„Sehen eine adäquate und kritisch begleitende Berichterstattung als gefährdet“

Sehr geehrter Herr Dr. Bach,
sehr geehrter Herr Englisch,
mit großem Bedauern haben wir die in Ihrem Hause eingeleiteten Konsolidierungsprozesse zu Kenntnis genommen. Sicher steht uns kein Urteil über das
Erfordernis der beschlossenen Maßnahmen zu. Umgekehrt steht den Medien
jedoch ein Urteil über unsere Arbeit zu. Und das ist auch gut so! In den vergangenen Jahren hat sich eine rege politische Meinungsbildung, nicht zuletzt
aufgrund Ihrer Presseberichterstattung, in unserer Stadt entwickelt.
Wir schätzen die Arbeit der Redakteurinnen und Redakteure des Darmstädter
Echos wert, denn die Pressefreiheit garantiert eine freie Meinungsbildung und ist damit Teil unseres demokratischen Grundverständnisses. Mit der Einschränkung
Ihres Angebots durch eine drastische Reduzierung der Mitarbeiter und eine
Zusammenlegung der Lokalredaktionen von Stadt und Landkreis sehen wir eine
adäquate und kritisch begleitende Berichterstattung als gefährdet an. Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, die geplanten Maßnahmen nochmals zu überdenken.


Die Fraktionsvorsitzenden des Weiterstädter Stadtparlaments und der Bürgermeister haben einen Brief an die Geschäftsführer des Medienhauses Südhessen geschrieben. Sie bitten darum die Sparmaßnahmen nochmal zu überdenken. Der Brief war im öffentlichen Teil der Parlamentssitzung am 5. Februar und wurde zur Kenntnis genommen.

Allerdings entscheiden das jetzt inzwischen andere, da das Echo ja an die Verlagsgruppe Rhein Main verkauft wird.

Die Karlsruher Straße

Der Kollege schreibt in der Serie über Darmstädter Straßen über die Karlsruher Straße.

Echo Online: Fünf Kilometer, an denen keiner wohnt Der einzige Zweck dieser Straße ist tatsächlich, Autos eine Bewegungsfläche zu bieten. Gegebenenfalls auch Zweirädern. Aber das sind hier exotische Vehikel; man hält ein wenig den Atem an, wenn man mit Tempo hundert an ihnen vorbeisaust.

Man hält auch auf dem Fahrrad den Atem an, wenn man – was ausdrücklich erlaubt ist – auf dem Seitenstreifen entlangradelt und laufend von Autos überholt wird, die mindestens 80 Kilometer pro Stunde schneller sind. Denn man kan dort auch nicht wenden oder abbiegen und durch den Wald weiter fahren. In der Mitte ist eine Leitplanke und an den Seiten entweder eine Lärmschutzwand oder der Graben mit der Rhein-Neckar-Eisenbahn.

Dreimal bin ich da mit dem Rad lang gefahren, weil ich schnell von der Heimstättensiedlung zum Eberstädter Bahnhof wollte. Das erste, einzige und das letzte Mal. Andere sind da mutiger.

Wenn Satire konkret wird: Soviel „Charlie“ ist nach einem Monat beim Berliner Senat übrig

Aktuell meldet das Blog „Metronaut“, dass es zwei Abmahnungen wegen satirischer Olympia-Plakate bekommen habe: Doppelt abgemahnt wegen Satire-Olympia-Motiven.

Nachtrag: Die Bilder sind wieder online, das Blog sieht diese als zulässige Satire.

Das Blog hatte vermutlich Olympia-Motive von 1936 mit dem Logo und Claim der aktuellen Pro-Olympiakampagne gemixt. Einen Eindruck davon gibt es noch beim Tagesspiegel.

Eine Abmahnung ist angeblich von Land Berlin, schreibt Metronaut:

Um 17:34 folgte dann die Aufforderung des Landes Berlin und des Senats auf Unterlassung der Weiterverbreitung des Artikels mit den satirischen Plakatmotiven.

Soviel ist von „Charlie“ also bei den politisch Verantwortlichen nach ziemlich genau einem Monat übrig, wenn Satire mal (und ja, vielleicht geschmacklos) konkret wird. Und nicht gegen Araber oder Moslems geht.

