Die Folgen des zu späten Shutdowns

This illustration, created at the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), reveals ultrastructural morphology exhibited by coronaviruses.

Jetzt werden weitere Einschränkungen diskutiert, weil die Fallzahlen nicht runter- und die Toten sogar hochgehen.

Tja, hätten die Landesregierungen auf die Warnung der Kanzlerin vor 19.200 Fällen/Tag an Heiligabend wenn es so weitergeht, gehört, wären wir auf einem deutlich niedrigeren Niveau (das einzige Mal wo es mal niedrig sein soll) Denn diese Warnung kam am 28. September und am 29. September war eine Ministerpräsidentenkonferenz. Und am 9. Oktober war noch eine. Zum Lockdown light entschloss man sich aber erst Ende Oktober.

Coronavirusfälle in Deutschland mit Blick auf die Zahlen im Oktober und November und den möglichen Fallzahlen bei einem Lockdown light im Oktober vs. dem im November. Quelle: ourworldindata.org

Und jetzt schaue ich mal auf die Kurve der Fälle pro 1.000.000 Einwohner.

Der Lockdown light begann am 2. November, nach einer Woche, ab dem 9.11., stiegen die Fallzahlen nicht weiter an, blieben aber auf dem Plateau von über 200/1.000.000. Wenn ich das jetzt mal auf den 5. Oktober übertrage (das war auch ein Montag wie der 2.11.) und dann am 12. Oktober gucke, dann wäre das Plateau bei 48 Fällen/1.000.000 erreicht worden, also vier Mal weniger als jetzt.
Und bei den Todesfällen wären wir mit einem Lockdown light (ab 5. Oktober) bei zirka 0,2 Fällen/1.000.000 am 12. Oktober gelandet. Zur Zeit sind es laut Grafik 4,8/1.000.000.

Coronavirus in Darmstadt und im Landkreis, 23.10.2020

SARS-CoV-2, Quelle: CDC Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAM

Der Landkreis hat am Freitag zum ersten Mal die Anzahl der Coronavirus-Infektionen seit Pandemiebeginn nach Kommunen aufgeschlüsselt. Da das in absoluten Zahlen war, habe ich das auf je 1000 Einwohner umgerechnet und Darmstadt dazugepakt (ist ja Kreisstadt ), nee, da wohne ich und es liegt mitten im Landkreis.

Coroanvirusinfektionen pro 1000 Einwohner seit Pandemiebeginn.

Von Österreich gelernt – Der Shutdown im Berchtesgadener Land

This illustration, created at the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), reveals ultrastructural morphology exhibited by coronaviruses.

Wie war das im März in Ischgl gelaufen? Die Regierung eines Alpenlands beendete die Saison, die Touristen mussten abreisen und brachten Coronaviren mit nach Hause.

Wie läuft das jetzt im Berchtesgadener Land? Die Regierung eines Alpenlands beendet die Saison, die Touristen müssen abreisen … nee, oder? Doch.

BR: Die Ausgangsbeschränkungen treffen auch die Hotels im Landkreis hart. Geschätzt machen derzeit rund 2.500 Gäste dort Urlaub. Sie alle müssen abreisen. – Der bayerische Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) sagte, es liege in der Verantwortung jedes Einzelnen, sich (…) “durchaus sicherheitshalber selber testen zu lassen”.

Erinnerungen an Corona im März

Eigentlich ist das nur eine Merk- und Wiederfindehilfe für mich. Nur wenn ich das jetzt so ins Blog schreibe, dann braucht es doch noch etwas Text.

Gabor Steingart schrieb in seinem Morning Briefing am 4. März 2020 unter anderem über das Coronavirus:

Fazit: Bald könnte es zu einem natürlichen Ende der Hysterie kommen. Das wärmere Wetter schwächt die Überlebensfähigkeit des Virus, stärkt die Immunkräfte des Körpers und führt zu mehr räumlicher Distanz zwischen den Menschen. Im kommenden Winter werden sich die meisten Teilnehmer dieses Angstseminars kaum mehr an ihr Coronafieber erinnern – und falls doch, dann mit einem Schmunzeln.

Ich höre schon wie Ende 2020 die Eltern über die Schulschließungen, die Wirte über ihre geschlossenen Gaststätten, und die Veranstaltungsbranche über das ruhige Jahr 2020 schmunzeln.

Das Coronavirus im Juli

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

Seit Anfang Juli schaukeln sich unsere Infektionszahlen hoch. Was machen eigentlich unsere Regierungen in Bund und Ländern gerade?

Wenn ich die Zacken glätte, sehe ich einen Kurvenanstieg, der in ein Exponentialfunktion führt.

(Der Eintrag ist eine Kopie eines fb-Eintrags und eines Kommentars von mir vom 12. August, er steht jetzt im Blog, damit ich ihn schneller finde.)

