Bürokratie, der fünfte apokalyptische Reiter

Eine Pandemie ist ein Jahrhundertereignis, aber die Bürokratie kennt nur ihr Klein-Klein. Ein Darmstädter Musiker hat noch vor der Pandemie eine Förderung für eine Tournee bekommen. Aber dieses Geld 2020 dann für ein Album verwenden, das ging nicht.

Und ein Weinhändler mit Gastronomie fällt als Mischbetrieb durch das Unterstützungsnetz des Bundes. Besonders schön: Als Selbstständiger soll man sich ja auf schlechte Zeiten in seinem Unternehmerleben vorbereiten. Dass Bund und Länder trotz Warnung im Jahr 2013 Null auf eine Pandemie vorbereitet waren, ist ja was anderes.

ARD-Mediathek: Bloß durchhalten! Selbstständige trotzen Corona

Idee für die Serien-„Charité“

Die Staffeln der Serie „Charité“ springen ja durch die deutsche Geschichte (S1: Kaiserreich, S2: NS-Diktatur, S3: Mauerbau durch die DDR).

Als 2017 die Serie begann, hatten die Macher aber bestimmt nicht gedacht, dass sie drei Jahre später den Stoff für eine abschließende Staffel bekommen würden: Die Pandemie.

Wer spielt dann den Christian Drosten?

Die Donald Trump-Library steht in Darmstadt

Wenn ein US-Präsident aus dem Amt scheidet, wird inzwischen seine Amtszeit in einer Bibliothek archiviert. Inzwischen gibt es einen ganzen Satz Präsidentenbibliotheken.

Wie die “Trump-Libary” aussieht, zeigte nun die satirische Jimmy-Kimmel-Show vom 19. November. Nämlich wie das “Haus der Geschichte” in Darmstadt, in dem unter anderem das Stadtarchiv und das Staatsarchiv sind.

Ein Screenshot der “Trump-Libary”, wie sie sich Jimmy-Kimmel-Live vorstellt.

Das richtige Haus der Geschichte am Darmstädter Karolinenplatz.

Diana Rigg

Die Schauspielerin Diana Rigg (unter anderem Emma Peel in „Mit Schirm, Charme und Melone“) ist gestorben. Sie wurde 82 Jahre alt.

2015 fragte ich mich, was eigentlich Diana Rigg inzwischen macht, beziehungsweise wie sie aussieht?

Nun, ich wusste es eigentlich, denn ich hatte sie in einer Fernsehserie gesehen. Nur hatte ich sie nicht erkannt. Erst beim Googlen stellte ich fest, dass sie die Olenna Tyrell in „Game of Thrones“ spielte.

„David & Goliath“ reloaded: Wieder ein „Überlebenskampf“

Der Burgerladen “David & Goliath” in der Grafenstraße 33.

„Es ist schon ein Überlebenskampf, den ich gerade hier habe“, hatte Koch Andreas Klement im Dezember 2019 gesagt. Dass er im März nun wieder kämpfen muss, wusste da noch keiner. Im Dezember war der Coach Frank Rosin bei ihm in seinem Lokal „David & Goliath“. Das kann man am Donnerstag (26.) um 20.15 Uhr auf Kabel 1 sehen.

Ich habe für den Artikel natürlich Andreas Klement gefragt, wie es jetzt mit den Folgen der Coronavirus-Pandemie ist.

Echo Online: Darmstädter Gastronom am Donnerstag in Kabel 1 (€)

Der Name „David & Goliath“ stammt aus dem Jahr 2017 vom Gründer Jürgen Böhr. Der Unternehmer, der unter anderem auch die Friseurkette „Haarfabrik“ gründete, hatte ursprünglich Dry Aged Beef-Burger und -Steaks aus einem Foodtruck namens „Goliath“ heraus anbieten wollen. Allerdings stellte sich der Umbau des Doppeldecker-Bus zu einem Food Truck in einer Weiterstädter Werkstatt wegen eines Schadens am Chassis als zu unwirtschaftlich heraus. So dass aus dem großen Imbisswagen ein Restaurant mit offenem Kochbereich mit über 50 Quadratmetern Gastraum in der Grafenstraße wurde.

ZDF-Serie „Blutige Anfänger“. Spoilerfreie Kritik

Mit „Blutige Anfänger“ hat das ZDF eine Serie hinbekommen, wie sie für meinen Geschmack immer sein sollte. Abgeschlossene Episoden, aber ein die ganze Staffel durchspannendes Problem, Rätsel oder wie man es nennen mag. (Ja, bei meinen Lieblingsserien „Buffy“ und den ersten drei „Veronica Mars“-Staffeln lief das auch so.)

Die „Blutigen Anfänger“ sind Studierende an einer Polizeihochschule in Sachsen-Anhalt, die ihr Praxissemester in einer Mordkommission absolvieren. Natürlich ist die Mordrate mit einem Opfer pro Folge unnatürlich hoch, wie halt in Krimis üblich. Und dann – sehr gut – gibt es noch einen Fall, der die ganze Staffel durchläuft. In jeder Folge wird der ein Stück weiter entwickelt, bis in der letzten Folge die Lösung kommt.

Da lohnt es sich dann auch jede Folge zu gucken, weil es stets was neues gibt. Und die Wendungen in dem großen Fall mache ich halt mit, weil sie nebenbei passieren. Bei diesen ganzen neumodischen horizontalen Serien interessiert mich nach den ersten zwei Folgen eigentlich nur noch der Schluss. Das Füllmaterial ist mir oft leider egal, weil ich oft das Gefühl habe, dass das nur überambitioniertes Zeugs ist.

