Erinnerung an Novemberpogrome in Eberstadt

Der Schauspieler Stéphane Bittoun rezitiert aus Jizchak Katzenelsons “Großen Gesang vom ausgerotteten Jüdischen Volk“. Hinter ihm sind die Namen der getöteten, verfolgten, vertriebenen, geflüchteten und verschollenen Eberstädter jüdischen Glaubens projiziert.

Ein Eberstädter jüdischen Glaubens hatte es weit gebracht. Der Auswanderer Simon Bamberger (1846-1926) war zwischen 1917 und 1921 Gouverneur des Staates Utah – als erster Nicht-Mormone und erster US-Demokrat. Die in Eberstadt verbliebenen waren ganz normale Bürger, Händler oder Handwerker.

Aber dieses Ankommen in der Gesellschaft war ab 1933 vorbei und bei den Novemeberpogromen 1938 wurden die jüdischen Eberstädter nicht nur von SA-Leuten sondern auch von Nachbarn drangaliert und misshandelt. Am Samstag erinnerte die Dotter-Stiftung mit einer Gedenkveranstaltung wie die “Firniss der Zivilisation” (David Neumann, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde) auch in Eberstadt riss.

Echo online: Pogromnacht in Eberstadt

Diskussion mit Landtagswahl-Kandidaten in Eberstadt

Wahltalk in Eberstadt-Süd mit Dennis Eckhold (Linke, 3. v. rechts) und Andreas May (FDP, rechts).

Freitag war im Darmstädter AfD-Quartier Eberstadt-Süd eine Diskussion zur Landtagswahl. Die AfD war dort bei der Kommunalwahl 2016, Wahllokal Wilhelm-Hauff-Schule, mit 25,4 Prozent stärkste Partei geworden. Gefolgt von der SPD mit um die 20 Prozent. Eingeladen war die AfD nicht, Caritas und Diakonie hatten Direktkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien eingeladen.

Allerdings ist das über Format mit an Tischen verteilten Politikern schwierig zum schreiben, weil ich ja nicht überall gleichzeitig sein kann. Und da kann es passieren, dass ich wieder zu einem Tisch komme, und nun andere Bürger das gleiche Thema haben wie die Gruppe davor. Oder ich ein Thema auch verpasse.

Echo online: Diskussion mit Landtagswahl-Kandidaten in Eberstadt

Konstruktive Planungswerkstatt und Kindergartenniveau in Eberstadt

Überlegungen zu den Plätzen in Ebertstadt.


Freitag und Samstag war in Eberstadt eine Planungswerkstatt für die Ortskerngestaltung. 40 bis 50 Bürger waren am Samstagnachmittag bei der Ergebnisvorstellerung da. Das Stadtplanungsamt hatte am 3. November für die Veranstaltung am 13. und 14. eingeladen.

Das ganz lief wohl recht konstruktiv (ich war nur zu den Ergebnissen da), aber wie ich im Nachgang feststelle, sind einige Parteien da immer noch (oder wieder) auf Kindergartenniveau. Und nein, diesmal ist es kein “Neuer Politikstil” der grün-schwarzen Koalition, sondern es sind FDP und SPD, die lieber wieder in die Schützengräben als über ihre Schatten springen.

Die Eberstädter SPD hat ihre eigene Planungswerkstatt parallel veranstaltet und ihre Ergebnisse nachgereicht. Und die FDP redet von “Farce”. Die SPD hatte angeblich ein Zeitproblem, weil sie Freitag ihren Parteitag hatte. Mag sein, aber es sind ja nicht alle Genossen Delegierte auf dem Parteitag. Und die FDP meckerte, weil der Termin zu kurzfristig angekündigt gewesen sei.

Nachtrag: Die SPD wies mich darauf hin, dass ihre Planungswerkstatt schon früher im Jahr war und dass zwei Genossen am 13. und 14. November dabei waren. DIe Passagen oben sind deswegen durchgestrichen.

Nun, wenn etablierten Parteien, es nicht schaffen, Mitglieder zu so einer Planungswerkstatt zu schicken, dann zweifele ich doch mal an deren generellen Gestaltungsmöglichkeiten.

