Links, 8. Januar 2018

Echo online: Betreiber des „Rheinneckarblogs“ verurteilt: 12.000 Euro für „Fake News“ – correctiv.org (26.3.2018): Die vom „Rheinneckarblog“ erfundene Terror-Story ist kein „Gonzo-Journalismus“

KressNews: Journalisten zählen zu den Gewinnern der Digitalisierung. Aber nicht alle

dpa: dpa-Faktenchecks (gibt es schon seit einem halben Jahr, aber mir waren sie jetzt erst aufgefallen.)

Haltungs- und Fallschirmjournalismus

Ich packe mal zwei Dinge in einen Blogeintrag, weil sie bei der Causa Relotius zusammenfallen.

Ersten wundere ich mich, dass die Leute, die sich beschweren, dass die Presse “festgelegt” sei, selbst festgelegt sind. Zwischen 2012 und 2016 hat der inzwischen berüchtigte Reporter Claas Relotius für die Schweizer “Weltwoche” 28 Texte geschrieben, 18 für “Cicero”, sechs für die “Welt” und drei für die FAS. Das sind 55 Artikel für nicht-linke Blätter. Aber vor allem Rechte reden jetzt von einem “linke Haltungsjournalismus”, weil sie nur 60 Spiegel-Artikel sehen wollen. (Wikipedialemma zu Claas Relotius Übersicht seiner Artikel)

Und was mir zweitens auffällt: Ich als Lokalreporter tue mich ja schon schwer, wenn ich in einer Nachbarkommune einspringen soll. Weil ich mich da null auskenne und in absehbarer Zeit auch nicht wiederkommen werde. Jetzt spreche ich ja die Landessprache und kenne die gesellschaftliche Großwetterlage. Aber wie ist das erst in Ländern in denen man auf Dolmetscher, Stringer und Fixer angewiesen ist? Die Praxis scheint zu zeigen, dass das funktioniert, aber wer sagt mir, dass die Dolmetscher korrekt übersetzen und die Fixer mir die richtigen Leute vermitteln? Eigentlich sollte man wenigstens Reporterinnen und Reporter hinschicken, die die jeweilige Landessprache können. Und nicht Starreporter mit dem Fallschirm abspringen lassen, die sich dann wie im 19. Jahrhundert eine Expedition mit Einheimischen Wasserträgern zusammenkaufen.

Von Braunshardt nach Hamburg

Der Weihnachtsbaum auf dem Braunshardter Weihnachtsmarkt vorm Schloss.

Ein von LED-Strahlern hellviolett getauchtes Rokokoschloss Braunshardt und ein dunkelgrauer wolkenverhangener Himmel ließen den Weihnachtsmarkt im Schlosspark dieses Jahr etwas unwirklich beginnen. Zufällig in einer Regenpause lag die offizielle Eröffnung, in der das Bläserensemble der SG Weiterstadt aufspielte. Und der immer noch jugendlich wirkende, 50-jährige Weiterstädter Bürgermeister und Sozialdemokrat Ralf Möller freute sich, dass der Weihnachtsmarkt 78 Stände habe als der im benachbarten, sechsmal größeren Darmstadt mit 64.

Ja, auch so könnte man einen Artikel über einen Weihnachtsmarkt beginnen. Und wenn ich noch etwas übe, dann texte ich so, wie man ansonsten ein Gemälde malt – andere nennen das #schreibenwiederspiegel. So, und jetzt bin ich beim Thema: Der Reporter Claas Relotius, der beim Hamburger Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” war. War, denn:

Welt.de: Der „Spiegel“ und sein Fälscher

Der aber noch bis zuletzt einen Presse-Preis bekam. Während der Lokalreporter bei immer wieder einsetzenden Nieselregen durch die Kälte und die Allee des Schlossparks schritt, um den Tand von Besonderheiten zwischen Ständen mit Glasperlen, mediterraner Salami, Vogelhäuschen aus der Justizvollzugsanstalt und Wildgulasch beim Mega-Foodtruck zu trennen, wurden in Berlin in heimelig warmen Räumlichkeiten die Deutschen Reporterpreise 2018 vergeben.

