Kochen mit Lipidnano­…was?

Noch was zum „Nachkochen“ eines mRNA-Vakzins indem mal mal eben die Lizenz vergibt: Das „Laborjournal“ hat ein grobes Rezept veröffentlich und weist dabei auf eine wichtig Zutat hin, die auch nicht jeder im Kühlschrank hat.

Laborjournal: Der Wohl­geschmack eines Gerichts hängt auch auch von seiner Konsistenz ab – dafür sorgt hier die Lipidnano­partikelhülle – Ein Tropfen Wasser, eine Messerspitze Salz, dazu Zucker, vier verschiedene Fette, je ein Löffelchen Kaliumchlorid und Kaliumphosphat, noch etwas Natrium­phosphat und zum Schluss eine Prise Erbsubstanz. So in etwa lautet das Rezept des Biontech-Impfstoffs. Ganz so leicht anzurühren, wie manche denken, ist die Mixtur aber nicht, da braucht es schon ein paar Profiköche.

Tempo 30 – und woanderes kommt Darmstadt nicht voran

Die Kasinostraße soll zwischen Frankfurter Straße und Rheinstraße, also auch hier beim Tegut, Tempo 30 bekommen.

Huh, die Darmstädter Autofahrer schreien auf, Tempo 30 auf Teilen der Kasinostraße, zwischen Rheinstraße und Frankfurter Straße. Was ok für mich ist, ich bin ja schon seit den 90ern für Tempo 30 innerorts. Wobei, was ist dann mit den Radwegen auf den Bürgersteigen und der Ampel beim Tegut? Sowas ist doch bei Tempo 30 nicht mehr vorgesehen. Bleibt zu hoffen, dass das nicht von den Verwaltungsgerichten kassiert werden kann.

Echo online: Tempo 30 kommt (€)

Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass das ein Wahlkampfmanöver ist, dass Grünen und, ja, auch der CDU helfen soll. Der Grünen-OB kann seinen Wählerinnen und Wählern zeigen, dass er was tut. Und die CDU kann sich damit profilieren, dass sie sagt, dass sie dagegen ist. Drei Wochen vor der Kommunalwahl am 14. März. Es scheint mir das gleiche Spiel wie damals bei dem Antrag, dass ganz Darmstadt eine Tempo 30-Zone werden soll. Der ja vom Bundesverkehrsministerium abgelehnt wurde.

Die Grünen konnten danach auf die Ablehnung verweisen, dass sie ja den großen Wurf versucht hätten, den aber das böse CSU-geführte Verkehrsministerium* verhindert habe. Und die CDU konnte sagen, dass sie ja nicht so ohne weiteres für Tempo 30 sei und sich als nicht so radikale Verkehrspolitiker darstellen.

Und jetzt wäre es auch eine schöne Sache, wenn auch das Tempo 30 auf der Kasinostraße Teil eines Plans ist und nicht eine der vielen Einzelmaßnahmen, die vergessen machen sollen, dass es seit zehn Jahren für den Darmstädter Verkehr kein Konzept mehr gibt. Der Darmstädter Verkehrsentwicklungplan von 2006 oder so wurde noch mit der Nordostumgehung (NOU) berechnet. Die NOU wurde ab 2009 von den Grünen klar abgelehnt und 2011 mit der grün-schwarzen Koalition politisch beerdigt und dann verwaltungsrechtlich abgeplant. Aber da wurde nicht zeitgleich angefangen, zu planen, wo der Verkehr, für den die NOU gedacht war, nun hin soll.*** 2016 wurde dann mit einem alles umfassenden Masterplan angefangen, aber der Verkehr dann doch erstmal ausgeklammert.

Parallel dazu kamen Maßnahmen wie Fahrradstraßen, eine Straßenbahntrasse, eine Fahrrad- und Fußgängerbrücke, breitere Radwege, autoarmes Quertier Lincolnsiedlung (was Berufspendler, die dringend eine Wohnung brauchen nicht interessiert) oder eine Protected Bike Lane und Tempo 30. Einiges wurde mangels eigenem städtischen Plan von der Initiative “Radentscheid” übernommen.** Alles schön und sinnvoll, nur eben ohne einen Masterplan Mobilität, oder wie man sonst einen Verkehrsentwicklungsplan nennen würde. So ein Plan wäre ja auch eine Chance. Nämlich denen, die meinen, es gehe zu sehr gegen die Autos, zu zeigen, dass es doch eine Gesamtplanung gibt, in der alle Verkehrsteilnehmer vorkommen.

* – Dass ich finde, dass der CSU-Bundesverkehrsminister schon längst entlassen hätte sein müssen, steht auf einem anderen Blatt. Aus dem übrigens auch steht, dass ich da von der Kanzlerin und den Koalitionsabgeordneten bei CDU, CSU und SPD entsprechende Initiative erwarteted hätte.

