„Wenn, nur das Urteil“ – Ist aber eigentlich egal

Zugegeben, primär ärgert es mich, keinen Auftrag bekommen zu haben, sekundär zeigt folgendes mir auch eine gewisse Gleichgültigkeit:

Da steht ein Bürger einer Stadt in einer anderen, weit entfernten Stadt, vor Gericht. Oder ein Bürger, der in einer entfernten Stadt eine Straftat verübt hat. Für die Zeitung, wo das Gericht steht, ist das berichtenswert. Für die Zeitung aus der Stadt, aus der auch der Angeklagte kommt oder wo er eine Straftat begangen hat, eigentlich nicht.

„Ich nehme nur das Urteil“, meint der eine Redakteur. „Wenn, dann ist nur das Urteil interessant“, sagt ein anderer Redakteur zu einem anderen Fall. Auf eine E-Mail mit Terminankündigung und Honorarvorschlag kommt natürlich keine Antwort. Dass es bei dem einen Fall dann aber gleich am ersten Tag ein Teilurteil gibt, weil der eine Angeklagte gleich gesteht und der andere nicht, ist uninteresant. Und dass gegen Typen verhandelt wird, die auf spektakuläre Art und Weise einen Geldautomaten aus der Wand gerissen hatten, ist auch egal. Weil der Leser es ja nicht mitbekommt. Und dem Reakteur in der weit entfernten Stadt in NRW sein lokaler Leser eigentlich egal ist. Hauptsache, ein paar Euro gespart. Der Leser merkt es ja nicht, da er von dem Prozess in Weitwegstadt nichts mitbekommt.

Richtig. Das merkt der Leser nicht. Aber er spürt die generelle Gleichtgültigkeit, die dahinter steckt. Und steckt irgendwann das mit dem Abo auf.

Termiten-Buddha – Bald zwei Jahre alt

Bild berichtet heute von einem Termitenbau, der wie ein Buddha geformt ist: „Mitte Juni wurde das tierische Bauwerk (50 Zentimeter hoch, 30 Zentimeter breit) in einer Kautschukplantage im Ben Cat Distrikt von einem Arbeiter entdeckt.“
Ok, es steht kein Jahr dabei, aber eine kurze Suche nach ‚Buddha-shaped termite nests‘ legt nahe, dass AFP schon vor eineinhalb Jahrenn von diesen kleinen Bauwundern berichtet hat.

Lena Meyer-Deutschlandrut ;-) gewinnt ESC

Andrea und Kristof (und bestimmt ganz viele andere) haben live mitgebloggt. Ich hatte immer zwischen „Star Trek – Der Aufstand“ und ESC gezappt und war müde wegen Sonnenbrand, den ich mir ausgerechnet an dem einzigen Tag im Jahr holte, an dem das ging.

Ich muss zugeben, ich hatte vorher „unserem“ Eurovision Song Contest-Beitrag 2010 „Satellite“ wenig Chancen gegeben. Denn als das Lied bei der Casting-Show zum ersten Mal lief, fand ich es wenig gängig. Und die ESC-Zuschauer hören in der Finalshow die Songs ja wahrscheinlich auch nur zweimal: Das erste und das letzte Mal. Für diese Bedingungen fand ich „Satellite“ nicht so doll. Nach seit März gefühlt eine Million Mal im Radio gehört klang „Satellite“ gar nicht so schlecht, aber wie gesagt, bei einmal hören…

Und wie sollte sich die Sängerin so präsentieren können wie bei „Ein Star für Oslo“? Da hat sie ja einige Fernsehsendungen Zeit gehabt, sich und ihre Art („Ich weiß nicht, wo ich hin soll. Ich quatsche einfach noch ein bisschen weiter„) darzustellen?

Aber gut, ich habe mich geirrt. Gestern abend war ich während der Punktevergabe dann doch eingenickt, zu den „Satellite“-Klängen wieder aufgewacht und fragte mich erstmal, mich ob das jetzt bedeutet: „Wir sind Eurovision“?

Also ins Internet geguckt und tatsächlich: Die Geschockte, die rockte.

Aber nun hat die ARD den nächsten ESC an den Hacken:

Zwischen 25 und 30 Millionen soll das norwegische Fernsehen für die Übertragung am Wochenende ausgegeben haben. [Die Kosten, die auf den NDR] zukommen, waren denn auch ein zentrales Thema auf einer Pressekonferenz am Montag […] Angesprochen auf das Kostenproblem musste NDR-Intendant Lutz Marmor freimütig gestehen: „Wir werden das nicht alleine schaffen.“

Regividerm-Salbe verursacht Jobverlust

via Stationäre Aufnahme: Die Regividerm-Geschichte hat für den Autor ein unrühmliches Ende gefunden – jedenfalls was seine Stelle beim WDR betrifft:

DWDL: WDR trennt sich nach PR-Beitrag von Redakteur: Der WDR sieht es nach eingehender Prüfung als erwiesen an, dass der Mitarbeiter als Autor des ARD-Features „Heilung unerwünscht: Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern“ gegen Programmgrundsätze verstoßen und falsche Angaben gegenüber dem WDR gemacht hat.

