Huiii, ÖPNV-Förderung für Neubürger und Autoabmelder

Die ÖPNV-Förderung nimmt Fahrt auf, Neubürger und Autoabmelder bekommen für drei Monate eine kostenlose Fahrkarte. Das hier ist natürlich ein Symbolfoto mit einer fahrenden Straßenbahn.

Die ÖPNV-Förderung nimmt Fahrt auf, Neubürger und Autoabmelder bekommen für drei Monate eine kostenlose Fahrkarte. Das hier ist natürlich ein Symbolfoto mit einer fahrenden Straßenbahn.

Jetzt gibt es in Darmstadt ab Sommer ein kostenloses Drei-Monatsticket (€), wenn man Neubürger ist oder sein Auto abmeldet. Dafür steht für das kommende Jahr etwas mehr als eine Million Euro im Haushalt. Und für dieses Jahr sind es rund 500.000 Euro.

Ich finde, man hätte das Geld für was ähnliches, aber aufschlussreicheres für den ÖPNV ausgeben können.

Ich habe mal nachgeguckt, die SPD hatte 2019 berechnet, dass das 300-Euro-Jahresticket im Jahr drei Millionen Euro kosten würde. Jetzt werden für Drei-Monatstickets eine Million Euro im Jahr ausgegeben, genauer: sind dafür eingeplant.

Ich finde, man hätte diese 1,5 Millionen Euro in eine Rücklage legen sollen, um dann Mitte 2023 einen einjährigen Test mit dem 300-Euro-Jahresticket starten zu können. Ein Jahr, damit auch alle Jahreszeiten und Feiertage unterkommen und erst 2023 weil dann vielleicht auch kein Corona einem die Evaluation verfälscht (und man dann auch nicht mehr drei Millionen Euro auf einmal auf den Tisch legen muss).

Vielleicht kommt dabei dann raus, dass der ÖPNV dann zu voll wird und die Kosten für den Kapazitätsausbau das 300-Euro-Jahresticket viel zu unwirtschaftlich machen. Aber das halte ich für wesentlich interessanter als zu gucken, ob Leute nach drei Monaten ohne Auto auch ohne Auto bleiben.

Ach ja, nur mal zum Vergleich, wie viel Geld da für das 3-Monats-Ticket in die Hand genommen wird. In Darmstadt gibt es ein Sozialticket, das im Jahr rund 400.000 Euro kostet.

Aber bis das eingeführt war, hat es etwas gedauert. 2016 hatte die damals noch existierende Arbeitsloseninitiative Galida auf eine Einführung gedrängt. 2017 war es dann soweit, aber da zog der Oberbürgermeister die Magistratsvorlage zum Beschluss in der laufenden Stadtparlamentssitzung zurück. Das Sozialticket kam dann zwei Jahre später im Juni 2019 (€).

Baukosten Lichtwiesenbahn – 2013: 8,3 Millionen Euro geschätzt, 2021: 27 Millionen Euro

Die Straßenbahntrasse zur Lichtwiese wird fertig – und teurer.

Die Lichtwiesenbahn ist nun leider zu einem unrühmlichen Beispiel geworden, wie bei einem öffentlichen Bauprojekt die Kosten steigen können. Und wie man nachher die zuerst genannte Zahl nicht mehr mit der letzten vergleichen kann, weil das Projekt zwischendrin um eine Haltestelle etc. erweitert wurde. (Natürlich steigen die Kosten auch bei privaten Projekten ungeplant, nur müssen die das nicht erzählen und können es für sich behalten.)

Und da wir in Darmstadt seit 2013 viele Wechsel bei der Leitung des Baudezernats hatten, kann man frech sagen, dass mit jedem Wechsel die Baukosten stiegen.

Als das Projekt von der Baudezernentin Brigitte Lindscheid (Grüne) 2013 vorgestellt wurde, ging man noch von 8,3 Millionen Euro Gesamtkosten aus. Die die Stadt muss nur einen Teil bezahlen, aber es sind natürlich trotzdem Steuergelder, die das Land Hessen zuschießt.

