Südhessen ist nicht Dortmund oder Unna

Nachdem nordrhein-westfälische Banken der Polizei teilweise Rechnungen schreiben (Der Westen: Polizei muss bei Banken in Dortmund und Unna für Fahndungsfotos zahlen), wenn diese Bankräuberfotos aus Überwachungskamers der Banken zur Verfügung stellen, habe ich beim Polizeipräsidium Südhessen mal nachgefragt, wie das denn hier ist.

Die Polizeipressestelle teilte mir mit, dass in diesen Fällen bislang noch niemals Kosten erhoben wurden.

Wikileaks: Warum machten die Medien mit Diplomatentratsch auf?

Als ich vergangene Woche vorm Zeitschriftenregal stand überlegt ich kurz, ob ich was mit den Wikileaksklatschgeschichte nehmen soll. Und entschied mich für P.M. History, Thema: Rasputin. Also Klatsch und Trasch aus der Zarenzeit. Das fand ich dann doch spannender.

Diese Woche kommen nun aber die interessanteren Sachen mit Hintergründen zum CIA-Entführungsopfer El Masri oder wie das beim Kopenhagener Klimagipfel gelaufen war. Mehr davon. Und warum nicht gleich so?

Die erste Fixierung auf Dinge, die sich jeder deutsche Zeitungsleser selbst über unsere Politiker (Merkel sei „selten kreativ“ und risikoscheu) denken kann, schadete meiner Meinung nach Wikileaks und dem Whistleblowing. Und der erste Eindruck der Story bleibt hängen. Und so: Kein Murren, dass der Gründer ausgerechnet jetzt mit Haftbefehl in Schweden gesucht wird (und die britische Polizei erst nicht sagen will, warum sie den Mann verhaften will), kein Murren, dass die Website attackiert wird, kein Murren, dass die Konten dicht gemacht werden.

Klar, denn mit einer Site, die sich wie die Boulevardpresse zu verhalten scheint, hat man kein Mitleid.

Unfall bei „Wetten dass”

Da gucke ich einmal bei „Wetten dass” rein, weil man das so schön nebenbei laufen lassen kann. Und wundere mich, dass Modern Talking wieder vereint singt und dass die bei „Wetten dass“ jetzt drei Bands hintereinander auftreten lassen. Dass zu dem Zeitpunkt ein Kandidat schwer verunglückt ist, und die Sendung unterbrochen ist, lese ich erst im Laufbandtext. Schließlich wird die Show durch Abbruch zur kürzesten Folge der Reihe.

YouTube: Ein 23 Jahre alter Stuntman wollte mit speziellen Sprungfederbeinen über Autos springen, die ihm entgegenkommen. Beim vierten Auto ging es schief.

Die Wette war offenbar sehr schwierig, der Kandidat berichtete in der Badischen Zeitung selbst von Stürzen bei den Proben.

Badische Zeitung, 4.12.2010: Bei den Proben am Donnerstag bin ich zweimal schwer gestürzt. Der Wettteil klappt noch nicht. Allerdings sind die Voraussetzungen so, dass es in der Sendung funktionieren könnte.

Wir sind Weltmeister – Wofür man sich nichts kaufen kann

Mit wurde heute gratuliert, als ich erzählte, dass ich für eine Heppenheimer Zeitung schreibe. Weil gestern Sebastian Vettel Formel 1-Weltmeister wurde. Und die Bergstraße freut sich. In „Die Bergstraße feiert ihren »Hepprumer Bub«“ beschreibt ein Artikel, wie sich Fans freuen, dass Sebastian Vettel Formel 1-Weltmeister ist.

„Hepprumer“ steht für Heppenheimer. Heppenheimer, nun ja. Der Mann wohnt laut NZZ seit 2008 in der Schweiz und ist damit in meinen Schreibweisen kein Heppenheimer mehr, sondern ein Kemmentaler. Er ist „aus Heppenheim stammend“ oder sowas, aber das Synonym Heppenheimer halte ich für einen Versuche plumpe Vertraulichkeit zu schaffen, die es nicht gibt. Das gleiche gilt übrigens für den „Kerpener“, der auch in der Schweiz seine Steuern zahlte und zahlt. Warum die Kollegen vom Sport immer versuchen da so anbiedernd zu emotionalisieren – ich verstehe es nicht. Ich wäre genaugenommen Münchner, weil ich dort geboren wurde. Nein, ich bin zur Zeit Darmstädter und vor zehn Jahren war ich mal Kieler.

Faktisch habe ich nicht davon. Außer guten Gefühlen nach einem Rennen – wenn es mich interessieren würde. Aber diese Endorphine wären nach ein paar Tagen weg. Anders übrigens als das Honorar für den Rennfahrer. Es gilt eben der alte Spruch des Landadels: Liebe vergeht, Hektar besteht.

Termin beim Institut für Energiesysteme und Energietechnik

Auch mal was, wenn die Konkurrenz auch bei einem Termin ist, da schmort man nicht so im eigenen Saft und kann auch mal am praktischen Beispiel gucken, was man hätte anders machen können (auch wenn in dem Fall mir die Chance auf Zweitverwertung entgeht ;-).

