Heute vor fünf Jahren: Trauerspiel bei Stadtteilbibliotheken

Am 22. Januar 2011 guckte ich auf die damals neuen Öffnungszeiten der Stadtteilbüchereien in Arheilgen, Bessungen, Eberstadt und Kranichstein:

Trauerspiel bei Stadtteilbibliotheken – Da haben wir also vier Stadtteilbüchereien, die die meiste Zeit der Woche geschlossen sind. Jede hat sieben Stunden die Woche offen. Besser als nichts, mag man sagen, aber das ist doch irgendwie Kappes. Es sei denn, man möchte die Außenstellen so unattraktiv machen, dass am Ende die Leser wegbleiben, und man sie endlich „leider, leider” schließen kann muss.

Und wie sieht es heute aus? Die Zweigstellen in Bessungen und Arheilgen wurden Weiterlesen

Doch kein weiterer Planet

US-Wissenschaftler entdecken riesigen Planeten, Stichhaltige Hinweise auf neunten Planeten oder Neuer Planet am Rande des Sonnensystems: Ist das endlich Planet X? – so klingen einige Überschriften von heute.

Ich dachte mir ja, warum fragen die Kollegen nicht mal jemanden der sich damit auskennt? Bevor wieder mal eine Pressemitteilung oder sowas 1:1 durchgeschaltet wird. Denn dass selbst ein wissenschaftlichess Journal wie „Nature“ gerne Werbung für sich selber macht, sollte inzwischen auch klar sein. Zumal einen Thema wie „neuer Planet“ auch jeder kapiert. (Aber man könnte auch mal in die Texte gucken, die man – wie „Chip“ – verlinkt, da steht was von „Evidences“ in der Überschrift.)

Nun, wie erwartet ist der nicht so alarmistische Astronom Florian Freistetter in seinem Astrodictum Simplex-Blog da etwas zurückhaltender: Weiterlesen

Das „Prinzip der abgestuften Chancengleichheit“ beim MDR

Der MDR hat für eine „Elefantenrunde“ vor der Landtagswahl in Sachesen-Anhalt am 13. März die AfD ausgeladen.

tagesspiegel.de: AfD bleibt auch beim MDR draußen – Bei seiner Entscheidung, die AfD nicht zur TV-Elefantenrunde einzuladen, bezieht sich der MDR ebenfalls auf ein „Gesamtkonzept“. Es ist bereits vor einem halben Jahr erarbeitet worden (…) „Es geht da nicht um Wünsche von Parteien“, sagte MDR-Sprecher Ahrens dem Tagesspiegel. In der Berichterstattung zur Landtagswahlen im Fernsehen und Radio würden alle sich zur Wahl stellenden Parteien „nach dem Prinzip der abgestuften Chancengleichheit berücksichtigt“.

Der SWR hatte erst für zwei sogenannte „Elefantenrunden“ die AfD ausgeladen, die Besetzung der Runde für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz richtet sich nun nach den Parteien im Landtag.

Die ARD-Sender und das ZDF, eigentlich alle Medien, sollten sich mal intern hinsetzen und generelle – nicht nur für den Einzelfall gültige – transparente Kriterien ausarbeiten, wen sie für Diskussionveranstaltungen vor Wahlen einladen und warum (nicht). Und dann überlegen, wie man die Veranstaltungen organisiert. Wenn nämlich zehn Parteienvertretr auf dem Podium sitzen, ist meiner Meinung nach auch wenig sinnvoll.

Die Öffentlich-Rechtlichen: Knauserig, parteienhörig und „eher in Richtung Regierung“?

Die Öffentlich-Rechtlichen Sender haben es gerade schwer. Ich fang mal mit dem simplen dreist-knauserigem an. Der NDR wollte ein Kabarettprogram für lau aufzeichnen.

zweikampfhasen.de: Offener Brief – Das Angebot der NDR-Programmredaktion „Planung, Entwicklung, Innovation“ für die jetzige Aufzeichnung belief sich dann auf 0 (in Worten: null) Euro. (…) Die Argumentation (war): „Es hat doch einen Werbeeffekt für Sie, wenn wir Ihr Programm senden!“

Werden eigentlich die ganzen Fernsehmoderatoren bezahlt, die – weil sie eigentlich freie Mitarbeiter sind – auch Galas etc. für ein paar tausend Euro moderieren? Für die ist doch Bildschirmpräsenz auch Werbung? (Zapp, 17.6.2009: 6.500 bis 20.000 Euro für eine Moderation oder einen Vortrag.)

