Die Vorteile der E-Mail …

… für die freie Zeiteinteilung scheinen einige immer noch nicht erkannt zu haben. Das schreibe ich eine (harmlose) E-Mail mit einigen Fragen an einen Veranstalter. Von dem kommt keinerlei Rückmeldung, so dass ich am folgenden Tag anrufe. Was dann gerade nicht passt. Und ich nochmal anrufe. Um dann später zurückgerufen zu werden.

Da verplempert man nun seine (und meine) Zeit mit hin- und hertelefonieren, anstelle mal eben – wenn es einem selber gerade passt – in fünf Minuten ohne Druck,weil einer am Telefon sitzt, zu antworten.

Auch schön, wenn man auf den nächsten Tag vertröstet werden soll, es aber für die Zeitung ist, die nunmal nur einmal am Tag gedruckt wird und es irgendwann zu spät für eine Ankündigung ist.

Veröffentlicht unter Job

Dresscode bei der Freisprechung

Was man als Geselle bei der Urkundenüberreichung anziehen sollte, weiß ich nicht, was die frisch gebackenen Junggesellen am Wochenende in der Orangerie tatsächlich trugen, schon:

„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom“ – Kreishandwerkerschaft: Mahnende und aufmunternde Worte bei der Freisprechungsfeier in der Orangerie – Bei der Urkundenverleihung ging es bunt zu. Die einen nahmen ihre Gesellenbriefe in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen entgegen, andere trugen bunte oder weiße Hemden zur verwaschenen Jeans. Nachtrag: Einige trugen die Kombination aus Sakko und Jeans, mancher – der wenigen – Anzugträger hatte in der warmen Orangerie das Sakko abgelegt. Krawatten waren eher selten.

Die feierliche Überreichung der Gesellenbriefe ist in Darmstadt eine etwa zweistündige Veranstaltung mit Ansprachen und Grußworten. Danach gehen die Teilnehmer wieder auseinander.

Medienaufgebot im Landgericht – Doppelmord in Babenhausen

Im April 2009 wurden in Babenhausen ein Mann und seine Frau erschossen, die Tochter angeschossen. Am Tatort gab es kaum Spuren, die erwachsene Tochter hat geschlafen, als auf sie geschossen wurden, sie ist zudem durch eine Behinderung eingeschränkt. Schüsse gehört hatte offenbar niemand.

Im Mai 2010 will die Polizei einen Nachbarn als Täter ermittelt haben. Er soll das Ehepaar erschossen haben, weil er sich durch den Lärm der Nachbarn gestört gefühlt haben soll. Heute startete der Prozess. Der Angeklagte bestreitet die Tat: „Ich bin unschuldig und habe den Menschen nichts angetan.“ Im Übrigen beruft er sich auf sein Aussageverweigerungsrecht.

Angesetzt sind zehn Verhandlungstage, am ersten Tag kamen 50 Zuschauer (Saal war voll) fünf Fernsehteams und mindestens sechs Fotografen. Weggegangen, Platz vergangen, ist dann das Wachtmeister-Motto. „Wenn einer rausgeht, können sie rein.“ Und dann waren da noch mindestens sieben Reporten mit Blöckchen.

Verteidiger Veikko Bartel erklärt im Darmstädter Landgericht, dass sein Mandant unschuldig sei.

Der folgende Text ist aus einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Darmstadt und des Polizeipräsidiums Südhessen vom Mai 2010 zur Verhaftung des nun angeklagten Mannes.

Gut ein Jahr nach dem Gewaltverbrechen, bei dem die Eheleute K. und P. T. (damals 62 und 58 Jahre alt) erschossen und ihre damals 37 Jahre alte behinderte Tochter durch mehrere Schüsse lebensgefährlich verletzt worden war, hat die Polizei einen 40 Jahre alten Mann aus Babenhausen auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle festgenommen.

Bei seinen Vernehmungen vor der Polizei und später vor dem Ermittlungsrichter machte der Beschuldigte von seinem Recht Gebrauch, nicht zur Sache auszusagen. Ungeachtet dessen sind sich Staatsanwaltschaft und Polizei sicher, dass das Motiv in einem lang andauernden nachbarschaftlichen Streit zwischen dem Tatverdächtigen und den Opfern lag.

