Lockerungen und ihre Grundlage

Ich frage mich, auf welchen Grundlagen gerade von Lockerungen gesprochen wird?

Aktuell sind wir auf dem Niveau vom 30. Oktober 2020, das war als der Shutdown light begann (und zu spät, weil die Ministerpräsidenten Anfang Oktober nicht wollten). Das hatte nach ein zwei Wochehn zu stagnierenden Zahlen geführt. So dass dann ‘Geschäfte zu’ und etwas später um ‘Schulen zu’ dazukamen. Was auch funktioniert hat, denn seit Weihnachten sinken die Fallzahlen. Was auch ein Erfolg ist. Weswegen ich auch nicht verstanden hätte, wenn man da jetzt was verschärft hätte.

Aber bei 13.000 Fällen pro Tag (in der ersten Welle lag das Maximum bei knapp 6000 am Tag) und den wenigen Daten zu Infektionsorten, sehe ich wenig Spielraum, da was anders zu machen. Zumal wir noch die Mutanten haben, die in Brasilien, Großbritannien und Südafrika gefunden wurden. Die – so habe ich es jetzt verstanden – deswegen leichter einen anstecken können, weil sie weniger Virus brauchen.

Ich sehe auch Probleme bei der 50er-Inzidenz. Wenn ab da die Nachverfolgbarkeit nicht mehr geht, müsste die Grenze zum Einschreiten doch deutlich unter 50 liegen. Denn wenn man erst ab 50 wieder die Kontakte beschränkt, ist das System doch schon überlastet.

Die Virusmutante und Medikamente mit monoklonalen Antikörpern

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS – Die Spike-Proteine sind grün eingefärbt, um die Mutante zu illustrieren. Im CDC-Original sind sie rot.

Deutschland kauft Anti-Corona-Medikamente bei den Pharmaunternehmen “Regeneron” und “Eli Lilly“. In beiden sind sogenannte “monoklonale Antikörper” enthalten, insgesamt drei verschiedene.

So wie ich das verstanden habe, setzen alle Antikörper am Spike-Protein des Coronavirus an. Und wenn es monoklonale Antikörper sind, dann haben die nur eine Stelle (Epitop) an der die andocken, um das Virus beim Eindringen in die Zelle zu stören.

Jetzt gibt es aber diese B.1.1.7-Mutante aus Großbritannien, und bei der sind 17 Stellen im Spike-Protein verändert. Ich hoffe, die Mutationen sind an anderen Stellen als an den Epitopen der monoklonalen Antikörper. Und dann haben wir noch die Mutanten aus Südafrika “B.1.351” und “P.1” aus Brasilien.

Estwas Hintergrund: Beim Impfen bilden wir polyklonale Antikörper, d.h. verschiedene weiße Blutkörperchen (B-Zellen) erkennen verschiedene Stellen auf dem Spike-Protein als fremd und werfen ihre jeweilige Antikörperproduktion an.

Monoklonale Antikörper sind Laborprodukte.

Und ein kleiner Tipp, um schlau tun zu können: Wenn ein Therapeutikum wie “Bamlanivimab” auftaucht, das die Endung -mab hat, kann man gleich einwerfen, “das ist doch ein monoklonaler Antikörper”. Denn “mab” steht für “monoclonal antibody”.

Übrigens: Dieser Medikamenteneinkauf zeigt auch, dass die sogenannte “Pharmamafia” mit Impfungen nicht den großen Reibach macht. Eine Dosis dieser monoklonalen Antikörper kostet zirka 2000 Euro. Eine Impfdosis (ok, man braucht zwei) kostet zwischen 2 und 16 Euro. Und wenn sie funktioniert, hält die Impfung länger als die monoklonalen Antikörper.
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Für die Pharmabranche wäre es also viel interessanter die Menschheit in einem Status zu halten, in dem sie regelmäßig Schnelltests (30-45€) machen und monoklonale Antikörper bekommen muss.

Großversuch zum Infektionsgeschehen in Baden-Württemberg

Hm, wenn Baden-Württemberg die Schulen am 1. Februar wieder öffnen will und nicht erst am 15. Februar wie in der Runde der Landes- und Bundesregierungen besprochen, dann ist das eine Chance. Das wäre ein Großversuch zum Infektionsgeschehen.

Dann könnte man vielleicht die Coronavirus-Fallzahlen zwischen Bundesländern mit ‘Schulen auf’ und ‘Schulen zu’ vergleichen und Schlüsse daraus ziehen.

Denn bislang sehe ich:

Shutdown light ab Anfang November mit offenen Schulen und Läden -> Fallzahlen stagnieren nach etwa einer Woche.

