Teil II der Reaktion auf „Gesundheitsämter viel zu knapp besetzt“

Juli 2020: Die Infektionen mit dem Coronavirus steigen an.

31. Juli 2020: Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesund­heitsdienstes warnt, dass die Gesundheitsämter zu knapp besetzt seien (Ärzteblatt).

17. Oktober: Kanzleramtschef Helge Braun will deswegen mehr Helfer mobilisieren – und setzt dabei auch auf Studenten (ntv)

(Teil I war am 9. Oktober 2020: Die Bundeswehr soll in deutschen Großstädten aushelfen, Spiegel).

Coronavirus: Die Haltung der Menschen und die Vergesslichkeit der Regierungen

This illustration, created at the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), reveals ultrastructural morphology exhibited by coronaviruses.

Am 12. August hatte ich mich gefragt was unsere Regierungen machen, weil die Zahlen seit Juli wieder stiegen und es inzwischen wie der Anlauf zu x^n aussah.

Mitarbeitern in den Supermärkten war und ist es egal, wie sie ihre Masken tragen, eine Filialleiterin kaufte auch mal ohne ein. Es reagierte auch keiner, wenn man ihn auf zu kleine Abstände an der Kasse ansprach; als mir einer mit Schlägen drohte, habe ich halt nichts mehr gesagt. Und die Kassierer sagten natürlich auch nichts zu geringen Abständen.

Klar, Supermärkte sind keine Hot Spots, aber es zeigt die Haltung.

Vielleicht hätten unsere Landesregierungen vor vier Wochen doch schon mal Zeichen setzen sollen, dass es ernst ist. Beispielsweise indem man vor die Supermärkte wieder Security zur Maskenkontrolle stellt und die Anzahl der Kunden in Läden wieder beschränkt. Aber unsere Regierungen hatten anscheinend nichts aus der Entwicklung im Februar und März gelernt und das mit der Exponentialfunktion schon wieder vergessen. Dass ich nicht falsch verstanden werde, die sind gut im reagieren auf die akute Lage. Aber präventiv ist da nichts. Was wir schon seit März wissen, als das mit dem Modi-Sars-Szenario von 2012/2013 rauskam.

Ich hätte mir auch Erklärungen gewünscht. Warum kann man im Flugzeug und im ÖPNV eng sitzen, aber bei Veranstaltungen nicht? Was wird erlaubt, weil es halt nicht anders geht, was ist essentiell und was muss auf jeden Fall gemacht werden?

Frühaufsteher am Ostbahnhof

Der Darmstädter Ostbahnhof morgens um halb sieben im Oktober.

Ich war ja am Freitag um 6.15 Uhr am Darmstädter Ostbahnhof, um zu gucken, wie das mit der Vollsperrung am Bahnhübergang läuft. Denn laut Stadt Darmstadt, die es wohl so von der DB AG bekommen hatte, war der ab 4 Uhr gesperrt.

Die Stadt Darmstadt informiert auf ihrer Website über Baustellen im Stadtgebiet.

Aber es fuhren fröhlich Autos über die Gleise, von einer Sperrung war nichts zu sehen. Bis ich das Schild fand: Ab 9 Uhr.

Tja, um 5 Uhr aufstehen war also für die Katz. Aber auch um 11.30 Uhr glaubten viele Autofahrer nicht, dass sie in eine Sackgasse fahren.

Echo online: Sperrung am Darmstädter Ostbahnhof überrascht Autofahrer

Zur Erinnerung: „Gesundheitsämter viel zu knapp besetzt“

This illustration, created at the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), reveals ultrastructural morphology exhibited by coronaviruses. Note the spikes that adorn the outer surface of the virus, which impart the look of a corona surrounding the virion, when viewed electron microscopically. A novel coronavirus, named Severe Acute Respiratory Syndrome coronavirus 2 (SARS-CoV-2), was identified as the cause of an outbreak of respiratory illness first detected in Wuhan, China in 2019. The illness caused by this virus has been named coronavirus disease 2019 (COVID-19).

Mal ein Rätsel. Wer hat den folgenden Satz wann gesagt?

„Für eine zweite Pandemiewelle sind die Gesundheitsämter viel zu knapp besetzt.“

Das war die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesund­heitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert am 31. Juli 2020.

Und wer sind jetzt, am 9. Oktober, sechs Wochen später, die Blitzmerker, die feststellen, dass die Gesundheitsämter zu schwach besetzt sind und jetzt die Bundeswehr aushelfen soll?

Die Bundeskanzlerin und die Oberbürgermeister von Berlin, Hamburg, Bremen, München, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Leipzig und Stuttgart.

Ach ja, und seit wann stiegen die Zahlen in Deutschland wieder an? Seit Anfang Juli. Das war vor zwei Monaten. Haben unsere Regierungen etwa wie im Februar gehofft, dass das schon nicht so schlimm werden wird und gehofft, sie kommen um unangenehme Maßnahmen herum? Bei einem exponentiellen Wachstum? Moment, hatten wir das mit dem exponentiellen Wachstum nicht schonmal im Frühjahr?

