Jamaika in Weiterstadt

In Weiterstadt hat sich nach der Kommunalwahl eine neue Kooperation formiert. Sie besteht aus CDU, ALW-Grüne und FDP. Dass diese Kombination einen Mehrheit hat, hatte ich ja schon nach der Wahl skizziert. Und ich sah auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, denn ALW-Grüne und SPD, das ging schonmal schief. Und auch wenn das über zehn Jahre her ist, das Personal wurde noch nicht komplett ausgewechselt.

Nimmt die Kooperation ihre Arbeit auf, wäre die SPD, die seit 2011 die Stadtpolitik (wieder) prägte, nicht mehr Teil der Stadtregierung. 2011 hatte die SPD mit der ALW kooperiert, ab 2014 stellte sie den Bürgermeister, ab 2016 koopperierte sie dann zehn Jahre mit den Freien Wählern. Die Freien Wähler haben sich Ende 2025 selbst aufgelöst. Aber die SPD verlor bei der Kommunalwahl 2026 deutlich und hatte auch die Bürgermeisterwahl 2025 verloren.

2021 hatte die SPD bei der Kommunalwahl noch rund 43,5 Prozent (16 Sitze), 2026 wurden es zirka 32 Prozent (13 Sitze), damit wurde sie wieder, wenn auch knapp, die stärkste Fraktion. Ob nun frühere Wählerinnen und Wähler der FWW nun SPD gewählt haben und sie so vor noch mehr Verlusten bewahrte oder ob die ganz anderen Listen gewählt hatten, wissen wir nicht, dazu müssen Daten erhoben werden, das wurde nicht gemacht. Es ist eben nur eine Kommunalwahl.

Dass die CDU (31,7%) lieber mit zwei kleineren Partner kooperiert, ist aus Unionssicht nachvollziehbar. So kann sie leichter Ansprüche auf den Posten des Ersten Stadtrats anmelden. Das ist in Weiterstadt zwar ein Ehrenamt, aber damit ist man auch Stellvertreter des Bürgermeisters. Und da Bürgermeister Niklas Gehnich parteilos ist, ist eine „Ihr habt den Bürgermeister, wir den Stellvertreter“-Absprache im Stadtparlament schwierig. In einer Kooperation mit der SPD wäre die CDU mit ihren 12 Sitzen der kleinere Partner. Und dann würde die SPD als größte Fraktion – 13 vs. 12 Sitze – noch den Stadtverordnetenvorsteher stellen.

CDU, ALW-Grüne und FDP haben ihre Pläne nun vorgestellt. Dazu gehört interessanterweise auch, dass die CDU den Stadtverordnetenvorsteher sowie den Ersten Stadtrat stellen soll.

Das mit dem Stadtverordnetenvorsteher würde ich ja ich nicht machen. Das ist ein unnötiger Traditionsbruch. Den zudem jeder schnell versteht. Es ist ja nicht so, dass die SPD eine ganz schrechliche Partei ist. Und wie man die Vorstände in den Ausschüssen besetzt, kann man auch diskutieren, aber es interessiert die Wählerschaft eigentlich nicht.

Die SPD kritisiert nun die Pläne der neuen Kooperationspartner. Wobei die Kritik für mich so klingt, als wolle man die Kommunalwahl in der dritten Halbzeit gewinnen.

Ich greife den Punkt heraus, der den Politikbetrieb betrifft. Die Weiterstädter SPD thematisiert, dass die Parlamentsausschüsse mehr Mitglieder bekommen sollen.

Ebenso erhöht die Jamaika-Kooperation die Zahl der Ausschussmitglieder von 9 auf 13 und verkauft dies als Stärkung der Demokratie, obwohl es offenkundig nur um Machtsicherung geht: Bei neun Ausschussmitgliedern hätte nämlich die Unsicherheit bestanden, dass Ausschusssitze gelost werden müssen

Nein, so eine Vergrößerung ist in der Konstellation fair. Im neuen Weiterstädter Stadtparlament haben alle Parteien/Listen mindestens zwei Mandate. Damit haben auch AOF, FDP und Die Partei Fraktionstärke (siehe Hessische Gemeindeordnung). Sie haben auch alle über fünf Prozent, auch wenn es diese Hürde bei Kommunalwahlen nicht gibt. Und es ist richtig, dass alle Fraktionen in den Ausschüssen mit Rede- und Stimmrecht vertreten sind.