Nee, stimmt ja gar nicht, die Preise wurden am 3. Dezember vergeben, der Adventmarkt war vom 7. bis 9. Dezember und wie das in Berlin war weiß ich gar nicht. Aber so zu schreiben kann schon Laune machen. So wie das Blog ja auch etwas dröhnend “Zeitsturmradler” heißt (wie ja auch mal eine fb-Freudin richtig anmerkte).

Ich las jedenfalls wie viele am 19. Dezember die Offenlegung bei Spiegel-Online. Und fragte mich dann: Warum? Da fährt ein Reporter in die Welt hinaus, hat relativ viel Zeit vor Ort (zum Beispiel drei Wochen in Fergus Falls) und fängt dann an Sachen dazuzuerfinden? Weil es besser klingt, weil es dann schöner wird? Mit seiner Berufserfahrung hätte er doch wissen müssen, worauf er achten muss, was er nachher beim Schreiben braucht, um nicht ins Dichten und Erfinden kommen zu müssen.

Mein Konstrukt mit Kälte und Wärme oben funktioniert doch auch noch, wenn ich daraus “vier Tage bevor der Lokalreporter versuchte Tand von Besonderen zu trennen etc. pp.” mache. Ok, ich muss halt rausfinden, wie das in Berlin lief.

Echo online: Erstmals hat die Stadt Weiterstadt den Weihnachtsmarkt im Braunshardter Schlosspark organisiert.

Das andere bei der Sache ist aber jetzt die Welle, die da die “Lügenpresse”-Rufer machen. Keiner von denen hat es Weiterlesen

Vor fünf Jahren: Darmstädter Koalition im Handelsblatt

Ja, vor fünf Jahren war die grün-schwarze Kolaition in Darmstadt so ungewöhnlich, dass das Handesblatt darüber schrieb. Und was schrieb ich in meinem Blogeintrag dazu?

(…) so gut es ist, dass die Darmstädter SPD nach 60 Jahren in der Stadtregierung mal so richtig in der Opposition ist (…)

Jawohl.

Darmstädter Koalition im Handelsblatt

Ein Vorteil der Pressefreiheit wird von Regierenden stets verkannt

Das österreichische Innenministerium hat die Medien “Standard”, “Falter” und “Kurier” zum Lesen empfohlen. Jedenfalls wenn man einem eine kritische Berichterstattung wichtig ist.

In Österreich ist eine E-Mail aus dem von der FPÖ geführten Innenministerium aufgetaucht, in der nahegelegt wird, diesen Medien weniger Infos zukommen zu lassen.

Der Standard: Innenministerium beschränkt Infos für “kritische Medien” – “Leider wird wie eh und je seitens gewisser Medien (zum Beispiel ‘Standard’, ‘Falter’) sowie neuerdings auch seitens des ‘Kuriers’ eine sehr einseitige und negative Berichterstattung über das BMI beziehungsweise die Polizei betrieben”, wird in dem Schreiben gewarnt, das dem “Standard” und dem “Kurier” über mehrere Stationen zugespielt wurde und dessen Authentizität von mehreren Beamten bestätigt wird.

Ich wundere mich ja immer, dass Regierungen nicht erkennen, welche Chance und Einsparpotenziale ihnen die freie Presse gibt.

Man erfährt kostenlos, wo was schief läuft und bekommt einen Eindruck, was die Menschen im Land so denken. Ohne Pressefreiheit muss man diese Infos über einen Spitzelapparat bekommen. Der kostet Geld und bindet Menschen, die nicht zum Bruttosozialprodukt beitragen.

Mal wieder ein Ende für Angela Merkel

Nach der Abwahl des CDU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder wird über ein Ende der Ära Merkel spekuliert. Mal wieder, wie “Übermedien” zeigt.

Spekulieren macht halt Spaß. Ich hatte auch mal gedacht, dass sie nur zwei Jahre bis 2007 durchhält. Ich hatte aber davor auch schonmal gesagt, dass Angela Merkel nicht Bundeskanzlerin wird. Weil ich davon ausging, dass die CDU-Granden ihr das Leben schwermachen werden.

