Wicki Weißwas: Der bestechliche Papst

Deutschlandfunk Nova erinnert daran, wie Spanien und Portugal sich ihre Kolonialreiche zuteilten, bzw. zuteilen ließen. Papst Alexander VI. (1431-1503) begünstigt bei der ersten Aufteilung der Welt am 4. Mai 1493 die Spanier gegenüber den Portugiesen.

Moderator Markus Dichmann: Hat er das getan, weil er selbst Spanier war?
Historiker Volker Reinhardt: Nein, weil er bestechlich war. (…) Der Papst verlangt ganz konkret das Herzogtum Gandia für seinen eigenen Sohn.
(ungefähr ab 9 Minuten 25 Sekunden)

1494 wird dann der Vertrag von Tordesillas geschlossen, der ist dann doch günstiger für die Portugiesen.

Deutschlandfunk Nova: Der Vertrag von Tordesillas – Die Aufteilung der Welt

Wicki Weißwas: Ferdinand Magellan

Der Weltumsegler Ferdinand Magellan war gar kein Weltumsegler. Er wurde am 27. April 1521 auf den heutigen Philippinen getötet. Von seiner Besatzung kamen nur 18 Männer (von anfangs 242) wieder an. Die erste Weltumseglung hatte zwei Jahre, elf Monate und zwei Wochen gedauert. Der Start war am 10. August 1519 in Sevilla.

Vor 30 Jahren: Den Sozialismus in seinem Lauf …

So sah wohl das Schild auf den Grenzpfählen zwischen DDR und BRD aus. (Ich habe es bei einer Ausstellung in Darmstadt fotografiert.)

Vor 30 Jahren – am 14. August 1989 – sagte SED-Chef Erich Honecker: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.“ Wie kam er darauf, wo doch seit dem Sommer massiv Menschen in die Bundesrepublik flüchteten?

Auf sueddeutsche.de gibt es dazu ein Interview mit dem Honecker-Biografen Martin Sabrow dazu:

sueddeutsche.de: Als Honecker den Sozialismus für unaufhaltsam erklärte – „Er hat die negativen Bilder der Innenpolitik durch die außenpolitischen Erfolge kompensiert und nicht erkennen wollen, dass es ein Wechselverhältnis von äußerer Integration und innerer Auflösung des Regimes gab.“

Der Sturm auf den Braunshardter Schlosspark blieb aus

Schloss Braunshardts Nordseite – Der Park ist hinter dem Fotografen.

Vor sechs Jahren gab es eine kuriose Situation im Weiterstädter Stadtparlament. Die Konservativen wollten den Braunshardter Schlosspark fürs Volk öffnen und die Linken hatten so ihre Bedenken ob Vandalismus. Am Ende gab es eine Mehrheit dafür den Park an den Wochenenden zu öffnen.

Woraufhin ich einen Artikel schrieb und ihn dramatisch einleitete:

Das erste Morgenlicht macht eine unübersehbare Menschenmenge sichtbar. Schwarz von Menschen sind die Straßen.

Denn das hatte ich in einem zeitgenössischen Bericht über den Sturm auf die Pariser Tuileriengärten und den dazugehörigen Palast im Jahre 1792 gefunden.

So revolutionär war es dann aber doch nicht an dem Samstag im Braunshardter Schlosspark. Nur wenige Bürger schauten vorbei. Und die Politiker, die das erfochten hatten, auch nicht.

Und heute fiel mir dank S. Peter Brunner auf, dass man mit der Schlossparköffnung am besten noch eine Woche – also auf den 10. August – gewartet hätte. Denn am 10. August 1792 war der Sturm auf die Tuilerien.

Erinnerung an Novemberpogrome in Eberstadt

Der Schauspieler Stéphane Bittoun rezitiert aus Jizchak Katzenelsons “Großen Gesang vom ausgerotteten Jüdischen Volk“. Hinter ihm sind die Namen der getöteten, verfolgten, vertriebenen, geflüchteten und verschollenen Eberstädter jüdischen Glaubens projiziert.

Ein Eberstädter jüdischen Glaubens hatte es weit gebracht. Der Auswanderer Simon Bamberger (1846-1926) war zwischen 1917 und 1921 Gouverneur des Staates Utah – als erster Nicht-Mormone und erster US-Demokrat. Die in Eberstadt verbliebenen waren ganz normale Bürger, Händler oder Handwerker.

