Wo bleibt meine Straßenbahn?

Da kam ich heute abend gegen 21.10 Uhr am Arheilger Löwenplatz an und las, dass meine Straßenbahn in 20 Minuten kommen wird. Okay, das reicht, um beim Edeka noch was einzukaufen und einen Zierkürbis mitzunehmen. Ich komme wieder aus dem Laden, da steht an der Haltestellenanzeige, dass die Bahn immer noch in 20 Minuten kommt.

Ich gucke nach den Bahnpositionen, das geht in der Heag Mobilo-App oder auf der Website heagmobilo-live.geomobile.de und stelle fest: Nördlich von mir ist keine Straßenbahn, jedenfalls keine, die ein Signal für die Positionsdaten sendet.

Was wird mir also auf dem Display angezeigt? Und woher kamen die 20 Minuten von 21.10 Uhr? Da gab es ja auch keine Bahn zwischen Dreieichweg und Löwenplatz. Ich meine, wenn die Zeitangabe nur dann funktioniert, wenn alles wie geplant läuft, dann können wir uns diese Technik und das Geld dafür sparen.

Und als ich dann in die Bahn einstieg, die aus Süden kam, damit ich nicht weiter im Nieselregel stehe, sah ich, dass uns keine Bahn entgegenkam, da war also nichts, was vorher hätte kommen können.

Veröffentlicht unter ÖPNV

Der ÖPNV ist ein Expertensystem, gibt es aber nicht zu

Ich habe ein Deutschlandticket, also muss das auch „abgefahren“ werden. Heute wollte ich mit dem Bus vom Johannesviertel in die Heimstättensiedlung. Ich guckte also online in den Fahrplan.Und stellte fest, dass ich mit dem ÖPNV 40 Minuten benötigen würde. Es sind aber nur vier Kilometer, da wäre ich ja zu Fuß fast schneller.

Ein genauerer Blick in den Fahrplan zeigte: Das Problem waren die zehn Minuten warten am Luisenplatz. Klar, zwei Minuten zum Umsteigen wären zu unsicher, aber zehn Minuten sind halt zuviel.

Also guckte ich noch genauer in den Fahrplan, welche Haltestellen angefahren werden: Aha, es war also besser, ich steige an der Haltestelle Pulverhäuser Weg aus und laufe etwas zurück Richtung Osten. Denn der Bus, der mich zur Haltestelle Kaiserschlag bringt, fährt eine Schleife nach Westen, macht dort ein paar Minuten Pause und fährt erst dann zum Kaiserschlag weiter.

Irgendwie seltsam, aber naja. Vor Ort stellte sich dann heraus, dass die Haltestelle Kaiserschlag eine Baustelle mit Straßensperrung ist. Was natürlich online nur in den Fußnoten steht und ich bei einen noch viel genaueren Blick auch lesen hätte können. Warum ist die Haltestelle online nicht rot markiert oder sowas? Und wo ist der Stadtpalnauschnitt zur Ersatzhaltestelle? Die ist nämlich 400 Meter entfernt, also auch nicht mal eben um die Ecke.

Die RMV-App schlägt einem manchmal auch vor ein Stück zu laufen, hier machte sie es nicht. Dabei wäre es hier gerade sinnvoll, denn das mit den 400 Metern zur Ersatzhaltestelle sagt sie einem auch nicht.

Und um den Fahrgast komplett zu verwirren stand in der Fahrplan-App, dass der H-Bus um 16.11 Uhr ausfällt. Um dann aber doch zu kommen. Wer deswegen dachte, dass er dann ja schonmal bis zur nächsten Haltestelle läuft, anstelle sich zu langweilen, der kam sich doch vereimert vor.

Ein Jahr 49-Euro-Ticket – Überlegungen zum öffentliches Verkehrswesen

Was braucht es für ein öffentliches Verkehrswesen, dass die Menschen keine Autos mehr brauchen?

Das 49-Euro-Ticket gibt es nun seit einem Jahr, meldet das ZDF. Dirk Flege (Allianz pro Schiene) fasst es gut zusammen: „Das bislang größte Manko ist das unzulängliche Angebot von Bus und Bahn im ländlichen Raum.“

Und da reicht es schon, sage ich, dass es wenige Taktwechsel und Taktlücken pro Tag gibt; die machen ÖPNV kompliziert und das Auto besser. Und wenn wegen Unfall oder Baustellen etwas im ÖPNV nicht klappt, muss man viel wissen, um das zu kompensieren. Die Verkehrswende ist noch weit weg.

