Wirtschaftsstrafverfahren und Richterstellen

Ich hatte ja vor zwei Wochen für einen Zeitungsartikel Zahlen zu Wirtschaftsstrafverfahren und Richterstellen nachgefragt. Anfang der Woche wurde mir mitgeteilt, das die Antworten voraussichtlich nächste Woche kommen. Also nach der Landtagswahl.

Fahrradtürme und Bürgerbeteiligung in Darmstadt

Die Stadt überlegt, zwei kleine turmförmige Fahrradparkhäuser auf dem Pali-Parkplatz aufzustellen.

Zwei kleine Fahrradparkhäuser hatte die Stadt Darmstadt für den Pali-Parkplatz vorgesehen (Echo online: Türme für wertvolle Fahrräder), jetzt wurde die Magistratsvorlage für das Projekt zurückgezogen. Es soll erst noch mit Geschäftsleuten und Einzelhändlern gesprochen werden, die hatten nämlich protestiert, weil Autoparkplätze wegfallen.

Na sowas. Wo doch in Darmstadt Bürgerbeteiligung von seiten der Stadt groß geschrieben wird (“Damit alle mitmachen können. Leitlinien zur Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger in der Wissenschaftsstadt Darmstadt“). Der Rückzieher wäre also vielleicht vermeidbar gewesen, wenn Weiterlesen

Eine Rolex, ein weiterer Nagel im Sarg der SPD

Da hat sich einer ein Foto von 2017 2014 der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) genauer angeguckt, eine Rolex entdeckt, das bei fb gepostet (“Alles was man zum Zustand der deutschen Sozialdemokratie 2018 wissen muss” und jetzt trendet #Rolex bei Twitter.

Tja, bei Sozialdemokraten – die ja für soziale Gerechtigkeit stehen – kommt Rolex nicht so gut. Eigentlich sollte es bekannt sein, aber bei Sozialdemokraten wird da schon immer genauer hingeschaut. Heiner Geißler hatte als CDU-Generalsekretär mal über “Salonsozialisten” gespottet. Jede andere Nobel-Uhr wäre unauffälliger (oder als Understatement durchgegangen) aber eine Rolex ist in meiner Wahrnehmung erstmal das Symbol für eine Uhr, die sich Reiche oder Angeber – oder reiche Angeber – gönnen. Und Symbole gehören nunmal zur Politik, keinem wäre aufgefallen, wenn Frau Chebli sich seit alle halbe Jahr eine Swatch gegönnt hätte. Was am Ende teurer kommt als eine Rolex.

Solche Instinktlosigkeiten sind meiner Meinung nach einer der Nägel im Sarg der SPD neben Hartz IV und Riester. Das fing an, als Rot-Grün 2005 abgewählt war und einige Genossen nette Jobs Weiterlesen

Einblicke in die Online-Welt in Gräfenhausen

Der Sozialpädagoge Moritz Becker erklärt im Bürgerhaus Gräfenhausen, warum wie in den sozialen Netzwerken kommuniziert wird.

Sozialogisch scheint das, was in den sozialen Netzwerken so passiert, nichts neues zu sein. Wurden früher Schülerinnen oder Schüler “fertig gemacht”, heißt es heute “Cyber-Mobbing.

Am Mittwoch waren der Medienpädagoge Peter Holnick und der Sozialpädagoge Moritz Becker in Gräfenhausen und vermittelten, dass online nicht alles neu sei.

Echo online: Einblicke in die Online-Welt

Zwei Punkte, die auch gut waren, es aber leider nicht mehr in den Artikel schafften. Moritz Becker erinnerte daran, dass Eltern oft den Kindern sagten, dass sich nicht darauf hören sollten, was andere denken. Nur bringe das bei Jugendlichen, die sich und die Welt gerade entdecken, wenig. “Für die gibt es nichts wichtigeres, als das was andere von ihnen denken.” Viele Likes unter einem Selfie vermittelten daher Stabilität und Orientierung.

Und Peter Holnick wies darauf hin, dass die Grenzen zwischen online und offline immer mehr verwischen. “Die jungen Leute wachsen in einer Mischwelt auf.” Rein und raus aus dem Internet – weil jede Minute Geld kostete – wie anfangs in den 90ern, gebe es nicht mehr.