Quelle: www.ourworldindata.org – Daily new confirmed COVID-19 cases

„Gesundheitsämter viel zu knapp besetzt.“

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

„Für eine zweite Pandemiewelle sind die Gesundheitsämter viel zu knapp besetzt“, sagt Ute Teichert, jetzt Ende Juli 2020. Sie ist die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesund­heitsdienstes (BVÖGD). „Mit den steigenden Infektionszahlen rollt ein riesiges Problem auf uns zu.“ Sie hat das natürlich nicht mir erzählt, sondern der medialen Funke-Gruppe aus der das Ärzteblatt zitiert: Warnungen vor Problemen in Gesundheitsämtern.

Sie schlägt ein bundeswei­tes Freiwilligenregister vor. Diese (aber bitte schön bereits geschulte) Kräfte sollen die Gesundheitsämter unterstützen.

Tja. Das hatte ich am 12. April ja schon vorgeschlagen. Genauer: Ich hatte kritisiert, dass unsere Bundes- und Landesregierungen ab 2013 sowas nicht schon in die Wege geleitet hatten, als RKI und PEI das Modi-Sars-Szenario dem Bundestag vorgestellt hatten.

12. April 2020: Coronaviren – ein seit 2003 bekanntes Pandemie-Risiko mit Szenario von 2012 – Man hätte sich auch überlegen können, wie man die Gesundheitsämter durch die Ausbildung Ehrenamtlicher zu zu solchen Nachverfolgern unterstützt. (…) Die haben im Idealfall nie zu tun, werden aber regelmäßig geschult und können im Ernstfall dann die Kontakte der Infizierten verfolgen.

Coronavirus-Lageeinschätzungen im Januar 2020

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

22. Januar 2020
3sat nano: Wie gefährlich ist das Corona-Virus?
– (ab 2’14”): „Insgesamt gehen wir davon aus, dass sich das Virus nicht sehr stark auf der Welt ausbreitet.“ RKI-Präsident Prof. Dr. Lothar Wieler.
– (ab 3’14”): „Heute ist es so, dass wir einen wesentlich geringeren Anteil haben an Todesfällen, auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit scheint geringer zu sein. So dass ich davon ausgehe, dass sich das SARS-Horrorszenario von 2003 nicht wiederholen wird.“ (…) „Und ich bin durchaus der Meinung, dass man sich darauf vorbereiten müsste. Insofern teile ich nicht ganz die Gelassenheit des Robert-Koch-Instituts.“ Prof. Dr. Aleander Kekulé

tagesschau.de: Muss sich Deutschland wappnen? – „Die jetzige Risikobewertung zeigt, dass von den Menschen, die infiziert werden, nur wenige sehr stark krank werden – und auch nur ein kleiner Teil verstirbt. Darum ist die Virulenz oder das pathogene Potenzial dieses Virus nach dem heutigen Kenntnisstand insgesamt als klein einzuschätzen.“ RKI-Präsident Prof. Dr. Lothar Wieler

„Wir können das derzeit noch nicht einschätzen. Die Einschätzung derzeit ist, dass das noch überschaubar ist und wir wahrscheinlich nicht vor der nächsten großen Pandemie stehen.“ Prof. Dr. Marylyn Addo, Leiterin Sektion Infektiologie UKE Hamburg

28. Januar 2020:
Spiegel: Die Ankunft des Coronavirus in Deutschland – „Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland bleibt nach unserer Einschätzung weiterhin gering.“ (…) „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund.“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Die Coronavirus-Lage wird uns wohl noch länger begleiten

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

Es gibt schlüssige Simulationen , dass “Flatten the Curve”, um die Coronavirus-Lage in den Griff zu bekommen, nicht mal eben in vier Wochen vorbei ist. Und auch nicht in sechs Wochen, weil einige noch Corona-Partys feierten.

Denn was mir natürlich auch nicht aufgefallen war: Wenn 82 Mio. Menschen in Deutschland so langsam angesteckt werden “sollen”, dass man mit der medizinischer Behandlung hinterherkommt, dann dauert das, weil 82 Mio. sehr viele Menschen sind.

spiegel.de: Eine Frage von Monaten – Falls in den kommenden Monaten weder Medikamente noch eine Impfung verfügbar sind, könnte der Lockdown im Extremfall bis ins Jahr 2021 hinein gehen.

„Wir müssen vielleicht davon ausgehen, dass wir gesellschaftlich ein Jahr im Ausnahmezustand verbringen müssen.“
Der Virologe Christian Drosten in der ZEIT.

quarks.de: Darum ist die Corona-Pandemie nicht in wenigen Wochen vorbei

RKI: Modellierung von Beispielszenarien der SARS-CoV-2-Epidemie 2020 in Deutschland (PDF).