Grüne und Wissenschaft

Die Grünen haben was gemerkt. Wissenschaft zählt nur, wenn es ihnen in den Kram passt. Das fiel in der Glyphosatdebatte auf.

2002 hatte die damalige Ernährungs- und Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) das Bundesinstitut für Risikobewertung gegründet, um Risikoeinschätzung und Risikomanagement zu trennen. Aber als das BfR bei Glyphosat keine Risiken sah, war das plötzlich nicht mehr ok (taz: „Ich bin entgeistert“).

SpOn: Wie die Grünen Monsanto ärgern könnten – Die Faktentreue der Grünen reicht jedoch immer nur so weit, wie sie zum eigenen Idealismus passt. Als die EFSA zu dem Schluss kam, dass vom Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat keine Krebsgefahr für den Menschen ausgeht, stellte die Partei deren Glaubwürdigkeit plötzlich in Frage.

Jetzt wird das bei den Günen selbst diskutiert: Vom schwierigen Verhältnis zwischen Grün und Wissenschaft

Es kommt auf die Kilokalorien an

Neujahr, der Zeitpunkt für die ganzen guten Vorsätze. Der mit gesünder und weniger Essen ist eigentlich ganz einfach umzusetzen.

Mit so manchen Neujahrsvorsätzen ist es eigentlich einfach. Zum Beispiel das mit dem Abnehmen.

Spiegel online: Das Rezept zum Abnehmen ist einfacher, als viele glauben.

Kurzfassung: Es kommt auf die Kalorien an. Mit wenig Zucker, wenig hochverarbeiteter Nahrung, wenig Fett, dafür mehr Obst, Gemüse und mageres Fleisch wird das Ganze auch gesünder.

Die wissenschaftliche Arbeit, auf die sich Autor Jörg Blech in seinem SpOn-Artikel am Schluss bezieht, ist von 2009:

New England Journal of Medicine: Comparison of Weight-Loss Diets with Different Compositions of Fat, Protein, and Carbohydrates – Reduced-calorie diets result in clinically meaningful weight loss regardless of which macronutrients they emphasize.

Lange Nacht der Sterne beim Esoc

Manchmal braucht man etwas Glück. Das hatte ich am Freitag bei der “Langen Nacht der Sterne” beim europäischen Satellitenkontrollzentrum Esoc (European Space Operations Centre). Das Esoc arbeitet jetzt seit 50 Jahren in Darmstadt und hatte einen Abend der offenen Tür.

Ich sprach auch mit ein paar Besuchern. Zweimal ergab es sich, dass die Besucher was erzählten, was ich sehr schön als Übergang verwenden konnte, da ich dazu auch Experten gefragt hatte.

Echo online: Lange Nacht der Sterne: 5000 Besucher informieren sich über das Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt

7. Mai: Tag der offenen Tür bei der GSI in Wixhausen

Eine sehr seltene Veranstaltung ist genau einem Monat am Sonntag, 7. Mai: Tag der der offenen Tür bei FAIR und GSI, von 10-18 Uhr. 
Tag der offenen Tür klingt zwar üblich und nach jedes Jahr wieder, aber das gilt nicht für die GSI. Der letzte Tag der offenen Tür war 2006, vor elf Jahren. Eine Light-Version gab es 2011 mit einem Sommerfest, wie mir die Pressestelle mitteilte.
Tage der offenen Tür gibt es bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) und der im Bau befindlichen „Facility for Antiproton and Ion Research“ (FAIR) nur alle Jubeljahre, weil die international betriebenen Anlagen mit ihren Teilchenstrahlen und Detektoren (die es so eben nicht an jeder Uni gibt) rund um die Uhr gebraucht werden und die Strahlzeiten verteilt sind. Mal eben die Geräte runterfahren für einen Sonntag, ist da nicht so einfach.

