ÖPNV: Fahrplanrecherche ist nunmal auch Fahrzeit

Ich habe langsam so eine Idee, warum das mit dem ÖPNV nichts wird: Weil das online Nachgucken und Überprüfen der Verbindungsvorschläge nun mal auch Teil der Fahrzeit ist. Und dann kommt noch die reale Fahrzeit dazu, die hier – vielleicht auch wegen der Sanierungsarbeiten – bei mindestens 45 Minuten liegt.

Und somit ist es allemal simpler und schneller, ins Auto zu steigen und (mit Bedacht) auf das Navi zu hören. Selbst das Fahrrad ist schneller.

Also: Ich wollte von der Kahlertstraße in die Walther-Rathenau-Straße. rmv.de schlägt u.a. vor.


Alles irgendwie richtig, aber bis auf die Verbindung mit dem Bus 8E für mich nicht sinnvoll.
Interessanterweise schlägt rmv.de auch vor, dass ich zur Haltestelle Klinikum laufe. Und dann nochmal in Eberstadt vom Bahnhof zur Haltestelle Walther-Rathenau-Straße. Das macht rmv.de öfters, nur, warum frage ich wohl bei rmv.de eine Verbindung an? Weil ich laufen will? Nein, primär will ich den ÖPNV nutzen. Wenn es keine Verbindung gibt, dann, klar, muss ich wohl laufen. Aber das ist erstmal sekundär.

Aber: Ich werde zur Haltestelle Klinikum geschickt. Da soll ich hinlaufen. Auf die Idee, mich zur Pallaswiesenstraße laufen zu lassen (die ist näher als das Klinikum), von der aus ich auch zum Luisenplatz, mit Umsteigen an der Rhein-Neckar-Straße nach Eberstadt und von dort zum P-Bus komme, darauf kommt rmv.de nicht. Das ist zwar auch viel Umsteigen, aber nicht über die Dörfer.

rmv.de ist bei der Fahrplanauskunft auch inkonsequent. Mal lässt die Auskuft einen laufen, mal lässt sie einen an einer Haltestelle warten, obwohl dann laufen schneller gehen würde. Ja, man kann die Entfernung für den Fußweg in der App einstellen. Aber nachts um 2 Uhr vergesse ich diese Einstellung und da würde ich vielleicht schon den KIlometer laufen, um nicht erst den Bus um 4 Uhr zu bekommen.

Und was habe ich gemacht? Ich habe das Pferd von hinten aufgezäumt. Ich habe erstmal gucken müssen, wann der P-Bus an der Wartehalle in Eberstadt abfährt. Denn diese Verbindung ist von den Baustellen in der Innenstadt nicht betroffen. Dann schaute ich, wann die Linie 6 oder 8 an der Rhein-Neckar-Straße zur Wartehalle abfährt, weil auch diese Strecke ohne Baustellen ist – und bin zur Rhein-Neckar-Straße mit dem Rad gefahren. Wo ich erstmal erstmal einen Abstellplatz fürs Rad suchen musste. Ja, ich hätte ohne nachschauen alles mit dem Rad fahren können, aber ich wollte nicht allzu verschwitzt ankommen.

Der ÖPNV ist ein Expertensystem, gibt es aber nicht zu

Ich habe ein Deutschlandticket, also muss das auch „abgefahren“ werden. Heute wollte ich mit dem Bus vom Johannesviertel in die Heimstättensiedlung. Ich guckte also online in den Fahrplan.Und stellte fest, dass ich mit dem ÖPNV 40 Minuten benötigen würde. Es sind aber nur vier Kilometer, da wäre ich ja zu Fuß fast schneller.

Ein genauerer Blick in den Fahrplan zeigte: Das Problem waren die zehn Minuten warten am Luisenplatz. Klar, zwei Minuten zum Umsteigen wären zu unsicher, aber zehn Minuten sind halt zuviel.

Also guckte ich noch genauer in den Fahrplan, welche Haltestellen angefahren werden: Aha, es war also besser, ich steige an der Haltestelle Pulverhäuser Weg aus und laufe etwas zurück Richtung Osten. Denn der Bus, der mich zur Haltestelle Kaiserschlag bringt, fährt eine Schleife nach Westen, macht dort ein paar Minuten Pause und fährt erst dann zum Kaiserschlag weiter.

Irgendwie seltsam, aber naja. Vor Ort stellte sich dann heraus, dass die Haltestelle Kaiserschlag eine Baustelle mit Straßensperrung ist. Was natürlich online nur in den Fußnoten steht und ich bei einen noch viel genaueren Blick auch lesen hätte können. Warum ist die Haltestelle online nicht rot markiert oder sowas? Und wo ist der Stadtpalnauschnitt zur Ersatzhaltestelle? Die ist nämlich 400 Meter entfernt, also auch nicht mal eben um die Ecke.

Die RMV-App schlägt einem manchmal auch vor ein Stück zu laufen, hier machte sie es nicht. Dabei wäre es hier gerade sinnvoll, denn das mit den 400 Metern zur Ersatzhaltestelle sagt sie einem auch nicht.

