Philipp Rösler: Weder Augenarzt noch mit Doppel-L

Mit „Bundesminister, Parteivorsitzender — das sind Jobs auf Zeit. Augenarzt wird Phillipp Rösler offenbar sein Leben lang bleiben“, weist das Bildblog genüßlich darauf hin, dass der Bundesgesundheitsminister immer noch kein Augenarzt ist, aber immer wieder als solcher bezeichnet wird – was man inzwischen wirklich hätte mitbekommen können.

Ebenso aber auch, dass sich Philipp R. nur mit einem „l“ im Vornamen schreibt – da glaube ich doch mal dessen Website www.philipp-roesler.de. Was das Bildblog in seinem Beitrag aber bislang (und wenigstens konsequent) übersieht.

Sicherlich kann man mit dem ll und pp durcheinanderkommen, und es gibt auch den Philipp als Phillipp, aber wenn man sich am griechischen Namensursprung (übrigens eine prima Merkhilfe) orientiert, ist die Variante mit einem „l“ richtiger:

Der Name kommt von dem griechischen Phílippos „Pferdefreund“ (philos – „Freund“, hippos – „Pferd“).

(Das Bildblog hat stillschweigend den Fehler korrigiert. Soviel zur Transparenz. Und meiner Kleinlichkeit.)

FR gibt überregionale Berichterstattung nach Osten ab

Nachdem die Lokalteile Groß-Gerau, Darmstadt und Darmstadt-Dieburg vom Echo bestückt werden, bestückt nun Berlin den Mantelteil der Frankfurter Rundschau.

Die Gesellschafter der Frankfurter Rundschau haben (…) beschlossen, die überregionale Berichterstattung von FR und Berliner Zeitung fortan schwerpunktmäßig in Berlin gemeinsam zu organisieren.

Frage ist natürlich, was es bringt, sich nun verärgert der Süddeutschen oder der Taz zuzuwenden. Denn da kommt der Mantel ja auch aus München oder Berlin.

Oscar-Prophetie: And the winner is … vorhersagbar

Dieses Jahr wird „The Kings Speech” was gewinnen und/oder der Hauptdarsteller Colin Firth.

Nachtrag: Hab‘ ich doch gewusst: 2011 gewinnen „The King’s Speech“ (bester Film) und Colin Firth (bester Darsteller). Firth spielt den stotternden englischen König George VI. Und die beste weiblische Hauptdarstellerin Natalie Portman bekam ihren Goldjungen für „Black Swan“. Portman spielt eine an Halluzinationen leidende Balletttänzerin.

Oscars gibt es nämlich immer leicht, wenn es in einem Film um einen Menschen geht, der krank ist, eine Behinderung oder Psychose hat. Oder um amerikanischen Pathos.

Einen kleinen Rückblick, der die These belegt (die Tabelle hatte ich vor Jahren einmal für die W-Akten/Besserwisserseite zusammengestellt, schreibe also von mir selber ab. ;-))

2010 Jeff Bridges – Crazy Heart
Bridges spielt einen alkoholkranken Country-Sänger.

2009 Heath Ledger – beste Nebenrolle in The Dark Knight
Ledger spielt den psychopathischen Joker.

2008 Daniel Day Lewis – There will be Blodd
Lewis spielt den verrückt gewordenen Daniel Plainview.

2007 Forest Whitaker -Der letzte König von Schottland
Whitaker spielt den größenwahnsinnigen Diktator Idi Amin.

2006 Philip Seymour Hoffman – Capote
Hoffmann spielt den alkohol-und drogenabhängigen Schriftsteller.

2005 Jamie Foxx – Ray
Foxx spielt den blinden Musiker Ray Charles.

2004 Charlize Theron – Monster
Theron spielt die Serienmörderin Aileen Wuornos.

2003 Nicole Kidman – The Hours
Kidman spielt die depressive Schriftstellerin Virginia Woolf.

2002 A Beautiful Mind – bester Film
über einen schizophrenen Mathematiker.

2000 Angelina Jolie – Durchgeknallt
Jolie spielt eine Soziopathin.

1999 Hilary Swank – Boy’s don’t cry
Hilary Swank spielt Teena Brandon, die aber ein Mann sein möchte und sich deswegen in Brandon Teena umbenennt.

1997 Jack Nicholson -Besser geht’s nicht (As Good As It Gets)
Nicholson spielt einen schizophrenen Schriftsteller.

1996 Geoffrey Rush – Shine
Rush spielt den nervenkranken Pianisten David Helfgott.

1995 Nicolas Cage – Leaving Las Vegas
Cage spielt einen Alkoholkranken Spieler. Der Film „Leaving Las Vegas“ basiert auf dem autobiographischen Roman von John O’Brien. John O’Brien nahm sich zwei Wochen vor Drehbeginn das Leben.

