Fremde Gebäude können fotografiert werden

Heise.de meldet, dass das Oberlandesgericht Bandenburg ein Amtsgerichturteil kassiert hat. Das Urteil war für Fotografen ziemlich relevant, weil es die Panoramafreiheit betraf.

Gericht: Keine Rechtsverletzung bei Fotos von fremden Gebäuden
Das Fotografieren fremder Gebäude verletzt nicht die Rechte des Eigentümers. Weder der Fotograf noch Dritte – etwa Fotoportale – müssen dem Eigentümer Schadensersatz zahlen.

Eine tagesaktuelle Online-Nachrichten-Kauf-Verkaufs-Party-Kultur-Familien-Mitmach-Community kommt in die Stadt …

Da mach‘ ich seit 2005 im Lokalen rum und suche jedes Blog mit Darmstadt oder Darmstädter Stadtteilen im Namen und bekomme trotzdem nix mit. Aber jetzt hat das Gerücht was ich erstmals beim SKV Rot-Weiß hörte, auch eine URL: heinertown.de

Ab April bekommt Darmstadt damit die laut Herausgebern erste Online-Tageszeitungs-Community Deutschlands – für 4,99 Euro Mitgliedsbeitrag pro Monat.

„Heinertown“ ist schonmal ein geschickter Name, weil er das URL-Umlautproblem bei „Darmstädter Wieauchimmerblog“ löst.

Ab April kommt dann der journalistische Dreisatz:
Stufe 1: Super Sache, das beste seit geschnitten Brot.
Stufe 2: Doch nicht wie geschnitten Brot.
Stufe 3: Haben wir schon immer gewusst.

Mal kein Pferd auf dem Flur – Karnevalsberichte im Lokalteil

Blogger Thomas Trappe bietet eine Mustervorlage für einen Artikel über eine Karnevalssitzung an. Zugegeben, manchmal bis oft ist man an Bratwurstjournalismus mit Narrenkappe nah dran, und die Versuchung fürs nächste Jahr Textbausteine zu erstellen ist wirklich groß. Aber ich hatte das auch schon anders angepackt. Man hat ja auch einen eigenen Anspruch, weil man nach ein paar Sitzungen dazugelernt hat und nicht immer das gleiche abliefern will – so ganz frei von Selbstwahrnehmung ist man schließlich auch im Lokalen nicht.

Männerballett in Variationen – bis zum Striptease
KC Eiche: Damensitzung unter dem Motto „Einmal um die ganze Welt“ – Bewusster Verzicht auf Büttenreden.

Mit den Worten „Same procedure as every year“, bekommt Tontechniker Bernd Rohr vor der KC-Eiche-Damensitzung eine weitere Musik-CD in die Hand gedrückt. Das Männerballett vom Griesheimer CVS St. Stephan ist wie jedes Jahr bei der Sitzung des Karnevalsclub Eiche in der Heimstättensiedlung mit dabei. Der Abend steht unter dem Motto „Einmal um die ganze Welt“, aber tatsächlich ist es Männerballett in Variationen – von Männern in Frauenkleidern über Akrobatik bis zum Striptease. Kein Platz im Programm ist für Protokoller oder Büttenreden reserviert.

Nachdem „Calypso Sun“ aus Oberwalgern mit ihren Versionen von Udo-Jürgens-Schlagern die Sitzung eröffnet haben, überschlagen sich die Männer auf der Bühne. Die vierzehn Jungs von „Flying Energy“ aus Weiterstadt wirbeln in roten Rennfahreranzügen zu „Gib Gas, ich will Spaß“ über die Bühne, die ersten Zuschauerinnen stehen schon auf den Bänken und klatschen begeistert mit.

Susanne Röhrich, Heike Binder und Erika Märzendorfer besuchen den KCE seit Jahren. „Wir werden sehen, wie lange die Schminke hält“, sagen sie über ihre Maskierung. Sie finden den Abend „superspitze“. Ganz Lokalpatriotinnen, loben sie die „Marsch Mellows“ und „Zu Schee“-Auftritte. Das KCE-Trommlercorps und das KCE-Männerballett feiern in diesen Jahr ihr elftes Jubiläum.

Bei den „Mühlbachräubern“ aus Schneppenhausen, die als tanzende Polizisten Räder schlagen, fallen in der Zugabe die Hemden und die Hosen. Und als die Truppe in knappen Shorts ihre Gummiknüppel schwingt, kocht die Stimmung im Saal.

Milena Schreiber ist „etwas enttäuscht“. Sie und ihre Freundin Traudel Luley vermissen die Büttenreden. „Lachen übers Alltagsgeschäft und Politik gehören auch dazu“, finden die beiden als Touristinnen verkleideten Büttelbornerinnen.