Auf die Spur, die zu dem Vierzigjährigen führte, kamen die Ermittler durch eine Computerüberprüfung. Der Beschuldigte soll einige Zeit vor der Tat mit dem Firmencomputer auf eine Internetseite in der Schweiz zugegriffen haben, die sich mit dem Eigenbau von Schalldämpfern beschäftigt. Ein zufälliger Aufruf der Seiten kann ausgeschlossen werden. Spezialisten konnten eine bestimmte Wörterkombination, mit der nach selbstgebauten Schalldämpfern gesucht wurde, recherchieren. Kurz nach der Tat war der Firmencomputer des Tatverdächtigen durch einen angeblich technischen Defekt vernichtet worden. Dennoch gelang es Spezialisten im Firmennetzwerk die Spuren zu finden, die den Tatverdächtigen schwer belasteten. Gutachten, die erst seit Kurzem den Ermittlungsbehörden zur Verfügung standen, belegten diese Aktivitäten.

Daneben ermittelten Staatsanwaltschaft und Polizei zahlreiche weitere verdächtige Umstände, die einen dringenden Tatverdacht begründeten und keinen vernünftigen Zweifel an der Tatbegehung durch den Beschuldigten zuließen. Dazu gehörte die zweifelsohne schwer belastete Beziehung zwischen dem Tatverdächtigen und den Opfern. Viele Erkenntnisse hieraus stellten Stück für Stück ein Mosaik zusammen. Dieses Bild machte die seit Jahren bestehende und äußerst problematische nachbarschaftliche Beziehung deutlich.

Auch ein Einsatz von so genannten Man-Trailer-Hunden ließ erkennen, dass der Täter sich sehr gut am Tatort und dessen unmittelbarer Umgebung ausgekannt haben musste. Verblüffend war auch die Tatsache, dass die Hunde unabhängig voneinander zu der Firma des Tatverdächtigen liefen. Sie hatten lediglich den Geruch einer Tatortspur aufgenommen.

Oger und Knochenbrecher in Würzburg

Vergangene Woche war in Würzburg. Als ich mir die Adresse genauer anschaute, bekam ich aber doch Bedenken. „Leutfresserweg“ stand da. Also wohnt dort ein Oger, einer der die Leut‘ frisst. Und damit seine Opfer nicht weglaufen, hat er unterwegs auf dem Weg den Hügel hoch noch eine „Kniebreche“

Der Turm im Hintergrund auf dem oberen Foto ist nicht das „Home of the Monster“ (sollen doch nicht nur Frankensteinseiten die Klicks abbekommen ;-), das ist der „Frankenwarte“-Aussichtsturm. Die Warte ist ein pseudomittelalterlicher Bau vom Ende des 19. Jahrhunderts und heute ein Schulungszentrum. Allerdings … auf dem Turm oben war keiner von uns … hm … und diese Übereinstimmung zwischen einem Monster und was mit Franken …

Prioritäten

Gestern abend im Jagdhofkeller: Neujahrsempfang bei den Darmstädter Grünen, Festredner ist der Grünen Oberbürgermeister aus Tübingen, Boris Palmer. Er plaudert locker und witzig darüber, was ein Grünen OB verändern kann. Nennt also Gründe, warum der Grünen-Kandidat Jochen Partsch Darmstädter OB werden sollte.

Ich bin da für ein Stadtteilblättchen, fürs Echo schreibt der Ressortleiter – und die FAZ schickt einen Hospitanten.

Nach der Veranstaltung fragen mich einige, wie ich es fand. „Ja”, sagte ich, „den Boris Palmer kann man schon wählen.”

Wie man Kaffee kalt werden lässt

Da sagt man einer Bürgerinitiative, dass sie da ein schönes Thema haben und dass ich mir vorstellen könnte, dass da auch ein Foto gemacht werden könnte, wenn man deren Aktivitäten genauer darstellt. Sie sollen mal einen Termin machen. Das sage ich drei- oder viermal innerhalb eines halben Jahres, bei verschiedenen Anlässen.

Nun, jetzt grummeln die Aktiven, weil ihnen die Stadtoberen das Thema weggenommen haben. Ja. Was soll ich sagen? Dass ich kostenlose Medienberatung gegeben hatte und dreimal das Thema angesprochen habe? Da was Neues irgendwann nicht mehr neu ist, wenn man ein Jahr damit arbeitet und immer nur Häppchen vorstellt? Dass dann ein anderer die Häppchen aufgreift?