Aber eigentlich könnte man wissen, dass in der Politik immer was dazwischenkommt. Der Spiegel hatte Helmut Kohl 16 Jahrelang mindestens einmal im Jahr abgeschrieben und keine Chance mehr gegeben.

Das Ende der Ära Kohl war in den achtziger und neunziger Jahren eine Art Spiegel-Serie.

Das las sich zwar immer gut, aber am Ende hat es nur 1998 gestimmt. Und da war es nicht innerparteilicher Streit (den der Spiegel oft beschrieben hatte), sondern einfach eine Bundestagswahl mit einer Mehrheit für Rot-Grün.

Seit über einem Jahr kein Kabelfernsehen mehr

Da mein zu alter Fernseher das digitale Signal nicht entschlüsseln kann, habe ich seit über einem Jahr kein Kabelfernsehen mehr. Nun, geht gut, ich gucke fern über die Mediatheken. Und bei den ÖR und der Pro7-Sat1-Gruppe gibt es auch einen Lifestream.

Wo ich tatsächlich nicht mehr reingucke ist bei RTL & Co. Die wollen Geld für den Livestream und die App. Nur im PC-Browser sind RTL Now etc. kostenlos. Nur leider hatte mich im vergangenen Jahr nur eine einzige “Wer wird Millionär”-Sendung interessiert. Bei RTL erinnere ich mich leider nur an zu viele Trash-Formate, so dass mich auch gar nicht mehr interessiert was die da so bringen.

Hutbürger, Polizisten und Journalisten – warum es schiefläuft

Bei den Krautreportern steht mal was interessantes.

Krautreporter: Sachsen, Hutbürger und die Polizei – sieben Journalisten erzählen, was sie erlebt haben.

Wenn ich das so lese, ahne ich, was da schiefläuft und dazu müssen die Beamten noch nichtmal AfD- oder Pegida-Sympathisanten sein.

So wie ich hier in Darmstadt Polizeiarbeit mitbekomme, wollen die Polizeibeamten bei verbalen Auseinandersetzungen erstmal deeskalieren. Weil das auch am wenigsten Arbeit macht, wenn es klappt. Ansonsten heißt es nämlich Anzeigen und Personalien aufnehmen, Leute festsetzen, Papierkram etc. Und am einfachsten ist das “runterbringen” mit Abstand herstellen. Auch wenn es manchmal ungerecht wird, weil gerne man der oder die Schwächere dann halt nachgibt, auch wenn die anderen bei genauer Betrachtung im Unrecht sind. Aber es gibt keine Körperverletzung oder schlimmeres.

Und es so funktioniert die Taktik bei Streitereien auf einem Straßenfest, im Straßenverkehr, beim Fußballspieloder in der Kneipe. Aber wenn es um Demos oder politische Veranstaltungen geht, führt Deeskalation zu seltsamen Situationen.

Da wird dann nämlich der weggeschickt, der die Demonstration oder Veranstaltung vermeintlich stört und der Schwächere oder Einsichtigere ist. Die anderen sind ja auch in der Mehrheit, die kann man nur schwer wegschicken. Nur kollidiert diese Deeskalationstaktik mit der Pressefreiheit. Und dann macht die Pressefreiheit auch noch Arbeit Weiterlesen

Facebook-Posting schlägt Ignoranz

Das ist ein Beispiel für das was der Psychologie-Professor Peter Kruse 2010 in einer Bundestagskommission über die Entwicklung des Internets gesagt hatte („Die Systeme haben eine Tendenz zur Selbstaufschaukelung“ und „kreisende Erregungen im Netzwerk“)

Da schreibt die Reiterin und gelernte Bereiterin Kriemhild Morgenroth einen kritischen Facebook-Post, weil auf einen Missstand nicht reagiert wurde. Die Folge: 13.000 Reaktionen, über 4000 Kommentare, über 16.000 Mal wurde ihr Beitrag geteilt und der Deutschlandfunk berichtet: Es besteht dringender Gesprächsbedarf zwischen Reitern, Trainern und Offiziellen.

Screenshot eines öffentlichen Facebook-Postings.

Mit sowas sollten Veranstalter inzwischen rechnen. Peter Kruse empfahl damals ein Gespür für seine Branche, weil man sowas nicht vorhersagen könne.