René Krieger, Pressewart vom Karnevalsclub Eiche erklärt: „Büttenreden bei der Eiche-Damensitzung kann man vergessen. Die wollen nur Party machen.“ Das Publikum habe den Rednern einfach nicht zugehört und geschwätzt, deswegen habe man auf die Reden verzichtet. Cowgirl Katrin Bozenhard aus Rüsselsheim und Chinesin Karina Müller aus Bischofsheim finden das richtig. „Geil, keine langweiligen Vorträge. Stimmung pur.“

Und so geht der Abend weiter mit johlenden Zuschauerinnen, die von den Bänken nicht mehr runterkommen. Auch die beiden Damen aus Büttelborn gehören dazu.

In der Schlussnummer der Sitzung geht es noch mal richtig zur Sache. Nach der Frage „Are you ready for this?“ fliegen unter krachenden Donnerschlägen – und Jubel aus dem Publikum – die Mäntel der „Top Guns“-Showtänzer in die Ecke und legen muskulöse Oberkörper frei. Und nicht nur die.

Mit jedem fallenden Kleidungsstück beantworten die Tänzer die „Was steckt darunter“-Frage immer mehr, auch wenn sie den Damen die letzten Details mit US-Flaggen vorenthalten. (erschienen am 16.02.2009 im Darmstädter Echo)

Für Quantität in den Redaktionen – Vergleiche waten hinkend durch den Hombach

Der Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, Bodo Hombach, gab einer seiner Publikationen ein Interview und verneinte, dass Redaktionen viele Mitarbeiter brauchen:

Qualität ist nicht gleich Quantität. Ich wundere mich über Aussagen, dass nur viele Menschen gemeinsam journalistisch hochwertig arbeiten können. […] Wird das Bild des Malers besser, wenn zwei weitere mitmischen? Ich denke nicht. Tolles Schreiben ist das, womit der Journalismus punktet. Und durch Recherche, Themen und Präsenz.

Ich weiß ja nicht, was für Geschichten Bodo Hombach in seinen Blättern haben will, er widerspricht sich jedenfalls mit dieser Aussage. Es ist ja nicht so, dass die zwei Maler am gleichen Bild malen. Diese Maler brauchen nämlich jeden Tag ein Bild. In der Zeit, in der der eine malt (toll schreibt), sucht der andere ein neues Motiv (Thema) oder prüft nach, was hinter dem gemalten Haus steckt (Recherche). Kleiner Merksatz, der verblüffenderweise auch hier gilt:

Von den drei Eigenschaften „gut“, „schnell“ und „preiswert“, gibt es immer nur zwei auf einmal.

Haben die nur noch einen Maler, aber eine Wand, die zwei Bilder braucht, dann reicht die Zeit halt nur noch fürs malen. Und irgendwann merken die Leser, dass die Farben seit Jahren dieselben sind und die Objekte im Hintergrund immer gleich aussehen. Sicherlich kann man eine Zeitung auch mit wenig Personal voll bekommen, wenn man die paar Mitarbeiter täglich auf drei Termine schickt. Nur kommt man dann rein aus Zeitmangel über die pure und unkritische Wiedergabe meistens nicht hinaus. Und mit Aussichten auf solch ein …, nennen wir es mal Angebot, … sollte sich ein Geschäftsführer doch mal fragen, ob er wirklich glaubt, weiterhin dafür Kunden zu finden? Artikel liefern, die nicht über das hinausgehen, was die anderen Anwesenden dort ebenfalls waren, erlebt haben, geht in Zeiten, in denen jeder via Internet für seine Veranstaltungen trommeln kann, nur bei wenigen Themen gut. (Meiner Meinung nach sind das Gerichtsreportagen und Berichte über Ausschusssitzungen des Stadtparlaments. Anstelle selber dort rumzusitzen, hofft man auf einen, der die ganze Zeit da war und eine Zusammenfassung liefert.) via Stefan Niggemeier und Indiskretion Ehrensache.

Da hat die Rundschau also alles richtig gemacht

Im Hessischen Landtag kritisierten gestern die Regierung und die sie tragenden Fraktionen die Wolski– und Steuerfahnderberichterstattung der Frankfurter Rundschau.

Na prima. Denn: Lobt einen die Regierung für einen Artikel ist das zwar auch irgendwie schön, aber bei mir kommt dann immer der Verdacht hoch, dass ich was übersehen habe. Aber wenn sich Regierungspolitiker so mit der Presse beschäftigen, wie der Artikel vermittelt, dann hat man – aus seinem Selbstverständnis als Verfassungsorgan – erstmal alles richtig gemacht.