Erzählt und das jetzt auch Frank Plasberg in seiner nächsten Sendung? Wäre hart gegen sich, aber fair gegenüber dem Zuschauer. Nach der Nummer, die er damals hingelegt hatte.

Die WDR-Pressemitteilung dazu:

WDR trennt sich von Redakteur
Piel: Journalistische Unabhängigkeit ist nicht verhandelbar

Mit sofortiger Wirkung hat der WDR einen Redakteur und Autor aus dem Programmbereich Politik und Zeitgeschehen Fernsehen vom Dienst freigestellt und arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet. Der WDR sieht es nach eingehender Prüfung als erwiesen an, dass der Mitarbeiter als Autor des ARD-Features „Heilung unerwünscht: Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern“ gegen Programmgrundsätze verstoßen und falsche Angaben gegenüber dem WDR gemacht hat.

Das Feature „Heilung unerwünscht“, das am 19.10.2009 im Ersten ausgestrahlt wurde, befasste sich mit der Geschichte einer Hautcreme, die bei Beschwerden wie Neurodermitis und Schuppenflechte (Psoriasis) ohne schwere Nebenwirkungen zu helfen verspricht. Hauptthese des Autors war, dass Pharmaunternehmen die Markteinführung des Mittels verhinderten. Neben inhaltlicher Kritik an dem Film wurden auch Zweifel an der Unabhängigkeit des Autors laut, da er kurz nach der Ausstrahlung des Films ein Buch zu demselben Thema veröffentlichte.

Gegen das Feature wurde formelle Programmbeschwerde erhoben. Darauf hin wurde im Rundfunkrat des WDR in den vergangenen Monaten eine intensive Diskussion geführt. Intendantin Monika Piel hat zur Aufklärung von Vorwürfen die interne Revision einbezogen. Die Prüfung hat ergeben, dass der Mitarbeiter seine unmittelbaren Vorgesetzten, die Fernsehdirektorin und die Intendantin und damit mittelbar auch die Gremien wiederholt über den Zusammenhang von Sendedatum und Buchveröffentlichung getäuscht und in einer dienstlichen Erklärung falsche Angaben gemacht hat.

Monika Piel: „Ich bin tief enttäuscht über den Vertrauensbruch. Für mich ist dadurch die Grundlage für eine Zusammenarbeit entfallen. Es muss klar sein, dass unsere journalistische Unabhängigkeit nicht verhandelbar ist und dass der WDR ein solches Fehlverhalten nicht duldet. Es hat sich aber auch gezeigt: Unsere Prüfmechanismen und die Gremienkontrolle funktionieren.“

Soso, es geht eigentlich um die nicht verhandelbare journalistische Unabhängigkeit. Da schenkt sich ein ÖR-Sender aber einen ein, den er nie und nimmer austrinken kann. Ich mach da mal „Zapp“: Nebenverdienste: Wie Fernsehmoderatoren ihre Prominenz vermarkten, und erinnere ans Handelsblatt: Promiwerbung am Pranger

Nachtrag, via Plazeboalarm: Die Wissenschaftspressekonferenz, ein Wissenschaftsjournalistenverband, behandelt Regividerm in ihrem gerade erschienenen „WPK Quartely“.

Alles richtig gemacht

Blogger Felix Schwenzel war bei einem Pressetermin der Fantastischen Vier und hat mit seinem Blogeintrag dazu offenbar den Bandleader vergrätzt:

smudo findet hier irgendwas unverschämt, nennt mich „journalist“ mit anführungszeichen und hashtagt wirres.net mit #TwenVorurteilsBlog. entweder hab ich irgendwas falsch gemacht oder irgendwas richtig.

Vermutlich hat Smudo einfach „Journalist“ mit „PRler“ verwechselt. Das macht aber nichts, dass passiert vielen Menschen.

Die glauben, das man alles was die reingeben, eins zu eins ins Blatt/Medium gewuchtet wird, an Stelle von „Pressemitteilung“ seinen Namen oder sein Kürzel drunter schreibt und dem einen neutralen Anstrich verpasst. Und wenn man es mal nicht macht oder was dazwischenkommt, sind sie beleidigt – oder ergehen sich in Verschwörungstheorien.

Einschränkungen beim HDTV

heise.de berichtet über eingeschränkte Aufzeichnungsmöglichkeiten bei HDTV-Sendern:

Letztlich dient die Festplatte eines CI-Plus-Recorders damit nur noch als Timeshift-Puffer; eine Archivierung von HD+-Aufnahmen ist ausgeschlossen.

Macht nur so weiter liebe Anbieter, dann spare ich mir halt den Fernseher. Um ehrlich zu sein, wegen Arte, ARD und ZDF alleine lohnt sich die große bunte Lampe im Wohnzimmer nunmal für mich nicht.