Gestern wurde ich wieder an eine Studie von 2019 erinnert (die für „t-online“ erstellt worden war), die die Kosten für ÖPNV etc. mit denen eines Autos verglichen hatte. Dabei war herausgekommen, dass es ohne Auto (und dafür ÖPNV, Taxi, Fernverkehr etc.) für einen Single-Haushalt im Monat rund 60 Euro günstiger ist, als mit einem Auto. Bei Kosten, die sich im Jahr auf rund 3900 Euro (ohne Auto) und 4400 Euro (mit Auto) summieren.

Nun, diese 60 Euro mehr haben die Menschen dann doch über, denn dafür ist man mit Auto deutlich flexibler, hat keine Fahrpläne und muss auch nicht abends laufend auf die Uhr gucken, wann der Bus – der auf dem Dorf dann nur im Stundentakt fährt – nun kommt. Um dann festzustellen, dass er doch Verspätung hat etc.

Nur befürchte ich, dass ein ÖPNV, ein öffentliches Verkehrswesen allgemein, das das Auto weitgehend überflüssig machen würde, zu teuer ist und die Menschen mehr als die 4400 Euro kosten wird (und sei es über Steuern und Abgaben zugunsten des öffentlichen Verkehrswesens). Denn ein akzeptables öffentliches Verkherswesen, das gegen das Auto ankommt, würde aus meiner Sicht bedeuteten, dass deutschlandweit, zwischen 5 Uhr morgens und 1 Uhr nachts, alle 30 Minuten (die Zeit wartet man noch) ein Bus, ein Zug, eine Bahn in jedem Dorf abfahren und einen nach Hause oder zur Arbeit bringen müsste.

Die Politik sollte das mal ehrlich durchrechnen (lassen) und und dann sagen, ob das wirklich umsetzbar ist. Ich glaube nicht, dass das bezahlbar ist.

Warum das Auto das beste Verkehrsmittel ist

Warum die Menschen ihre Autos behalten werden (und das sagt einer wie ich, der kein Auto hat und das meiste mit ÖPNV und Fahrrad fährt – oder ich werde mal mitgenommen). Ein kleiner Rückblick auf meinen Vormittag heute. Ich hatte einen Termin und musste von Darmstadt ausnahmsweise nach Rüsselsheim. Von der Großstadt in die größte Stadt des Kreises Groß-Gerau, das sollte mit dem ÖPNV kein Problem sein. Nun ja. Geht, dauert über eine Stunde und ich darf drei oder vier Mal umsteigen:

Das Datum ist von nächste Woche, damit ich Verbindungen angezeigt bekommen. Mein Termin war heute.

Jedes Umsteigen ist ein Bruchpunkt, also mal weiter gucken. Aha, es gibt eine Verbindung, da muss ich nur einmal umsteigen. Fährt einmal die Stunde (das merken wir uns mal) und bleibt unter einer Stunde Fahrzeit.

Aber in den Details zu der Verbindung steht auch „Die Busse fahren eine Umleitung und die Haltestelle „Pallaswiesenstraße“ ist verlegt. Grund dafür sind Bauarbeiten.“ Blöderweise steht das zweimal da. Einmal ohne Fahrtrichtung, einmal mit Fahrtrichtung. Und von den aktuellen Baustellen weiß ich, dass die Haltestelle Pallaswiesenstraße rund 400 Meter von der Ersatzhaltestelle Pallaswiesenstraße entfernt ist.

Ok, ich laufe mal lieber eine Haltestelle weiter zur Haltestelle Im tiefen See. Oh, dort ist eine Ersatzhaltestelle, wegen einer kleinen Baustelle. Ein Aushang weist auf die Ersatzhaltestelle hin, aber nur für die Linien WE1 und WE2. Hm, wissen die Fahrer der X15-Linie das mit der Ausweichhaltestelle? Die beiden Haltestellen sind nah beieinander, aber für einen Sprint zu weit auseinander. Also laufe ich vorsichtshalber zur Haltestelle Windmühle weiter, sicher ist sicher. Hatte ich erwähnt, dass meine Haltestelle eigentlich um die Ecke ist? Nee, nicht bei Baustellenbetrieb.

Ok, da stelle ich mit der App fest, dass der Bus acht Minuten Verspätung haben wird. Das ist blöd, denn dann habe ich keinen Anschluss mehr in Mörfelden Walldorf. Und wir erinnern uns an den Stundentakt. Der Bus 67 im Mörfelden-Walldorf ist der mit dem Stundentakt. Wenn ich den nicht erwische, warte ich eine Stunde.
Ein Wunder, der X15 holt die Verspätung etwas auf und ist 30 Sekunden vor meinem Anschlussbus da. Das war pures Glück.

