Die Folge des permanenten Sommertheaters

Ich verstehe unsere Bundespolitiker nicht, vor allen nicht die der Union-SPD-Koalition. Dieser Politikstil mit unabgesprochenen Ankündigungen erzeugte schon immer den Eindruck einer verzankten, chaotischen Regierung. Früher gab es das vermehrt in den großen Ferien, „Sommertheater“ hieß das damals.

Inzwischen ist dass ganze Jahr Theatersaison. Und dieses Gezackere, der öffentliche Streit, führte auch früher schon zu – damals noch folgenloser – Politikerverdrossenheit. Weil die Protestwähler nie über die Fünf-Prozent-Hürde hinauskamen. Inzwischen aber, seit über zehn Jahren, zahlt sowas aber bei den Blauen ein.

Fruchtgummies ohne Zucker

Ah, Fruchtgummies ohne Zucker, dafür mit Ersatzstoffen. Oh, ab einer Menge von zirka fünf Stück können sie abführend wirken. Hm.

Fünf Stück sind rund 20 Gramm, da hält die 125-Gramm-Packung doch glatt sechs bis sieben Tage. So kann man die Kilokalorien natürlich auch im Griff behalten.

Der Abend an dem Bobby Ewing starb

Vor 40 Jahren war ich auf Klassenfahrt. Bei der Abfahrt sagte noch einer, dass es vermutlich eine Explosion in einem Atombergwerk in der Sowjetunion gegeben habe – ich hatte mich verhört, aber deswegen in dem Moment nicht weiter nachgedacht, ein Bergwerk sollte ja kein Problem sein.

An dem Dienstag nach der Reaktorexplosion im Kernkraftwerk Tschernobyl, lief in der ARD die Dallasfolge, in der Bobby Ewing starb (es gibt einem deutschen Spielfilm von 2005, der so heißt), die wir unbedingt sehen wollten. Weswegen wir dann auch die Nachrichten sahen.

Markt schlägt Militär

„Ich würde Ihnen raten nicht so sehr auf die Tagespolitik zu gucken, sondern auf den Markt. So lange die Straße von Hormus nicht vollständig aufgeht, bleibt der Ölpreis hoch. So lange der Ölpreis hoch bleibt, hat Trump ein ökonomisches Problem. Ich denke, das wird er, je näher die Midterms rücken, immer weniger rechtfertigen oder durchhalten können.“
Militärökonom Marcus M. Keupp.

YouTube, ZDFheute Live: Niederlagen für Trump und Putin?

Jamaika in Weiterstadt

In Weiterstadt hat sich nach der Kommunalwahl eine neue Kooperation formiert. Sie besteht aus CDU, ALW-Grüne und FDP. Dass diese Kombination einen Mehrheit hat, hatte ich ja schon nach der Wahl skizziert. Und ich sah auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, denn ALW-Grüne und SPD, das ging schonmal schief. Und auch wenn das über zehn Jahre her ist, das Personal wurde noch nicht komplett ausgewechselt.

Nimmt die Kooperation ihre Arbeit auf, wäre die SPD, die seit 2011 die Stadtpolitik (wieder) prägte, nicht mehr Teil der Stadtregierung. 2011 hatte die SPD mit der ALW kooperiert, ab 2014 stellte sie den Bürgermeister, ab 2016 koopperierte sie dann zehn Jahre mit den Freien Wählern. Die Freien Wähler haben sich Ende 2025 selbst aufgelöst. Aber die SPD verlor bei der Kommunalwahl 2026 deutlich und hatte auch die Bürgermeisterwahl 2025 verloren.

2021 hatte die SPD bei der Kommunalwahl noch rund 43,5 Prozent (16 Sitze), 2026 wurden es zirka 32 Prozent (13 Sitze), damit wurde sie wieder, wenn auch knapp, die stärkste Fraktion. Ob nun frühere Wählerinnen und Wähler der FWW nun SPD gewählt haben und sie so vor noch mehr Verlusten bewahrte oder ob die ganz anderen Listen gewählt hatten, wissen wir nicht, dazu müssen Daten erhoben werden, das wurde nicht gemacht. Es ist eben nur eine Kommunalwahl.