Frankfurter Rundschau: TU Darmstadt: Den Klimakiller einfangen

Darmstädter Echo: Treibhausgas-Forschung auf der Lichtwiese – Klimaschutz: In einer neuen Großanlage wollen TU-Forscher Abscheidung des Treibhausgases Kohlendioxid erproben.

Schön finde ich ja, dass die FR-Kollegin und ich mit der Champagnerflasche anfangen …

Funkfrequenzen

1. Pressemitteilung Kongresszentrum Darmstatium, 19.10.2010: Darmstadtium und Stadt Darmstadt zahlen Zeche der Neuordnung der Funkfrequenzen.

2. Artikel Echo online, 22.10.2010 (im Druck am 23.10.): Weil der Bund Frequenzen versteigert hat, müssen Darmstadtium, TU und Staatstheater viel Geld investieren.

3. Pressemitteilung MdB Brigitte Zypries, 22.10.2010, nachmittags: Funkmikrofone müssen auch in Zukunft senden! Zypries fordert: Bundesregierung soll Zusagen einhalten

Medienberatung

Ich verstehe nicht, warum manche Firmen das Wesentliche vergessen, wenn sie zu einem Pressetermin einladen. Nein, nicht Kaffee und Schnittchen, sondern einfach mal die eigenen Mitarbeiter informieren. Irgendwo in einem Riesengebäude ist ein Termin, aber wo? Ich stehe da und denke, dass ich das an der Information erfahren werde.

Dort aber weiß die gute Fee nichts. Ok, Marketing ist auch nicht ihre direkte Aufgabe, normalerweise kommen dorthin Kunden aus dem Einkaufszentrum. Was ich mich dennoch frage: Warum sagt die Verwaltung ihren Mitarbeitern nicht: „Leute, morgen ist von 12 Uhr bis 14 Uhr ein Pressetermin. Da kommen ein oder zwei Nasen, die wollen wissen, wo der aufblasbare Schwimmingpool steht. Die schickt ihr dann in den dritten Stock. Hier ist die Handynummer unserer PR-Chefin, die könnt ihr im Notfall anrufen, die kommt die Typen dann abholen.“

Aber nein, das hält man für nicht nötig, wohl zuviel Aufwand. Bitte. Nur, wenn die Veranstaltung dann keiner findet, ist das nachher sich über den Fehlschlag ärgern aufwändiger, als die Mitarbeiter zu informieren.

Das gleiche gilt übrigens auch für Vereine. Einfach allen Bescheid sagen, zum wem der Reporter geschickt werden soll, falls einer kommt. Und der Ansprechpartner sollte nicht der sein, der erst um 17 Uhr kommt, sich mittags für ein Schläfchen eine Stunde ausklinkt, oder der, der eh schon alles organisieren muss und gar keine Zeit hat.

Kostenloser Strom im Loop5 für Elektroautos

Irgendwann beschwerte sich mal eine Bekannte, dass ihr Zeitungsartikel im Lokalteil zu wenig Hintergrund hätten. Das nagt seitdem in mir, und wenn ich die Chance und den Platz sehe, Hintergrund zu recherchieren, mache ich das auch. Voilà:

Echo online: Im Parkhaus geht’s an die Steckdose – Energie: Loop 5 und Entega bietenkünftig kostenlosen Stromtanken für Elektroautos an

Eine feine Sache. Nur: In Stadt und Landkreis sind es gerade mal 39 Elektroautos und 290 Hybridfahrzeuge gemeldet (Danke, liebe Pressestellen). In Land und Bund sieht es ähnlich überschaubar aus. Und wenn man gemein sein will: Die, die sich ein „prohibitiv hochpreisiges“ E-Auto leisten können, könnten den Strom dazu auch locker aus der Portokasse bezahlen.

Im Loop 5 in Weiterstadt sind ab sofort Ladestationen für Elektroautos kostenlos nutzbar. Die Stellplätze für die Autos sind mit diesem Tanksäulen-Pictogramm gekennzeichnet.

Aber bis 2020 sollen ja eine Million Autos auf deutschen Straßen mit Strom fahren, wenn man Wirtschaft und Bundesregierung und ihren Verkündungen vom Elektroautogipfel im Mai 2010 glaubt. Ein Ziel, das jedoch Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen aufgrund eigener Prognosen dämpft. Er rechnet bis 2020 mit 300.000 batterieangetriebenen Elektrofahrzeugen, 600.000, wenn man Hybrid-Antriebe dazunimmt.

Und Greenpeace ist sowieso misstrauisch gegenüber E-Autos: „Elektroantriebe können nur dann als Alternative zum Verbrennungsmotor gelten, wenn der Strom aus Erneuerbaren Energiequellen kommt.“ Das wäre beim Entega-Ökostrom im Loop 5 ja der Fall.