Ok, die Rückfahrt. Da verpasse ich terminbedingt gerade den Bus und darf damit eine Stunde warten. Eine Stunde in der ich nicht richtig was machen kann, und eine Stunde im Internet rumklicken, ist doch etwas öde. Nein, ich will auch nicht in einem Café Geld ausgeben fürs Warten. Also, Notiz an mich selbst: Wenn ein Stundentakt im ÖPNV dabei ist, Finger weg. Es sei denn, ich habe den Tag über nichts anderes vor.

Fazit: Ich benötige im Herzen des Rhein-Main-Gebiets zwischen zwei großen Städten, die 25 Kilometer voneinander weg sind, mit dem ÖPNV eine Stunde und kann nur einmal die Stunde eine übersichtliche Verbindung nehmen. Das ist zu schlecht. Eine Stunde eher fahren ist keine Alternative, dann sitze ich dort erstmal eine Stunde rum. Laut Google Maps brauche ich mit dem Auto 30 Minuten (ok, noch kein Parkplatz aber kein Fahrplan) und mit dem Fahrrad 80 Minuten (was bei blödem Wetter für mich ausfällt).

So. Dann kommen noch Verspätungen dazu, die einem die Anschlüsse aufknacken, verlegte Haltestellen, wegen denen ich Extrawege und die Zeit dafür einplanen muss, und ab und an wird der ÖPNV auch noch bestreikt. Ach ja, die Zeit, diese Verbindung rauszufischen war eigentlich auch Fahrzeit. Und eigentlich müsste ich die Haltestellen am Tag vorher noch auskundschaften, ob die da sind, wo ich sie vermute. Tut mir leid, da ist das eigene Auto nun mal das beste Verkehrsmittel. Und ich sehe nicht, dass der ÖPNV das zu vernünftigen Kosten lösen kann.

Mediamarkt-Preview in Pfungstadt

1400 Quadratmeter Mediamarkt für 25.000 Pfungstädterinnen und Pfungstädter (und natürlich auch für die, die dort hinwollen).

Ich war heute beim Mediamarkt, der am 14. November 2022 in Pfungstadt aufmacht.

Echo online: Neuer Media-Markt öffnet in Pfungstadt

Und weil die ÖPNV-Verbindung von Darmstadt-Mitte ins Pfungstädter Gewerbegebiet so grottig ist (und es heute sonnig war), fuhr ich mit Rad. 40 oder 60 Minuten mit dem ÖPNV für 10 Kilometer dauert einfach zu lang (und zudem ist das noch mit Stundentakt). Dabei hat das Gewerbegebiet sogar eine Haltestelle, was optimal wäre

So, deswegen werden Menschen in bestimmten Regionen und ab einem bestimmten Alter, nicht auf ihr Auto verzichten. Und wenn das schon bei Darmstadt und Pfungstadt (im Ballungsraum Rhein-Main-Neckar), der Fall ist, muss noch viel passieren beim ÖPNV. Wobei ich glaube, dass man den ÖPNV nie so gut ausbauen kann, dass er eine umfassende Alternative ist.

Huiii, ÖPNV-Förderung für Neubürger und Autoabmelder

Die ÖPNV-Förderung nimmt Fahrt auf, Neubürger und Autoabmelder bekommen für drei Monate eine kostenlose Fahrkarte. Das hier ist natürlich ein Symbolfoto mit einer fahrenden Straßenbahn.

Die ÖPNV-Förderung nimmt Fahrt auf, Neubürger und Autoabmelder bekommen für drei Monate eine kostenlose Fahrkarte. Das hier ist natürlich ein Symbolfoto mit einer fahrenden Straßenbahn.

Jetzt gibt es in Darmstadt ab Sommer ein kostenloses Drei-Monatsticket (€), wenn man Neubürger ist oder sein Auto abmeldet. Dafür steht für das kommende Jahr etwas mehr als eine Million Euro im Haushalt. Und für dieses Jahr sind es rund 500.000 Euro.

Ich finde, man hätte das Geld für was ähnliches, aber aufschlussreicheres für den ÖPNV ausgeben können.

Ich habe mal nachgeguckt, die SPD hatte 2019 berechnet, dass das 300-Euro-Jahresticket im Jahr drei Millionen Euro kosten würde. Jetzt werden für Drei-Monatstickets eine Million Euro im Jahr ausgegeben, genauer: sind dafür eingeplant.