Data-Mining im Darmstädter Sozialatlas

Ok, ich übertreibe mit dem „Mining“, ich habe mir die Statistiken im Sozialatlas der Stadt Darmstadt (PDF, 4,4MB) für einen Artikel (Schlechte Werte im Sozialatlas für den Westen der Stadt) etwas genauer angeguckt und auch mal der TU Darmstadt nachgefragt, ob die kommunalen Politiker ihre kommunalen Statistiker da zuviel beeinflusst haben. Aber von der Mathematik kam weitestgehende Entwarnung, das gewählte Verfahren und die Darstellung seien ok.

Aber – wie vermutet – sollte man sich nicht an den genauen Plazierungen festhalten, da diese schnell schwanken können, besonders wenn ein Bezirk wenige Einwohner hat (kleiner Nenner).

Dann war mir aufgefallen, dass die absolute Zahl der ALG II-Bezieher in ganz Darmstadt deutlich höher ist, als die Anzahl der ALG I-Bezieher oder der anderen Empfänger staatlicher Hilfen. (Ende 2008 lebten in Darmstadt 1449 Rentner mit Grundsicherung*, 1318 Arbeitslosengeld I-, 876 Sozialhilfe*- und 2112 Wohngeldbezieher. Die Zahl der Arbeitslosengeld II*-Bezieher ist mit 12.437 sechs- bis zwölfmal höher. Überlappungen sind bei den Sozialleistungen weitgehend ausgeschlossen, möglich ist es nur beim Wohngeld und ALG I.)

Da müsste man doch gewichten, fand ich. Und bekam von der TU Zustimmung: Das könne man machen, wenn beispielweise die Kosten sehr unterschiedlichen wären.

Aber die Stadt selbst will die Gruppen, die sie für den Sozialindex (arithmetisches Mittel, gebildet aus normierten Werten für ALG I-, ALG II-, Grundsicherung-, Sozialhilfe- oder Wohngeld-Bezieher in einem Bezirk) zusammengerechnet, nicht gewichten. Was der schwerwiegendere Armutsfaktor wäre, wäre eine willkürliche sozialpolitische Entscheidung.

*- ALG II, Grundsicherung und Sozialhilfe sind von den ausgezahlten Euros her gleich viel. ALG II bekommen Menschen, die noch arbeiten können, Sozialhilfe (eigentlich: Grundsicherung zum Lebensunterhalt) bekommen Menschen, die nicht mehr arbeiten können, aber keine Rentner sind. Und Grundsicherung bekommen Rentner.

Biotopwertpunkte in Hessen

Wer irgendwo Natur zugebaut, muss das ausgleichen. In Hessen werden über Biotopwertpunkte die Ausgleichsmaßnahmen berechnet. Dazu gibt es die „Verordnung über die Durchführung von Kompensationsmaßnahmen“.

Im Anhang stehen in der „Wertliste nach Nutzungstypen“ die jeweiligen Wertpunkte pro Quadratmeter. Die Tabelle nennt sehr detailliert Werte für alle möglichen Biotope wie Asphaltweg (ja genau, Asphalt, hat 3 Punkte) oder Bachläufe (47-69 Punkte) oder Streuobstwiesen (zwischen 23 und 50 Punkten) bis hin zu Ziergärten (bis zu 25 Punkten). Am meisten Punkte bringen Biotope wie Moorgewässer (79 Punkte) oder Hartholzauwälder (72 Punkte).

Sobald es Punkte gibt wird aber auch beim Renaturieren auf Wirtschaftlichkeit geachtet. Auch bei Biotopwertpunkten sind die Kosten ein Faktor, der hilft Prioritäten zu setzen. Beispielsweise rechnet es sich nicht unbedingt einen Fläche zu kaufen und zu renaturieren, wenn man stattdessen durch einen kompletten Einkauf eines fertigen Biotops für den gleichen Preis mehr Biotoppunkte bekommt.

Praktisch umgesetzt sieht das dann so aus wie beispielweise in Weiterstadt. Echo online: Vom Stoppelfeld zum Biotop – Renaturierung des Schlimmergrabens

Der Mann mit den zwei Gehirnen

Da bespricht man nochmal mit dem Betroffenen den Text des Portraits und dann kommt nach einer Woche ein Anruf, dass sich Verwandschaft beschwert hätte, dass man was vergessen hätte.

Jetzt bin ich also schuld, dass ich was – wie nach Ankündigung und Zustimmung – weggelassen hatte? Wozu spreche ich denn dann nochmal über den Inhalt?

Ok, dann ich muss ich also nicht nur im Straßenverkehr und Beziehungen für andere Menschen mitdenken und deren Gedanken lesen.