Der populistische Troll an der Macht

Wie politische Trolle als Regierende – am Beispiel des Boris Johnsons und Donald Trumps – arbeiten beschreibt ein längeres Stück der Schweizer “Republik”.

republik.ch: Der politische Troll – Macht ohne Logik unterwirft die Menschen effizienter als Macht plus Plan. Man stimmt der ersten absurden Sache aus Höflichkeit, Schwäche oder Verwirrung zu. Dann der zweiten aus denselben Gründen. Und ab der dritten hängt man drin: weil man nicht begründen könnte, warum man dem ersten und dem zweiten Wahnsinn zugestimmt hat und dem dritten nicht mehr.

(…) Lüge, so viel du willst. Erstens ist dies das Bequemste. Zweitens beschäftigt es deine Gegner, die sich sinnlos an deiner vorvorletzten Lüge abarbeiten, während du schon ganz Neues redest.

Man könnte noch viel mehr Zitate bringen, aber ich will ja nicht alles kopieren.

Am Schluss des Essays steht sogar eine Gegenstrategie.

„Kein Plan überlebt die erste Feindberührung.“

Eine meiner Lieblingsweisheiten ist von 1890, auch wenn das die Langfassung ist:

„Kein Operationsplan reicht mit einiger Sicherheit über das erste Zusammentreffen mit der feindlichen Hauptmacht hinaus.“

Dieses Helmuth von Moltke-Zitat gibt es in verschiedenen, knackigeren Kurzformen, wie „Kein Plan überlebt den ersten Feindkontakt.“

Neu war das aber auch damals nicht. Der Stratege Carl von Clausewitz (1780-1831) spricht von „Friktionen“, kleinen Fehlern, kleinen unvorhersehbaren Abweichungen und Unsicherheiten, die irgendwann bei militärischen Operationen dazwischenkommen und in Summe jeden noch so guten Plan stören bis zerstören.

„So stimmt sich im Kriege durch den Einfluß unzähliger kleiner Umstände, die auf dem Papier nie gehörig in Betrachtung kommen können, alles herab, und man bleibt weit hinter dem Ziel.“

Und spätestens, wenn man tatsächlich auf den Feind trifft, der ja auch einen Plan hat, ist es halt vorbei.

„Dem Populismus geht es nur um die eigene Hegemonie“

Populismus kommt nicht aus dem Volk, sondern von oben oder von Parteien, die nach oben wollen – sagt der Schriftsteller Boris Schumatsky in der NZZ:

Populismus ist Lüge – (Der Politikwissenschafler) Laclau macht nicht mehr den Fehler zu glauben, Populismus komme aus dem Volk. Es ist genau andersrum. Ernesto Laclaus Traktat «On Populist Reason» ist eine ausführliche Anleitung, wie man die eigene Politik zur «Plebs» bringt, um sie gegen die «Machthaber» aufzubringen. Diese Politik, und das ist wohl Laclaus wichtigste These, sollte so inhaltsleer wie nur möglich sein. Je unbestimmter sie ist, desto mehr Menschen können sich damit identifizieren.

Chaos in Darmstadt

DIe Kuppel in der Kirche St. Ludwig. Wunderschön, aber draußen ist das Chaos. Denn die von Georg Moller geplante Kirche ist nicht am Ludwigsplatz oder in der Mollerstraße oder am Mollerplatz, sie ist am Wilheminenplatz.

Für den Heiner ist Darmstadt eine fein übersichtliche kleine Großstadt. Für den Zu- oder Durchreisenden  weniger. Auf dem Luisenplatz geht’s schon los. Dort steht keine Lange Luise, sondern der Lange Ludwig. Und benannt ist der Platz nicht nach der Königin Luise von Preußen (die immerhin in Darmstadt aufgewachsen war), sondern nach einer Luise, die Großherzogsgattin war.

Auf dem Ludwigsplatz hingegen steht das Bismarckdenkmal, aber die Bismarckstraße ist wieder woanders, ebenso der Bismarckturm auf dem Domersberg. Bei den Kirchengemeinden ist es ähnlich unübersichtlich. St. Ludwig ist am Wiheminenplatz, die Kirche St. Elisabeth steht in der Schlossgartenstraße. Die evangelische Michaelskirche steht in der Liebfrauenstraße aber die katholische Liebfrauenkirche in der Klappacher Straße.

Dass sich Darmstadts Schüler auf dem Schulweg nicht verlaufen, muss ein Lokalwunder sein. Wer die Georg-Büchner-Schule an der Georg-Büchner-Anlage sucht, steht vorm Staatstheater. Und so geht das munter weiter: Die Wilhelm-Leuschner-Straße führt an der Eleonorenschule vorbei, die Wilhelm-Leuschner-Schule hingegen liegt in der Bessunger Straße. Die Bessunger Schule ist nicht in der Bessunger Straße sondern in der Ludwigshöhstraße, die Mornewegschule liegt in der Hermannstraße und in der Mornewegstraße ist die Peter-Behrens-Schule.

Die Goetheschule ist eine Grundschule in der Viktoriastraße, aber die Viktoriaschule ist ein Gymnasium in der Hochstraße. Und die Hochschulen liegen wieder woanders und gut verteilt im Martinsviertel, auf der Lichtwiese, im Verlegerviertel und am Hauptbahnhof.

Die Frankenstein-Schule liegt natürlich nicht in der Frankensteiner Straße, sondern in der Heinrich-Delp-Straße und die Straßenbahnhaltestelle Frankenstein liegt in der Seeheimer Straße. Und obwohl die Burg doch gar nicht in Darmstadt, sondern auf Nieder-Beerbacher Gemarkung liegt.

Dann die Verwirrung um den Darmstädter Baumeister Georg Moller. Die Mollerstraße und der Mollerplatz sind im Martinsviertel. Das Mollerhaus ist in der Sandstraße, die Mollerstadt ist nicht das Martinsviertel, nein, dass ist der Bereich zwischen Landgraf-Philipps-Anlage, Hügelstraße, Grafenstraße und Bleichstraße. Und der Moller-Bau ist das alte Theater am Karolinenplatz in dem inzwischen das Staatsarchiv drin ist. Wobei auch der Lange Ludwig, St. Ludwig und das alte Mausoleum auf der Rosenhöhe Bauten des Architekten und Stadtplaners sind.

Die Chemie stimmt auch nicht. Die Merckstraße mündet zwar in den Merckplatz, aber das Merck-Haus steht am Luisenplatz und die Pharmafirma dazu ist in der Frankfurter Straße. Und Darmstadts großer Chemiker Justus Liebig ist über die Stadt verteilt. Sein Denkmal steht auf dem Luisenplatz, das Justus-Liebig-Haus ist in der Großen Bachgasse; weit ab von der Liebigstraße oder der Liebigschule. Und in dieser Bachgasse fließt nicht einmal ein Bach.

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