“Dogs of Berlin” mit 08/15-Plot

Ich weiß ja nicht, was sich Serienautoren so denken. Wenn ich über “Dogs of Berlin” bei SpOn lese

Bei ihren Ermittlungen stapfen die Kommissare (…) in einen Sumpf aus Spielwetten, Drogen und Prostitution (…) (Der eine Kommissar) lebt mit Frau Paula und zwei Kindern im feinen Eigenheim mit Sofalandschaft und hält sich nebenbei die alkoholkranke Sozialhilfeempfängerin Sabine  als Geliebte.

dann ist doch das 08/15-Schema eines Drehbuchs: Die Hauptfigur braucht einen äußeren und einen inneren Konflikt. Der äußere Konflikt ist der Kriminalfall und der innere Konflikt ist die Geliebte. Fertig, Plot durchschaut.

Nur weil man es jetzt hier im Netflix-Style extra krass gestaltet, ist das nichts neues. Liebe Autoren, lasst euch euch doch mal was anderes einfallen. Wie wäre es mal mit einem nicht abgefuckten Polizisten? Wie wäre es mal konstruktiv? Oder man tarnt sein 08/15-Schema besser.


Schlechte Autorenleistung bei der 7. Staffel Game of Thrones

Bei “Game of Thrones” kommt jetzt mit der 7. Staffel endlich – ab jetzt wird gespoilert – so richtig Zug rein. Daenerys ist mit ihrer Armee in Westeros, genauer in Dragonstone, angekommen. Aaaber, die Freude wurde mir gleich verdorben.

Ich kenne “Game of Thrones” von dem Brettspiel her, das 2003 oder 2004 herauskam. Da gibt es eine Landkarte. Wenn man die kennt, dann scheinen mir die Drehbuchautoren also sagen zu wollen, dass “Team Daenerys” ziemlich schlechte Strategen hat.

1. Der Blick auf die Landkarte zeigt, dass Dragonstone vor der Bucht liegt, an deren Ende Kings Landing ist. D.h., wer Dragonstone hat, kann schonmal den Seeweg blockieren. Bzw. man muss damit rechnen, dass die Greyjoys, die für Cersei in See (und Leiber) stechen, die Blockdade brechen wollen. Also wollen die Autoren Daenerys Admiräle als doof darstellen, wenn sie von Euron überascht werden.

2. Tyrions Plan Casterly Rock anzugreifen, soll wohl auch dessen militärische Unfähigkeit illustrieren. Auch hier hilft ein Blick auf die Karte: Um Casterly Rock von See her anzugreifen, muss die Flotte um den halben Kontinent segeln. Das dauert doch viel zu lange, warum machen das nicht Truppen aus Highgarden? Eigentlich sollte man Olenna darauf hinweisen lassen.

Aber vermutlich ist das alles Teil des Autorenplans, damit klar wird, warum Daenerys nicht gleich gewinnt.

Nachtrag: Die Staffel hatte zwar supertolle Szenen, aber die Handlung war schlecht, weil sie beliebig mit Raum und Zeit umging. Die Autoren machten sich auch nicht die Mühe, simple Erklärungen zu finden, warum Daenerys mit ihrer Armee so vor die Wand fährt. Sie durfte einfach nicht erfolgreich sein, weil ja noch die achte Staffel kommen sollte. Dabei hätte man viele der Fehlschläge gegen die Lannisters ganz einfach mit einem Spion in Dragonstone erklären können.

Und auch das mit dem Eisdrachen gegen Schluss. Tolle Effekte, aber man hätte den Nachtkönig auch “einfach” einen tiefgefrorenen toten Drachen im Eis finden lassen können. Der kam bei einer vor vielen hundert Jahren fehlgeschlagenen Expedition dort hin und wird nun belebt. Da muss man nicht Daenerys mit einem Drachen in Überschallgeschwindigjkeit nach Norden schicken, nur damit da ein Drache ist, den man dann töten und wiederbeleben kann.

Ich bin echt am überlegen, ob ich dieses Mal warte bis die achte Staffel im Free-TV läuft. Denn wenn die Autoren so beliebig mit der Story verfahren, dann brauche ich kein Sky-Ticket-Abo, dann reicht mir erstmal ein Review wie die Serie ausgeht.