Auch sehr angenehm ist, dass die inneren Konflikte – Probleme der Protagonisten mit sich, Freunden und Familie – nicht die äußeren Konflikte – also die Kriminalfälle – dominieren. Auch wenn sie sich durch die ganze Staffel ziehen, wie der große Fall. (Innerer und äußerer Konflikt stehen im Lehrbuch für Drehbuchschreiber.) Wenn ich Seelenschau will, gucke ich das gezielt. Noch ein Plus: Es wird in den ersten zwanzig Minuten kein nackter Darsteller durch Bild geschickt und es wird auch nicht rumgevögelt. Und auch nicht danach, wenn ich mich richtig erinnere.

Noch schöner wäre es gewesen, wenn es mal in einigen Folgen ohne Mord gegangen wäre. Es gibt ja noch andere Verbrechen. Ist natürlich dann nicht mehr Mordkommission.

„Blutige Anfänger“ hat zwölf Folgen und läuft mittwochs ab dem 29. Januar um 19.25 im ZDF. Alle Folgen stehen jetzt schon in der Mediathek.

Die Polizeihochschüler werden gespielt von Jane Chirwa, Luise von Finckh, François Goeske, Timmi Trinks und Larissa Marolt. Die Ausbilder geben Neil Malik Abdullah, Esther Schweins, Werner Daehn, Salvatore Greco, Steffen Groth und Gedeon Burkhard.

Wie eine Serie bei mir in der ersten Sekunde durchfällt

Ich kann ja Serienmachern nur davon abraten, mir innerhalb der ersten 20 Minuten mit einer Sexszene zu kommen. Ich bin spätetens seit 2004 (da startete “Six Feet under” bei Vox) schlau genug für komplexere Ansätze. Nee, echt, ich finde es erbärmlich, wenn man meint, dass man damit Zuschauer abholen kann. Mit so einem Ansatz machen Autoren und Regisseure uns doch mehr als eindeutig klar, dass sie uns nur für triebgesteuerte Höhlenmenschen halten und glauben, dass wir auf sowas reinfallen.

Und damit war “Cheat – Der Betrug” (ARD) bei mir schon in der ersten Sekunde durchgefallen. “Fleabag” (Amazon prime) innerhalb der ersten Minuten.

WTF? Remake Game of Thrones Season 8?

Es gibt eine Petition: “Remake Game of Thrones Season 8 with competent writers“.

Daenerys Aktionen oder die anderer Figuren stören mich weniger, ich finde es nur arg willkürlich wie gut mal (wenige) Ballisten trafen und dann (ganz viele) überhaupt nicht.

Oder wie hanebüchen dämlich Team Deanerys (wieder) in die Schlachten zog. Katapulte in der ersten Reihe, Kavallerie attackiert frontal einen unbekannten Feind im Dunkeln, Fußtruppen vor der Festung (ok, das können die anderen jetzt auch)… Das kann man auch konsistenter inszenieren und trotzdem die Schlacht so enden lassen, wie es einem passt.

Und so war es schon in Staffel 7. Da wurde auch nicht auf Geografie, Reisezeiten, sowie Logik und Konsistenz beim Kriegswesen geachtet. Was aber mit etwas mehr Sorgfalt bei den Drehbüchern auch da vermeidbar gewesen wäre.

Ach ja, was hatte ich mich gefreut, als ich den Schluss von Staffel 6 sah und dazu “Winds of Winter” ertönte. Da war sowas wie Aufbruchsstimmung. Und jetzt erinnert mich das Lied daran, wie GoT zum Ende hin aber sowas von in den Sand gesetzt und der Schluss verbockt wurde.

Ostfriesensünde – wie wäre es mal mit neuen Schemata?

Geht es bei so ZDF-Krimis wie “Ostfriesensünde” auch mal ohne allzu offensichtliches Standarddrehbuch? Stets dieses “innerer Konflikt der Hauptrolle” (hier der Vater der Polizistin) und “äußerer Konflikt der Hauptrolle” (das Verbrechen). Hier:

www.akademie.de: Die Drehbuchliteratur unterscheidet zwischen zwei Hauptarten des Konflikts: dem inneren Konflikt und dem äußeren Konflikt.

Und das Verbrechen ist wieder mal Mord oder Totschlag. Drunter geht es ja nicht mehr.

Offenlegung: Als ich das 08/15-Schema erkannte – naja, so wie man drauf gestoßen wurde, konnte man es auch nicht übersehen – habe ich abgeschaltet.

“Dogs of Berlin” mit 08/15-Plot

Ich weiß ja nicht, was sich Serienautoren so denken. Wenn ich über “Dogs of Berlin” bei SpOn lese

Bei ihren Ermittlungen stapfen die Kommissare (…) in einen Sumpf aus Spielwetten, Drogen und Prostitution (…) (Der eine Kommissar) lebt mit Frau Paula und zwei Kindern im feinen Eigenheim mit Sofalandschaft und hält sich nebenbei die alkoholkranke Sozialhilfeempfängerin Sabine  als Geliebte.

dann ist doch das 08/15-Schema eines Drehbuchs: Die Hauptfigur braucht einen äußeren und einen inneren Konflikt. Der äußere Konflikt ist der Kriminalfall und der innere Konflikt ist die Geliebte. Fertig, Plot durchschaut.

Nur weil man es jetzt hier im Netflix-Style extra krass gestaltet, ist das nichts neues. Liebe Autoren, lasst euch euch doch mal was anderes einfallen. Wie wäre es mal mit einem nicht abgefuckten Polizisten? Wie wäre es mal konstruktiv? Oder man tarnt sein 08/15-Schema besser.