Shuthdown ab Mitte Dezember mit Läden zu, Unterrichtseinschränkungen und anschließenden Weihnachtsferien und Schulen zu -> Fallzahlen stagnieren nach einer Woche und sind inzwischen 10.000 niedriger als zum Höhepunkt am 23.12. (25.670/Tag vs. 15.200/Tag).

Covid-19-Tote in Deutschland und den USA

Da ein Freund es erwähnte, habe ich doch mal nachgeschaut: Bei den aktuellen Covid-19-Toten liegen Deutschland und die USA inzwischen gleichauf, wenn man nicht die absoluten Zahlen, sondern die pro Million Einwohner, betrachtet.

Die mit dem Coronavirus in Zusammenhang stehenden Totenzahlen pro Million Einwohner in den USA und Deutschland.

Weihnachten und das Coronavirus, irgendwas hat da gewirkt

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

Wenn ich mir so bei ntv die Coronavirus-Fallzahlen anschaue, dann ist an Weihnachten die Katastrophe NICHT eingetreten. Blicke ich auf die Zahlen vom 23. Dezember und die vom 15. Januar sind die Fallzahlen pro Tag nämlich gesunken.

23. Dezember: 25.670 bzw. 300 Fälle pro Million Einwohner
15. Januar: 18.607 bzw. 200 Fälle pro Million Einwohner

Den starken Rückgang ab dem 23. Dezember und den steilen Aufstieg ab dem 7. Januar kann ich mir mit den Melde- und Testverzögerungen während der Feiertage erklären. Denn nach dem 23.12. ist der Abfall zu steil. Und man kann die Zacke nach unten durch einen harmonischeren Kurvenverlauf ersetzen, ich habe das mal in Grün reingemalt. Und: Der Anstieg zwischen dem 7. und dem 12. Januar (20.771) erreicht nicht wieder die Zahl vom 23. Dezember.

Also irgendwas hat da gewirkt. Keine Schule, drei zusätzliche Feiertage, weniger Menschen auf der Arbeit für ein bis zwei Wochen.

Das Coronavirus und die Weihnachtsfeiertage. Die Grafik ist von ourworldindata.org, die grüne Kurve ist von mir.

Blöderweise sind nun die ansteckungsfreudigeren Mutanten aus Großbritannien dabei, sich zu verbreiten. Sind eigentlich unsere Grenzen dicht? Wird an den Grenzen getestet und Fieber gemessen?

Fehlerkultur bei Politikern, aber einer hatte es nicht verstanden

SARS-CoV-2, Quelle: CDC Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAM

7. Januar 2021: Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) bei RTL: “Wir hätten schon Mitte Oktober entscheidender und deutlicher handeln müssen.

7. Januar 2021: Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke, Thüringen) im ZDF: “Die Kanzlerin hat recht gehabt.

9. Januar 2021: Ministerpräsidentent Michael Kretschmer (CDU, Sachsen) in der “Freien Presse”: “Wir waren im Herbst noch zu zögerlich” (€)

Das klingt für mich schonmal einsichtiger als Ministerpräsident Armin Laschet (CDU, NRW).

23. Dezember 2020, der zweite Shutdown lief schon, und Armin Lascht wollte sich im Spiegel (€) entschuldigen. Er sagte: “Es war aus heutiger Sicht falsch, im März als Erstes die Schulen und Kitas zu schließen. Im Frühling sind viele Menschen allein gestorben, weil die Heime abgeriegelt wurden. Das ist ein Schaden, den wir nicht wiedergutmachen können. Irreparabel. Nicht korrigierbar. Da können wir Verantwortlichen in der Politik die Angehörigen nur um Verzeihung bitten.”

Da hätte ich aber von Armin Laschet eine andere Einsicht erwartet. Tatsächlich war es ja so, dass die Bundeskanzlerin am 28. September 2020 vor 19.200 Fällen pro Tag an Heiligabend gewarnt hatte, wie der Tagesspiegel damals schrieb: “Vor den nächsten Beratungen mit den Bundesländern über die Corona-Krise an diesem Dienstag hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einem deutlichen Anstieg der Ansteckungszahlen in Deutschland gewarnt. Wenn diese sich wöchentlich so weiterentwickeln würden wie bisher, werde es zu Weihnachten 19.200 Neuinfektionen am Tag geben, sagte Merkel am Montag nach Angaben aus Teilnehmerkreisen in einer Videokonferenz des CDU-Präsidiums.”

Am 29. September war eine Konferenz mit den Ministerpäsidentinnen und -präsidenten, ebenso am 9. Oktober. Der Shutdown wurde erst Ende Oktober beschlossen.

