Mutige Stadtregierung

Da hatte ich neulich noch der Stadtregierung in einem Kommentar auf fb zuwenig Mut bei der Verkehrspolitik unterstellt, weil ja nächstes Jahr im März Kommunalwahl ist. Das kann ich nun zurücknehmen, denn:

Echo online: Darmstadt will stadtweit Tempo 30 testen (€)

So wäre man auf dem Rad, 30 km/h kann man ja schaffen, kein Hindernis, wenn man die Spur wechseln will. Und man braucht auch nicht zu befürchten, dass einer mit 50 km/h von hinten ranrauscht, wenn man mit Handzeichen die Spur wechseln will.

Und dann sind die Bremswege deutlich kürzer und damit ist auch der Impuls bei einem Unfall kleiner. Was für Fußgänger weniger Verletzungen bedeutet.

Ich ahne was jetzt kommen wird: Während Autofreunde stets von Radfahrern erwarten, dass diese jede Verkehrsregel einhalten (oder nicht auf ihr beharren, wenn es für den Radfahrer gefährlich wird, wenn der Autofahrer sich seinerseits nicht dran hält), werden sie jetzt natürlich sagen, dass Verkehrsregeln ja schön und gut sind, aber bitte nur dort wo sie sinnvoll sind. Aber wehe, so argumentiert die Fahrradlobby.

Neulich bei den OB-Referenten in Raum 1112c – Plätze und Grünanlagen

Der Paulusplatz, eine Grünanlage mit Brunnen vor der Verwaltung der EKHN.

„Haben wir jetzt eigentlich ein Problem?“, fragen sich die OB-Referenten bei ihrem montäglichen geheimem Strategiekränzchen im Rathaus am Luisenplatz. Im großen, weitläufigen Saal 1112c. Da kann man die Abstände einhalten und im 11. Stock kommt auch keiner zufällig vorbei. Die Referentinnen und Referenten denken an die neue „Dies ist ein Platz und keine Grünanlage“-Stadtgestaltungsrichtlinie ihres Oberbürgermeisters. Die hatte er bei der Friedenplatzvorstellung verkündet. Sind Plätze in Darmstadt nun keine Grünanlagen mehr, überlegen die OB-Referenten.

„Alles super“, sagt der Finanzreferent und freut sich über die Richtlinie. „Je weniger Grünanlagen, umso besser.“ Die Stadt könne dann weniger Gartenarbeiten beauftragen und spare so Geld, erklärt er.

„Aber wie erklären wir das den Anwohnern am Johannesplatz“, fragt die Stadtplanungsreferentin, „wenn wir den Rasen pflastern? Oder wenn wir den Mathildenplatz mit roten und gelben Platten auslegen, passend zum Sandstein des Löwenbrunnens.“ „Und was ist mit den Bäumen auf dem Mathildenplatz?“, wendet die Stadtplanungsreferentin ein. „Die Baumschutzsatzung gilt nur für Bürger, nicht für die Stadt“, erinnert der Finanzreferent.

Die Theaterreferentin erinnert an den Georg-Büchner-Platz. „Sollten die Rasenstreifen weg?“, überlegt sie. „Und asphaltieren wir jetzt die Wiese auf dem Wilheminenplatz? Was ist mit dem ‚Platz der Deutschen Einheit‘ am Hauptbahnhof?“ Wegen der Begrünung wurde der Hauptbahnhof 2010 von „Pro Bahn“ als „grünster Hauptbahnhof Deutschlands“ ausgezeichnet.

„Leute, das ist doch alles kein Problem“, erklärt der Kommunikationsreferent, „das alles war noch unter SPD-Oberbürgermeistern entstanden. Was in den 60 Jahren vor 2011 beschlossen wurde, war doch alles Murks.“ Alle erinnern sich und nicken erleichtert.

„Aber der Paulusplatz?“, fällt der Grünanlagenreferentin ein. „Da hatte unser OB 2012 persönlich und vor Ort zugesagt, dass es einen zweiten Bauabschnitt gibt, in dem die Grünanlage saniert wird.“

Stille.

„Vielleicht räumen wir es nächstes Mal einfach ein, wenn wir was nicht hinbekommen haben“, schlägt die Stadtplanungsreferentin vor. „Nein, Fehler zugeben wäre zu viel neuer Politikstil“, sagen alle im Chor. „Damit würden wir zudem unsere Anhänger im Regen stehen lassen.“ Die Sitzung endet. Und alle hoffen, dass Gras über den OB-Satz gewachsen ist, wenn man die nächste fertige Maßnahme begründen muss.

