Coronavirus-Lageeinschätzungen im Januar 2020

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

22. Januar 2020
3sat nano: Wie gefährlich ist das Corona-Virus?
– (ab 2’14”): „Insgesamt gehen wir davon aus, dass sich das Virus nicht sehr stark auf der Welt ausbreitet.“ RKI-Präsident Prof. Dr. Lothar Wieler.
– (ab 3’14”): „Heute ist es so, dass wir einen wesentlich geringeren Anteil haben an Todesfällen, auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit scheint geringer zu sein. So dass ich davon ausgehe, dass sich das SARS-Horrorszenario von 2003 nicht wiederholen wird.“ (…) „Und ich bin durchaus der Meinung, dass man sich darauf vorbereiten müsste. Insofern teile ich nicht ganz die Gelassenheit des Robert-Koch-Instituts.“ Prof. Dr. Aleander Kekulé

tagesschau.de: Muss sich Deutschland wappnen? – „Die jetzige Risikobewertung zeigt, dass von den Menschen, die infiziert werden, nur wenige sehr stark krank werden – und auch nur ein kleiner Teil verstirbt. Darum ist die Virulenz oder das pathogene Potenzial dieses Virus nach dem heutigen Kenntnisstand insgesamt als klein einzuschätzen.“ RKI-Präsident Prof. Dr. Lothar Wieler

„Wir können das derzeit noch nicht einschätzen. Die Einschätzung derzeit ist, dass das noch überschaubar ist und wir wahrscheinlich nicht vor der nächsten großen Pandemie stehen.“ Prof. Dr. Marylyn Addo, Leiterin Sektion Infektiologie UKE Hamburg

28. Januar 2020:
Spiegel: Die Ankunft des Coronavirus in Deutschland – „Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland bleibt nach unserer Einschätzung weiterhin gering.“ (…) „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund.“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Die Coronavirus-Lage wird uns wohl noch länger begleiten

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

Es gibt schlüssige Simulationen , dass “Flatten the Curve”, um die Coronavirus-Lage in den Griff zu bekommen, nicht mal eben in vier Wochen vorbei ist. Und auch nicht in sechs Wochen, weil einige noch Corona-Partys feierten.

Denn was mir natürlich auch nicht aufgefallen war: Wenn 82 Mio. Menschen in Deutschland so langsam angesteckt werden “sollen”, dass man mit der medizinischer Behandlung hinterherkommt, dann dauert das, weil 82 Mio. sehr viele Menschen sind.

spiegel.de: Eine Frage von Monaten – Falls in den kommenden Monaten weder Medikamente noch eine Impfung verfügbar sind, könnte der Lockdown im Extremfall bis ins Jahr 2021 hinein gehen.

„Wir müssen vielleicht davon ausgehen, dass wir gesellschaftlich ein Jahr im Ausnahmezustand verbringen müssen.“
Der Virologe Christian Drosten in der ZEIT.

quarks.de: Darum ist die Corona-Pandemie nicht in wenigen Wochen vorbei

RKI: Modellierung von Beispielszenarien der SARS-CoV-2-Epidemie 2020 in Deutschland (PDF).

Homöopathie, evidenzbasierte Medizin, und “etwas, das die Bevölkerung will”

Beim Thema Homöopathie scheinen mir manche Gesundheitspolitiker herumzueiern. Heute war es Karin Maag (CDU) gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion) im Deutschlandfunk:

DLF: Maag: Wer Homöopathie ablehnt, soll Kasse wechseln – „Selbstverständlich stehen wir weiterhin zur evidenzbasierten Medizin.“ (…) “homöopathische Arzneimittel sind (…) etwas, was ein Großteil der Bevölkerung will (…) Derjenige, der für sich Homöopathie ablehnt, kann ohne weiteres eine Kasse finden, die diese Medikamente nicht erstattet.“

1. Die Bevölkerung will auch reich sein und mit viel Geld fühlt man sich bestimmt gleich viel besser – Armut ist so betrachtet nämlich nur eine Krankheit ;-).

Mit Netflix, Schokolade und im Bett liegen geht meine Erkältung auch schneller wieder weg, aber dennoch bekomme ich das alles nicht von der Kasse bezahlt. Die Kasse bezahlt noch nicht einmal wirksame Medikamente, wenn die wirksamen Bestandteile keine sinnvolle Kombination sind (konkret: eine Komponente wirkt bei akuter Einnahme, die andere nur bei andauender Einnahme). Da interessiert es keinen, ob ich das trotzdem „will“.

2. “ohne weiteres” eine Kasse finden, die Homöopathie nicht erstattet, ist falsch, weil nicht so einfach. Das schreiben die nämlich nicht groß vorne auf ihre Websites. Und zudem ändern die Kassen ihre freiwilligen Leistungen auch mal. Bei der Technikerkasse kann man wohl inzwischen Homöopathie “abwählen” aber angeblich nur in einem Paket mit anderen Sachen. “Ohne weiteres” sieht für mich anders aus, denn jetzt muss ich mich erstmal schlau machen.