Tatsächlich kommt mir das eher wie eine Retourkutsche vor. Vor ziemlich genau drei Jahren war schonmal eine Planungswerkstatt in Eberstadt. Zu der waren rund 40 Bürger – aber nicht die Grünen – gekommen. Angeblich wollten sie die Bürgerbefragung abwarten. Ich glaube eher, es lag daran, dass das Treffen in der Geibelschen Schmiede von der Inititiave “Pro Eberstadt” organisiert worden war, eine Gruppe, die eher der Uwiga nahesteht als den Grünen. Naja und jetzt war es eine Planungswerkstatt von der Stadt und da ist dann halt auch jeder Grund recht, die mäkelig zu machen. Gründe finden sich da immer.

Mein Echo-Artikel zur Planungswerkstatt (nicht zum Kindergartengehabe) steht nicht online. Weiterlesen

Nachbarschaftshilfe in Eberstadt und Braunshardt

Manchmal fallen die Themen ja fast zeitgleich zusammen. In Braunshardt hat sich ein Verein gegründet, der auch Nachbarschaftshilfe organisieren will. Und in Eberstadt soll ein privates Netzwerk zur Nachbarschaftshilfe geknüpft werden. Beides auf lokaler Ebene, da der Austausch besser in der räumlichen Nähe klappt.

Nur will man in Eberstadt den Verein wegen der damit einhergehenden Bürokratie vermeiden, während man in Braunshardt (www.wohnenbleiben-braunshardt.de) gerade den Verein will, auch um versicherungsrechtlich auf sie sichere Seite zu kommen.

Der Neue Politikstil war am Samstag in Eberstadt

Für Samstag (3.) hatte die Bürgerinitiative “Pro Eberstadt” zu einer Planungswerkstatt in die Geibelsche Schmiede eingeladen. Verschiedene Themen von Verkehr über Grünflächen, Spielanlagen, Flaniermeile und den Versorger im ehemaligen Radio Wilms/Luftpumpe sollten in Kleingruppen erörtert werden.

40 Bürger waren gekommen, auch eingeladene Kommunalpolitiker von CDU, FDP, SPD und Uwiga. Aber keiner der Grünen, weder aus der Stadt, noch aus Eberstadt – und das wären auch fünf Stadtverordnete von insgesamt 23 gewesen. Der Grünen-Ortsverband hatte auf die Einladung eine Absage geschickt.

Unser Oberbürgermeister hat eine qualifizierte Bürgerbefragung angekündigt und diese wird wohl in diesem Jahr stattfinden. Grundsätzlich finden wir, dass wir erst dieses Bürgervortum abwarten wollen.

Anmerkung: Die Bürgerbefragung war im Juni angekündigt worden.

Erst dachte ich ja, der Neue Politikstil (Motto 1: Gute Idee, leider nicht von uns und Motto 2: Redet doch was ihr wollt, wir entscheiden eh anders.) werde nur im Parlament gespielt und gegenüber den Bürger findet tatsächlich was neues mit den Bürgerversammlungen in den Stadtteilen und zum städtischen Haushalt statt.

Seit dem Zirkus um den Zirkus scheint der Neue Poltikstil aber auch auf Betroffene (wie den Zirkus Knie, dessen Einladung zur Besichtigung kein Koalitionär folgte) oder Bürger, wie die in Eberstadt am Samstag, ausgedehnt zu werden.

Natürlich ist mir die Konstellation bei “Pro Eberstadt” bewusst. Die BI wünscht sich einen Ortsbeirat – ein Uwiga-Thema – und einer der Protagonisten ist ehrenamtlicher Stadtrat – für die Uwiga. Da glaubt natürlich jede Stadtregierung, dass das ein Oppositionsvehikel ist und wird da nur mitspielen, wenn es gar nicht anders geht. Und sich vorführen lassen schonmal gar nicht. Nur: Das könnte man ja mit dem neuen Politikstil überwinden.

