei Alpha Bay. Ein falscher 50 Euro-Schein kostete dort so zwischen sechs bis 8,30 Euro.

Echo online: Drogen und Falschgeld aus dem Darknet (€)

Friedensplatz ist fertig

Echo online: Kritik nach Fertigstellung des Darmstädter Friedensplatzes
Echo online: Zur Sanierung des Darmstädter Friedensplatzes: Chance vertan

Ich frage mich aber schon, was hier los wäre, wenn dieser Platz unter einer Rot-Schwarzen Stadtregierung so umgestaltet worden wäre. Und wie die Grünen auf den Satz “Dies ist ein Platz – und keine Grünanlage” reagieren würden wenn ihn ein SPD-Baudezernent gesagt hätte – und nicht ihr OB Jochen Partsch.