Nachtrag, ich habe jetzt die ganze Markus Lanz-Talkshow mit Bodo Ramelow gesehen. Ein Verhältnis zu Zahlen hat er aber immer noch nicht. Als es um die Vakzin-Einkäufe durch die EU ging, verteidigte er vehement die Einkaufspolitik, die aber zunächst zu zuwenig Impfstoff geführt hatte. Anstelle mal kurz über das Argument des “Zeit”-Journalisten in der Runde nachzudenken, dass Vakzine allemal günstiger sind als Tote, Landzeitpatienten, Steuerausfälle und Nothilfeprogramme.

Was ich ja mal anhand der bei Twitter durchgesickterten Vakzinkosten nachgerechnet hatte:

Rechnerische Kosten, um die ganze EU-Bevölkerung impfen zu können. Die 80 Millionen Deutschen kosten 9 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Alleine in Deutschland wurden 9 Milliarden Euro Nothilfe in die Lufthansa gesteckt, 20 Milliarden in die Umsatzsteuersenkung und nochmal 20 Milliarden Euro ins Kurzarbeitergeld.

Vakzinierung: Abgehängt von Israel, Großbritannien und den USA

Ourworldindata.org: COVID-19 vaccination doses administered per 100 people, Jan 2, 2021

Dass das mit dem Impfen gegen Covid-19 langsam anläuft, ok, aber wenn ich sehe, dass es zeitgleich woanders deutlich besser läuft, dann wundere ich mich ja schon.

Mir fällt auf, dass selbst Länder wie USA und UK mit bislang eher suboptimalen Pandemiemanagement (jedenfalls in meiner Wahrnehmung) drei- bis sechsmal besser als Deutschland gestartet sind.

Ich frage mich auch, wo bei der EU-Kommission, die die Vakzine einkaufen sollte, die Prioritäten lagen? Täglich infizieren sich Personen und es sterben Menschen in Größenordnungen von Flugzeugabstürzen. Und vor dieser zweiten Welle hatten alle Experten gewarnt. Weil es sie immer gibt.

Es verbrennen zur Zeit Milliarden Euro in den Volkswirtschaften und werden auch direkt über Konjunkturprogramme rausgehauen, um die Symptome der Coronavirus-Pandemie zu bekämpfen. Die 20 Milliarden Euro für die Mehrwertsteuersenkung sind z.B. so eine Maßnahme. Wieviel hätte man da bei Biontech oder Moderna kaufen können? Einiges (Preisliste pro Dosis: Astra Zeneca: 1,78 Euro; Johnson & Johnson: 6,95 Euro; Sanofi-GSK: 7,56 Euro; Curevac: 10,00 Euro; Biontech/Pfizer: 12,00 Euro; Moderna: 14,70 Euro.)

Rechnerische Kosten, um die ganze EU-Bevölkerung impfen zu können.

Hochgerechnet bedeutet das, dass 900 Millionen Impfdosen von jedem Hersteller insgesamt rund 50 Milliarden Euro gekostet hätten. 1,8 Milliarden Euro pro EU-Land. Und wenn man es auf die Bevölkerung umrechnet entsprechend mehr oder weniger. Deutschland bräuchte 166 Mio. Impfdosen, was so rund 9,3 Milliarden Euro bedeutet hätte. Zum Vergleich: Rund neun Milliarden Euro hatte alleine die Lufthansa bekommen. Und die sogenannte Novemberhilfe wird mit 26 Milliarden Euro veranschlagt.*

Und dann wollte man beim Vakzin, das an der Ursache ansetzt, sparen. Ausgerechnet da. Oder glaubte anscheinend, dass Forschung so geplant funktioniert wie im Computerspiel “Civilization” und sich an die Daten im Businessplan hält – und man deswegen im Herbst 2020 garantiert aus sechs Anbietern günstig auswählen kann.

Und nein, ich muss kein Huhn sein, um zu erkennen, dass ein Ei faul ist. Israel ist beim Impfen 50x weiter als wir, hat aber nur 10x weniger Einwohner.

Nachtrag: Die EU-Kommission hat insgesamt zwei Milliarden Dosen bestellt. Aber von den 2 Milliarden können wir aktuell die 300 Millionen von Sanofi schonmal abziehen, weil die erst irgendwann im Jahr 2021 eine Zulassung beantragen werden. Ebenso haben die anderen bis auf Biotech bei uns zur Zeit noch keine Zulassung.