Was Jugendliche prägt und antreibt ist 2018 nicht so viel anders als zum Beispiel 1978.

Europäische Zentralbank – 90 Minuten grau(en) in einem fensterlosen Kasten

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt.

Ich war heute mit einer gemischten Gruppe (keine Bänker oder Experten) bei einem Ausflug zur Europäischen Zentralbank. Kurz: Das war nix.

Man sollte die EZB-Presse- oder Besucherstelle vorher fragen, wie so ein Besuch ganz genau aussieht. Denn bei uns war das Programm: Ausweis vorzeigen, Taschenkontrolle, Körperscanner mit Gürtel ausziehen (wg. Metallschnalle), rein ins Gebäude, Besucherausweise bekommen, Aufzug in den 5. Stock.

Dort konnte man sich ein Getränk nehmen und dann gab es einen 90-Minuten langen Vortrag zur Arbeit der EZB und was zum Brexit. Zwei von 38 konnten dazu was fragen. Eineinhalb Stunden, in einem Hörsaal mit sechs bis neun Variationen der Farbe Grau und ohne Fenster. Dann ging es wieder zurück zum Bus.

Ich hatte ja erst gedacht, das wäre ein Witz mit dem 90-minütigen Vortrag, aber das war ernst gemeint. Und der war voll mit Abkürzungen wie HICP und Fachbegriffen wie “makroprudenziell” und “mikroprudenziell”. Hallo?

Also da habe ich mich echt geärgert. Was. ein. Murks. Für einen Vortrag in einer grautönigen Kammer so ein Aufwand? Da wäre es echt schlauer, die EZB baut auf dem Vorfeld ein Besucherzentrum mit Vortragssaal, wo man gar nicht erst in sicherheitsrelevate Bereiche reinkommt (wie es z.B. Merck gemacht hat). Und mit Dachterrasse von der aus man die EZB fotografieren kann. (Für das Foto oben muss man nicht aufs Gelände, das kann man vom Parkplatz aus machen.)

Ich greife mir jetzt noch an den Kopf. Dieser stumpfgraue Saal auf der einen Seite (das verfolgt mich echt) und auf der anderen ein monumentales Bauwerk. Ein Gebäude mit besonderer Architektur, eine Aussichtsplattform, Baugeschichte und Stadtgeschichte. Und davon kommt gar nichts, man schleußt die Truppe in einen fensterlose Kubus und textet sie eineinhalb Stunde mit etwas zu, was ich besser auf YouTube-Video anschauen oder auf der Website lesen sollte.

Ja, und das alles habe ich den Herrn vom Besucherservice und der Pressestelle auch genauso deutlich gesagt.

Blick von der EZB auf den neuen Henninger-Turm. Das Foto war aus dem Gebäude heraus. Auf den Balkon vorm Fenster durfte man nicht.

Nachtrag: Ich sehe gerade auf der EZB-Website, dass die Organisatoren dieses Angebot gebucht hatten:

(…) Individuell zugeschnittene Vorträge befassen sich ausführlicher mit spezifischen Themen und richten sich an Gruppen, die bereits über fundierte Kenntnisse der Aufgaben und Zuständigkeiten der EZB verfügen.

Teilen Sie uns mit, welches Thema Sie im Zusammenhang mit der Arbeit der EZB besonders interessiert (z. B. Geldpolitik, Bankenaufsicht, Statistik, wirtschaftliche Entwicklungen), und wir bereiten eine Präsentation dazu vor. Dauer: 90 Minuten (…)

Das wusste ich nicht, es war ja ein Ausflug und selbst da hätte ich nicht gedacht, dass die EZB-Kommunikation so leichtsinnig ihre Assets (und sei es ganz billig der Ausblick über Frankfurt) vernachlässigt. Ich weiß auch nicht, ob das Angebot genommen wurde, weil es ansonsten nichts anderes gab oder man tatsächlich etwas blauäugig da ran ging.

Vor fünf Jahren: Darmstädter Koalition im Handelsblatt

Ja, vor fünf Jahren war die grün-schwarze Kolaition in Darmstadt so ungewöhnlich, dass das Handesblatt darüber schrieb. Und was schrieb ich in meinem Blogeintrag dazu?

