Zweifelhafte “Fachzeitschriften” die alles publizieren

Das “Farce”-Journal, von dem es nur ein Cover gibt, ist natürlich von mir frei erfunden genauso wie die Inhalte. Aber es gibt tatsächlich pseudowissenschaftliche Journals in denen alles mögliche scheinbar seriös publiziert wird, wie NDR, Süddeutsche und WDR zeigen. Die Grafik ist ein 3D-Modell des Proteins Myoglobin. Die Abbildung ist laut dem Autor AzaToth Public Domain und steht in Wikimedia Commons.

Zu meiner Zeit im Labor hatte ich ja mal gelästert, dass man doch Fachzeitschriften (Journals) mit Namen wie “Forum of Artifacts and kinky Experiments” oder “Forum of Artifical Research and Contrived Experiments” herausbringen sollte, damit man auch jeden Unsinn irgendwo publiziert bekommt. Dass die Journals abgekürzt FAKE und FARCE heißen würden, war natürlich Absicht, damit auch die stumpfsten Kollegen merkten, dass das ein Witz sein sollte. Aber witzig ist das eigentlich gar nicht, denn auf solche Fake-Journals mit entsprechend erfundenen oder schlechten Studien fallen auch Menschen herein, die glauben so ein neues Medikament gegen ihre Krankheit gefunden zu haben.

Heute habe ich nun mitbekommen, dass es solche Fake-Journals tatsächlich gibt. Die heißen natürlich anders, denn sie sollen seriös klingen. NDR, Süddeutsche Zeitung und WDR haben einiges recherchiert, Weiterlesen

Eine Folge der “Panama-Papers”: Pakistans Ex-Premier Sharif verurteilt

Die “Panama Papers” haben ja in Pakistan zu deutlichen Folgen geführt, auch wenn ich das kaum mitbekommen habe.

tagesschau.de: Pakistans Ex-Premier Sharif ist in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt worden – Ein pakistanisches Gericht hat Ex-Premier Nawaz Sharif wegen Korruption zu zehn Jahren Haft verurteilt. Sharifs Tochter Maryam bekam eine Haftstrafe von sieben Jahren.(…) Dokumente zu Offshore-Firmen zeigten die Namen von Kindern Sharifs, nicht aber seinen eigenen.

Wichtig war dabei auch ein Brief, der angeblich aus dem Jahr 2006 stammte, der eines Tochter des damaligen Premierministers entlasten sollte. Aber dann Weiterlesen

Wie plausibel ist eine Sensationsmeldung?

Die dpa weist auf die “Die fünf wichtigsten Grundregeln der Verifikation” hin. Grob zusammengefasst nehme ich mit, dass man als erstes Ruhe bewahren sollte, damit man auch an die fünf Regeln denken kann.

In der Hektik bleibt nämlich gerne das logische Denken auf der Strecke. Beispielsweise lautet eine der Regeln:

Wenn es von einem spektakulären Ereignis in der belebten Öffentlichkeit nur ein Bild oder besser eine Aufnahme aus einer Perspektive gibt, handelt es sich um eine Fälschung.

Klar, denn da ist ja nicht nur einer mit seinem Handy, da sind zig andere, die das gleiche sehen, aber von einem anderen Standort. Solche Bilder müsste es dann ja auch geben. Nur muss man darauf kommen, bevor man “teilen” klickt.

„Journalismus heißt auch Dinge einzuordnen.“

Der österreichische ORF-Moderator Armin Wolf hat mit dem NDR-Medienmagazin „Zapp“ gesprochen.

„Ein Journalist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk muss in seiner Berichterstattung unparteiisch
sein und ausgewogen berichten. Das heißt nicht, wenn eine Partei sagt, zweimal zwei ist vier und die andere sagt zweimal zwei ist fünf, dass man das unkommentiert nebeneinander stellt, und dann so tut, als sei beides gleich viel wert.“
Armin Wolf, ORF-Moderator

ndr.de: „Sie wollen die Öffentlich-Rechtlichen abschaffen.“

Warum nimmt man sich nicht Hans Roslings TED-Talks als Vorbild?

TED-Talks sollen vom Anspruch her ja tolle Vorträge sein. Aber ich finde die meisten langweilig.

Vielleicht sehe ich nur die falschen, vielleicht habe ich da falsche Vorstellungen. Aber derste Video, das ich unter dem Label “TED” sah, war eines mit Hans Rosling. Der mit Text und sinnvoll animierten Grafiken zeigte, wie sich die Welt (alle Länder) tendenziell positiv entwickelt.

TED-Video vom 22.05.2012: Hans Rosling hatte eine Frage: Haben einige Religionen eine höhere Geburtenrate als andere – und wie wirkt sich das auf das globale Bevölkerungswachstum aus? Auf dem TEDxSummit in Doha, Qatar, kartiert er Zeit und Religionen überspannende Daten. Mit seinem ihm eigenen Humor und Scharfsinn kommt er zu einer erstaunlichen Erkenntnis über die Weltfruchtbarkeitsraten.

Seitdem erwarte ich bei TED solche gelungenen Kombinationen von Text und Bild. Aber was mir unter TED in den meines Timelines als “ganz toll” nahegelegt wird, sind wenig packende Vorträge, weil eben einer auf einer Bühne mit dem TED-Logo steht und irgendwas erzählt.