Der Platz der Deutschen Einheit, dahinter der Darmstädter Hauptbahnhof.

Der Georg-Büchner-Platz beim Staatstheater, im Hintergrund St. Ludwig.

Der Mathildenplatz, fünf Minuten vom Luisenplatz entfernt.

Der Wilheminenplatz zwischen Alice-Denkmal und St. Ludwig.

Wichtiger Hinweis, weil das heutzutage notwendig ist: Das ist eine Glosse, die Dialoge, der Sitzungssaal 1112c, die Personen und die Amtsbezeichungen sind von mir frei erfunden. Das Darmstädter Rathaus am Luisenplatz hat auch keinen 11. Stock. Der Text steht in der Blogkategorie „Spaß & Ironie“.

Pareto-Prinzip auch bei Cornoa? Sorgen 20 Prozent für 80 Prozent der Infektionen?

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

Bei der „Zeit“ gibt es eine Zusammenfassung, wie sich das Coronavirus überträgt. Dabei gibt es ein paar Auffälligkeiten. Unter anderem hat der durchschnittliche Übertragungswert eine hohe Varianz. Das heißt, einige stecken gar keinen anderen an, einige aber dafür sehr viele.

Und dann scheint sich ein Muster herauszubilden. Wo laut gesprochen, gesungen oder heftig geatmet wird, gibt es mehr Ansteckungen.

Zeit.de: Jeder könnte Superspreader sein – Der britische Epidemiologe Adam Kucharski von der London School of Hygiene and Tropical Medicine hat für das neue Virus einen k-Wert von ungefähr 0,1 errechnet. (Endo et al., 2020). „Vermutlich führen zehn Prozent der Fälle zu 80 Prozent der Ausbreitung“, sagt er.

In dem Artikel sind auch viele Links, wenn man weiterlesen möchte.

Preise für Drogen und Falschgeld im Landgericht

Ich mag es ja, wenn man im Gericht Sachen erfährt, die man sonst eher nicht mitbekommt, weil man dazu in eine Szene müsste, in die man eigentlich nicht will.

Und so erfuhr ich gestern, was fünf Gramm Kokain kosten können: 188,80 Euro. Das war jedenfalls der Preis am 3. April 2017 im Internet bei „Escobar’s Cousins“, Dealer bei Alpha Bay. Ein falscher 50 Euro-Schein kostete dort so zwischen sechs bis 8,30 Euro.

Echo online: Drogen und Falschgeld aus dem Darknet (€)

Friedensplatz ist fertig

Echo online: Kritik nach Fertigstellung des Darmstädter Friedensplatzes
Echo online: Zur Sanierung des Darmstädter Friedensplatzes: Chance vertan

Ich frage mich aber schon, was hier los wäre, wenn dieser Platz unter einer Rot-Schwarzen Stadtregierung so umgestaltet worden wäre. Und wie die Grünen auf den Satz “Dies ist ein Platz – und keine Grünanlage” reagieren würden wenn ihn ein SPD-Baudezernent gesagt hätte – und nicht ihr OB Jochen Partsch.

Das Bundesverkehrsministerium gibt den „Postillon“

Realsatire war ein Begriff der in den 1980er Jahren aufkam, weil die damalige Bundesregierung teilweise so agierte, dass man es für Satire gehalten hätte wenn man es nicht besser gewusst hätte.

Inzwischen macht der „Postillon“ solche Satire. Oder das Bundesverkehrsministerium (BMVI).

Das kündigt auf Twitter an, die neuen Strafen für zu schnelles Fahren gleich wieder zu ändern. Es geht darum, dass man aktuell seinen Führerschein erstmal los ist, wenn man mit 21 km/h zuviel innerorts und 26 km/h zuviel außerorts erwischt wird. Aber:

BMVI: Die Bundesländer haben allerdings im Bundesrat Verschärfungen & #Fahrverbote in die #StVO eingebracht. Diese sind vereinzelt unverhältnismäßig. Viele Bürger, die auf ihr Auto angewiesen sind, haben uns geschrieben. Sie haben Angst, ihren Führerschein & so ihren Job zu verlieren.

Über 20 km/h zu schnell ist meiner Meinung nach aber gut sichtbar auf dem Tacho. Und mit 51 durch die 30-Zone ist im Falle eines Unfalls gefährlich, weil die Kräfte überproportional wachsen. Gilt natürlich auch bei 50 und 76, 70 und 96 km/h etc.