Dass die CDU (31,7%) lieber mit zwei kleineren Partner kooperiert, ist aus Unionssicht nachvollziehbar. So kann sie leichter Ansprüche auf den Posten des Ersten Stadtrats anmelden. Das ist in Weiterstadt zwar ein Ehrenamt, aber damit ist man auch Stellvertreter des Bürgermeisters. Und da Bürgermeister Niklas Gehnich parteilos ist, ist eine „Ihr habt den Bürgermeister, wir den Stellvertreter“-Absprache im Stadtparlament schwierig. In einer Kooperation mit der SPD wäre die CDU mit ihren 12 Sitzen der kleinere Partner. Und dann würde die SPD als größte Fraktion – 13 vs. 12 Sitze – noch den Stadtverordnetenvorsteher stellen.

CDU, ALW-Grüne und FDP haben ihre Pläne nun vorgestellt. Dazu gehört interessanterweise auch, dass die CDU den Stadtverordnetenvorsteher sowie den Ersten Stadtrat stellen soll.

Das mit dem Stadtverordnetenvorsteher würde ich ja ich nicht machen. Das ist ein unnötiger Traditionsbruch. Den zudem jeder schnell versteht. Es ist ja nicht so, dass die SPD eine ganz schrechliche Partei ist. Und wie man die Vorstände in den Ausschüssen besetzt, kann man auch diskutieren, aber es interessiert die Wählerschaft eigentlich nicht.

Die SPD kritisiert nun die Pläne der neuen Kooperationspartner. Wobei die Kritik für mich so klingt, als wolle man die Kommunalwahl in der dritten Halbzeit gewinnen.

Ich greife den Punkt heraus, der den Politikbetrieb betrifft. Die Weiterstädter SPD thematisiert, dass die Parlamentsausschüsse mehr Mitglieder bekommen sollen.

Ebenso erhöht die Jamaika-Kooperation die Zahl der Ausschussmitglieder von 9 auf 13 und verkauft dies als Stärkung der Demokratie, obwohl es offenkundig nur um Machtsicherung geht: Bei neun Ausschussmitgliedern hätte nämlich die Unsicherheit bestanden, dass Ausschusssitze gelost werden müssen

Nein, so eine Vergrößerung ist in der Konstellation fair. Im neuen Weiterstädter Stadtparlament haben alle Parteien/Listen mindestens zwei Mandate. Damit haben auch AOF, FDP und Die Partei Fraktionstärke (siehe Hessische Gemeindeordnung). Sie haben auch alle über fünf Prozent, auch wenn es diese Hürde bei Kommunalwahlen nicht gibt. Und es ist richtig, dass alle Fraktionen in den Ausschüssen mit Rede- und Stimmrecht vertreten sind.

Abgesehen davon: Was ein Ausschuss beschließt, ist in der Regel eine Empfehlung für die Stadtverordneten, am Ende entscheidet das Parlament. Und wenn die Ausschüsse die Mehrheitsverhältnisse nicht wiederspiegeln, wird es nur umständlicher. Ich hole mal etwas aus: Dann muss man bei ablehnenden Beschlussempfehlungen im Parlament mit „nein“ gegen den Ausschuss stimmen. Oder: Das Parlament kann den Ausschüssen für bestimmte einzelne Vorlagen eine Vollmacht erteilen, einen Beschluss anstelle des Parlaments zu treffen. Das macht man beispielweise, damit man nicht in Ferien das ganze Parlament einberufen werden muss, die Sache aber eilig ist. Hätte so ein Ausschuss nicht die Mehrheitsverhältnisse wie im Parlament, würde er diese Vollmacht eben nicht bekommen.

Und dann ist noch eine Nebelkerze dabei. Die SPD sagt, dass es nur darum gehe, Mehrheiten zu sichern. Nun, das ist das Lied „Wir wollen ja gestalten, die anderen sind nur machtgeil“, das jede Partei singt. Politik ist schon immer das Setzen von Zielen und das Organisieren von Mehrheiten für diese Ziele. Und dieses Mal haben das offenbar CDU, ALW-Grüne und FDP geschafft und nicht wie zehn Jahre lang SPD und FWW. Demokratie lebt vom Wechsel.

Die Darmstädter Grünen und Wixhausen

„Die ‚Neue Mitte Wixhausen’ ist von uns entwickelt, trotzdem sind wir dort abgekackt.“ Stellen die Grünen auf einer Mitgliederversammlung fest, berichtet das Echo.