Abgesehen davon: Was ein Ausschuss beschließt, ist in der Regel eine Empfehlung für die Stadtverordneten, am Ende entscheidet das Parlament. Und wenn die Ausschüsse die Mehrheitsverhältnisse nicht wiederspiegeln, wird es nur umständlicher. Ich hole mal etwas aus: Dann muss man bei ablehnenden Beschlussempfehlungen im Parlament mit „nein“ gegen den Ausschuss stimmen. Oder: Das Parlament kann den Ausschüssen für bestimmte einzelne Vorlagen eine Vollmacht erteilen, einen Beschluss anstelle des Parlaments zu treffen. Das macht man beispielweise, damit man nicht in Ferien das ganze Parlament einberufen werden muss, die Sache aber eilig ist. Hätte so ein Ausschuss nicht die Mehrheitsverhältnisse wie im Parlament, würde er diese Vollmacht eben nicht bekommen.

Und dann ist noch eine Nebelkerze dabei. Die SPD sagt, dass es nur darum gehe, Mehrheiten zu sichern. Nun, das ist das Lied „Wir wollen ja gestalten, die anderen sind nur machtgeil“, das jede Partei singt. Politik ist schon immer das Setzen von Zielen und das Organisieren von Mehrheiten für diese Ziele. Und dieses Mal haben das offenbar CDU, ALW-Grüne und FDP geschafft und nicht wie zehn Jahre lang SPD und FWW. Demokratie lebt vom Wechsel.

Die Darmstädter Grünen und Wixhausen

„Die ‚Neue Mitte Wixhausen’ ist von uns entwickelt, trotzdem sind wir dort abgekackt.“ Stellen die Grünen auf einer Mitgliederversammlung fest, berichtet das Echo.

Okay, Wixhausen ist keine Grünen-Hochburg und die Wixhäuser fühlen sich von der Stadtregierung vernachlässigt. Das ist eine schlechte Ausgangslage für die Grünen.

Aber die Grünen haben ja auch nicht für ihre Sichtbarkeit in Wixhausen gesorgt. Denn, dass man bei einer Wahl „abkackt“, bei der man keine Kandidaten für den Wixhäuser Ortsbeirat hat (da traten nur SPD und CDU an), wundert mich nicht. Und es ist wieder mal ein Hinweis darauf, dass die Grünen in den Stadtteilen nicht mit Ortsvereinen (SPD-Bezeichnung) oder Stadtbezirksverbänden (CDU) präsent sind. Weswegen die Arheilger auch nicht so Grün sind.

Und das mit der „Neuen Mitte Wixhausen“: Am 5. März 2021 kündigte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) an, dass Wixhausen ein neues Stadtteilzentrum bekommen werde. Am 14. März 2021 war Kommunalwahl.

Am 3. März 2023 stellte OB Jochen Partsch das Konzept für die „Neue Mitte Wixhausen“ vor. Am 19. März war Oberbürgermeisterwahl.

Nun, wenn ich mich schon vernachlässigt fühle, dann sind solche Projektvorstellungen vor den Wahlen einfach zu viele Zufälle (ja, auch wenn es nur zwei sind) und wirken wie sich anbiedern.

Und dann fühlten sich die Wixhäuser beim Fluglärm stets von der Stadtregierung ignoriert, es wurde nicht mal das Geld für eine – eigentlich von der Stadt geplante – Streuungsstudie bereitgestellt.

Wobei, Fluglärm: Welche Partei ist am ehesten gegen den Frankfurter Flughafen? Die Grünen. Wer ist eher für den Flughafen? Die CDU. Und die SPD hat auch nichts so richtig gegen den Airport.

Welche Parteien holen seit Jahrzehnten bei Landtagswahlen im fluglärmgeplagte Südhessen die allermeisten Direktmandate? CDU und SPD. Auch in Wixhausen. Und Arheilgen.