Der NDR stellt das übrigens anders dar: Entgegen der Behauptung von Herrn und Frau Ehnert gab es kein Lizenzangebot der Redaktion über 0 Euro.

Dann schildert vor drei Tagen eine freie WDR-Mitarbeiterin im holländischen Radio lang und breit Vorgaben bei der Berichterstattung (und rudert am Tag drauf zurück: „Ich habe totalen Quatsch verzapft.„).

meedia.de: „Wir sind natürlich angewiesen, pro Regierung zu berichten“ – „Wir sind natürlich angewiesen, pro Regierung zu berichten“, erklärte die WDR-Mitarbeiterin in der Radiosendung „De Stemming“ von L1 aus den Niederlanden. (…) „Wir sind öffentlich-rechtlicher Rundfunk und darum angehalten, das Problem in einer mehr positiven Art anzugehen.“ (…) Der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seiner Gebührenfinanzierung sei so ausgerichtet, eher in Richtung Regierung und nicht aus Oppositionssicht zu berichten.

Und promt bestätigt der SWR das mit dem „eher in Richtung Regierung“.

meedia.de: AfD darf nicht zur „Elefantenrunde“ kommen – Man habe dies mit „zusammengebissenen Zähnen“ zur Kenntnis genommen, aber (…) keine Alternative gehabt, (so der SWR).

Und wenn ich dann noch daran denke, wie der unionsdominierte ZDF-Verwaltungsrat es 2009 abgelehnt hatte, Nikolaus Brenders Vertrag als Chefredakteur zu verlängern, ja, was soll man da den RT-Freunden noch entgegenhalten?

Was sagen einem Daten aus Tierversuchen?

Wenn aus Wissenschaft und Forschung berichtet wird, zählt oft nur, wer die Meldung zuerst in eigenen Text umgegossen hat. Dabei fallen dann bestimmte Sachen hinten runter, wie zum Beispiel, dass Ergebnisse bei Ratten oder Mäusen genaugenommen nur für – genau – Ratten oder Mäuse gelten. Die Zeit greift das jetzt mal auf, aber unter dem ethischen Aspekt „Tierversuch“:

zeit.de: Ersatz gesucht – „Der Mensch ist keine 70-Kilogramm-Ratte“, sagt der Toxikologe Thomas Hartung gern, wenn er über Tierversuche spricht. (…) Mäuse, Ratten, Kaninchen und sogar Affen reagieren oft ganz anders auf chemische Stoffe als Menschen. Daher eignen sich die Tiere auch nur bedingt als menschliche Stellvertreter.

„Marvel’s Jessica Jones“ ist mir zu horizontal

Neulich habe ich den Probemonat beim Streamingdienst Netflix genutzt, um die hochgelobte Serie „Jessica Jones“ zu gucken. Jessica Jones – die Alitteration legt nahe, dass es eine Figur aus dem Marvel-Universum ist – ist eine Superheldin mit nicht ganz so überragenden Kräften, die zudem nur als Privatdetektivin arbeitet. Tough Girls mag ich ja, ich fand auch „Buffy“ und „Veronica Mars“ gut.

Krysten Ritter spielt Jessica Jones und Weiterlesen

30 Menschen, die man 2015 im Auge behalten sollte

Und jetzt? Diese 30 Menschen bis 30 Jahre sollte man 2015 im Auge behalten, fand Ende 2014 die Huffington Post. Es mag ein Generationenproblem sein, aber mir ist keiner von denen 2015 besonders groß damit aufgefallen, dass da mehr kam als das was sie bisher machten.

Moment, der YouTuber Florian „LeFloyd“ Mundt hatte die Bundeskanzlerin interviewed und hatte sich von ihr einwickeln lassen.

Mert Açıkel, Gesine Agena, Michelle Barthel, Gerasimos Bekas, Michael Bergrab, Agnieszka Brugger, DJ Zedd, Sidonie Fernau, Delia Fischer, Milena Glimbovski, Wolfgang Gründinger, Sven-Christian Kindler, Lennart Kleinwort, Christoph Kramer, Konstantin Kuhle, Zulayat Kurban, Milky Chance (Clemens Rehbein und Philipp Dausch), Florian Mundt, Andrea Pfundmeier, Raoul Roßmann, Peter Scholze, Dennis Schröder, Lencke Steiner, Felicitas Then, Johanna Uekermann, Johannes Weber, Thekla Wilkening & Pola Fende, Nora-Vanessa Wohlert und Susann Hoffmann sowie Paul Ziemiak.