Okay, Wixhausen ist keine Grünen-Hochburg und die Wixhäuser fühlen sich von der Stadtregierung vernachlässigt. Das ist eine schlechte Ausgangslage für die Grünen.

Aber die Grünen haben ja auch nicht für ihre Sichtbarkeit in Wixhausen gesorgt. Denn, dass man bei einer Wahl „abkackt“, bei der man keine Kandidaten für den Wixhäuser Ortsbeirat hat (da traten nur SPD und CDU an), wundert mich nicht. Und es ist wieder mal ein Hinweis darauf, dass die Grünen in den Stadtteilen nicht mit Ortsvereinen (SPD-Bezeichnung) oder Stadtbezirksverbänden (CDU) präsent sind. Weswegen die Arheilger auch nicht so Grün sind.

Und das mit der „Neuen Mitte Wixhausen“: Am 5. März 2021 kündigte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) an, dass Wixhausen ein neues Stadtteilzentrum bekommen werde. Am 14. März 2021 war Kommunalwahl.

Am 3. März 2023 stellte OB Jochen Partsch das Konzept für die „Neue Mitte Wixhausen“ vor. Am 19. März war Oberbürgermeisterwahl.

Nun, wenn ich mich schon vernachlässigt fühle, dann sind solche Projektvorstellungen vor den Wahlen einfach zu viele Zufälle (ja, auch wenn es nur zwei sind) und wirken wie sich anbiedern.

Und dann fühlten sich die Wixhäuser beim Fluglärm stets von der Stadtregierung ignoriert, es wurde nicht mal das Geld für eine – eigentlich von der Stadt geplante – Streuungsstudie bereitgestellt.

Wobei, Fluglärm: Welche Partei ist am ehesten gegen den Frankfurter Flughafen? Die Grünen. Wer ist eher für den Flughafen? Die CDU. Und die SPD hat auch nichts so richtig gegen den Airport.

Welche Parteien holen seit Jahrzehnten bei Landtagswahlen im fluglärmgeplagte Südhessen die allermeisten Direktmandate? CDU und SPD. Auch in Wixhausen. Und Arheilgen.

Kunst statt Technik

Diese Glocke steht in der Nähe des Mühllheizkraftwerks bzw. hinterm Tegut in der Kasinostraße – und ist Kunst.

Ach, das ist Kunst. Ich dachte, das wäre ein ausgebautes, verbrauchtes, technisches Element, ein Filter oder sowas, aus dem benachbarten Müllheizkraftwerk, das ja modernisiert wird. Weswegen ich auch nicht so recht wusste, wo ich fragen könnte. Denn wie beschreibt man etwas, was man nicht erkennt?

(€) Echo online: Kein Platz für ein Kunstwerk in Darmstadt

Koalitionen für Weiterstadt

Okay, nun orakel ich mal für Weiterstadt und sein Kommunalwahlergebnis rum, die Kristallkugel und der Palantir sind jetzt aber vom Küchentisch gerollt.

Hier ist der Klassiker von 2016, eine Kooperation aus SPD und Freien Wählern, nicht mehr möglich, weil die Freien Wähler sich vor der Kommunalwahl aufgelöst hatten. Und in der Wahl 2026 ist es der SPD von ihren Stimmen her nicht gelungen, die Wähler der FWW rüberzuziehen und ihre Stimmen von 2021 zu behalten.

Bürgermeister Niklas Gehnich ist parteilos und es gab keine Unterstützerliste für ihn.

SPD und ALW-Grüne: 19 Sitze von 37, das reicht knapp. Aber SPD und ALW waren vor 11 Jahren im Streit auseinander gegangen (die SPD hatte die ALW einmal zu viel über den Tisch gezogen) und fanden nicht mehr so richtig zusammen. ALW-Grüne waren bei der Bürgermeisterwahl auch nicht für den SPD-Kandidaten.

SPD und CDU, 25 Sitze von 37: Klar, das reicht locker. Und da die CDU in der vergangenen Legislatur der SPD auch mal den Hintern gerettet hat (Kita Alte Schlossschule, die FWW war gegen den Umbau, die CDU dafür), könnte da was gehen.

CDU und ALW-Grüne: Das lief seit Ende der 90er sehr gut. Aber 2011 hatte diese Kooperation keine Mehrheit mehr und jetzt gibt es auch ganz knapp keine. Aber zusammen mit der FDP oder Die Partei oder AOF wäre was möglich.