Koalitionen für Weiterstadt

Okay, nun orakel ich mal für Weiterstadt und sein Kommunalwahlergebnis rum, die Kristallkugel und der Palantir sind jetzt aber vom Küchentisch gerollt.

Hier ist der Klassiker von 2016, eine Kooperation aus SPD und Freien Wählern, nicht mehr möglich, weil die Freien Wähler sich vor der Kommunalwahl aufgelöst hatten. Und in der Wahl 2026 ist es der SPD von ihren Stimmen her nicht gelungen, die Wähler der FWW rüberzuziehen und ihre Stimmen von 2021 zu behalten.

Bürgermeister Niklas Gehnich ist parteilos und es gab keine Unterstützerliste für ihn.

SPD und ALW-Grüne: 19 Sitze von 37, das reicht knapp. Aber SPD und ALW waren vor 11 Jahren im Streit auseinander gegangen (die SPD hatte die ALW einmal zu viel über den Tisch gezogen) und fanden nicht mehr so richtig zusammen. ALW-Grüne waren bei der Bürgermeisterwahl auch nicht für den SPD-Kandidaten.

SPD und CDU, 25 Sitze von 37: Klar, das reicht locker. Und da die CDU in der vergangenen Legislatur der SPD auch mal den Hintern gerettet hat (Kita Alte Schlossschule, die FWW war gegen den Umbau, die CDU dafür), könnte da was gehen.

CDU und ALW-Grüne: Das lief seit Ende der 90er sehr gut. Aber 2011 hatte diese Kooperation keine Mehrheit mehr und jetzt gibt es auch ganz knapp keine. Aber zusammen mit der FDP oder Die Partei oder AOF wäre was möglich.

Koalitionen für Millionen … äh … Darmstadt

So, das ist also das Ergebnis der Kommunalwahl 2026 für Darmstadt. Mal überlegen, wo die Mehrheit für eine Koalition herkommen könnte. Bei 71 Sitzen braucht man mindestens 36 Mandate in der Koalition.

Der Klassiker von 2011 aus Grüne und CDU funktionierte schon 2016 nicht mehr, da gab es dann eine Grün-Schwarze Koalition, die mit Uffbasse kooperierte. 2021 war wieder ein Dreierbündnis notwendig, dieses Mal aus Grünen, Union und Volt. Es passierte das, worüber 2011 mal ein CDUler gejammert hatte, allerdings mit der SPD: Egal wie die Wahl ausgeht, die SPD findet immer wieder Koalitionspartner. Naja, er lag falsch.

Nun also 2026. Und es ist zum dritten Mal die Mehrheit für Grün-Schwarz flöten gegangen. Mit Volt reicht es nur noch für 34 Stimmen, also ein vierter Partner? Da ist der Proporz im hauptamtlichen Magistrat schwierig, z.B.: FDP 1, Volt 1, CDU 1, Grüne 2?

Oder mit Uffbasse? Die wollten 2016 keinen Sitz im hauptamtlichen Magistrat: Uffbasse 0, Volt 1, CDU 2, Grüne 2?

Okay, „Links“bündnis ohne SPD: Grüne, Volt, Linke, Uffbasse, Tierschutzpartei. Da ist wieder der Proporz im Magistrat

Na gut, Deutschlandkoalition-Plus aber ohne Grüne: CDU, SPD, FDP, Volt, Uffbasse – und jede mit einem Dezernenten im hauptamtlichen im Magistrat? Glaube ich nicht.

Also Kenia? Grün, Schwarz und Rot, 38 Mandate. Das hätte den Reiz, dass die Koalition nicht (grundsätzlich) gegen den SPD-OB regieren würde, sondern mit ihm. SPD und CDU kann ich mir ja vorstellen, aber wie sieht es inzwischen mit SPD und Grünen aus?

Politsprech zum Davonlaufen

Das ist aus einer kurzen Stellungnahme der Darmstädter Grünen zu Kommunalwahl:

„Die Darmstädterinnen und Darmstädter haben den Grünen erneut großes Vertrauen geschenkt. Mit rund sieben Prozent Abstand sind wir stärkste Kraft geworden.“

Das ist der Politsprech, auf den Menschen keine Lust mehr haben, egal von welcher Partei der kommt. Ich ergänze mal, denn da ist einiges verloren gegangen: Die Darmstädterinnen und Darmstädter haben den Grünen erneut großes Vertrauen geschenkt, auch wenn wir leider zum dritten Mal in Folge bei den Kommunalwahlen Prozente verloren haben. Trotz zehn Prozent weniger als 2011 sind wir mit rund sieben Prozent Abstand erneut stärkste Kraft geworden.