Und wobei oft auf jegliche Grafik zur besseren Erläuterung verzichtet wird – weil Powerpoint und Konsorten ja böse sind und vom gesprochenen Wort ablenken.

Dass sie aber auf einen Blick etwas zeigen können (wie eben Hans Roslings Grafiken und Animationen) wird offenbar ignoriert. Klar, solche Animationen machen Arbeit, und man muss nachdenken, wie man Sachverhalte visualieren kann.

Aber ich glaube, wenn das gelingt, dann begeistert es wirklich, der Funke springt über, man kann es sich merken und erzählt es weiter. Aber wenn einer vorne steht und nur was erzählt, nun ja … Ich habe bislang nur Hans Rosling weiterempfohlen. Und von ihm kommt nichts mehr, denn er ist Anfang 2017 verstorben.

Social-Media-Regelungen für ORF-Redakteure – „Liberty dies by inches“

In Österreich wird diskutiert, ob sich ORF-Mitarbeiter auf Social Media nicht mehr privat zu politischen Themen äußern dürfen.

„Liberty dies by inches“ heißt es auf Englisch, „die Freiheit stirbt zentimeterweise“.

Was damit gemeint ist, zeigt meiner Meinung nach sehr schön ein Entwurf einer Regelung, der zur Zeit für ORF-Mitarbeiter im Umlauf ist. Klingt alles schlüssig, hat es aber in sich, wenn man genauer darüber nachdenkt, Weiterlesen

“Wenn der Chefkommandeur zum letzten Kampf drängt, Onkel Wowa, dann sind wir mit Dir!”

Ich habe immer wieder gehört, dass in Russland Stimmung gegen den Westen gemacht wird, nur fehlte es mir an Hinweisen, da ich kein Russisch kann. Jetzt hat der Russland-Kenner Boris Reitschuster mal eines der Propagandalieder übersetzt.

“Alaska werden wir in die Arme des Vaterlands zurückholen” oder “Wenn der Chefkommandeur zum letzten Kampf drängt, Onkel Wowa, dann sind wir mit Dir!” sind Textpassagen in einem russischen Lied (Wowa ist die Koseform vom Wladimir). Gesungen wird es von einer russischen Abgeordneten mit russischen Kadetten.

YouTube: Für Putin in den Endkampf

Das Original bei YouTube ist seit Mitte November 2017 online und hat über 1,4 Millionen Klicks: Дядя Вова, мы с тобой

1,4 Millionen zeigt mir, dass das nicht eine unbekannte, verwirrte Abgeordnete ist. So ein Lied von einem US-Kongressmitglied mit Militärschülern und wir würden den Amis massive und übelste Kriegstreiberei vorwerfen.

In Österreich war das Lied schon im November aufgefallen.
heute.at: Kinderchor singt für Putin Propaganda-Lied

Die politische Korrektheit wird aus dem Müllhaufen geholt

Tja, da hat die heute-show am Freitag nicht gründlich genug recherchiert und einen Witz auf Kosten eines Stotteres gemacht, der für die AfD in einem Bundestagsausschuss war. Auch ohne den Anfang zu kennen, in dem der Mann sein Stottern ankündigt, hätten einem Zweifel kommen sollen, ob das wirklich nur ein Versprecher war, der dann gesendet wurde. Das dann zu zeigen war natürlich vollkommen daneben und so gar nicht politisch korrekt. Und deswegen:
DWDL.de: AfD fordert “Entfernung” Oliver Welkes aus dem ZDF

Nur, wer war das damals mit “Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte”? Richtig, Alice Weidel:

“extra 3” über den AfD-Parteitag in Köln im April 2017

Ach egal, es gehe jetzt ja um “Anstand” wurde mir erklärt. Das ist natürlich was ganz anderes als politische Korrektheit.

„Die Systeme haben eine Tendenz zur Selbstaufschaukelung“ und „kreisende Erregungen im Netzwerk“

Prof. Dr. Peter Kruse bei der 4. Sitzung der Enquete Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” am 5. Juli 2010.

Der Psychologe Prof. Peter Kruse hatte bei einer Sitzung der Bundestagsenquetekommission “Internet und digitale Gesellschaft” was interessantes über die Dynamik des Internets vorhergesagt.

(Es) gibt eine grundlegende Machtverschiebung vom Anbieter zum Nachfrager. (…) wenn die drei Dinge zusammenkommen, hohe Vernetzungsdichte, hohe Spontanaktivität und kreisende Erregung, dann kann ich Ihnen sagen, was passiert: die Systeme haben eine Tendenz zur Selbstaufschaukelung (…) Und wenn Sie diese Situation noch vorhersagen wollen: Das wird bei diesen Netzen prinzipiell nicht gehen. Wir können gerne in die Glaskugel gucken, aber (…) nicht-lineare Systeme können Sie nicht vorhersagen. (…) Wenn Sie einigermaßen nah dran sind am Markt, einigermaßen nah dran an den Menschen, dann (haben Sie) ein Gefühl für die Resonanzmuster der Gesellschaft.