Und das konnte doch jeder sehen: Wenn die Kunden in den Supermärkten an den Kassen auf die Abstände sch… ist das zwar nicht die Ursache, aber ein Indikator wie die Menschen mit dem Risiko umgehen.

Nachtrag: Ich hatte neulich dem Gesundheitsamt gemailt, dass die Kunden sich an der Kasse in einem Drogeriemarkt nicht an Abstände halten und dass das Personal nichts sagt. Die Antwort: Wenn Sie Anzeige erstatten wollen, wenden Sie sich ans Ordnungsamt.

Ich habe keine Anzeige erstattet (bringt ja eh nichts), aber ich hätte als Antwort ein “Danke für den Hinweis, wir veranlassen ein paar Kontrollen” erwartet. Ja, auch die für Ämter typische “da bin ich doch gar nicht für zuständig”-Haltung leistet ihren Beitrag. Und à propos Gesundheitsämter: Warum haben wir in Deutschland eigentlich immer noch diese Meldeverzug am Wochenende?

Nobelpreis für die präzise Gen-Schere Crispr/Cas9

Der Chemie-Nobelpreis geht 2020 an die Entwicklerinnen der sehr exakten Gen-Schere Crispr/Cas9: Emmanuelle Charpentier (51) aus Frankreich und Jennifer A. Doudna (54) aus den USA.

Damit sind die Nobelpreisträger – jedenfalls eine von den beiden – auch schon jünger als ich.

Und ausnahmsweise gibt es den Preis für eine mehr oder weniger aktuelle Arbeit. Nicht so spät wie sonst bei den Nobelpreisen. Das “Science”-Paper mit der Methode ist von 2012.

So musste ich nicht nicht nachschlagen, was die diesjährigen Preisträgerinnen vor 40 oder 50 Jahren erforscht haben.

Und es können sich einige deutsche Forschungsmanager auf die Schulter klopfen, weil sie mit Emmanuelle Charpentier im Jahr 2015 eine Nobelpreisträgerin als Direktorin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin eingestellt haben. Und zuvor, 2013, ans Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig geholt haben.

Erinnerungen an Corona im März

Eigentlich ist das nur eine Merk- und Wiederfindehilfe für mich. Nur wenn ich das jetzt so ins Blog schreibe, dann braucht es doch noch etwas Text.

Gabor Steingart schrieb in seinem Morning Briefing am 4. März 2020 unter anderem über das Coronavirus:

Fazit: Bald könnte es zu einem natürlichen Ende der Hysterie kommen. Das wärmere Wetter schwächt die Überlebensfähigkeit des Virus, stärkt die Immunkräfte des Körpers und führt zu mehr räumlicher Distanz zwischen den Menschen. Im kommenden Winter werden sich die meisten Teilnehmer dieses Angstseminars kaum mehr an ihr Coronafieber erinnern – und falls doch, dann mit einem Schmunzeln.

Ich höre schon wie Ende 2020 die Eltern über die Schulschließungen, die Wirte über ihre geschlossenen Gaststätten, und die Veranstaltungsbranche über das ruhige Jahr 2020 schmunzeln.

E-Roller zum Leihen nun auch in Darmstadt

Insgesamt 300 Leih-E-Roller von „Tier“ sollen im Stadtgebiet stehen.

In Darmstadt gibt es nun auch E-Roller zum spontanen ausleihen – wenn man die App hat und registriert ist.

Echo online: 300 E-Scooter stehen ab sofort in Darmstadt bereit (€)

Interessant fände ich so einen Roller ja, um auf längeren Wegen zwischen ÖPNV-Haltestelle und Ziel schneller zu sein. Mir fällt da jetzt sowas wie die 1,8 Kilometer zwischen der Haltestelle Gräfenhausen Postplatz und dem Steinrodsee ein (was beides aber nicht mehr Darmstadt ist).

Bei 20km/h – so schnell sollen die fahren können – brauche ich für die einfache Strecke im Idealfall um die sechs Minuten anstelle rechnerische 24 Minuten, wenn ich zu Fuß gehe.

Aber die Kosten (laut giga.de): 15-19 Cent pro Minute plus ein Euro fürs Einbuchen. Also 1,9 bis 2,14 Euro für die Fahrt und das gleiche nochmal zurück. Wenn der Roller – den man besser freigibt, weil die Minute sonst 15 Cent kostet – dann noch da ist.

Also grob 1€/km, wenn es keine Pausen gibt. Das kann man mal machen, aber täglich bzw. fünfmal die Woche? Zwei Kilometer hin und zurück, sind vier Euro, das jeden Arbeitstag (20 Tage im Monat), macht 80 Euro pro Monat. Wenn es einen ÖPNV gibt, ist der günstiger. Also sind die Roller eher was zum Spaß. Aber da eine Uhr läuft, ist der Spaß auch relativ, denn unterwegs mal kurz was angucken oder ein Foto machen, kostet dann was.