Ach ja: Jetzt könnte einer der Grünen ja was dazu sagen – aber halt, das geht ja nicht. Denn wie einer mal auf Facebook erklärte, könne man ja nur was dazu sagen, wenn man dabei war. (Das war damals auf die Stadtparlamentsitzung bezogen, in der die Mehrheit der Minderheit die Aussprache wegnahm – und das auch Tage danach noch richtig fand.

Nachtrag: Jetzt gibt es auch ein OB-Ansage zur Umfrage – Bürgerbefragung noch in diesem Jahr.

Kelterfest bei den Eberstädter Streuobstwiesen

Schön müssen sie nicht sein, die Äpfel, die zu Most werden, aber gewaschen werden sie schon.

Vor zwei Jahren war ich mal auf einem Grenzgang und sollte anschließend noch zu einem Kelterfest. Da der Grenzgang – mit so gut wie keinen Infos – etwas länger ging, war beim Keltern alles schon gelaufen. Dabei war dort was los gewesen, denn Äpfel werden ja nicht einfach so zu Saft. Über Menschen beim arbeiten schreibt es sich nunmal besser, als über Menschen beim laufen. Dank kompetenter Pressearbeit (danke Sandra) konnte ich aber auch aus dem verlaufenen Markt etwas machen.

Diesen Sonntag war ich nun nur bei einem (anderen) Kelterfest, dem des Eberstädter Streuobstwiesenzentrums. Ok, es war wegen des Regens nicht voll, aber dennoch waren dafür viele Menschen gekommen (ein politischer Vortrag hat weniger Teilnehmer).

Echo online: Das kracht richtig, wenn aus Äpfeln Most wird

Dieser „Obstkuchen“ ist ausgepresste Apfelmaische, die dann aber Trester heißt.

Keine Verbindung zwischen Burg Frankenstein und Filmmonster – Eberstädter Geschichtsverein vermisst wissenschaftliche Beweise

Was hat der Eberstädter Hausberg Frankenstein (der auf Nieder-Beerbacher Gemarkung liegt) mit dem gleichnamigen legendären Monsterfilm von 1931 und dem Roman von 1818 zu tun? Wenig bis gar nichts nach den Recherchen des Geschichtsvereins Eberstadt-Frankenstein.

„Wir wollen keinem das Geschäft verderben, betonte Vereinsvorsitzender Erich Kraft. „Das ist eine klasse Idee für die Region“. Aber ein Geschichtsverein habe die Aufgabe Legenden und Anekdoten von der Historie zu trennen.

„Es kommt überhaupt keine Burg im Roman vor“, sagte Michael Müller in seinem Vortrag Ende September 2008 im Ernst-Ludwig-Saal. „Erst in späteren Verfilmungen wurde eine Burg in die Handlung eingebaut.“ Hinweise, die vor allem von rumänischstämmigen Professor und einem deutschen Journalisten kommen, verwarf der zweite Vorsitzende des Geschichtsvereins.

So soll die Frankenstein-Autorin Mary Shelley 1814 auf einer Deutschlandreise den Frankenstein besucht haben, als sie in Gernsheim am Rhein Station machte.Angeblich gebe es ein Tagebuch Shelleys, beschrieb Müller. Aber es gebe auch einen Tagebucheintrag vom 2. September 1814 von Shelleys Schwester Claire. Demnach war die Gruppe nachts für drei Stunden in Gernsheim. Müller präsentierte Fotos, die von Gernsheim aus den Frankenstein bei Tag zeigen. Nur dank zweier roter Pfeile konnten die 100 Zuhörer die Burg über Malchen (ein Ortsteil Seeheim-Jugenheims) entdecken. Zudem seien vor 194 Jahren die Burgtürme eingefallen gewesen, zeigte Müller eine Zeichnung von 1813. Müller glaubt nicht, dass man die Burg habe erkennen können. Und: „Einträge im Eberstädter Kirchenbuch, die den Aufenthalt der Engländer belegen sollten, gibt es nicht.“

Auch einen anderen Zusammenhang zwischen Burg und Monster konnte Müller nicht bestätigen. Mary Shelleys Stiefmutter Mary Jane Clairmont soll Kontakt zum Märchensammler Jakob Grimm gehabt haben. In einem Brief soll Grimm ihr von einer Sage um ein Monster und einen Zauberer bei Nieder-Beerbach berichtet haben. „Der Grimm-Brief ist der Gebrüder Grimm-Gesellschaft unbekannt“, sagte Müller.