Zur Erinnerung:
2011: 32,9%
2016: 29,7%
2021: 27,4%
2026: 22,x%

Und ja, die SPD-Idee, dass mit der Kommunalwahl ihr Oberbürgermeister Hanno Benz gestärkt werden sollte, ist auch nicht aufgegangen – Echo online: Das haben die Genossen plötzlich kollektiv vergessen(€)

Bäume, arme Stadtquartiere und Schutz für Wildtiere

Es hat ja eine gewisse Ironie. Heute meldet das Darmstädter Echo, dass im Akazienweg viele Bäume gefällt worden seien (€). Rechtlich sehr wahrscheinlich einwandfrei, sie standen auf einem Privatgrundstück, es gab eine Sicherungspflicht und es war noch vor dem 1. März. „Das Ausmaß war in der Menge nicht zu erwarten“, heißt es jetzt von der Stadt.

Und auch heute erinnert die Stadt: „Mit dem Beginn der Brut- und Setzzeit bittet die Wissenschaftsstadt Darmstadt alle Bürgerinnen und Bürger, den Schutz von Wildtieren zu unterstützen.

Zudem ist es etwa einen Monat her, dass der von „Aktivisten“ besetzte Osthang der Mathildenhöhe geräumt wurde, um dort ein gutes Dutzend Bäume zugunsten des Welterbe-Besucherzentrums fällen zu können (€).

Ach ja, Darmstadt hat eine Baumschutzsatzung.

Eine KI beantwortet Fragen zum Darmstädter Grünen-Wahlprogramm

Die Darmstädter Grünen haben eine KI, die Fragen beantworten kann. Aber so wird das nichts, das ist eine typische Politikerantwort, die keiner mag:

Meine Frage: Hallo liebes Greenie, wann ist denn eine Sanierung der Asphaltdecke in der Wilhelm-Leuschner-Straße geplant? Da sind echt viele Schlaglöcher und die werden immer nur mit Kaltasphalt geflickt.

Antwort: Vielen Dank für die Frage zur Wilhelm-Leuschner-Straße und dem Zustand der Asphaltdecke.

Im bereitgestellten Kontext finden sich keine konkreten Angaben zu einem geplanten Zeitpunkt oder einem detaillierten Sanierungsprogramm speziell für die Asphaltdecke der Wilhelm-Leuschner-Straße. Es wird jedoch allgemein betont, dass die Grünen in Darmstadt sich für die Sanierung und Verbesserung der Infrastruktur einsetzen, insbesondere bei Gehwegen und öffentlichen Flächen.

Was die Grünen im Wahlprogramm betonen:
Lücken im Gehwegenetz sollen geschlossen und bestehende Wege saniert werden.
Sanierungsbedarf wird dort aufgegriffen, wo er sichtbar ist, und provisorische Lösungen (wie Trampelpfade) sollen zu vollwertigen Wegen ausgebaut werden.
An Hauptrouten sollen „Schönwetterwege“ befestigt werden.
Zu Straßen und Fahrbahnen:
Der Fokus im Kontext liegt auf Gehwegen, Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit. Spezifische Maßnahmen zur Sanierung von Fahrbahndecken, wie in der Wilhelm-Leuschner-Straße, werden im bereitgestellten Text nicht explizit erwähnt.

Fazit:
Aktuell gibt es im Wahlprogramm der Grünen Darmstadt keine konkrete Aussage zum Zeitpunkt oder Umfang einer Sanierung der Asphaltdecke in der Wilhelm-Leuschner-Straße. Die Grünen setzen sich jedoch grundsätzlich für die Verbesserung und Instandhaltung der Infrastruktur in Darmstadt ein.

https://gruene-darmstadt.ai/

Sollten Sie weitere Fragen zu anderen Projekten oder Vorhaben der Grünen in Darmstadt haben, beantworte ich diese gerne!