Nur die Grünen, die FDP und die SPD im hessischen Landtag beantworteten meine Frage

Im August kam im hr-Fernsehen ein Beitrag über eine Frau mit Schlaganfallsymptomen, die in einer hessichen Notaufnahme zweimal kommen musste, bis sie ernstgenommen wurde.

hr-Fernsehen: Wenn bei der Schlaganfallversorgung aus Minuten Tage werden.

Ich hatte am 23. August ganz stumpf an die fünf Fraktionen im hessischen Landtag je eine E-Mail geschickt und die einfache Frage gestellt:

Was wird die Fraktion unternehmen, dass sowas nicht wieder passiert?

Ich hatte auch angekündigt, die Antworten in meinem Blog zu veröffentlichen.

Als erster hatte Markus Bocklet von den Grünen geantwortet. Und das auch schon am 28. August:

Hier wird ein schlimmer Einzelfall geschildert, der sicherlich so nicht akzeptabel ist.

Strukturell muss die Notaufnahme insgesamt in vielen Kliniken verbessert werden, es geht hier letztlich um das Zusammenspiel Ärztlicher Bereitschaftsdienst/Notaufnahme des KHs. Hierzu gibt es derzeit vielfältige Aktivitäten auf Bundes- und Landesebene. Der SVR Gesundheit hat ein aktuelles Gutachten vorgelegt, das BMG plant, noch in diesem Jahr eine neue bundesgesetzliche Regelung vorzulegen, die sowohl das Zusammenspiel ambulante/stationäre Notfallversorgung als auch die Frage, wer jeweils verantwortlich ist und wie der Rettungsdienst und die Leitstellen dabei eingebunden werden soll, regeln soll. Auch im Land läuft ein Gutachten der Uni Maastricht für den sektorübergreifenden Landesausschuss nach § 90a SGB V, mit dem internationale Best-Practice-Beispiele aufgezeigt werden sollen.

Wir werden die Sendung jedenfalls zum Anlass nehmen, das UKGM um eine Stellungnahme zu bitten.

MFG
Marcus Bocklet, MdL

Ich hatte die Mails dann nochmal abgeschickt, da ich Herrn Boddenberg von der CDU zufällig bei einem Termin traf. DIe CDU wird antworten wurde mir dann telefonisch zugesagt.

Aber erstmal kam die Antwort René Rocks (FDP):

Der Bericht im HR über die Vorfälle im Marburger Klinikum ist in der Tat unfassbar. Vor allem, weil es in diesem Bericht um den auch unter medizinischen Laien bekannten Schlaganfall geht, dessen Symptome fast jedem geläufig sind und der unbedingt schnellstmöglich behandelt werden muss. Nach unserer Einschätzung handelt es sich hier aber um Einzelfälle und nicht um einen landesweiten Missstand.

Gleichwohl haben wir ein Problem mit der ungesteuerten Inanspruchnahme der Krankenausambulanzen und dies nicht nur am Mittwochnachmittag und Wochenende/Feiertag sondern auch während der Woche.

Die Patienten kommen aus den unterschiedlichsten Gründen gerne direkt in die Notaufnahme eines Krankenhauses, wodurch die Kapazitäten der Krankenhäuser durch Bagatellfälle gebunden werden und wirkliche Notfälle länger warten müssen.

Die vorhandene Dreiteilung der Notfallversorgung in Deutschland (Rettungsdienst, ärztlicher Bereitschaftsdienst und stationäre Notfallversorgung) erschwert derzeit die bedarfsgerechte Versorgung der Patientinnen und Patienten. Zur künftigen Gestaltung der Notfallversorgung ist es daher sinnvoll, eine effiziente Koordination zwischen ärztlichen Bereitschaftsdienst, stationäre Notfallversorgung und Rettungsdienst herbeizuführen. Diese Koordination sollte sich unter der Einbindung des Rettungs- und ärztlichen Bereitschaftsdienstes sowie der Leitstellen, Krankenhäuser und Krankenkassen an einem strikten System der Ersteinschätzung orientieren. Die Überlegungen gehen dahin, eine gemeinsame Leistelle und Rufnummer für alle drei Notfallsysteme einzurichten und dort bereits eine fachkundige Ersteinschätzung am Telefon vorzunehmen. Eine weitere Ersteinschätzung und Zuweisung sollte in einem integrierten Notfallzentrum, in dem sowohl die Notaufnahme als auch der ärztliche Bereitschaftsdienst angesiedelt ist, stattfinden.

Das heißt, dass die Patientenströme bereits frühzeitig gesteuert werden müssen, damit das ganze Notfallsystem effizienter funktioniert.

Denn vieles, was im Bereich der Notfallversorgung Kritik würdig ist, ist auf eine Überlastung des ärztlichen und pflegerischen Personals in den Notaufnahmen zurückzuführen.

Allerdings erklärt dies nach unserer Ansicht aber nicht unbedingt auch das fachliche Defizit, Personen mit einem Schlaganfall wieder nach Hause zu schicken.