Uns wer jetzt Angst hat, den Führerschein zu verlieren, weil er mit 21 km/h oder 26 km/h zu schnell war, der fährt meiner Meinung nach zu oft zu schnell und hat sich einen falschen Fahrstil angewöhnt oder schon immer den falschen gehabt.

Und wenn der Führerschein wichtig für meinen Beruf ist, dann gucke ich doch, dass ich den Führerschein nicht verliere und versuche mich so gut es geht an die Regeln zu halten. Weil es immer wieder mal zu blöden Momenten kommt, in denen man gegen die dann doch verstößt. Und da versuche ich doch, meine Verstöße auf diese blöden Momente zu reduzieren.

„Die Corona-Virenschleudern Österreichs“

SARS-CoV-2, Darstellung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Foto: Alissa Eckert, MS, Dan Higgins, MAMS

Die Überschrift oben ist eine Verkürzung. In lang lautet sie „Après-Ski und Chöre sind die Corona-Virenschleudern Österreichs“. und steht bei nzz.ch Aber die Kernaussage wird nicht nur für Österreich gelten.

Im Text stehen ein paar Hinweise zur Übertragung des Coronavirus.

Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hat Übertragungen untersucht und laut Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Öffentliche Gesundheit, sind die ausschlaggebenden Faktoren Nähe und lautes Sprechen oder Singen

nzz.ch: Die Behörden betreiben mit grossem Aufwand Contact-Tracing – Aus den Analysen des ersten Sars-CoV-2-Clusters in Bayern konnten die Forscher von der München Klinik Schwabing und der Charité Berlin den Risikokontakt definieren: Wer mit einer infizierten Person im Abstand von weniger als 1,5 Metern länger als 15 Minuten geredet hatte, der war einem sehr hohen Risiko ausgesetzt, selbst das neue Coronavirus zu bekommen.

Was ja auch zur Situation in Bars und Clubs passt, wo man lauter reden muss und auch länger als eine Viertelstunde da ist. Und es passt auch zu dem Kirchenchor in den USA. Da waren 45 von 60 Mitgliedern nach einer zweistündigen Probe infiziert.

Die Ursache des Coronavirus. ;-)

Ich warte ja auf die Postillon-Schlagzeile:

Frankfurter Lehrer gibt zu: Ich bin schuld an Corona – „Und dabei hatte ich vor den Weihnachtsferien zum Fritzchen nur gesagt, bei seinen vielen 5ern müsse schon ein Wunder passieren, wenn er ins nächste Schuljahr versetzt werden will.“ Der Pädagoge beteuert, dass er nicht habe ahnen können, dass Fritzchen zu zig Religionen konvertiert, hunderte von Gebeten losschickt und auch vor obskuren Beschwörungsritualen nicht haltmacht.

Echo online: Hessen schafft Sitzenbleiben wegen Corona zeitweise ab

Ischgl, Coronavirus und Prävention – „There is no Glory in Prevention“

Die Coronavirus-Katastrophe zeigt mir, dass man irgendwie Menschen, die kein sicheres Angestelltengehalt bekommen und auf – ich sag‘ mal – Provisionen angewiesen sind, dafür belohnen müsste, dass sie die Bremse ziehen, wenn denen klar wird, dass was schief laufen wird, wenn sie weitermachen.

Ich denke da an Ischgl in Tirol, wo es wohl am 6. März Coronavirus-Warnungen gab (Unfortunately last night I found about the 10 confirmed Corona cases in Iceland).

Die dann aber anscheinend ignoriert wurden, vermutlich weil bei einem Saisongeschäft jeder Tag zählt. Und da viele Menschen mit exponentiellen Wachstum nicht klar kommen, kann man die Folgen nicht überblicken.

FAZ: Der Filz von Ischgl – Erst eine halbe Woche nachdem ein Barkeeper positiv auf Corona getestet worden war, wurde das Lokal geschlossen.

Nun hat aber ein Wirt nichts von, wenn er auf den Verdacht hin, das einer seiner Mitarbeiter eine Virenschleuder ist, seinen Laden schließt. Und der Kellner, der vermutlich auch die Trinkgelder hofft, verdient halt deutlich weniger, wenn er sich krank meldet. Und dann sind da noch die Touristen, die auf die offizielle Ansage bzw. Absage warten («Wir hatten bis Freitag gebucht und hätten ungern einen Teil des Geldes umsonst investiert.»)

Tja. Wer ab- oder „Nein“ sagt, hat nichts davon. Denn am Ende war dann nichts. Weil sich in der Folge nichts ausbreiten konnte. „There is no Glory in Prevention“ – kein Ruhm durch Vorsorge.