Jung & gar nicht so naiv – Tilo Jung und seine Fragen in der Bundespressekonferenz

Beinahe täglich gucke ich amüsiert, wie die Sprecher der Bundesregierung in der Bundespressekonferenz rumeiern, wenn die ganz “Jung & naiv” gefragt werden.

Und jedes mal denke ich: Na, geht doch. Und an die Krautreporter (KR): Wären die ganzen “Jung & naiv”-Folgen, die ihr gekauft habt, nur einen Hauch so gewesen wie die Videos aus der Bundespressekonferenz, dann wäre ich noch Unterstützer und die “Sauerkraut”-Welle Anfang Januar hättet ihr Euch erspart, weil ich mich gar nicht so geärgert und die Beiträge durchgezählt hätte.

Dabei könnte man aus “Jung & naiv” so wie es bei KR läuft/lief echt was machen. Beispielweise könnte Tilo Jung den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach so zahnlos wie damals die Hamas-Jungs interviewen – aber dann schreibt Krautreporter Jens Weinreich dazu einen Faktencheck. Und nächstes Mal das Spiel dem Generalbundesanwalt etc. Bis die das alle gemerkt haben, dass sie sich so selbst um Kopf und Kragen reden.

“Da wo die Arbeit des Journalisten anfängt, hört Jung & Naiv sozusagen einfach auf.”

Bin ich doch nicht der Einzige, der “Jung & naiv” für falsch bei den Krautreportern hält? Jedenfalls bei deren Anspruch (und so wie ich es jedenfalls verstehe wenn “Faktencheck” angekündigt wird).

Publikative.org: Der Fall Jung und die Empörung über die Empörung – … erklären tut Tilo Jung auch nur recht wenig: Er lässt die von ihm ausgewählten Leute ausführlich zu Wort kommen, so dass sich die Zuschauer aus einem Wust von Statements nicht nur die relevanten Stellen raussuchen sollen, sie sollen diese auch noch einordnen bzw. auf Glaubwürdigkeit / Wahrheitsgehalt überprüfen. Da wo die Arbeit des Journalisten anfängt, hört Jung & Naiv sozusagen einfach auf.

Und deshalb hat das Format “Jung & naiv” meiner Meinung nach nichts bei den Krautreportern verloren. Die aber dafür mich als Abonnenten.

Es ist ja nicht so, dass Tilo Jung nicht blöd, nervig und naiv nachfragen kann. Das zeigen mir seine Fragen bei der Bundespressekonferenz.

(Publikative.org setzt aber einen anderen Schwerpunkt, als ich jetzt hier in meinem Blogeintrag.)

via Bildblog

Ich in “Meedia”

Meedia berichtet über die Krautreporter-Abonenntenumfrage: Umfrage nach Kritik: Die Crowd ist mit Krautreporter zufrieden, aber…

Ich werde namentlich als einer der Kritiker erwähnt, weil ich halt im Loch zwischen den Jahren einen Treffer landen konnte. Aber ich werde von Meedia nicht verlinkt, gemein, wie soll ich denn da auf Klicks mit kaltem Kaffee kommen?

Und es fühlt sich immer noch seltsam an den eigegen Namen nicht unter, sondern in Artikeln, zu lesen. Wie geht das bloß den Menschen, über die ich schreibe?

Frau Meike sucht bei den Krautreportern die Relevanz

Hurra, ich bin nicht alleine:

Frau Meike sagt: Krautreporter und die Suche nach der Relevanz –Von Themenvielfalt war weit und breit keine Spur, alles drehte sich nur noch um Gaza und CIA. Dann – ja, wie sagt man das? – “übernahm” Tilo Jung Krautreporter. Dass seine journalistische Kompetenz durchaus umstritten ist, ist das eine. Aber ich sag’s mal so: um regelmäßig “Jung & Naiv” zu sehen, sein eigenes Videoformat also, hätte ich nicht sechzig Euro ausgeben müssen. “Jung & Naiv” läuft für mich weniger unter Journalismus, als vielmehr unter Gaudi, und es hatte seine Gründe, weshalb ich das Format nicht regelmäßig schaute.

Im weiteren bestehe KR „mittlerweile gefühlt nur noch aus Linksammlungen. Morgenpost, Lieblingsreportagen, Medienmenü“.

Ja, das mit den Links auf andere kenne ich ja auch. Weiterlesen

Bezahlung und ihre Anreize

Die Art der Honorierung ist auch eine Art Wette.


In den Kommentaren zu meiner Krautreporterkritik vom Sonntag schreibt Krautreporter Rico Grimm auch etwas zum KR-Honorarsystem:

Rico Grimm: Ich habe bisher 4500 Euro bekommen, also 500 Euro pro Artikel. Wenn Leute nur 1-3 Texte geschrieben haben, haben sie auch nur entsprechendes Honorar bekommen.

Spiegel Online oder Zeit Online würden 180 Euro beziehungsweise 150 Euro zahlen, führt er weiter aus (zum Vergleich). Über die Honorarsätze gibt es nichts zu meckern.

Allerdings Weiterlesen

Sauerkraut! ;-)

Das hätte ich natürlich nicht gedacht. Ich fasse alte Blogeinträge zu den Krautreportern zusammen, packe noch zwei Grafiken dazu … Sonntagmittag erfahre ich zufällig, dass der Eintrag in zig Timelines weitergereicht werde. Und dann gingen die Klicks durch die Decke, weil das auf Twitter (und Facebook, Netzpolitik und Turi2) verbreitet wurde. Heute steht was in Meedia, mit Reaktion des Krautreporter-Chefredakteurs.

