ZDF-Serie „Blutige Anfänger“. Spoilerfreie Kritik

Mit „Blutige Anfänger“ hat das ZDF eine Serie hinbekommen, wie sie für meinen Geschmack immer sein sollte. Abgeschlossene Episoden, aber ein die ganze Staffel durchspannendes Problem, Rätsel oder wie man es nennen mag. (Ja, bei meinen Lieblingsserien „Buffy“ und den ersten drei „Veronica Mars“-Staffeln lief das auch so.)

Die „Blutigen Anfänger“ sind Studierende an einer Polizeihochschule in Sachsen-Anhalt, die ihr Praxissemester in einer Mordkommission absolvieren. Natürlich ist die Mordrate mit einem Opfer pro Folge unnatürlich hoch, wie halt in Krimis üblich. Und dann – sehr gut – gibt es noch einen Fall, der die ganze Staffel durchläuft. In jeder Folge wird der ein Stück weiter entwickelt, bis in der letzten Folge die Lösung kommt.

Da lohnt es sich dann auch jede Folge zu gucken, weil es stets was neues gibt. Und die Wendungen in dem großen Fall mache ich halt mit, weil sie nebenbei passieren. Bei diesen ganzen neumodischen horizontalen Serien interessiert mich nach den ersten zwei Folgen eigentlich nur noch der Schluss. Das Füllmaterial ist mir oft leider egal, weil ich oft das Gefühl habe, dass das nur überambitioniertes Zeugs ist.

Auch sehr angenehm ist, dass die inneren Konflikte – Probleme der Protagonisten mit sich, Freunden und Familie – nicht die äußeren Konflikte – also die Kriminalfälle – dominieren. Auch wenn sie sich durch die ganze Staffel ziehen, wie der große Fall. (Innerer und äußerer Konflikt stehen im Lehrbuch für Drehbuchschreiber.) Wenn ich Seelenschau will, gucke ich das gezielt. Noch ein Plus: Es wird in den ersten zwanzig Minuten kein nackter Darsteller durch Bild geschickt und es wird auch nicht rumgevögelt. Und auch nicht danach, wenn ich mich richtig erinnere.

Noch schöner wäre es gewesen, wenn es mal in einigen Folgen ohne Mord gegangen wäre. Es gibt ja noch andere Verbrechen. Ist natürlich dann nicht mehr Mordkommission.

„Blutige Anfänger“ hat zwölf Folgen und läuft mittwochs ab dem 29. Januar um 19.25 im ZDF. Alle Folgen stehen jetzt schon in der Mediathek.

Die Polizeihochschüler werden gespielt von Jane Chirwa, Luise von Finckh, François Goeske, Timmi Trinks und Larissa Marolt. Die Ausbilder geben Neil Malik Abdullah, Esther Schweins, Werner Daehn, Salvatore Greco, Steffen Groth und Gedeon Burkhard.

Ostfriesensünde – wie wäre es mal mit neuen Schemata?

Geht es bei so ZDF-Krimis wie “Ostfriesensünde” auch mal ohne allzu offensichtliches Standarddrehbuch? Stets dieses “innerer Konflikt der Hauptrolle” (hier der Vater der Polizistin) und “äußerer Konflikt der Hauptrolle” (das Verbrechen). Hier:

www.akademie.de: Die Drehbuchliteratur unterscheidet zwischen zwei Hauptarten des Konflikts: dem inneren Konflikt und dem äußeren Konflikt.

Und das Verbrechen ist wieder mal Mord oder Totschlag. Drunter geht es ja nicht mehr.

Offenlegung: Als ich das 08/15-Schema erkannte – naja, so wie man drauf gestoßen wurde, konnte man es auch nicht übersehen – habe ich abgeschaltet.

Wicki Weißwas: „Soko 5113“ jetzt „Soko München“

Die „Soko 5113“ heißt seit diesem Jahr „Soko München“, um sich in die anderen „Sokos“ beim ZDF einzureihen.

Die Nummer 5113 war die Durchwahlnummer des Kripobeamten Dieter Schenk, auf dessen Roman „Der Durchläufer“ (1978) die Serie basiert. Die Nummer hatte er bei seiner Zeit beim LKA Hessen, später Weiterlesen

“Anna und der Prinz” – Das ZDF am Puls der Zeit

Am Sonntag (21.) um 20.15 Uhr wird das ZDF im Fernsehfilm “Anna und der Prinz” ungewollt aktuell. Es geht um die Liebe zwischen Johann von Habsburg (Bruder des Kaisers Franz I.) und der Postmeisterstochter Anna Plochl.

Als sie sich das erste Mal 1819 trafen, war Johann von Habsburg 37 Jahre alt und Anna Plochl 15.

1823 wollen sie dann heiraten, aber der Kaiser verbietet es bis 1829. 1833 darf die Ehe dann auch bekannt gegeben werden.

Neusprech-“heute” beim ZDF

Die ZDF-Nachrichten-Redaktion hat ja schnell aus der Brender-Abwahl gelernt. Bloß nicht bei der CDU unangenehm auffallen und deswegen am besten alles eins zu eins übernehmen, was von den Unionschristen kommt.

“Heute”-Nachrichten vom 4. Dezember 2009, 14 Uhr.