Genaugenommen ist aktuell ein zugelassener Impfstoff für 150 Mio. Menschen bestellt (Biontech, 300 Millionen Dosen für je zwei Impfungen). Im November. Man war gar nicht im Sommer ins “Risiko” gegangen, auf falsche Pferde zu setzen.

Ruhrbarone.de: EU-Impfdebakel – Am 14. August schloss (die EU) einen Vertrag mit AstraZeneca ab, am 18. September mit Sanofi, am 7. Oktober mit Johnson & Johnson. Am 11. November wurde man sich mit Biontec einig, am 19. November mit Curevac und am 25. November mit Moderna.

Gehen wird davon aus, dass Moderna und Astrazeneca auch Zulassungen bekommen (weil sie sie schon in den USA und UK haben), sind es 860 Mio. Dosen, also für 430 Mio. Menschen in der EU.

Ok, das könnte reichen. Aber wie ich das verstehe, basiert diese Gesamtzahl auf weiteren Bestellungen vom Dezember.

Denn bis Mitte Dezember sah es so aus:

Spiegel: Deutschland wird wohl nicht genügend Vakzinen haben, um die Pandemie bereits im Sommer zu beenden (€) – Bi­ontech/​Pfi­zer, des­sen Kan­di­dat am 21. De­zem­ber zu­ge­las­sen wer­den soll, wird nach jet­zi­gem Stand im ers­ten Halb­jahr un­ge­fähr 45 Mil­lio­nen Do­sen nach Deutsch­land lie­fern kön­nen. Mo­der­na, des­sen Impf­stoff am 6. Ja­nu­ar zu­ge­las­sen wer­den soll, könn­te rund 15 Mil­lio­nen Do­sen lie­fern. Macht zu­sam­men rund 60 Mil­lio­nen Do­sen.”

* – Nebenbei zeigt dies, dass man mit Impfen eigentlich nicht den großen Reibach macht. Viel lohnender wäre es, wenn man nur Schnelltests hätte, die man oft wiederholen muss. Und Medikamente, die man täglich nehmen muss.

This illustration, created at the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), reveals ultrastructural morphology exhibited by coronaviruses.

(Ergänzt am 4.1.2021 um 12.14 Uhr)

Die Folgen des zu späten Shutdowns

This illustration, created at the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), reveals ultrastructural morphology exhibited by coronaviruses.

Jetzt werden weitere Einschränkungen diskutiert, weil die Fallzahlen nicht runter- und die Toten sogar hochgehen.

Tja, hätten die Landesregierungen auf die Warnung der Kanzlerin vor 19.200 Fällen/Tag an Heiligabend wenn es so weitergeht, gehört, wären wir auf einem deutlich niedrigeren Niveau (das einzige Mal wo es mal niedrig sein soll) Denn diese Warnung kam am 28. September und am 29. September war eine Ministerpräsidentenkonferenz. Und am 9. Oktober war noch eine. Zum Lockdown light entschloss man sich aber erst Ende Oktober.

Coronavirusfälle in Deutschland mit Blick auf die Zahlen im Oktober und November und den möglichen Fallzahlen bei einem Lockdown light im Oktober vs. dem im November. Quelle: ourworldindata.org

Und jetzt schaue ich mal auf die Kurve der Fälle pro 1.000.000 Einwohner.

Der Lockdown light begann am 2. November, nach einer Woche, ab dem 9.11., stiegen die Fallzahlen nicht weiter an, blieben aber auf dem Plateau von über 200/1.000.000. Wenn ich das jetzt mal auf den 5. Oktober übertrage (das war auch ein Montag wie der 2.11.) und dann am 12. Oktober gucke, dann wäre das Plateau bei 48 Fällen/1.000.000 erreicht worden, also vier Mal weniger als jetzt.
Und bei den Todesfällen wären wir mit einem Lockdown light (ab 5. Oktober) bei zirka 0,2 Fällen/1.000.000 am 12. Oktober gelandet. Zur Zeit sind es laut Grafik 4,8/1.000.000.

Indikator X-Mas-Shopping

In der Darmstädter Innenstadt finden die Weihnachtseinkäufe wie immer an den Adventssamstagen statt: Drängeln, einem den Weg abschneiden, in den Abstand reinlaufen wie auf der Autobahn, spontan stehen bleiben, gern an Engpässen etc. Für mich ist das ein Indikator, wie gedankenlos die Leute sich auch sonst verhalten. Und sich dann fragen: “Warum gehen die Zahlen bei den Coronavirus-Infektionen nicht runter? Wir tragen doch Masken.”

Ich habe jetzt den Rest bestellt, den ich suchte, die Innenstadt meide ich lieber.