Aber dann kamen weitere Ausgaben dazu: Für die Haltestelle Kletterhalle, Signalanlagen für einen eingleisigen Abschnitt, den Umbau der Haltestelle Hochschulstadion, sowie Sozialgebäude und allgemeine Baukostensteigerungen. Somit sollte die Lichtwiesenbahn im Jahr 2015, Baudezernentin war inzwischen Cornela Zuschke (parteilos), insgesamt 16 Millionen kosten.

Im November 2018, Baudezernentin war inzwischen Barbara Boczek (Grüne), hieß es dann dass die Baukosten bei rund 20,2 Millionen liegen werden (€), wegen der konjunkturell bedingten Entwicklung in der Baubranche.

Nun haben wir 2021, der Dezernent ist Michael Kolmer (Grüne) und die Baukosten steigen um weitere sieben Millionen Euro (€) auf einen Betrag zwischen 27 und 28 Millionen Euro. Unter anderem habe man 70 Brandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und Versorgungsleitungen, die man nicht zuordnen konnte.

Die ersten Fahrgäste sollen ab Ostern 2022 mit der Bahn auf die Lichtwiese fahren können. Im Juni 2013 war man noch davon ausgegangen, dass die Trasse bei optimalen Abläufen im Dezember 2017 in Betrieb gehen könnte. Im November 2015 war man dann davon ausgegangen, dass – wieder bei optimalen Abläufen – die Bauarbeiten 2017 beginnen und die Trasse zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 fertig sein könnte. Wenn man also jetzt von plangemäß spricht, dann ist das ein mehrfach angepasster Plan.

Ach ja, in den grün-schwarzen Koalitionsverträgen stand die Lichtwiesenbahn ab 2011 drin („Das Straßenbahnnetz wollen wir stärken und ausbauen, wo es nötig und sinnvoll
ist. (…) Besonders hoch ist der Druck (…) und zum Campus Lichtwiese der Technischen
Universität.“)

Und was ist eigentlich mit dem Nutzen-Kosten-Faktor, wenn die Baukosten sich mehr als verdreifacht haben?

Jagdschloss Kranichstein – Warten auf den Bus

Die Haltestelle Jagdschloss gibt es zwar noch, aber sie wird nur von einem Schulbus angefahren. Ans reguläre Liniennetz ist sie seit 2013 nicht mehr angeschlossen.

Eigentlich sollte der H-Bus eine Wendeschleife beim Bioversum bekommen und so auch das Jagdschloss Kranichstein sowie das Naherholungsgebiet mit Park, Backhausteich und Wald andienen.

Aber es ist offenbar was dazwischengekommen …

(€) Echo online: Weiter warten auf den H-Bus in Darmstadt

Das Haltestellenschild „Jagdschloss Kranichstein“ an der Haltestelle Richtung Innenstadt, entspricht mit seinem verblassten Schriftzug eher der kaum vorhandenen Funktion der Haltestelle.

Der H-Bus und die Haltestelle Jagdschloss

Zwei Haltestellenschilder, dahinter Wald im Herbst.

Die Haltestelle Jagdschloss Kranichstein soll im Sommer wieder vom H-Bus angedient werden. Aber erst muss noch eine Wendeschleife gebaut werden.

Echo online: Holperige Kommunikation bei der Buslinienverlängerung in Kranichstein (€)

Nebenbei: Haltestellenschilder, die nicht von einer regulären, brauchbar getakteten Linie angefahren werden, sollten meiner Meinung nach anders gestaltet werden. Denn sie erwecken den Eindruck, dass die Stelle ans ÖPNV-Netz angeschlossen sei. Und man plant die Haltestelle ein oder sucht die Verbindung, die es aber nicht gibt.