In den 15 Uhr-Nachrichten berichtet “Heute” über das mit schwarz-gelber Mehrheit im Bundestag beschlossene “Wachstumsbeschleunigungsgesetz”. Aber ohne Anführung oder einschränke Ergänzungen wie “sogenannt”. Eins zu eins wurde der Neusprech-Marketingbegriff der Regierung übernommen.

Susanne Holst bei der ARD-Tagessschau sprach eine Stunde später jedenfalls vom “sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz”. Na, wenn da mal nicht Chefredakteur Gniffke von ARD-aktuell zum Rapport bestellt wird.

Mikro, nano … alles dasselbe bei den ZDF-Nachrichten

Es mag ja verpönt sein in der Wikipedia zu recherchieren (solange da überhaupt noch was drinsteht , aber, liebe Heute-Nachrichten:

Ein Nanometer ist ein milliardstel Meter, und nicht ein millionstel Meter, wie heute um kurz nach 19 Uhr schön – aber falsch – erklärt. Ein millionstel Meter ist ein Mikrometer, ein tausenstel Meter ein – alter Geodreieckbekannter – Millimeter und ein hundertstel Meter ist ein Zentimeter.

Und auch der schön plakative Größenvergleich zwischen einem Fußball und der Erde war damit leider auch falsch: Eine 1-Pfennig-Münze (ok, nicht mehr aktuell in Eurocent-Zeiten) ist ziemlich genau eine Milliarde mal kleiner als die Erde.

Und bevor jetzt einer kommt, dass doch das alles dasselbe ist: Ihr verwechselt auch auch nicht Kilos mit Tonnen, Millimeter mit Metern und beschwert euch doch wenn die Festplatte nur ein Gigabyte anstelle ein Terabyte hat. Und wenn die GEZ nur noch 7 Millionen Euro Rundfunkgebühren einsammeln könnte, anstelle den tatsächlichen 7 Milliarden Euro (für ARD und ZDF zusammen), gäbe es doch einen Riesenaufschrei.

Anstrengende “Küchenschlacht”

Nervig: Diese Woche ist die ZDF-“Küchenschlacht” auf einem Schiff.

1. Jede Folge wird der Name des Kreuzfahrtdampfers groß und breit gesagt.

2. Und auch wenn man es noch so sehr behauptet (ich meine Alfons Schuhbeck von heute): Nein, ein Kapitän kann auf einem Schiff keine rechtsgültige Trauung nach deutschem Recht vollziehen. Jedenfalls nicht auf der Grundlage, weil er der Kapitän ist. Auch wenn man der Kandidatin – die das ganz richtig herausgefunden hat – noch so väterlich-autoritär über den Mund fährt.

Christoph Drösser hat das in der ZEIT mal bearbeitet. Und herausgefunden, dass Kapitänstrauungen nicht nur in Deutschland unzulässig sind:

Bei der U. S. Navy zum Beispiel heißt es eindeutig: “Der kommandierende Offizier darf an Bord seines Schiffes oder Flugzeuges keine Trauungszeremonie durchführen”

3. Ältere Männer, die jungen Frauen schmeicheln finde ich ja nicht so dolle, es wirkt auf mich schnell peinlich. (Notiz: Selber aufpassen, man wir nicht jünger.)

Kleinigkeiten, von uns allen bezahlt

Heute morgen berichtete das ZDF-Morgenmagazin über den Prozess, über den ich auch schreibe. Und gleich in Cherno Jobateys Anmoderation heute morgen (nicht zu sehen, aber steht auch auf der Website) die erste Nachlässigkeit: Bensheim mit Darmstadt verwechselt.

Und im Beitrag wurden Tombolaspenden (etwa bei 1 Minute 34 Sekunden) zu Geschenken für die Familie Saremi, die Interviews mit der Schwester und dem Vater sind von Mitte September und die Schlägerei-Szenen sind natürlich gestellt, aber nicht gekennzeichnet.

Dass der Prozess noch mindestens bis zum 30. Oktober geht, konnten das ZDF nicht ahnen, aber man hätte den Richter ja gestern mal fragen können. Aber Fernsehen kommt ja nur zum Auftakt und zum Finale – um dann alles erfahren zu wollen und einem – weil man ja so wichtig ist – in seine Interviews dazwischen zu quatschen.

(Sicherlich mache auch ich Fehler, nur kann der Konsument bei mir Konsequenzen ziehen und den Konsum verweigern – ohne auf andere Print-Produkte verzichten zu müssen. Bei den ÖR muss man zahlen, solange man ein Empfangsgerät bereit hält. Und wenn man die ÖR nicht mehr will, muss man auch auf die Privaten verzichten. Das ist wie Leseverbot wegen Zeitungsabokündigung.)

Einheitsprogramm

Wenn man für den Fernseher im Büro, im Handy und zuhause unter Umständen dreimal Rundfunkgebühren zahlen darf, dann darf man natürlich auch auf ARD, Phoenix und ZDF dreimal das gleiche sehen. Damit auch keinem entgeht, dass Obama jetzt Präsident ist.

Wozu haben wird denn verschiedene ÖR Sender, wenn sie das gleiche senden? Grundversorgung. Klar.