(…) so gut es ist, dass die Darmstädter SPD nach 60 Jahren in der Stadtregierung mal so richtig in der Opposition ist (…)

Jawohl.

Darmstädter Koalition im Handelsblatt

Heute vor 10 Jahren: Altbekanntes macht Schlagzeilen

Vor zehn Jahren gab es ein großes Oho, weil etwas ausgesprochen wurde, was jeder Fernsehzuschauer schon lange wusste. Das mussste ich am 13. Oktober 2008 dann doch mal im Blog anmerken:

Erstaunlich, wie man auf die Nachrichtenseiten, in die Zeitungen und ins Fernsehen kommt, wenn einer sagt, was alle wissen. Alle, nur nich die, die den Mist verzapfen. Marcel Reich-Ranicki schimpfte auf der Deutscher Fernsehpreis-Preisabwurfparade (schönes Wort) über das Programm:

Ich gehöre nicht in diese Reihe. Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste.“ Reich-Ranicki ließ sich aus über den „Blödsinn, den wir hier heute Abend zu sehen bekommen haben.

Aber vermutlich müssen wir noch dankbar sein. Erstens sind an dem Preis ARD, RTL, Sat1 und das ZDF beteiligt. Also nur eine Preisverleihung anstelle vier solcher Selbstbeweihräucherungsveranstaltungen. Und zweitens könnten alle vier Sender ja die Veranstaltung zeitgleich übertragen. Ist schließlich bei Hochwohlgeborenen-Hochzeiten, Obama-Ovationen an der Siegessäule und Vatikanchef-Visiten eine gerne praktizierte Übung der Öffentlich-Rechtlichen.

Ich bin mal auf die „Bild“-Schlagzeile gespannt: „Deutschlands mutigster Kritiker“? (nee) Auf jeden Fall sollte Marcel Reich-Ranicki aufpassen die nächste Bambi-Verleihung zu meiden. Sonst bekommt er noch den „Mut-Bambi“ (wie weiland Tom Cruise) verliehen.

Siehe auch:
Indiskretion Ehrensache: Erschreckend, wie wenig es braucht, um die gesamte deutsche Medienjournaille in Erregung zu versetzen.
DWDL: Was das ZDF nicht zeigte: Die peinlichen Momente

„So einfach war es eben nicht“ gestern im Amtsgericht

„So einfach war es eben nicht“, steht auf der Wand im Saal 18 des Darmstädter Amtsgerichts. Wo am Donnerstag ein eigentlich kleines Verfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung stattfand. Aber weil es eben doch nicht so einfach war, konnte das Urteil – Freispruch wegen Schuldunfähigkeit- erst nach acht Stunden verkündet werden. Unter anderem auch weil die Angeklagte gern ausführlich spricht und, selbst wenn sie Fragen stellt, sich in Monologen verliert und abschweift. Selbst ihr Anwalt sagte im Prozess, dass sie “lang formuliert und vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt”.

Die Angeklagte war die Riedstädterin, die Darmstädter, Stadt und Polizei als die Frau kennen, die die Tauben in der Innenstadt füttert. Was laut Darmstädter Satzung verboten ist, was aber die Angeklagte betreitet, weil aus ihrer Sicht die Satzung nicht gültig ist. In dem Prozess ging es eigentlich nicht ums Füttern, sondern darum, dass die Angeklagte beim Füttern einen Passanten angegriffen haben soll.

Echo online: Freispruch wegen Schuldunfähigkeit

Der Prozess gestern war auch ein Beispiel, wie etwas nicht so läuft wie gedacht. Ein Zeuge sollte gestern zugunsten der Angeklagten aussagen Weiterlesen

So kapert man eine Wahlveranstaltung

Auch nicht schlecht: Auf einer Wahlveranstaltung der Linken dafür werben, die Grünen-Direktkandidatin zu wählen.

Aber etwas dreist war die Begründung: Damit es die CDU-Bewerberin nicht direkt in den Landtag schaffe.

Die Umfragen zu den Direktkandidaten in Darmstadt-Nord sehen nämlich bei den Erststimmen Grüne und SPD vorne – und die CDU auf dem dritten Platz.