Nur wenn man dann vor Ort auf den „Fahrplan“ guckt, stellt man fest, dass da nur ein Schulbus fährt (wie beim Jagdschloss) oder nur ein einziger Bus in der Nach von Freitag auf Samstag dort hält (in Eberstadt).

Baustelle Bahnhof Weiterstadt

Auf dem Foto ist der Weiterstädter Bahnhof zu sehen und die rot-weißen Absperrungen, die ein Geländer ersetzen.

Immer noch eine Baustelle: Der Weiterstädter Bahnhof mit seinen nun höheren Bahnsteigen.

Der Weiterstädter Bahnhof ist irgendwie noch immer nicht fertig. Eine Gelegenheit mal den Besitzer des Gebäudes zu recherchieren. Denn das ist nicht die Deutsche Bahn.

Echo online: Behindertenbeirat kritisiert nicht vorhandene Barrierefreiheit (€)

Warum man im Landkreis ein Auto braucht

Weil auch die politisch Verantwortlichen ihre Veranstaltungen so gedanklenlos planen, dass der ÖPNV ziemlich unattraktiv ist. Entweder ist am 40 Minuten zu früh oder 20 Minuten zu spät.

Aber im Parlament sitzen und über die Buslinien entscheiden – mit denen man nicht fährt.  

H-Bus wird verlängert – und die Betroffenen erfahren nichts davon

Solche Haltestellen, wie die am Jagdschloss Kranichstein, nenne ich ja ÖPNV-Simulatoren. Die Haltestelle sieht ganz normal aus, aber dort fährt zur Zeit nur ein Schulbus; einmal morgens und zweimal mittags. Wer da mit dem Auto vorbeifährt oder ohne zu gucken vorbeiläuft, glaubt, dass da regelmäßig ein Bus fährt.

Da bohren das Jagdschloss Kranichstein und das Bioversum (gehören ja zusammen) seit Jahren bei der Stadt nach, dass der H-Bus wieder die Haltestelle Jagdschloss anfährt. Dann beschließt die Dadina-Verbandsversammlung am 26. September 2019, das Jagdschloss ab Sommer 2020 wieder an den H-Bus anzubinden (wenn dort eine Wendeschleife hinkommt).

Und am 25. Oktober 2019 spricht die Jagdschloss/Bioversum-Geschäftsführung mit einem städtischen Vertreter – auch über den H-Bus – und der sagt denen nichts vom Beschluss der Verbandsversammlung. Weswegen das unwissende Jagdschloss/Bioversum sich im November 2019 dranmacht, Unterschriften für die H-Bus-Anbindung zu sammeln.

Hätte ich darüber keinen Artikel geschrieben, hätte die Jagdschloss/Bioversum-Geschäftsführung wer weiß wann vom Beschluss der Dadina-Verbandsversammlung erfahren.

Echo online: Jagdschloss Kranichstein in Darmstadt bald besser erreichbar (€)

Grüne aus Stadt und Kreis mit Verkehrskonzept

Die Grünen scheinen etwas Gestaltungshoheit zurückgewinnen zu wollen. Was eine gute Sache ist, denn sonst hat man keine Ideen in der Schublade, wenn das nächste Konjunkturprogramm kommt. Und ich kann nicht wieder schreiben, dass die grün-schwarze Stadtregierung nur reagiert und nicht agiert.

Grüne aus Stadt und Kreis haben ein Programm zur Sicherung der urbanen und regionalen Mobilität vorgestellt, wobei sich einige Punkte ergänzen, weswegen ich hier nicht alle aufzähle:
– Start für die Planung der Straßenbahn nach Groß-Zimmern
– Straßenengpass am Ostbahnhof aufweiten
– Höhere Leistungsfähigkeit für die Odenwaldbahn

– On-Demand-Verkehre – Neue Chancen der Vernetzung
– Umweltverbund geht nur mit dem Fahrrad
– Tarifhindernisse abbauen – reale Kosten der Umweltbelastung abbilden
– Die Prüfung eines Modellprojekts Seilbahn