Und um den Fahrgast komplett zu verwirren stand in der Fahrplan-App, dass der H-Bus um 16.11 Uhr ausfällt. Um dann aber doch zu kommen. Wer deswegen dachte, dass er dann ja schonmal bis zur nächsten Haltestelle läuft, anstelle sich zu langweilen, der kam sich doch vereimert vor.

RMV-Fahrplanauskunft und ihre Logik – 800 Meter laufen oder 30 Minuten warten

Der RMV-Online-Fahrplan hat eine seltsame Logik. Ich wollte am Sonntag um 10.15 Uhr in der Berliner Straße 1 in Weiterstadt sein. Einstieg sollte die Darmstädter Pallaswiesenstraße sein und als Ziel gab ich die Adresse an. Das System schlägt mir vor bis zur Sudetenstraße zu fahren und dann rund 800 Meter zu laufen. Naja. Zwei Haltestellen weiter ist die Haltestelle Wilhelm-Leuschner-Platz in Weiterstadt (auch „Dalles“ genannt) von da aus sind sind es 500 Meter.

Pallaswiesenstraße – Sudetenstraße

Ich finde heraus, dass die Haltestelle an meinem Ziel „Heinrichstraße“ heißt. Also nochmal, Pallaswiesenstraße los, Ziel Heinrichstraße. Aha, ich muss am Wilhelm-Leuschner-Platz in Weiterstadt umsteigen, 28 Minuten warten und dann kommt der Bus in die Heinrichstraße. Was soll denn das? Vom Dalles sind es 500 Meter bis zur Berliner Straße 1 und das dauert keine halbe Stunde.

Pallaswiesenstraße – Heinrichstraße

Also tricksen: Abfahrt an der Haltestelle Windmühle (kreuzen ein paar Buslinien) in Darmstadt, Ziel Heinrichstraße. Aha, der Bus von dort fährt direkt zur Heinrichstraße. Allerdings muss ich von der Pallaswiesenstraße zur Windmühle 800 Meter laufen. Warum wird das nicht angeboten? Mich in Weiterstadt unsinnigerweise 800 Meter (es geht ja kürzer) laufen lassen, ist doch auch kein Problem?

Windmühle – Heinrichstraße

Mein Fazit: Unlogische Fahrplanauskünfte aber jedes Jahr die Fahrpreise erhöhen.

Nachtrag zum „Dalles“: Die Wikipedia schreibt von einem Ort in den USA, der The Dalles heißt und dass der Name vom französischen „la dalle“ kommt, was soviel viel Bodenplatte oder Steinplatte bedeutet. Französisch könnte auch nach Südhessen passen. War der Platz in einer Zeit in der das ungewöhnlich war – und Französisch „in“ – mit Platten gepflastert?

Für Sprinter, Optimisten, Gernevielzahler und Blitzsurfer

Ich suche einen Zug nach Essen. Also auf Bahn.de und schauen was geht. Oh, nur einmal umsteigen, aber da steht Bus? Ok, der Airliner bringt mich zum Flughafenbahnhof. Dort habe ich dann 10 Minuten Zeit zum Umsteigen in den ICE … Moment, da steht aber auch dass ich 10 Minuten Fußweg habe. Hallo, Bahn? Busse sind meinen Erfahrungen nach nicht unbedingt pünktlich. Klar, wenn es nicht klappt bin natürlich ich schuld. Und Zuschlag darf ich für den Bus auch noch zahlen, schon klar. Günstig ist anders.

Zweiter Anlauf: Zweimal umsteigen und fahren mit RB, IC und ICE. Aber die Zeiten zum Umsteigen sind wenigstens realistisch. Aber zweimal Umsteigen kann zweimal schiefgehen.

Dritter Anlauf mit späterer Ankunftzeit: Na also, eine Direktverbindung. Nur gibt es dafür kein 29-Euro-Dauer-Spezial. Auch nicht für sechs Wochen vor der Fahrt. Nächstes Preisstufe ist 59 Euro. Ich hör‘ das Lockvögelchen singen.

Also späteren Zug suchen. Und ohne Bus. Der kostet ja extra.

Ok, das war’s: Rückfahrten ab 23 Uhr (wenn ich 20 Uhr eingebe) mit über sechs Stunden Fahrtdauer (wegen gut drei Stunden Aufenthalt in Frankfurt) sind sicher nicht das was ich will. Kann man in diese Datenbanken nicht mal Sinnhaftigkeitsabfragen einbauen? Natürlich nicht, ich soll ja die Nerven verlieren und die nächste, teurere Verbindung buchen.

Oh. Eine Meldung im Browser:

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Nö Leute, wirklich nicht mehr. Erst Verbindungen anbieten, die zeitkritisch sind, dann einen lange suchen lassen, bis es passt, dann gibt es das vielbeworbene Angebot gerade nicht und einen Timeout.

Und da wundert sich noch einer, warum die Leute mit dem Auto fahren? Da tippt man das Ziel ins Navi und los geht’s. Jederzeit. Wann man will. Ohne Fahrplan. Und ob ich im Stau stehe oder wegen Verspätungen später komme, ist nachher echt egal. Entspannend ist beides nicht. Genausowenig wie die Sucherei nach der passenden preiswerten Verbindung.