Aber dieses Ankommen in der Gesellschaft war ab 1933 vorbei und bei den Novemeberpogromen 1938 wurden die jüdischen Eberstädter nicht nur von SA-Leuten sondern auch von Nachbarn drangaliert und misshandelt. Am Samstag erinnerte die Dotter-Stiftung mit einer Gedenkveranstaltung wie die “Firniss der Zivilisation” (David Neumann, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde) auch in Eberstadt riss.

Echo online: Pogromnacht in Eberstadt

Heute vor 10 Jahren: Altbekanntes macht Schlagzeilen

Vor zehn Jahren gab es ein großes Oho, weil etwas ausgesprochen wurde, was jeder Fernsehzuschauer schon lange wusste. Das mussste ich am 13. Oktober 2008 dann doch mal im Blog anmerken:

Erstaunlich, wie man auf die Nachrichtenseiten, in die Zeitungen und ins Fernsehen kommt, wenn einer sagt, was alle wissen. Alle, nur nich die, die den Mist verzapfen. Marcel Reich-Ranicki schimpfte auf der Deutscher Fernsehpreis-Preisabwurfparade (schönes Wort) über das Programm:

Ich gehöre nicht in diese Reihe. Ich finde es schlimm, dass ich das hier heute Abend erleben musste.“ Reich-Ranicki ließ sich aus über den „Blödsinn, den wir hier heute Abend zu sehen bekommen haben.

Aber vermutlich müssen wir noch dankbar sein. Erstens sind an dem Preis ARD, RTL, Sat1 und das ZDF beteiligt. Also nur eine Preisverleihung anstelle vier solcher Selbstbeweihräucherungsveranstaltungen. Und zweitens könnten alle vier Sender ja die Veranstaltung zeitgleich übertragen. Ist schließlich bei Hochwohlgeborenen-Hochzeiten, Obama-Ovationen an der Siegessäule und Vatikanchef-Visiten eine gerne praktizierte Übung der Öffentlich-Rechtlichen.

Ich bin mal auf die „Bild“-Schlagzeile gespannt: „Deutschlands mutigster Kritiker“? (nee) Auf jeden Fall sollte Marcel Reich-Ranicki aufpassen die nächste Bambi-Verleihung zu meiden. Sonst bekommt er noch den „Mut-Bambi“ (wie weiland Tom Cruise) verliehen.

Siehe auch:
Indiskretion Ehrensache: Erschreckend, wie wenig es braucht, um die gesamte deutsche Medienjournaille in Erregung zu versetzen.
DWDL: Was das ZDF nicht zeigte: Die peinlichen Momente

Heute vor 10 Jahren: Ruckzuck im Spam

Damit das mal klar ist: Ein-Satz-Kommentare, die auf alles passen könnten – und mit einem Link auf eine kommerzielle Seite – sehe ich ganz schnell als einen Versuch, unbezahlten Links zu bekommen. Sowas ladet ohne längere Prüfung im Spam. Da reicht mir der erste Anschein.

Ja, bis zur DSGVO konnte man hier in diesem Blog, bzw. seinen Vorläufern, kommentieren (Beschwerdemails diesbezüglich bitte an Jan Philipp Albrecht, der seine DSGVO für eine Supersache hält). Und auch am 5. Oktober 2008 gab es schon Kommentarspam. Damals hoffte man ja noch mit solchen Ansagen was zu erreichen.

Als die SPD noch Wahlen gewann und die CDU Stimmung gegen Ausländer machte

SPD: 40,9 Prozent. CDU/CSU 35,1 Prozent. Das war das Ergebnis der Bundestagswahl vor genau 20 Jahren, am 27. September 1998. Da hieß es dann, dass es das für die CDU gewesen sei. Die Union habe ihre strukturelle Mehrheit verloren, sie werde sich auf Jahrzehnte in der Opposition einrichten können.

Und auch für die Hessenwahl im Frühjahr 1999 sah “Der Spiegel” keine Chance für Roland Koch. Im Dezember 1998 schrieb er:

Roland Koch steckt tief im Elend der Christdemokraten, die seit dem Desaster der Bundestagswahl (…) So opponiert die Hessen-Union schon fast ein halbes Jahrhundert – und wohl auch die nächsten vier Jahre.

Aber irgendwas ist ja immer. Roland Koch entfachte eine Stimmungskampagne gegen die rot-grünen Doppelpasspläne – auf die die Bundesregierung aber auch nicht verzichten wollte – und gewann die Hessenwahl.

Deswegen regiert hier seit 20 Jahren nun die CDU.