1994 Tom Hanks – Forrest Gump
Hanks spielt den leicht zurückgebliebenen Forrest Gump, der bei Ereignissen der jüngeren US-Geschichte immer irgendwie dabei war.

1993 Tom Hanks – Philadelphia
Hanks spielt einen Aidskranken.

1992 Al Pacino – Scent Of A Woman
Al Pacino spielt einen Blinden.

1991 Anthony Hopkins – The Silence Of The Lambs
Hopkins spielt den psychopatischen Mörder Hanibal Lecter.

1990 Kathy Bates – Misery
Bates spielt einen besessenen Fan eines Schriftstellers.

1989 Daniel Day-Lewis – My Left Foot
Lewis spielt den gelähmten Christy, der nur seinen linken Fuß kontrollieren kann.

1988 Dustin Hoffman – Rain Man
Hoffman spielt den Autisten Raymond Babbit.

1986 Marlee Matlin – Children Of A Lesser God
Marlee Matlin spielt eine Taubstumme, sie ist es auch im wirklichen Leben.

1978 Jon Voight – Coming home
Voight spielt einen gelähmten Vietnam-Veteranen.

1975 Jack Nicholson – Einer flog über das Kuckucksnest
Nicholson spielt Randel Patrick McMurphy der vortäuscht psychisch krank zu sein.

1962 Anne Bancroft (Hauptrolle) Patty Duke (Nebenrolle) – Licht Im Dunkel (The Miracle Worker) Anne Bancroft spielt die Betreuerin der blinden Helen Keller (Patty Duke).

1950 Jose Ferrer – Der letzte Musketier -Cyrano de Bergerac Ferrer spielt den Cyrano, der mit einer übergroßen Nase geschlagen ist.

1948 Laurence Olivier – Hamlet
Olivier spielt den in den Wahnsinn abgleitenden Prinzen von Dänemark.

1948 Jane Wyman – Schweigende Lippen – Johnny Belinda
Wyman spielt die taubstumme Belinda.

1947 Ronald Colman – A Double Life
Colman spielt den Schauspieler Anthony John, der sich zu sehr mit seinen Rollen identifiziert.

1945 Ray Milland – Das verlorene Wochenende
Milland spielt den alkoholkranken Schriftsteller Don Birman.

1932 Fredric March – Dr. Jekyll and Mr. Hyde
March spielt den Arzt Dr. Jekyll, der sich durch ein selbstgemixtes Medikament in den bösartigen Mr. Hyde verwandelt.

Lierhaus-Honorar wirft Schatten auf den Platz an der Sonne

Hannoversche Allgemeine Zeitung: Abo-Kündigungen bei der ARD-Fernsehlotterie wegen 450.000 Euro für Monica Lierhaus.

Nun, wenn ein Investment die Relationen nicht wahrt … : ARD-Fernsehlotterie unterstützt Projekte mit durchschnittlich 229.500 Euro.

Nebenbei macht es es für mich nicht besser, wenn Frank Elstner für den gleichen Job sogar noch mehr bekommen haben soll („laut Lierhaus-Management sogar "deutlich mehr"„). Das konterkariert meiner Meinung nach den sozialen Zweck. Solche Kurzauftritte sollten mit maximal einer Aufwandsentschädigung bezahlt werden.

ARD-Fernsehlotterie unterstützt Projekte mit durchschnittlich 229.500 Euro

Die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ ist eine der ältesten Soziallotterien Deutschlands. Die nach einer Hirnblutung vor zwei Jahren langsam wieder gesund werdende Monica Lierhaus wird nun Lotterie-Botschafterin und soll dafür laut Spiegel Online 450.000 Euro Jahreshonorar bekommen.

Die ARD-Fernsehlotterie, eine gemeinnützige GmbH, legt in einer Pressemitteilung Wert auf die Feststellung, dass Monica Lierhaus‘ Honorar nicht über Gebührengelder der ARD finanziert werde.

Christian Kipper, Geschäftsführer der ARD Fernsehlotterie, betont: „Wie in einem solchen Fall üblich, zahlen wir das Honorar für Monica Lierhaus als eigenständiges Unternehmen vollständig aus unserem Marketing- und Werbebudget.

Laut eigenen Angaben erspielte die Lotterie 2010 rund 66,6 Millionen Euro und unterstützte 294 gemeinnützige Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, für hilfebedürftige Mütter sowie für kranke und behinderte Menschen und Senioren. Die Projekte erhielten über die Fernsehlotterie Beträge von bis zu 500.000 Euro zur Teilfinanzierung ihrer jeweiligen Vorhaben.