Ich finde, man hätte diese 1,5 Millionen Euro in eine Rücklage legen sollen, um dann Mitte 2023 einen einjährigen Test mit dem 300-Euro-Jahresticket starten zu können. Ein Jahr, damit auch alle Jahreszeiten und Feiertage unterkommen und erst 2023 weil dann vielleicht auch kein Corona einem die Evaluation verfälscht (und man dann auch nicht mehr drei Millionen Euro auf einmal auf den Tisch legen muss).

Vielleicht kommt dabei dann raus, dass der ÖPNV dann zu voll wird und die Kosten für den Kapazitätsausbau das 300-Euro-Jahresticket viel zu unwirtschaftlich machen. Aber das halte ich für wesentlich interessanter als zu gucken, ob Leute nach drei Monaten ohne Auto auch ohne Auto bleiben.

Ach ja, nur mal zum Vergleich, wie viel Geld da für das 3-Monats-Ticket in die Hand genommen wird. In Darmstadt gibt es ein Sozialticket, das im Jahr rund 400.000 Euro kostet.

Aber bis das eingeführt war, hat es etwas gedauert. 2016 hatte die damals noch existierende Arbeitsloseninitiative Galida auf eine Einführung gedrängt. 2017 war es dann soweit, aber da zog der Oberbürgermeister die Magistratsvorlage zum Beschluss in der laufenden Stadtparlamentssitzung zurück. Das Sozialticket kam dann zwei Jahre später im Juni 2019 (€).

Baukosten Lichtwiesenbahn – 2013: 8,3 Millionen Euro geschätzt, 2021: 27 Millionen Euro

Die Straßenbahntrasse zur Lichtwiese wird fertig – und teurer.

Die Lichtwiesenbahn ist nun leider zu einem unrühmlichen Beispiel geworden, wie bei einem öffentlichen Bauprojekt die Kosten steigen können. Und wie man nachher die zuerst genannte Zahl nicht mehr mit der letzten vergleichen kann, weil das Projekt zwischendrin um eine Haltestelle etc. erweitert wurde. (Natürlich steigen die Kosten auch bei privaten Projekten ungeplant, nur müssen die das nicht erzählen und können es für sich behalten.)

Und da wir in Darmstadt seit 2013 viele Wechsel bei der Leitung des Baudezernats hatten, kann man frech sagen, dass mit jedem Wechsel die Baukosten stiegen.

Als das Projekt von der Baudezernentin Brigitte Lindscheid (Grüne) 2013 vorgestellt wurde, ging man noch von 8,3 Millionen Euro Gesamtkosten aus. Die die Stadt muss nur einen Teil bezahlen, aber es sind natürlich trotzdem Steuergelder, die das Land Hessen zuschießt.

Aber dann kamen weitere Ausgaben dazu: Für die Haltestelle Kletterhalle, Signalanlagen für einen eingleisigen Abschnitt, den Umbau der Haltestelle Hochschulstadion, sowie Sozialgebäude und allgemeine Baukostensteigerungen. Somit sollte die Lichtwiesenbahn im Jahr 2015, Baudezernentin war inzwischen Cornela Zuschke (parteilos), insgesamt 16 Millionen kosten.

Im November 2018, Baudezernentin war inzwischen Barbara Boczek (Grüne), hieß es dann dass die Baukosten bei rund 20,2 Millionen liegen werden (€), wegen der konjunkturell bedingten Entwicklung in der Baubranche.

Nun haben wir 2021, der Dezernent ist Michael Kolmer (Grüne) und die Baukosten steigen um weitere sieben Millionen Euro (€) auf einen Betrag zwischen 27 und 28 Millionen Euro. Unter anderem habe man 70 Brandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und Versorgungsleitungen, die man nicht zuordnen konnte.

Die ersten Fahrgäste sollen ab Ostern 2022 mit der Bahn auf die Lichtwiese fahren können. Im Juni 2013 war man noch davon ausgegangen, dass die Trasse bei optimalen Abläufen im Dezember 2017 in Betrieb gehen könnte. Im November 2015 war man dann davon ausgegangen, dass – wieder bei optimalen Abläufen – die Bauarbeiten 2017 beginnen und die Trasse zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 fertig sein könnte. Wenn man also jetzt von plangemäß spricht, dann ist das ein mehrfach angepasster Plan.

Ach ja, in den grün-schwarzen Koalitionsverträgen stand die Lichtwiesenbahn ab 2011 drin („Das Straßenbahnnetz wollen wir stärken und ausbauen, wo es nötig und sinnvoll
ist. (…) Besonders hoch ist der Druck (…) und zum Campus Lichtwiese der Technischen
Universität.“)

Und was ist eigentlich mit dem Nutzen-Kosten-Faktor, wenn die Baukosten sich mehr als verdreifacht haben?