Esoc 2017

Dr. Rolf Densing steht an einem Pult, im Hintergrund steht ein Raketenmodell

Dr. Rolf Densing, Direktor für den ESA-Missionsbetrieb und Leiter des Raumfahrtkontrollzentrums ESOC in Darmstadt.

Am Dienstag wurde im Darmstädter Esoc das Programm des Raumflugkontrollzentrums für 2017 vorgestellt. Unter anderem werden weitere Sentinel- und Galilo-Satelliten gestartet. Und dann hat das Esoc 2017 Geburtstag, vor 50 Jahren war die Einrichtung vom damaligen Bundesforschungsminister Gerhard Stoltenberg (CDU) eröffnet worden.

Echo online: „Esoc ist mehr als ein Kontrollraum“

Ein Satellitenmodell.

Im Bier ist was viel gefährlicheres als Glyphosat

Eigentlich ist im Bier schon immer ein gefährlicherer Stoff als Glyphosat. Und das in größeren Mengen:

SpOn: Schluck! – Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, die Glyphosat als “vermutlich krebserregend” eingestuft hat, bewertet Alkohol in Getränken als “sicher krebserregend”.

Und so wie die Meldung erfolgreich durchs Dorf getrieben wurde, zeigte sich mal wieder das Problem des Wissenschaftsjournalismus (das unter anderem mich bewogen hat, es nicht dort zu probieren):

Spektrum.de: Glyphosat im Bier, die Klickmaschine – Wenn es um Aufmerksamkeit geht, dann verlässt so manchen Newsdesk-Mitarbeiter das Bewusstsein für klassische journalistische Tugenden. Das nutzen Lobbygruppen wie das Umweltinstitut München, die genau wissen, wie man die von Klicks getriebene Onlinepresse auf ein Thema ansetzt. Das Fatale: Egal was am Ende von solchen Sensations- oder Albtraummeldungen wie der HIV-Heilung oder dem Glyphosat-Bier übrig bleibt, die große Schlagzeile wird es meist nicht mehr machen. Solche Meldungen lassen sich kaum wieder völlig einfangen.

Doch kein weiterer Planet

US-Wissenschaftler entdecken riesigen Planeten, Stichhaltige Hinweise auf neunten Planeten oder Neuer Planet am Rande des Sonnensystems: Ist das endlich Planet X? – so klingen einige Überschriften von heute.

Ich dachte mir ja, warum fragen die Kollegen nicht mal jemanden der sich damit auskennt? Bevor wieder mal eine Pressemitteilung oder sowas 1:1 durchgeschaltet wird. Denn dass selbst ein wissenschaftlichess Journal wie „Nature“ gerne Werbung für sich selber macht, sollte inzwischen auch klar sein. Zumal einen Thema wie „neuer Planet“ auch jeder kapiert. (Aber man könnte auch mal in die Texte gucken, die man – wie „Chip“ – verlinkt, da steht was von „Evidences“ in der Überschrift.)

Nun, wie erwartet ist der nicht so alarmistische Astronom Florian Freistetter in seinem Astrodictum Simplex-Blog da etwas zurückhaltender: Weiterlesen

Was sagen einem Daten aus Tierversuchen?

Wenn aus Wissenschaft und Forschung berichtet wird, zählt oft nur, wer die Meldung zuerst in eigenen Text umgegossen hat. Dabei fallen dann bestimmte Sachen hinten runter, wie zum Beispiel, dass Ergebnisse bei Ratten oder Mäusen genaugenommen nur für – genau – Ratten oder Mäuse gelten. Die Zeit greift das jetzt mal auf, aber unter dem ethischen Aspekt “Tierversuch”:

zeit.de: Ersatz gesucht – “Der Mensch ist keine 70-Kilogramm-Ratte”, sagt der Toxikologe Thomas Hartung gern, wenn er über Tierversuche spricht. (…) Mäuse, Ratten, Kaninchen und sogar Affen reagieren oft ganz anders auf chemische Stoffe als Menschen. Daher eignen sich die Tiere auch nur bedingt als menschliche Stellvertreter.