Deutschlandtakt, eigentlich kein neues Konzept

Hui, die Deutsche Bahn plant einen Deutschlandtakt!

Ein Konzept, dass es in der Schweiz (flächendeckend) seit 1982 gibt und seit 1934 in den Niederlanden. Seit 2008 gibt es die deutsche Initiative deutschland-takt.de.

Ok, das habe ich jetzt natürlich gespickt, aber ich erinnere mich noch wie der VCD vor acht Jahren das Konzept (es heißt eigentlich integraler Taktfahrplan) im Justus-Liebig-Haus vorgestellt hatte.

Demo für die Wälder auf dem Luisenplatz

„Auch 200 Hektar sind ein wertvolles Biotop.“ (Ernst-Ludwig Becker, BUND Darmstadt)

Am Samstag wurde auf dem Luisenplatz für den Erhalt des Hambacher Forstes demonstriert, aber auch auf den Darmstädter Westwald geschaut.

Echo online: „Der Wald soll bleiben“

In der Vorbereitung zu dem Termin hatte ich zum Hambacher Forst ja einiges nachgeguckt. Und habe dann umgerechnet wie viel 200 Hektar – soviel ist von dem Hambacher Wald noch übrig – sind. Da war ich dann doch überrascht, denn 200 Hektar sind zwei Quadratkilometer. Das habe ich dann mehrmals nachgemessen (Google Maps kann auch Flächen ausrechnen), auch auf einer Website zum Hambacher Forst, da mir das so wenig schien. 200 Hektar, das ist zweimal das Merck-Werksgelände oder der Osten Bessungens zwischen Heinrich und Klappacher Straße und zwischen Heidelberger und Nieder-Ramstädter Straße.

Größte Überraschung war für mich, dass das Fürstentum Monaco auch nur 200 Hektar groß ist. Dass das kleiner als Darmstadt ist, hätte ich nicht gedacht.

Was allerdings nicht stimmt, war ein JPG aus dem Internet (nicht auf der Demo!), auf dem behauptet wurde, dass der Hambacher Wald 12.000 Jahre alt sei. Dazu hatte der Bonner Geobotanik-Professor Wolfgang Schumacher im Kölner Stadtanzeiger gesagt: „Vor 12.000 Jahren war im Hambacher Forst nichts als Tundra. Das richtige Alter dürfte bei 4000 bis 5000 Jahren liegen.“ Auch sei der Wald nicht der letzte große Mischwald.

Solche falschen Infografiken ärgern mich. Denn wenn man die Verbreiter dann darauf anspricht, dann kommen sie oder ihre Freunde gerne mit der „guten Sache“, dass das doch ein Anstoß zum Nachdenken sei oder gar „nur witzig gemeint“ sei. Auf der anderen Seite wird jedoch über Fake News gestöhnt und auf eine angebliche Lügenpresse geschimpft. Aber mal fünf Minuten googlen (so lange dauert das, ich habe das mal in meiner Browserhistory nachgeguckt), bevor man sowas „teilt“, ist dann doch zu viel. Und was ist, wenn der politische Gegner mit der „guten Sache“, „witzig“ und „Denkanstoß“ argumentiert?

Früher Wahltermin in Weiterstadt

Nächstes Jahr wird es darum gehen, wer Rathauschef in Weiterstadt wird.

Der Weiterstädter Haupt- und Finanzausschuss hat über den Wahltermin für die Bürgermeisterwahl diskutiert. Die Alterative Liste Weiterstadt (ALW) fand den Termin im Mai 2019 zu früh. Die neue Legislaturperiode für den Bürgermeister beginnt in Weiterstadt am 1. Januar 2020.

Und da stimme ich der ALW zu. Mir sind nämlich schon die üblichen Übergangszeiten (drei bis sechs Monate) bei den Bürgermeisterwahlen zu lang. Ich war auch schon bei der Hessenwahl 2013 dagegen, dass diese zeitgleich mit der Bundestagswahl im September war. Denn der hessische Landtag trat ja erst im Januar 2014 zusammen.

Durch eine lange Überganszeit kann jegliche Aufbruchstimmung, der durch einen Wechsel bei einer Wahl entstehen kann, verlore gehen. Abgewählte Amtsinhaber haben zudem jede Menge Zeit noch Unfug anzustellen oder sie können zur „Lame Duck“ werden, weil sie das Wissen um ihren Abgang lähmt oder sie im Parlament den Rückhalt verlieren.

Das mit dem Schwung wäre schade, das andere ärgerlich. (Es reicht schon, wie passiert, wenn Ex-Amtsinhaber noch in Gremien sitzen und der neuen Stadtregierung das Leben schwer machen, indem sie Leute auf Posten berufen, die die neue Verwaltungsspitze nicht will.)

Und dann kann in den vielen Monaten vor einer Amtsübergabe noch jede Menge passieren, was die Wahl beeinflussen hätte können. So weite Spannen für Wahltermine erinnern mich einfach zu sehr an Großbritannien, wo der Premier den Wahltermin vorziehen kann, wenn die Stimmung ihm günstig erscheint.

Echo online: Debatte um Termin für Bürgermeisterwahl in Weiterstadt

Geheimoperationen bewertet die Bundesregierung sofort, militärische Aktionen nach Monaten nicht

„Auch Bundesregierung macht Russland verantwortlich für Cyberangriffe„, meldet SpOn. Ich vermute sowas ja auch.

Nur, liebe Bundesregierung, eine Frage habe ich da dann doch: Wieso ist die Bundesregierung bei geheimen Operationen so sicher, was Sache ist (ich denke da auch an den Fall Skripal, bei die Bundesregierung sehr schnell die britische Einschätzung übernahm), während sie bei Afrin nicht in der Lage ist, die offen praktizierte türkische Militäraktion zu bewerten?