Das Ende des letzten Zaren vor 100 Jahren

Wo der russische Zar war, stand nachher eine Kirche, könnte man meinen. Die Kapelle auf dem Foto ist die russische Kapelle auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Sie war die Hauskapelle des Zaren Nikoluas II., wenn er seine Verwandschaft in Darmstadt besuchte.

“Wie? Was ist los?” soll der letzte russische Zar gefragt haben, als der Jekaterinburger Sicherheitschef Jakow Jurowski folgendes erklärt hatte: “Angesichts der Tatsache, daß Ihre Verwandten in Europa die Aggression gegen Sowjetrußland fortsetzen, hat das Ural-Exekutivkomitee beschlossen, Sie zu erschießen.”

Das war vor 100 Jahren in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 in Jekaterinburg. Zar war Nikolaus II. seit der Revolution im März 1917 schon nicht mehr, er hatte abgedankt und war mit Frau und Kindern gefangen genommen worden. Angeblich hatte er die Lage entspannt gesehen und war tatsächlich überrascht, als er erfuhr, dass er jetzt sterben wird.

Der Historiker Martin Aust geht davon aus, dass die Bolschewiki die Zarenfamilie töten ließen, um einen “Unsicherheitsfaktor” zu beseitigen, da ihre Macht noch nicht gesichert war. Es gab Unruhen unter den Arbeitern, einen Bürgerkrieg mit Konterrevolutionären “Weißen” Truppen und mit dem Frieden von Brest-Litowsk waren auch nicht alle in Russland einverstanden. Zudem standen “Weiße” Truppen vor Jekaterinburg und die hätten die Zarenfamilie befreien können. Acht Tage später eroberten diese die Stadt und begannen den Tod des Zaren zu untersuchen.

Der Ort an dem die Familie umgebracht wurde, war ein Haus, dass dem Ingenieur Nikolai Ipatjew gehört hatte. Es wurde später ein Denkmal der Revolution, aber russische Monarchisten sahen in dem Ort eine Gedenkstätte, so dass der damalige Parteisekretär Boris Jelzin (ja, der) das Haus 1977 abreißen ließ. Inzwischen kann man den Ort noch besser finden, 2003 wurde dort die “Kathedrale auf dem Blut” gebaut.

Und am Ort, 15 Kilometer entfernt von Jekaterinburg, wo die Toten verscharrt wurden, steht inzwischen das “Kloster der heiligen Zaren-Märtyrer“.

Den Deutschen (die Zarin war ja die hessische Prinzessin Alix) erzählten die Bolschewiki übrigens, dass die Zarin und die Kinder noch leben würden. 1924/25 erschien aber dann das Buch des Ermittlers Nikolai Sokolow, der zu dem Schluss gekommen war, dass Zar und Familie tot seien. Was die Zarenmutter, die erst 1928 starb, aber nie glauben wollte.

Echo online: Vor 100 Jahren wurde die Darmstädter Prinzessin Alix ermordet

SWR2: Sehnsucht nach dem Zaren – Russland zwischen Patriotismus und Propaganda
Eine Diskussion (44 Minuten) mit Prof. Dr. Jörg Baberowski, Osteuropa-Historiker, Humboldt-Universität Berlin, Katja Gloger, Autorin und Korrespondentin beim „Stern“ und Prof. Dr. Nikolaus Katzer, Deutsches Historisches Institut, Moskau.

Halloween auf der Burg Frankenstein

Wenn auf der Burg Frankenstein Halloween gefeiert wird, gibt es neben dem Rundgang durch den gruseligen Zwinger auch ein Bühnenprogramm im Burghof.

Es ist wieder soweit, auf der Burg Frankenstein in Nieder-Beerbach wird Halloween gefeiert.

Echo online: Schlange stehen für Monster

Das abendliche Halloween-Festival (ab 14 Jahren) ist noch am 27., 28., 30. und 31. Oktober sowie am 3. und 4. November. Kinder-Halloween an zwei Nachmittagen ist am 29. Oktober und 5. November. Karten gibt es nur im Vorverkauf, mehr Infos dazu unter www.frankenstein-halloween.de

Inwieweit die Burg Frankenstein mit dem Roman und den daraus abgeleiteten Filmen etwas zu tun hat, hat der Geschichtsverein Eberstadt-Frankenstein mal geprüft. Denn die Frankenstein-Autorin Mary Shelley war am 2. September 1814 nachts für drei Stunden in Gernsheim, weil sie mit einer Reisegesellschaft auf einem Schiff den Rhein entlangfuhr.

Geschichtsverein Eberstadt-Frankenstein:Behauptungen und Irrtümer zum Frankenstein (PDF)

Der Torturm ohne Halloween.