Prozess gegen Leiter einer Hausnotrufservicestelle ist eingestellt

Da hat sich die jahrelange Präsenz bei Gerichtsverhandlungen doch mal gelohnt.

Echo online: Prozess um Notruf ist eingestellt

Normalerweise wäre das Verfahren nämlich heute am Montag (9.) weitergegangen, nun wusste ich das mit der Einstellung aber schon vergangene Woche und ich musste nur noch beim Amtsgericht die Bestätigung einholen.

Knackpunkt an dem Fall war, dass die Kundes des Hausnotrufs das Armband – das aussieht wie eine Digitalarmbanduhr – über 200 Mal in einem Jahr, und auch für mehrere Tage, abgelegt hatte. Das Gerät gibt solche Änderungen an die Zentrale weiter, wo das protokolliert wird. Ablegen ist auch kein Alarm. Und Angehörige werden auch nicht informiert – was aber auch den Kunden gesagt wird. Ebenso, dass Ablegen in dessen Veranwortung liegt. Weswegen es wohl auch kein Thema mehr, war, dass in den Unterlagen damals drinstand, dass nach Ablegen so oft angerufen wird, bis jemand erreicht wird.

Das (Ablegen) habe der Angeklagte mit ihr wohl auch besprochen so der Amtsgerichtssprecher, aber die Frau habe ihr Verhalten nicht geändert. Weswegen es für den Notrufanbieter fraglich war, ob es einen Notfall gab, als die Rentnerin am 8. Oktober 2012 um 10.31 Uhr das Armband wieder einmal abgelegt hatte. „Die Tochter schien ja auch nicht von einem Unglück ausgegangen zu sein, als die Mutter am 9. Oktober 2012 nicht vorbeikam, um ihr Taschengeld zu holen“, sagte Pressesprecher Ganster.

Eine Einstellung des Verfahrens ist jetzt kein richtiger Freispruch, aber ich vermute, der Angeklagte und sein Arbeitgeber hatten die Einstellung akzeptiert, um das Verfahren schnell zu beeenden. Schließlich waren am ersten Verhandlungstag ja nicht nur ich im Gericht, sondern auch die „Bild“, Radio und Fernsehen. Und egal wie das Amtsgericht entschieden hätte, wäre ja immer noch das Landgericht als zweite Instanz möglich gewesen.

Bundespolitik für Rhein-Main-Medien und Kinderzeitung für Rheinische Post

Die Rheinische Post (RP) hat für Inhalte ihrer Berliner Bundespolitikredaktion neue Abnehmer. Nach Meedia-Informationen beliefert das RP-Hauptstadt-Büro ab 1. Dezember auch die Verlagsgruppe Rhein Main (VRM), dazu gehören unter anderem die Allgemeine Zeitung Mainz, der Wiesbadener Kurier oder das Darmstädter Echo.

Die RP bezieht nun ihrerseits die VRM-Kinderzeitung „Kruschel“. Die Kinderzeitung gibt es seit Mai 2012 – und seit heute auch beim Darmstädter Echo.

Via: Meedia

Jung & gar nicht so naiv – Tilo Jung und seine Fragen in der Bundespressekonferenz

Beinahe täglich gucke ich amüsiert, wie die Sprecher der Bundesregierung in der Bundespressekonferenz rumeiern, wenn die ganz „Jung & naiv“ gefragt werden.

Und jedes mal denke ich: Na, geht doch. Und an die Krautreporter (KR): Wären die ganzen „Jung & naiv“-Folgen, die ihr gekauft habt, nur einen Hauch so gewesen wie die Videos aus der Bundespressekonferenz, dann wäre ich noch Unterstützer und die „Sauerkraut“-Welle Anfang Januar hättet ihr Euch erspart, weil ich mich gar nicht so geärgert und die Beiträge durchgezählt hätte.

Dabei könnte man aus „Jung & naiv“ so wie es bei KR läuft/lief echt was machen. Beispielweise könnte Tilo Jung den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach so zahnlos wie damals die Hamas-Jungs interviewen – aber dann schreibt Krautreporter Jens Weinreich dazu einen Faktencheck. Und nächstes Mal das Spiel dem Generalbundesanwalt etc. Bis die das alle gemerkt haben, dass sie sich so selbst um Kopf und Kragen reden.