Jedes Mal wenn Tilo Jung in der Bundespressekonferenz nachfragt, gibt es keine Antwort.

Heute vor 10 Jahren: Ruckzuck im Spam

Damit das mal klar ist: Ein-Satz-Kommentare, die auf alles passen könnten – und mit einem Link auf eine kommerzielle Seite – sehe ich ganz schnell als einen Versuch, unbezahlten Links zu bekommen. Sowas ladet ohne längere Prüfung im Spam. Da reicht mir der erste Anschein.

Ja, bis zur DSGVO konnte man hier in diesem Blog, bzw. seinen Vorläufern, kommentieren (Beschwerdemails diesbezüglich bitte an Jan Philipp Albrecht, der seine DSGVO für eine Supersache hält). Und auch am 5. Oktober 2008 gab es schon Kommentarspam. Damals hoffte man ja noch mit solchen Ansagen was zu erreichen.

Lincoln-Siedlung mal wieder in der Mitte vom ÖPNV abgeklemmt

Die in den Herbstferien geschlossene Haltestelle LIncoln-Siedlung aus dem daran vorbeifahrenden Ersatzbus fotografiert.

Das Mobilitätskonzept für die Lincoln-Siedlung hat ja einen Preis gewonnen. Daher finde ich es jetzt ja schon interessant, dass auf einen „wesentlicher Baustein“ (so die Stadt Darmstadt) des Konzepts mal eben verzichtet werden kann. Ich rede von der Haltestelle Lincoln-Siedlung, die bislang jedesmal wegfällt, wenn Bahnen anstelle von Bussen fahren müssen.

Wissenschaftsstadt Darmstadt: Wesentliche Bausteine
(…) Bau einer neuen Straßenbahnhaltestelle in Höhe des Quartiersplatzes, bereits zu Beginn der Quartiersbesiedlung (…)

Das war in den Sommerferien der Fall und jetzt wieder. Weil auf der Gleistrasse gebaut werden muss und daher Busse statt Bahnen fahren müssen.

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass es doch kein Problem sei zu den Haltestellen Landskronstraße oder Marienhöhe zu laufen. Klar, das geht. Nur warum ist woanders Laufen dann ein Problem – wenn es um die Straßenbahn zur Lichtwiese geht? Da ist es Studierenden nicht zuzumuten, dass die von der GBS aus zur Lichtwiese laufen. Ok, in Lincoln sind es um die 550 Meter, an der Lichtwiese etwa ein Kilometer.

Wenn die Haltestelle aber jedes Mal stillgelegt und „überfahren“ wird (es gibt keinen Ersatzhalt in der Lincoln-Siedlung), wenn auf der Gleistrasse zwischen Luisenplatz und Haltestelle Frankenstein Bauarbeiten notwendig sind, dann kommen mir Zweifel. Entweder am Sinn der Haltestelle, am Wert des Mobilitätskonzepts oder der Preiswürdigkeit des Konzepts. Und natürlich, warum man dort eine Million Euro für die Haltestelle ins Gleis gesetzt hat, wenn man auf den Halt so locker verzichten kann, wie es inzwischen in den Sommer- und Herbstferien demonstriert wurde.

Echo online, 8. Dezember 2017: Lincoln-Siedlung – Neue Haltestelle bald in Betrieb – Rund eine Million Euro hat Heag-Mobilo mit Unterstützung des Landes Hessen und der Stadt Darmstadt investiert.

Und was ist das für ein Signal an die Bürger, denen man gesagt hat: ‚Lincoln wird ein autoarmes Quartier. Und damit das auch schön klappt, bauen wir Euch eine feine Haltestelle vor die Haustür.‘?

Was ich im Landkreis beobachten kann ist, dass ÖPNV zuverlässig vorhanden sein muss, damit die Menschen aufs Auto verzichten. Wenn es da nur leichte Schwankungen gibt, wird gleich wieder mit dem Auto gefahren – und das dann wieder für einige Jahre bis Jahrzehnte.

Zeitsturmradler, 27. Juni 2018: Bauarbeiten entfernen zeitweise „wesentlichen Baustein“ fürs Mobilitätskonzept Lincoln

Chemie-Nobelpreisträgerin Frances Arnold: „Wenn Ihr Professor sagt, Sie könnten über Wasser laufen, dann können Sie kommen.“

Ha, der aktuellen Chemie-Nobelpreisträgerin Frances Arnold hatte ich 2013 mal die Hand geschüttelt. Da war sie von Merck mit der Emanuel-Merck-Lectureship ausgezeichnet worden und hielt einige Vorlesungen in Darmstadt.

Vor einigen Jahren hatte Frances Arnold auch mal die Wella-Dependance in Kalifornien beraten, es ging um Haarfarben und darum, wie man unter möglichst milden Bedingungen Enzymreaktionen ablaufen lassen könne.

Allerdings machte die Pionierin der „gerichteten Evolution“ beim Pressetermin 2013 an der TU Darmstadt auch ihre Ansprüche an Wissenschaftler deutlich und dass sie sich die Mitarbeiter aussuchen könne. „Wenn Ihr Professor sagt, Sie könnten über Wasser laufen – und ihr Aufenthalt ist finanziert – dann können Sie kommen.“

Was soviel bedeutet wie, man muss sehr gut sein und sein Geld mitbringen, beispielsweise indem einen die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert. Und das Budget der ‚Arbeitsgruppe Arnold‘ wird nicht belastet.