Zitat

„Journalismus heißt, etwas zu drucken, von dem jemand will, dass es nicht gedruckt wird. Alles andere ist Public Relations.“
angeblich von George Orwell, ist aber nicht belegt

Für Quantität in den Redaktionen – Vergleiche waten hinkend durch den Hombach

Der Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, Bodo Hombach, gab einer seiner Publikationen ein Interview und verneinte, dass Redaktionen viele Mitarbeiter brauchen:

Qualität ist nicht gleich Quantität. Ich wundere mich über Aussagen, dass nur viele Menschen gemeinsam journalistisch hochwertig arbeiten können. […] Wird das Bild des Malers besser, wenn zwei weitere mitmischen? Ich denke nicht. Tolles Schreiben ist das, womit der Journalismus punktet. Und durch Recherche, Themen und Präsenz.

Ich weiß ja nicht, was für Geschichten Bodo Hombach in seinen Blättern haben will, er widerspricht sich jedenfalls mit dieser Aussage. Es ist ja nicht so, dass die zwei Maler am gleichen Bild malen. Diese Maler brauchen nämlich jeden Tag ein Bild. In der Zeit, in der der eine malt (toll schreibt), sucht der andere ein neues Motiv (Thema) oder prüft nach, was hinter dem gemalten Haus steckt (Recherche). Kleiner Merksatz, der verblüffenderweise auch hier gilt:

Von den drei Eigenschaften “gut”, “schnell” und “preiswert”, gibt es immer nur zwei auf einmal.

Haben die nur noch einen Maler, aber eine Wand, die zwei Bilder braucht, dann reicht die Zeit halt nur noch fürs malen. Und irgendwann merken die Leser, dass die Farben seit Jahren dieselben sind und die Objekte im Hintergrund immer gleich aussehen. Sicherlich kann man eine Zeitung auch mit wenig Personal voll bekommen, wenn man die paar Mitarbeiter täglich auf drei Termine schickt. Nur kommt man dann rein aus Zeitmangel über die pure und unkritische Wiedergabe meistens nicht hinaus. Und mit Aussichten auf solch ein …, nennen wir es mal Angebot, … sollte sich ein Geschäftsführer doch mal fragen, ob er wirklich glaubt, weiterhin dafür Kunden zu finden? Artikel liefern, die nicht über das hinausgehen, was die anderen Anwesenden dort ebenfalls waren, erlebt haben, geht in Zeiten, in denen jeder via Internet für seine Veranstaltungen trommeln kann, nur bei wenigen Themen gut. (Meiner Meinung nach sind das Gerichtsreportagen und Berichte über Ausschusssitzungen des Stadtparlaments. Anstelle selber dort rumzusitzen, hofft man auf einen, der die ganze Zeit da war und eine Zusammenfassung liefert.) via Stefan Niggemeier und Indiskretion Ehrensache.

Durchlauferhitzer, oder was?

Liebe PR-Macher,

ich bin kein Durchlauferhitzer (für eure heiße Luft). Ich schlage nicht alles vor, was ihr mir schickt, auch wenn mir dadurch ein Artikel entgeht.

Vor allem nicht, wenn von den letzten drei Geschichten eine verwirrend falsch angekündigt war, die zweite genau so gut einen Anzeige hätte sein können und die dritte ein krudes Elaborat beförderte.

Ich sehe ja ein, dass jeder seine Aufgabe hat, aber da erwarte ich auch genauso ein Einsehen, dass ich bei der Zeitung nicht der sein will, der unreflektiert alles hochjubelt, was man ihm zumailt. Auch ein bisschen Einsicht, welche Stories medioker und welche gut sind sind, ist hilfreich, weil wenn alles “super” oder “wichtig” ist, ist alles “langweilig” und “unwichtig”.

Und wenn ich nicht daran glaube, dass das was ist, dann passiert von meiner Seite nunmal eher wenig. Dann reiche ich das kommentarlos weiter und fertig.

Nebenbei weiß ich, dass PR besser bezahlt wird als Journalismus. Also könnt ihr euch auch ab und zu mal dafür etwas strecken.

Siehe auch: Wir sind hier nicht auf der „Enterprise“