** – In diese Lücke hätte vielleicht auch eine andere Gruppe stoßen können. Aber da wurde ja lieber in den Sozialen Netzwerken gebasht als ein Konzept zu entwickeln und dafür Unterschriften zu sammeln.

*** – Gäbe es einen (besseren) Ersatz für die NOU, wäre der Stadtregierung 2020 vielleicht auch die Diskussion um die Sanierungsarbeiten auf der B26 entgangen, die zeigte, dass da eine Behörde ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatte.

Impfschieberei in Weiterstadt

Vor zwei Wochen sollten Bewohner und Mitarbeiter des Weiterstädter Seniorenheims St. Ludwig geimpft werden. Aber schon am Morgen war eine Gruppe da, die nicht im Heim im Stadtteil Braunshardt arbeitete und dann sogar noch vor den Betreuungs- und Pflegekräften geimpft wurde …

Echo online: Impfdrängler in Weiterstadt: Heimleiter räumt Fehler ein (€)

EU-Kommissionspräsidentin gibt Versäumnisse zu

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat im EU-Parlament Versäumnisse bei der Vakzinbestellung eingeräumt.

„Wir waren spät bei der Zulassung, wir waren zu optimistisch bei der Massenproduktion, und vielleicht waren wir uns auch zu sicher, dass die Bestellungen pünktlich geliefert werden.“

Und deswegen war es natürlich richtig, bei mehreren Herstellern zu bestellen, um Ausfallsrisiken zu minimieren. Nur bestellt man dann aber bei jedem gleich so viel, dass es auf jeden Fall für alle EU-Bürger reicht. Denn wenn im blödesten Fall am Ende nur ein Impfstoff durchkommt (wegen Problemen bei Zulassung, Produktion und Logistik), dann hat man auf jeden Fall genug davon da.

Überschüssigen Impfstoff gibt es bei der worst case-Variante nicht, denn der wird ja später geliefert und kann umgeleitet werden. Oder es gibt ihn gar nicht.

Tatsächlich aber waren die Bestellungen aufgeteilt und es wurden bei drei Herstellern je 400 Millionen Dosen bestellt. Je nach Vakzin reichen die für 200 oder 400 Millionen Bürger, weil man zweimal geimpft werden muss. Nur beim Johnson & Johnson-Produkt soll eine Impfung reichen.

Curevac: 405 Millionen Dosen
Johnson & Johnson: 400 Millionen Dosen
Astra-Zeneca: 400 Millionen Dosen
Biontech: 300 Millionen Dosen
Sanofi: 300 Millionen Dosen
Moderna: 160 Millionen Dosen

Und angesichts der vielen Toten, Kranken, Langzeitkranken, den Folgen für die Bildungs- und Gesundheitssysteme sowie die Volkswirtschaften und die Steuereinnahmen, war Sparen bei der Vakzinbeschaffung halt falsch. Und da erwarte ich, von einer Behörde wie der EU, die ja auch nicht so schlecht bezahlt, dass deren Leute sowas berücksichtigen.

Die dritte Welle – mit B.1.1.7

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS – Die Spike-Proteine sind grün eingefärbt, um die Mutante zu illustrieren. Im CDC-Original sind sie rot.

Noch sinken die Coronavirus-Fallzahlen, aber im Hintergrund könnte sich eine neue Welle aufbauen, warnt ein Modell, das davon ausgeht, dass die ansteckendere B.1.1.7-Variante die bisher vorherrschende Sars-CoV-2-Variante verdrängen wird.

sueddeutsche.de: Die unsichtbare Welle – Wenn B.1.1.7 um 40 Prozent ansteckender ist, würde sich die Entwicklung im März allmählich wandeln, B.1.1.7 würde die Oberhand gewinnen, die Fallzahlen würden wieder steigen – obwohl sich die Maßnahmen nicht verändert haben. So war es bereits Ende vergangenen Jahres in Großbritannien zu beobachten.

Ich befürchte unsere Landesregierungen werden hoffen, dass es anders kommt. So wie sie Ende September 2020 nicht sehen wollten, dass die Exponentialfunktion Anlauf nahm. Damals hat es vier Wochen gedauert, bis sie reagierten.

Vakzin-Produktion

In “Science” beschreibt ein Artikel, was es alles braucht, um mRNA-Vakzine herzustellen. Das kann eben nicht jeder. Es zeigt auch, auf welcher Ebene was schief gehen kann. Und da ist die Forschung schon abgeschlossen. (Das was jetzt kommt ist nur eine Zusammenfassung):

There are not “dozens of other pharma companies” who “stand ready” to produce these mRNA vaccines. – Step One: Produce the appropriate stretch of DNA, containing the sequence that you need to have transcribed into mRNA. This is generally done in bacterial culture.