Nachtrag: Ende 2020 waren in Deutschland 309.083 Elektroautos unterwegs. Ende 2021 waren es 618.460.

Brennpunkt Darmstadt: No Angels, Kanzlerin und die Verschwörung gegen Sarrazin

Yes, endlich! Darmstadt war diese Woche Dreh- und Angelpunkt der Republik. Hier lief der Prozess gegen eine Sängerin zuende, die Bundeskanzlerin besuchte das ausgezeichnete Plus-Energiehaus an der TU-Darmstadt und ein Focus-Redakteur bricht eine Lanze für Thilo Sarrazin.

Was das letzte mit Darmstadt zu tun hat? Der Redakteur macht aus dem inzwischen zu Eis erstarrtem Kaffee einer Sarrazin-Äußerung hier im Juni eine Verschwörung des hiesigen dpa-Mitarbeiters.

Ich weiß ja nicht, auf wen verlasse ich mich mehr nach einem mündlichen Vortrag, wie dem Sarrazins? Auf die Truppe, die sich hat berieseln lasssen, oder auf den der mitgeschrieben hat? Und dann gibt es noch so Weisheiten wie „wenn es quackt wie eine Ente, ist es eine Ente“.

Und ich dachte ja Journalisten sind eigentlich verschwörungsresistent, Konspiration wird uns schließlich an jeder Ecke präsentiert. Ist ja auch logisch, Verschwörungstheorien erklären perfekt, warum wie was gelaufen ist. Nur in der Regel läuft es eher blöd als konspirativ. Naja, und dann ist das vermeintliche Verschwörungsopfer ja manchmal auch nicht das hellste und hat auch Fehler gemacht – die es nur nicht einsehen will, ja nicht einmal nicht einsehen muss – war ja schließlich eine Verschwörung. Der perfekte Zirkelschluss.

Und selbst wenn im Juni falsch berichtet worden sein sollte, dann halte ich mich immer noch an Josef Joffe: „Versuche nie durch Konspiration zu erklären, was auf Chaos oder Inkompetenz zurückgeführt werden muss.“ Aber dass der Mann vom Focus an eine Verschwörung denkt, lässt sich ja auch wieder auslegen und an Verschwörung denken.

Nachtrag: Jörg hat festgestellt, dass Sarrazin was mit einem Charakter aus (dem) einen Darmstädter Lokalschwank gemeinsam hat …

Und wenn ich jetzt nochmal die dpa-Meldung anschaue und das was Sarrazin zur Zeit sagt, weiß ich gar nicht so recht, was der Focus-Redakteur da retten wollte?

Nachtrag, 7.9.2010: Mir erzählte jemand, der beim Sarrazin-Vortrag in Darmstadt dabei gewesen war, dass das was in der Zeitung stand so nicht gesagt wurde. Und dann ist da noch RP-Online:

Der Gastgeber der Veranstaltung, die Arbeitskreise Schule-Wirtschaft der Unternehmensverbände Südhessen, wandte sich gegen diese Darstellung: „Ein Zusammenhang von ethnischem Hintergrund und Intellekt wurde so von Herrn Sarrazin nicht hergestellt“, sagte der Geschäftsführer der Arbeitskreise, Reinhold Stämmler.

Hm. Den Geschäftsführer habe ich auch ein paar Mal getroffen und von dem würde ich auch nicht sagen, dass er lügt.

Aber das wird sich aufklären. Die Staatsanwaltschaft ermittelt ja und nach meinen Informationen hat sie die Teilnehmerliste der Veranstaltung angefordert.

Nachtrag, 6.10.2010: Die Sätze, die soviel wirbel machten, fielen in den letzten fünf Minuten wurde mir gesagt. Und auch, dass sie gefallen seien.


1. Der dpa-Mitarbeiter und ich kennen uns und ich habe auch für die dpa geschrieben.
2. Ein Diskussion, ob TS recht hat oder nicht – wie sie bei Stefan Niggemeier losgebrochen ist – werde ich nur sehr eingeschränkt zulassen. Wer das will, kann das in seinem Blog tun oder eines aufmachen. Ich empfehle WordPress.

Bond-Darsteller Connery wird heute 80 Jahre alt

Sean Connery wird heute 80 Jahre alt. Auch wenn er Bond als Rolle verfluchte, sie hat nunmal sein Leben geprägt. Für die W-Akten/Besserwisserseite hatte ich vor einigen Jahren drei Trivia-Sammlungen zum Thema Bond geschrieben (die sich teilweise wiederholen, ok, ok). Unter anderem mit Fakten wie: Bei den ersten drei Bond-Filmen läuft gar nicht Connery in der Eröffnung mit dem Punkt vor den Pistolenlauf, sondern der Stuntman Bob Simmons. Für „Feuerball“ wurde die Szene dann mit Connery neu aufgenommen.

2002: Die Another Day
2002: Ken Adam, Bond Setdesigner von „Dr. No“ bis „Moonraker“
2006: James Bond 1954 bis 2006 – Neuanfang und Rückblick