Ko-Produktion „Babylon Berlin“ – Bei der ARD sitzt man in der zweiten Reihe

Babylon Berlin Trailer

Die ARD hat die Serie “Babylon Berlin” angeblich mit zwölf Millionen Euro mitfinanziert. Und wo läuft sie zuerst? Logisch, bei “Sky”, die sich mit fünf Millionen Euro daran beteiligt haben.

In der ARD läuft die Serie erst Ende 2018 – so erfüllt man natürlich auch seinen Grundversorgungsauftrag (der die Haushaltsabgabe rechtfertigt und auch warum die Öffentlich Rechtlichen fiktionale Formate oder Unterhaltungsshows zeigen).

Hannoversche Allgemeine: Sky-Kunden gucken sofort – ARD-Zuschauer müssen ein Jahr auf „Babylon Berlin“ warten – 12 Millionen Euro sollen von der ARD-Tochter Degeto kommen, rund fünf Millionen von Sky, 12 Millionen Euro von mehreren Filmförderanstalten und elf Millionen vom Rechtehändler Beta Film, der die Serie auf eigenes Risiko weltweit vermarktet.

via BILDblog

Infos im Ersten aus der zweiten (?) Reihe

ARD-Korrespendentin Isabel Schayani sitzt in New York und berichtet über die Schüsse im kanadischen Parlament in Ottawa.

Ok, man kann nicht überall Mitarbeiter haben, aber übertragen auf Deutschland bedeutet das, dass ein Korrespondent aus Stuttgart über ein Ereignis im 535 km entfernten Hamburg berichtet. Denn zwischen New York und Ottawa liegen rund 540 Kilometer.

Nun, wie würden wir Hamburg-Nachrichten aus Stuttgart einschätzen?

Neusprech-“heute” beim ZDF

Die ZDF-Nachrichten-Redaktion hat ja schnell aus der Brender-Abwahl gelernt. Bloß nicht bei der CDU unangenehm auffallen und deswegen am besten alles eins zu eins übernehmen, was von den Unionschristen kommt.

“Heute”-Nachrichten vom 4. Dezember 2009, 14 Uhr.

In den 15 Uhr-Nachrichten berichtet “Heute” über das mit schwarz-gelber Mehrheit im Bundestag beschlossene “Wachstumsbeschleunigungsgesetz”. Aber ohne Anführung oder einschränke Ergänzungen wie “sogenannt”. Eins zu eins wurde der Neusprech-Marketingbegriff der Regierung übernommen.

Susanne Holst bei der ARD-Tagessschau sprach eine Stunde später jedenfalls vom “sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz”. Na, wenn da mal nicht Chefredakteur Gniffke von ARD-aktuell zum Rapport bestellt wird.

Live – Wen stören da schon 7495 Kilometer?

Die ARD berichtet über den Tsunami auf Samoa – das liegt im südwestlichen Pazifik. Der Reporter berichtet dazu “live” – aus Tokio … Ist ja ums Eck – im nordöstlichen Pazifik – nur 7495 Kilometer liegen dazwischen.

Mario Schnitt berichtet live aus Tokio übers 7495 Kilometer entferne Samoa.

Aus Tokio zu berichten ist für mich ja in Ordnung, ist halt gerade kein ARD-Reporter auf Samoa. Aber “live” muss man da nicht betonen, denn das finde ich so albern, wie wenn ich jetzt “live” aus Darmstadt übers Münchener Oktoberfest bloggen würde. Und das wäre nur rund 400 Kilometer entfernt.

Äpfel, Birnen und Nebelkerzen

Meedia berichtet über eine Pressekonferenz der ARD-Intendanten zum Skandal um erfundene Drehbuchautoren beim NDR:

ARD-Programmchef Volker Herres, machte kein Hehl daraus, dass er die Medienberichterstattung im Fall Heinze für aufgebauscht hält, schließlich gebe es ja noch “Afghanistan und die Finanzkrise”.

Herres erinnerte an die Affäre um erfundene Interviews, die Tom Kummer im “SZ-Magazin” platzieren konnte.

Darf ich daraus schließen, dass alle hiesigen Unregelmäßigkeiten solange ok sind, solange in Afghanistan deutsche Soldaten sterben (weswegen die Bundeswehr auch dort bleiben muss)? Oder dass alle hiesigen Unregelmäßigkeiten ok sind, solange Banken ihre Kunden falsch beraten und abzocken?

Und: Der Vergleich mit dem SZ-Magazin ist eine Nebelkerze. Wenn das Magazin mich wegen seiner Kummer-Interviews stört, dann kaufe ich es (oder die SZ) einfach nicht mehr. Das kann ich mit meinen Rundfunkgebühren nicht machen. Es sei denn, ich schaffe Radio, Fernseher und meinen internetfähigen Computer ab. Das wäre dann so, als dürfte ich gar keine Zeitung oder Zeitschrift mehr kaufen, weil ich wegen der Kummer-Interviews keine SZ mehr kaufen will.

Oscarpreisträger im Fernsehen

Fernsehtipp von der Medienlese:

Für “Spielzeugland” hat der Berliner Regisseur Jochen Alexander Freydank einen Oscar bekommen – eine Woche später versenkt die ARD den Kurzfilm im Nachtprogramm.

Ja, so sind sie unsere ÖR. Und nachher sagen sie, Kultur und Qualität lohne sich nicht, guckt ja keiner. (Achtung, Ironie!)

ARD, Sonntag, 1. März, 23.30 Uhr
MDR, Dienstag 3. März, 22.10 Uhr

Einheitsprogramm

Wenn man für den Fernseher im Büro, im Handy und zuhause unter Umständen dreimal Rundfunkgebühren zahlen darf, dann darf man natürlich auch auf ARD, Phoenix und ZDF dreimal das gleiche sehen. Damit auch keinem entgeht, dass Obama jetzt Präsident ist.

Wozu haben wird denn verschiedene ÖR Sender, wenn sie das gleiche senden? Grundversorgung. Klar.