Freundlich Grüße

Ihr
René Rock

Die nächste Antwort kam von der SPD, per Brief, musste ich also erstmal einscannen – soviel also zur Digitalisierung (bei der SPD und bei mir).

Natürlich wäre es ein leichtes für mich gewesen, über meine Arbeit als Lokaljournalist die hiesigen Abgeordneten und Parteienvertreter darauf anzusprechen. Das hatte ich aber nicht gemacht, weil ich doch mal gucken wollte, wie eine normale Reaktion ausfällt.

Es kommt auf die Kilokalorien an

Neujahr, der Zeitpunkt für die ganzen guten Vorsätze. Der mit gesünder und weniger Essen ist eigentlich ganz einfach umzusetzen.

Mit so manchen Neujahrsvorsätzen ist es eigentlich einfach. Zum Beispiel das mit dem Abnehmen.

Spiegel online: Das Rezept zum Abnehmen ist einfacher, als viele glauben.

Kurzfassung: Es kommt auf die Kalorien an. Mit wenig Zucker, wenig hochverarbeiteter Nahrung, wenig Fett, dafür mehr Obst, Gemüse und mageres Fleisch wird das Ganze auch gesünder.

Die wissenschaftliche Arbeit, auf die sich Autor Jörg Blech in seinem SpOn-Artikel am Schluss bezieht, ist von 2009:

New England Journal of Medicine: Comparison of Weight-Loss Diets with Different Compositions of Fat, Protein, and Carbohydrates – Reduced-calorie diets result in clinically meaningful weight loss regardless of which macronutrients they emphasize.

Sozialwahlen, hurra!

Die Unterlagen für die Sozialwahlen sind da. 51 Millionen Menschen stimmen ab. Nur für wen, was und warum? Im Vorfeld hatte ich die Listen, die bei meiner Krankenkasse kandidieren deswegen ein paar Sachen gefragt. Und – zugegeben – dabei ziemlich im Nebel gestochert, da ich über die Gremienarbeit dort ja nichts weiß und auch nichts mitbekomme.
Aber egal, der einzige, der auf meine Fragen einging und nicht auf Allgemeinplätze, irgendwelche FAQs und Websites verwies, war der Vertreter der IG Metall.

Wicki Weißwas & sein nutzloses Wissen: Gesammelte Placeboeffekte

Placeboeffekte sind vielschichtig. Ein paar Beispiele: Depressive Patienten sprachen in Studien besser auf gelb gefärbte Tabletten an als auf grüne oder rote.

Eine Spritze wirkt besser als etwas zum Schlucken.

Purpur gefärbtes Vitamin B12 in einer Spritze wirkt angeblich so schmerzdämpfend wie Morphin, wenn man dran glaubt, dass in der Spritze mehr ist als Vitamin B12.

Auch Preise bestimmen die Wirksamkeit, je teurer desto besser. Und der Klassiker ist auch dabei: Was bitter schmeckt gilt auch als besser.

Placebos vom Chefarzt wirken eher als Placebos von der Krankenschwester.

Exakte Vorschriften, wie und wann man seine Tabletten einnehmen helfen ebenfalls, weil der Patient etwas zu seiner Genesung selbst beitragen kann.

Manchmal ist der weiße Arztmantel auch nur ein Kostüm, wie das Fell des Schamanen. Weiß hat aber auch praktische Vorteile bei der Hygiene – wenn man die Kittel auch wäscht.

Alleine die Hoffnung, dass es besser wird, löst im Körper biochemische Reaktionen aus, die Immunzellen stimulieren können oder wie (siehe oben) Morphine wirken können.

Siehe auch:
netdoktor.de: Farbe von Arzneien – Rot, weiß, blau
sueddeutsche.de: Medizin ist Show
SpOn: Gesund durch Zuversicht

Links: Ärztefortbildung; Ebola in Afrika; Intel Compute Stick

mobilegeeks.de: Intel Compute Stick – Mehr als nur ein TV-Dongle, aber ein bisschen weniger als ein vollwertiger PC – das ist der Intel Compute Stick, der in den HDMI-Eingang eines Fernsehers passt.

Zeit.de: Gekaufte Ärzte – Sieben Pharmafirmen sponsern die eintägige Fortbildung mit insgesamt fast einer Viertel Million Euro. (…) Selbstredend sollen die Vorträge “ausgewogen” und “produktneutral” sein (…) Fachärzte müssen (…) Punkte aus zertifizierten Fortbildungen nachweisen. (…) Veranstalter müssen sich meist keine Sorgen machen, dass ihre Fortbildung nicht zertifiziert wird. Die Ärztekammern sind heillos damit überfordert, die wirtschaftliche Unabhängigkeit zu prüfen.

Science: Ebola’s thin harvest – Voraussichtlich Mitte Januar wird Afrika Ebola-frei sein. Im Verlauf der Epidemie wurden mehrere Medikamente “live” getestet, viele erwiesen sich aber als unwirksam.

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