Meine Nachfrage: Die Antwort ist etwas lang, dafür, dass Du keine Infos zur Wilhelm-Leuschner-Straße hast, finde ich. Ist da nicht zu viel Politikersprech drin?

Antwort: Vielen Dank für den Hinweis und die Rückmeldung zur Länge der Antwort.

Im bereitgestellten Kontext finden sich keine konkreten Informationen zur Sanierung der Asphaltdecke in der Wilhelm-Leuschner-Straße. Es gibt keine Angaben zu einem geplanten Zeitpunkt oder zu geplanten Maßnahmen für diese Straße im Wahlprogramm der Grünen Darmstadt.

Zusammengefasst:
Aktuell liegen zu diesem Thema keine spezifischen Aussagen der Grünen Darmstadt vor.

Sollten Sie Fragen zu anderen Projekten oder Zielen der Grünen in Darmstadt haben, beantworte ich diese gerne.

Positiv: Ich hatte Greenie auch gefragt, wann das Nordbad fertig saniert sein wird. Da wusste die KI aber, das das 2023 fertig war und eingeweiht wurde. Und die Planung fürs Mühltalbad wusste die KI auch. Nur muss ich auf dem Weg nach Eberstadt durch die Schlaglöcher in der Wilhelm-Leuschner-Straße.

Tempo 30 in der Kasinostraße: Wahlkampf und schlecht geplant

Tja, Tempo 30 bringt so einiges mit sich (keine Fußgängerampel, kein Zebrastreifen und eben auch kein Radweg).
Dass da von derr Stadt so gar nicht nachgesteuert wurde, nachdem Tempo 30 im Jahr 2021 eingeführt worden war, bestätigt mich eher, dass es eben nicht ganz zufällig passend vor der Kommunal passierte.
Ich bin ja für Tempo 30 innerorts. Nur, wenn damit so Politik – und das dann auch noch fachlich schlecht – gemacht wird, leidet die Akzeptanz.

(€) Echo online: Kasinostraße: Radfahrer dürfen nicht mehr den Gehweg nutzen

So wird das wohl wieder nichts mit dem Sozialismus

Es gibt anscheinend eine neue Idee, wie es dieses Mal mit dem Sozialismus klappen soll. Die taz hat dazu mit der britischen Ökonomin und Publizistin Grace Blakeley gesprochen.

taz: Kapitalismus bedeutet Planwirtschaft, sagt die britische Ökonomin Grace Blakeley. Sie zählt zu den wichtigsten jüngeren Kapitalismuskritiker:innen

Wie nun ihr Sozialismus funktionieren soll, habe ich leider in dem Interview nicht gelesen oder nicht verstanden. Und auch nicht in ihrem Interview mit der NZZ (ich habe ja immer Hoffnung) – dafür hat Grace Blakeley da noch etwas – für mich sehr weltfremdes – zum russischen Krieg gegen die Ukraine gesagt:

Ich bin gegen den Krieg. Waffen sind falsch. Mit der Militarisierung Europas, die die etablierten Parteien jetzt betreiben, wollen sie von ihrem Versagen ablenken. (…) Kriegstreiberei und Angstmache. Eine alte Masche, man kann das bei George Orwell nachlesen. (…)

(…) Russland ist keine Bedrohung für Westeuropa. Es spottet jeder Vernunft, gegen Wladimir Putin in den Krieg ziehen zu wollen. Wenn wir das tun, begeben wir uns auf einen direkten Weg in den Untergang.(…) (…) Zu welchen Konditionen ein ukrainischer Waffenstillstand ausgehandelt werden soll, übersteigt meine Kompetenz.

Natürlich sind Waffen falsch. Und irre teuer. Nur keider funktioniert das mit dem Pazifismus und der Friedensdividende nur, wenn alle mitmachen. Sobald ein Land aussteigt, wird es für alle teuer. Denn dann greifen leider Mechanismen, die so alt sind, dass es da lateinische Sprichworte wie „Si vis pacem para bellum“ dazu gibt.
Die ironischen Anmerkungen, die mir auf der Tastatur lagen, lasse ich mal weg.