Meedia: Von wegen saure Crowd: Krautreporter-Chefredakteur von Streit kontert Kritiker.

Da ich aber Lokalreporter bin – Wissenschaftsjournalist war ich mal vor zehn Jahren – wird das hier aber wohl eher so weitergehen, wie die Jahre vorher. Also Karneval, Kaninchenzüchter und Kommunalpolitik.

Kraut von Rüben sortiert – Krautreporter durchgezählt

Ein Tortendiagramm. 35 Krautreporter haben bislang 125 Texte veröffentlicht. Die meisten sind von Tilo Jung.

35 Krautreporter haben bislang 125 Texte veröffentlicht. Die meisten sind von Tilo Jung.

Ich habe mal die Texte auf Krautreporter (KR) durchgezählt. Insgesamt 47 Autorinnen und Autoren sind aufgeführt, davon haben 35 bislang bislang 125 Artikel veröffentlicht. Wer – wie ich – gehofft hatte, Artikel von Jens Weinreich, Richard Gutjahr oder Thomas Wiegold zu lesen, der hat von denen insgesamt fünf Artikel gefunden. Dafür 19 von Tilo Jung. Und zwischen je einem und neun von anderen Kollegen. (Ich habe mich da hoffentlich nicht verzählt, aber es geht um die Größenordnungen.)

Insgesamt sind es vom 24. Oktober (offizieller Start, nachdem am 13. Juni klar war, dass genug Crowd gefunded hatte) bis 3. Januar 2015 125 Texte, 12,5 die Woche, 2,7 pro Autor. Wenn man nur die Aktiven zählt, sind es 3,6 Texte pro Autor.

Meine Meinung: Schlechte Recherche bei zu vielen Texten. Und den Rest Weiterlesen

Nun doch Krautreporter

Ich habe mich geirrt, die Krautreporter haben es trotz ihres unprofessionellen Auftritt hinbekommen. Bedenkenträger war ich nicht, ich fand auch das Meckern über die Kreditkarte und die wenigen Reporterinnen und die fehlende Diversität kleinlich.

Aber das Marketing war so schlecht und die Site so nichtssagend und die genannten Themen so 08/15, dass ich keine Lust hatte, das zu bewerben. Jeder hätte mich doch gefragt, warum er dafür 60 Euro geben soll.

Und dann fand ich die Orga doch sehr improvisiert, mit vier Tagen Vorlauf kam eine Einladung nach Berlin, an einem Arbeitstag, das Blog kam irgendwann, Beiträge irgendwie spontan und sinnlos getaktet, naja.

Da entstand zwingend der Eindruck bei mir ein paar Berliner Alpha-Journalisten und -Blogger, versuchen jetzt mal eben mit Crowdfundig sich ihr Hobby (Schreiben über Dinge, die sie für sich interessant finden – ich sag’ nur jüdischer Siedler) von anderen bezahlen lassen.

Freundlicherweise hat die Augstein-Stiftung die Krautreporter nun gezwungen, meine Vorurteile auch zu widerlegen.

Krautreporter scheinen es noch zu schaffen

Da habe ich mich wohl geirrt. Die Krautreporter scheinen es zu schaffen. Unter anderem dank einer Spende:
Die Rudolf Augstein Stiftung fördert Krautreporter mit 1000 Mitgliedschaften. Und wenn am letzten Sammeltag pro Stunde so viele Unterstützer dazukommen wie aktuell, müsste die 15.000-Unterstützer-Grenze um 15 Uhr oder 16 Uhr erreicht werden.

Und ich glaube nicht, dass das Projekt bei 14.900 Unterstützern scheitert, da lohnt es sich für die 25 Macher doch noch selbst schnell zu “Abonennten” zu werden.

Ich hoffe, dass der wohl erfolgreiche Endspurt nicht von den Problemen, die ausgemacht worden waren, ablenkt. Nicht, dass es so läuft wie bei einer Pleite-Kommune, die durch Grundstücksverkäufe ihr strukturelles Defizit für ein Jahr ausgleichen kann und fröhlich weiter ins Defizit wirtschaftet. Da ist trotz Buchhaltungserfolg noch nichts anders.

Und die Stiftungsspenden (es gibt laut den Facebook-Krautreportern noch eine) zeigt mir eher, dass die Zukunft der Journalismusfinanzierung in einen anderem Modell liegt: Mäzenatentum.

6. Juni: Krautreporter – Eine Orga wie Kraut und Rüben
3. Juni: Countdown bei den Krautreportern. Aber so wird das nichts.

Krautreporter – der Name trifft es doch

Eine Orga wie Kraut und Rüben.

Gerade kam eine BBQ Einladung an die Unterstützer rein. Nach Berlin. Vor drei Wochen startet das Projekt, jetzt kommt – mit vier (4!) Tagen Vorlauf – eine Einladung nach Berlin. Hauptstadt, aber zentral ist anders. Und für einen Dienstag, ein Arbeitstag. Der Feiertag Pfingstmontag ist einen Tag vorher. So eine Feier kündigt man mit Aktionsbeginn an, wenn man es ernst meint.

Inzwischen wirkt das Projekt auf mich immer mehr wie ein “ach lass uns mal Crowdfundig probieren”.

Es ehrt die Kollegen ja, dass das sie als Journalisten keine Ahnung von PR und Kampagnen haben, aber die müssen doch auch mal auf einer schlecht organisierten und Null vorbereiteten Veranstaltung gewesen sein, und daher wissen wie man es nicht macht?

Langsam bereue ich es 60 Euro bereitgestellt zu haben.

13. Juni: Krautreporter scheinen es noch zu schaffen
3. Juni: Countdown bei den Krautreportern. Aber so wird das nichts.