Step Two: Produce that mRNA from your DNA template using enzymes in a bioreactor.

Step Three: Produce the lipids that you need for the formulation. Some of these are pretty common (such as cholesterol), but the key ones are very much not (more on this below).

Step Four: take your mRNA and your lipids and combine these into lipid nanoparticles (LNPs). I have just breezed past the single biggest technological hurdle in the whole process, and below you will learn why it’s such a beast.

Step Five: combine the LNPs with the other components of the formulation (phosphate buffers, saline, sucrose and such) and fill those into vial.

Step Six: get those vials into trays, into packages, into boxes, into crates, and out the door into trucks and airplanes

Und das ist nur die Produktion, die Forschung und die klinischen Studien standen ja noch davor.

Man sieht: Jede Menge Punkte, wo was schief gehen kann. Weswegen es gut ist, beim Bestellen auf mehrere Unternehmen zu setzen. Aber eben auch in ausreichenden Mengen, damit was da ist. Es nützt ja nichts, wenn drei von sechs Firmen was haben, bei einer dann die Produktion stockt, bei der anderen es mit der Logistik nicht klappt und man bei der dritten nur halb so viel bestellt hat, wie man braucht.

This illustration, created at the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), reveals ultrastructural morphology exhibited by coronaviruses.

Kinder und kleine Kinder zuerst

Die Bundeskanzlerin in einem Bürgergespräch: “(…) das Erste, was wir wieder öffnen, Kitas und Grundschulen sein werden, vor allem anderen (…)”.

Ich würde ja als erstes eher was aufmachen, wo man das Infektionsgeschehen besser überblicken kann und wo nicht so viele auf einmal und so lange in einem Raum sind: Friseure. Es wird noch andere Geschäfte geben, in denen es engere Kontakte, aber auch Termine gibt.

Und dann kann man nach 14 Tagen ja schauen, wie sich das mit dem Coronavirus und seinen Mutationen so entwickelt.

Und wenn das gut aussieht, dann machen wir Schulen und Kitas auf. Wobei die in Hessen ja eh auf sind. Die Eltern sollen ihre Kinder nur nicht hinschicken, nur wenn es nicht anders geht.

Nachtrag: Übrigens, diese 50 als Wert für die 7-Tage-Inzidenz ist mehr oder weniger willkürlich gegriffen. Als es um einen Wert ging, war zuerst 35 im Gespräch, auch ohne wissenschaftliche Grundlage fürs Infektionsgeschehen. Das Argument für die Zahl ist, dass das die Grenze sei, an denen die Gesundheitsämter Infektionen noch nachverfolgen und isolieren können.

Ok, das heißt, wenn ein Bezirk die 50 erreicht, sind die Gesundheitsämter gerade so an der Kante zur Nachverfolgbarkeit. Und eigentlich greifen dann doch erste Beschränkung Wäre es dann nicht sicherer bis 35 oder 20 zu warten?

Mehr impfen und die Zweitdosis nicht zurückhalten?

Es soll „mehr“ vom Astra-Zeneca-Vakzin verimpft werden:

Deutschlandfunk: In einem Brief des Gesundheitsministeriums an die Gesundheitsminister der Bundesländer wird empfohlen, alle vorhandenen Impfdosen so schnell wie möglich zu verabreichen. Die vorgesehene Dosis für die zweite Impfung soll demnach nicht mehr für die Erst-Geimpften zurückgehalten werden. Damit soll das Tempo der Impfkampagne beschleunigt werden.

Ich wundere mich. Wir haben doch gerade bei der Vakzin-Akquise gelernt, dass unsere Politik von Risikomanagment keine Ahnung hat und vergisst, dass Medikamente unterschiedlich schnell entwickelt werden, spezielle Produktionsbedingungen haben und auch eine gewisse Logistik (Kühlung bis zu -70 °C) brauchen – und Koordination (Impftermine). Alles Risiken, die auf dem Weg von der Idee “Lass mal einen Impfstoff entwickeln” bis “Sie sind jetzt immunisiert” auftreten können. Und seit Dezember erleben wir, dass die Politik das mit der unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeit und möglichen Fehlschlägen nicht berücksichtigt hat. Im Januar wurde die Politik dann davon überrascht, dass nicht jede leere Halle auf Impfstoffproduktion umgerüstet werden kann. Ebenfalls seit Januar kommt raus, dass das staatliche System zur Terminvergabe nicht konstant rund läuft.

Und jetzt sollen die Impfzentren darauf vertrauen, dass der Nachschub stets läuft und dass die Termine für die zweite Impfung sicher gehalten werden können? Ok, aber wenn das schief geht, hat es nachher ja keiner wissen können.