Im arithmetischen Mittel bekam jedes Projekt 2010 ein wenig mehr als 226.000 Euro.

Insgesamt erzielte die ARD-Fernsehlotterie nach eigenen Angaben von 1956 bis Anfang 2011 einen karitativen Zweckertrag von rund 1,4 Milliarden Euro und konnte damit über 6100 Hilfsprojekte fördern.

Das waren im arithmetischen Mittel etwas mehr als 229.500 Euro pro Projekt.

An was ich noch denken muss: Überall ist inzwischen von Inklusion die Rede, vor allem, dass man in Schulen Kinder und Kinder mit Behinderung zusammen unterrichten soll. Stefan Niggemeier fasst es etwas harsch zusammen: „Als Behinderte darf Monica Lierhaus Fernsehbotschafterin für Behinderte werden. Das ist schön für sie. Und schrecklich typisch.“

Nachtrag: Der (gedruckte) Spiegel vermutet eine Inszenierung.

Fernsehtipp: Frontal 21

Huuh, Rebellen überall dort, wo man sie nicht vermutet. Erst in Ägypten, jetzt in der Frontal 21-Redaktion. Ja genau, Frontal 21, eine Sendung im ZDF. Wer hätte das gedacht?

SpOn: Union attackiert im ZDF-Fernsehrat „Frontal 21“ – Gegenwind für das Investigativ-Magazin „Frontal 21“: Unions-Politiker im ZDF-Fernsehrat haben eine Ermahnung gegen die Redaktion ausgesprochen. (…) Mehrmals beschwerten sich die Unionsleute, das Magazin sei zu einseitig.

Danke für den Hinweis lieber Fernsehrat. Bei solchen Meldungen und Mehrheit ist Wahrheit-Fernsehratsbeschlüssen muss ich doch glatt mal bei „Frontal 21“ reinschauen. Was ich sonst nie gemacht hätte.

Und nebenbei: Wenn sich einer so aufregt, dann schließe ich erstmal daraus, dass die Journalisten dort alles richtig gemacht haben. Nämlich so ordentlich gearbeitet haben – weil’s eben dann auch weh tut.

„Sie hätten gern Antworten auf Fragen, die Sie mir gar nie gestellt haben.“

Zwischen 2017 und 2040 verschwinden die gedruckten Zeitungen, heißt es. Zur Zeit sinken die Auflagen und die Einnahmen aus Anzeigen sind zurückgegangen. Blöd, weil über die Werbung ja ein großer Teil der Finanzierung läuft.

Aber offenbar wurschteln die Verlage alleine herum:

Echo Online: Lokaljournalistenforum – Experten diskutieren in Waiblingen über die Zukunft der Zeitungsindustrie – Im Zusammenhang mit den zunehmenden Problemen in der Zeitungsbranche stellte Wiebke Möhring von der Fachhochschule Hannover fest, dass keine Problemschilderungen an die Fachdisziplinen der deutschen Hochschulen herangetragen werden. Dies wiederum eröffne den Hochschulen auch gar keine Chance, an Problemlösungen mitzuwirken.

Wie man Kaffee kalt werden lässt

Da sagt man einer Bürgerinitiative, dass sie da ein schönes Thema haben und dass ich mir vorstellen könnte, dass da auch ein Foto gemacht werden könnte, wenn man deren Aktivitäten genauer darstellt. Sie sollen mal einen Termin machen. Das sage ich drei- oder viermal innerhalb eines halben Jahres, bei verschiedenen Anlässen.

Nun, jetzt grummeln die Aktiven, weil ihnen die Stadtoberen das Thema weggenommen haben. Ja. Was soll ich sagen? Dass ich kostenlose Medienberatung gegeben hatte und dreimal das Thema angesprochen habe? Da was Neues irgendwann nicht mehr neu ist, wenn man ein Jahr damit arbeitet und immer nur Häppchen vorstellt? Dass dann ein anderer die Häppchen aufgreift?

Jung? Nicht schon wieder!

Liebe Kollegen, es mag zwar einen demographischen Wandel geben, aber der ist noch in den Anfängen. Deswegen fände ich es schön, wenn man das Adjektiv „jung“ nur dort einsetzt, wo es angebracht ist. Und wo es sich tatsächlich um einen jungen Menschen beschreibt.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ist „die junge CDU-Politikerin“ und Nils Schmidt „junger Spitzenkandidat“ der SPD-Baden-Württemberg.