Wenn das bei den Rundfunkgebühren so bleibt wie bisher, kann man für die eingesparte Gebühr auf jeden Fall DVDs der guten Serien ausleihen. Und das dann ohne Werbeunterbrechung.

Wortwahl

Über den Begriff „sexuellen Missbrauch“ muss man nachdenken und seine Verwendung überdenken. Im März griff das schonmal kurz ein Echo-Kommentar auf:

Missbrauch sagen Juristen dazu – aber dieser Begriff ist noch verquerer, als es juristische Fachwörter üblicherweise sind. Denn er legt den absurden Schluss nahe, dass es einen bestimmungsgemäßen Gebrauch von Kindern oder Jugendlichen zum Zwecke sexueller Befriedigung geben könnte.

Und heute Sueddeutsche-online:

Das Wort vom „sexuellen Missbrauch“ von Kindern und Jugendlichen verunklart und versteckt die Wahrheit. Es ist ein Wort aus der Zeit der Schweigekartelle, aus der Zeit, in der sexuelle Übergriffe an Kindern verharmlost, verschwiegen oder gar nicht zur Kenntnis genommen wurden. Dieses Wort sexueller „Missbrauch“ tut so, als gäbe es auch einen durchaus tolerablen sexuellen „Gebrauch“ von Minderjährigen. Es gibt ihn nicht. Der sexuelle Missbrauch in Erziehungs- und Abhängigkeitsverhältnissen ist sexuelle Gewalt.

Veröffentlicht unter Medien

Nachwuchsförderung und Sprachlosigkeit am Luisenplatz

„Ich mache fürs Uni-Radio eine Umfrage“, kam eine Studentin heute auf mich zu. „Ok“, sagte ich und die Studentin fragte: „Der Stadtrat hat ja dem Bau der Nordostumgehung zugestimmt, „was sagen sie dazu?“

Ich sagte erstmal nichts, denn ich hatte plötzlich ganz viele Gedanken im Kopf: „Was sag ich jetzt? Wieso, wird die jetzt doch gebaut? Wann war das, denn im letzten Stadtparlament war da doch nichts beschlossen worden, ich war doch da? Ach, ist die doch nicht von Heinertown, die fragen doch so viel? Welcher Stadtrat hat denn für die Nordostumgehung gestimmt? War das am Ende doch das Stadtparlament? Und wenn überhaupt, dann ist doch die Finanzierung noch gar nicht gesichert? Meint die jetzt den beschlossenen Luftreinhalteplan in dem die NOU noch drinsteht? Und ist ‚Journalisten fragen Journalisten‘ überhaupt ein sinnvolles Konzept?“

„Hm“, sagte ich, „da fällt mir jetzt so nichts ein.“ Irgendwie musste ich das Schweigen ja auflösen. „Ich brauche das aber für ein Studien-Projekt in Mainz.“ ‚Aha, dachte ich, daher die Verwirrung wegen Stadtrat und Stadtparlament. Und es ist gar nicht die TU. Und da habe ich nachgefragt: „Wann hat das Parlament denn zugestimmt?“ – „Ja, im Februar.“ – ‚Ach so“, dachte ich, ‚das war der Satzungsbeschluss‘. Ohne Finanzierung wird da kein Zentimeter gebaut.

Und so wurde das meine Antwort“: Ein knapp gescheiterter Bürgerentscheid ist nunmal auch gescheitert. Da die Regeln fürs Quorum vorher allen bekannt waren, sollte man sich da bitte an die Spielregeln halten. Aber bei dem momentanen Haushaltsdefizit brauchen wir die Nordostumgehung erstmal nicht.“

Veröffentlicht unter Medien

Mittwoch …

… will die Online-Tageszeitung „Heinertown.de“ starten. Mal sehen, denn die Ankündigung weckt bei mir (und bestimmt auch bei ein paar Medienschaffenden in Darmstadt und Deutschland) mittlere bis große Erwartungen:

Mehr als sechs Monate lang waren Redakteure und IT-Experten, Grafiker und Marketing-Fachleute damit beschäftigt, den Start der neuen Online-Tageszeitungs-Community für Darmstadt vorzubereiten – jetzt geht es am Mittwoch dieser Woche endlich auch offiziell los. Mit einer spannenden, mehrfach täglich aktualisierten Darnstadt-Berichterstattung, mit kostenlosen privaten Kleinanzeigen und vielen weiteren interessanten Inhalten.

Na, dass die Inhalte spannend und interessant sind, will ich doch mal schwer hoffen. Schließlich gibt es eine Mitgliedschaft ab 4,16 Euro im Monat.

Nachtrag: Heinertown hatte seinen redaktionellen Betrieb im November 2014 eingestellt. Der Herausgeber war im September 2014 gestorben. Ich hatte dazu auch ein paar Zeilen geschrieben.