Jeff Jarvis über Lokalberichterstattung

Jeff Jarvis in einem Focus-Interview:

„Ich denke, eine lokale Zeitung muss sich radikal verändern und sich voll und ganz auf Lokalberichterstattung im besten Sinn konzentrieren. Es gibt keinen Grund, warum sie auch den Rest der Welt beackern müssten.“

Und erhält es sogar durch Werbung im Internet für finanzierbar:

In neuen Geschäftsmodellen für Nachrichtenprojekte versorgen manche Blogger Städte mit gerade mal 60 000 Menschen, die zwischen 100 000 und 200 000 Dollar jährlich an Werbegeldern einbringen.

via Bildblog – 6 vor 9

Geht es Journalisten bald wie Musikern?

Gehen Journalisten irgendwann auch auf Tournee? Zeitungen finanzieren sich und ihre Mitarbeiter zur Zeit durch einen Einnahmemix, der von Anzeigen und Abonnenten kommt. Das Modell wankt derzeit, die Abozahlen sinken und vieles steht „im Internet“ für lau.

Und was finanziert nun den Journalisten, der versucht davon zu leben für andere Nachrichten zusammen zu sammeln, wenn es keine Abos mehr gibt und durch Internetanzeigen weniger reinkommt?

Mich erinnert die Situation und eine mögliche Antwort an die Musikindustrie seit Ende der Neunziger. CD-Absätze sanken (die Analogie zu weniger Abos) aber die Leute hatten dennoch Musik, weil sie im Radio lief und Leute sowas wie MP3s und Napster erfunden hatten. Und heute stehen Videos auf YouTube, jederzeit mehr oder weniger abruf- und auch speicherbar.

Was machen seitdem die Musiker? Sie geben mehr Konzerte, denn das Erlebnis kann man online nicht kaufen.

„Den Bands brachen daraufhin die Einnahmen weg, und der finanzielle Druck stieg, sich eine neue Geldquelle zu suchen.“
Der britische Musikprofessor und Rockkritiker Simon Frith bei SpOn

Also werden irgendwann die Leser entscheiden, welchen Schreiberling sie bevorzugen und das nicht mehr den Verlegern oder Redaktionen überlassen wollen? Werden Journalisten gegen Eintritt Lesungen ihrer besten Artikel veranstalten? Und Werbung auf ihren ihren Blogs und Nachrichtenseiten schalten?

Ich vermute: Ja.

Und heute finde ich bei Thomas Knüwer (eigentlich steht es im Guardian und bei Turi2) ein Zitat eines Greg Hadfield, bis vor kurzem ein Chef bei der Telegraph Media Group.

„The future is individual journalists, not big media.“

Ok, ich sehe meine These bestätigt – es gibt nur eine Schwierigkeit, dazu nochmal Simon Frith:

„Das betrifft nämlich nur das obere Ende von Künstlern – also U2 oder die Rolling Stones. Viele Bands spielen immer noch fast für umsonst und müssen um jeden Auftritt kämpfen.“

Möglicherweise reichen ja ein paar Edelfedern vom Schlage Stefan Niggemeiers, Hans Leyendeckers, meinetwegen auch Kai Dieckmann und der Rest wird durch Veranstaltungshinweise und Pressemitteilungen – mal von der einen interessierten Seite, dann von der anderen – abgedeckt.

Seit 6 Uhr neu auf Sendung: DRadio Wissen – Ohne UKW-Frequenz (Update)

Heute um 6 Uhr startete DRadio Wissen, das neue, digitale und werbefreie Wissensprogramm des Deutschlandradios. DRadio Wissen (was man eigentlich D-Radio schreiben müsste, so wie E-Mail) will über alles von Wissenschaft bis Alltagswissen berichten, von Campus bis Karriere, von Natur bis Literatur, von Web bis Wirtschaft. „Weltnachrichten“ gibt es zur vollen und zur halben Stunde, „Wissensnachrichten“ zur Viertel- und zur Dreiviertel-Stunde.

Das neue Programm soll Wege für das Radio von morgen testen. Es ist ein Radiolabor mit Netzanschluss und ohne UKW-Frequenz. Und nach meiner stundenlange Suche offenbar auch eines ohne Radiohörer in Darmstadt. Weil ich nirgendwo Frequenzen finde. Bleiben also nur der Online-Livestream und die Podcasts.

A propos online: Es wird getwittert und gebloggt – wobei ich hoffe, dass das Blog hoffentlich nicht so selbstschulterklopfend wird wie das der ebenfalls öffentlich-rechtliche der Tagesschau.

Online gibt es noch (frequenzangabenfreie) Pressetexte (ZIP, 600kB) und Fotos (ZIP, 6,02MB, 7,1MB.

Nachtrag: Die FAZ hat in den Bericht der Rundfunkgebührenkommission geguckt und festgestellt, dass für DRadio Wissen 28 neue Planstellen geschaffen worden sind und bis 2012 26,2 Millionen Euro ausgegeben werden sollen.