Den Alchemisten Konrad Dippel als historisches Vorbild für den fiktiven Roman-Monstererschaffer Viktor Frankenstein zu sehen, ist für Michael Müller unsicher. Dippel wurde zwar auf der Burg geboren, habe aber nicht dort experimentiert, sondern im Mühltal. Als Vorbild für den Schöpfer des Monsters kämen jedoch auch viele andere Naturwissenschaftler des 18. und 19. Jahrhunderts in Frage. Müller kam zu dem Schluss: „Mit viel gutem Willen kann man allenfalls festhalten, dass sich Mary Shelley von allen Orten des Namens Frankenstein der Burg an der Bergstraße wohl am nächsten näherte“.

(Den Artikel hatte ich 2008 für “Die Lokale Zeitung” geschrieben.)

Warten auf die Kerb

Es ist wieder soweit, die sechste Jahreszeit beginnt, ab Freitag ist wieder Kerbenzeit (Kerb kommt von Kirchweihe). Eberstadt macht dieses Wochende in Darmstadt den Anfang, Donnerstag war schonmal alles aufgebaut, los geht es morgen abend.

Danach kommen die Kerben im Wochentakt in den Stadtteilen Wixhausen (28.8.-31.8.), Waldkolonie (28.8.- 30.8.), Heimstättensiedlung (4.9.-7.9.), Martinsviertel (11.9.-14.9.), Bessungen (18.9.-21.9.) und, mit etwas Abstand, Arheilgen (30.10.-03.11.)

Städtische Kliniken Eberstadt werden schrittweise verlegt

Das Darmstädter Klinikum erwirtschaftete im Jahr 2006 ein Defizit von rund acht Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund entstanden Überlegungen zu organisatorischen und strukturellen Änderungen, sagte Stadtrat Dierk Molter (FDP) in einem Gespräch mit der Lokalen Zeitung. Schon Anfang des Jahres 2007 sei deutlich geworden, „dass man einiges tun müsse, um auf eine wirtschaftliche Basis zu kommen“, sagte der für das Krankenhauswesen zuständige Dezernent.

So entstanden Überlegungen langfristig die Darmstädter Kliniken am Standort in der Grafenstraße zusammenlegen, berichtete Molter. Zudem könne man so Reibungsverluste durch die regelmäßigen Transporte zwischen den beiden Kliniken minimieren. Der Standort Eberstadt werde dafür aufgelöst.

„Das passiert aber nicht von heute auf morgen“, schränkte Stadtrat Molter ein und betonte: „Das Klinikum in Eberstadt bleibt für die nächsten Jahre erhalten.“ Wann die Verlegung in die Innenstadt spätestens abgeschlossen sei, konnte Molter nicht sagen. Der Dezernent wollte sich auf keine Jahreszahl festlegen, da dies unter anderem von den Finanzierungsmöglichkeiten abhänge. Wenn, dann findet die Verlegung schrittweise statt. So zog im April die Angiologie (Erkrankungen von Blut-und Lymphgefäßen) aus Eberstadt in die Innenstadt.

In die freigewordenen Räume zog die Eberstädter Neurologie ein, die so etwas mehr Platz hat. Wenn der Neubau der Medizinischen Kliniken in der Grafenstraße – voraussichtlich Ende 2008 – fertig ist, könnten die medizinischen Kliniken dort zusammengeführt werden, sagte Molter.
Dass ein Umzug noch nicht vor der Tür steht, belegt auch die Anschaffung eines Kernspintomographen, der Mitte Oktober in Eberstadt eintraf und der in einem eigenen Gebäude steht. „Geräte wie diese sollen die Attraktivität des Klinikums insgesamt steigern“, erklärte der Stadtrat. „Ziel ist es Wirtschaftlichkeit und Qualitätssteigerung ins Klinikum zu bringen.“