Nein! Schröder ist 33 Jahre alt, Schmidt 37. Das ist doch nicht mehr jung. Wie die sich fühlen, ist was anderes (um den „man ist so jung wie man sich fühlt“ Spruch abzufangen), aber in dem Alter ist man doch längst erwachsen, mit 37 ist man sogar schon länger erwachsen als man Kind und Jugendlicher war. Jung. Als ob Schröder und Schmidt gerade von der Uni gekommen sind. Jung. Als ob die Berufsanfänger sind. Jung. Als ob man erst mit 50 Chef wird und Menschen führt. Jung. Als ob man keine Familie ernähen kann, weil man gerade von der Schule kommt.

Ich sehe ja ein, dass man mit zunehmenden Alter immer mehr Schwierigkeiten hat, das Alter jüngerer Menschen einzuschätzen. Aber nur weil einer jünger ist als man selbst , ist der noch nicht „jung“. Es gibt doch nicht nur relative Grenzen, sondern auch absolute.

Ich schlage mal als Grenze den 30. Geburtstag (Den 35. wie bei den Jusos, der JU etc. halte ich für übertrieben) vor. Bis 29 schreibt man noch „jung“. Wer drüber ist, ist halt mal einer den man etwas ausgereifter beschreiben muss. Bleibt ja immer noch die jugendliche Erscheinung.

(Es geht ja nicht nur um die Sueddeutsche.de, auch andere sind mit dem Wort jung recht großzügig. Und: Ich bin 42 und fühlte mich vor fünf Jahren schon nicht mehr jung. Nein, auch nicht alt. Sondern einfach mal einfach so.)

Tsunami bei der ARD

Da scheint heute (12.) abend (21.45 Uhr) in der ARD ein interessanter Film über einen Finanzdienstleister zu laufen. Die ÖR-Justiziare haben laut Süddeutsche-Online wegen dem Film „Der Drückerkönig und die Politik“ viel zu tun:

Mit gleich mehreren Schreiben wandte sich der Anwalt an alle Intendanten und Justiziare sämtlicher neun ARD-Anstalten und warnte sie vor der Ausstrahlung des Films. […] Für die NDR-Redaktion steht eine Tsunami-Taktik dahinter: Alle möglichen Stellen sollen mit so komplexen Anfragen überschwemmt werden, dass die ARD-Sendung zum Risiko wird.

Nachtrag: 3,86 Millionen Zuschauer, „Bild“-Interview, Anfrage-Chronologie des NDR, Gericht verbietet Szene

Nun habe ich den halbstündigen Film auch gesehen. Und frage mich, warum da überhaupt ein Anwalt eingeschaltet wurde/wird. Anleger behaupten abgezockt worden zu sein und einer, der viele Politiker kennt, erfüllt keine Interviewwünsche. Mit den Briefen an die Sender bekam die Geschichte doch viel mehr Aufmerksamkeit, als sie an Neuigkeiten bietet.

Und mein Eindruck, dass man die SPD nicht in die Bundesregierung wählen darf, wurde wieder mal bestätigt. Weil sie dann nämlich als Kontrollinstanz bei sozialpolitischen „Reformen” komplett ausfällt.

Nachtrag II, 23.1.2011: Das „Begleitschreiben“-Blog findet den Film eher faktenarm:

Der deutsche Michael Moore – Lütgert beschränkt sich jedoch darauf, die Empörung beim Zuschauer anzustacheln, statt Fakten zu präsentieren. […] was geschlossene Fonds nun genau sind – der Zuschauer wird es nicht erfahren, obwohl der Begriff immer wieder auftaucht.

Eben, ist es ein Film darüber, wie man kein Interview bekommt, der Rest ist nicht neu.

Aber die Gegenseite erhöht unnötig die Fallhöhe – aus meiner Sicht – nun um so mehr:

FAZ: Ein Großangriff auf die Pressefreiheit – Der Anwalt will ein Gutachten verfassen, in dem er zu möglichen Straftaten des Reporters Lütgert nach den Paragraphen 240 und 241a des Strafgesetzbuchs und Paragraph 33 des Kunsturhebergesetzes Stellung nimmt (Nötigung, „politische Verdächtigung“, Bildnisse, gegen den Willen eines Abgebildeten).

Aber natürlich sind diese Gegenmaßnahmen auch eine Projektion. Ein kleiner Journalist würde sich an dieses Thema nicht ohne Not ranwagen, weil er den möglichen Ärger einfach nicht bezahlen könnte.

Nachtrag III, 26.1.2011, Meedia: NDR-Reporter Lütgert über Anwaltspost

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