Und heute morgen twitterte ich noch halb im Scherz: Sind Events, die wie Olympia Spezialgesetze brauchen, überhaupt seriös?

Ich dachte da an das Olympiaschutzgesetz (haben wir), die Steuerbefreiung (wie in London) oder die ganzen Volunteers, die für wenig Geld einen millionenschweren Verein unterstützen.

Telepolis vom 14.7.2012: London wird während der Olympischen Spiele zu einer Steueroase Dem Staat entgehen so über 600 Millionen Pfund an Steuern, wovon Unternehmen, der IOC, Organisatoren, Medien und Athleten profitieren

Ich denke beim Olympiaschutzgesetz immer noch an das was dem Saftblog 2006 unverhofft passierte, weil es ganz unsatirisch einfach Obst in der Form der Olympischen Ringe abgebildet hatte.

„heute-show“, Zeitung und der Einfluss auf den Zusammenschnitt

Ironie der Sache. In gleichen „heute-show“ mit dem durch den Schnitt komplett umgedrehten Zitat, sagt ein AfD-Mitglied (ab 1Min 34sek)

„heute-show“ über den AfD-Parteitag: „Ich kann Ihnen antworten, wenn ich auf den Zusammenschnitt, den Sie machen, auch Einfluss habe“.

Ausgelagert in den Ausschuss und von dort vorverlegt an einen geheimen Runden Tisch

Einen indirekten Kommentar zur Weiterstädter Kommunalpolitik konnte ich mir in meinem heutigen Artikel über das 5-Millionen-Euro-Haushaltsloch ja nun nicht verkneifen. Nicht zu den fünf Millionen Euro, die sind eine Gewerbesteuerrückzahlung, da kann keiner was dafür. Aber zum geplanten Runden Tisch zum Thema Finanzen.

Echo online: „Wir werden die Notbremse ziehen müssen“Interfraktionellen Treffen gab es auch im Vorfeld des Haushalts für 2015. (…) Am Runden Tisch waren intern wesentliche Punkte wie die Grundsteuer B-Erhöhung vereinbart worden, sodass es im Parlament und zuvor im Haupt- und Finanzausschuss eigentliche keine öffentlich geführte Haushaltsdebatte gab.

Ein wenig hatte ich mich nämlich Ende 2014 schon gewundert. dass es zum Weiterstädter Haushalt 2015 keine große Haushaltsdebatte und Anträge gab, das ein oder andere Projekt doch abzuplanen. Es gab lediglich eine Unstimmigkeit bei der Grundsteuer A-Erhöhung. Aber bis zur Parlamentssitzung war das auch geklärt und der Haushalt wurde bei nur einer Gegenstimme verabschiedet.

Wie ich dann feststellte, hatte es eben vor der öffentlichen Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss zwei Runde Tische zu den Kommunalfinanzen gegeben, zu denen Fraktionsvertreter und die Verwaltung zusammengekommen waren. Nicht-öffentlich. Und es war offenbar ein Konsens gelungen, sonst wäre das im Ausschuss und im Parlament ja ganz anders zugegangen.

Klar, man wird nicht alles immer auf dem Marktplatz verhandeln, aber da frage ich mich dann doch, wozu man dann noch öffentliche Ausschussitzungen Haushaltsberatungen nennt, wenn man die eigentlichen Beratungen in eine interne Runde vorverlagert?

Der bescheidene Udo Lattek

Ich bin jetzt ja nicht so der Fußballfan, aber eine Geschichte zum am 1. Februar 2015 verstorbenen Udo Lattek habe ich jetzt gar nicht gelesen.

Ich erinnere mich noch, als er in den 80ern Trainer bei Bayern München war und die Bayern während der Saison 1985/86 gar nicht nicht auf Platz 1 standen. Da wurde er im „Aktuellen Sportstudio“ gefragt, wann er denn wieder mit den Bayern an der Tabellenspitze stehen wolle? Und er so: Och, das reiche am letzten Spieltag.

Und so war es dann auch.

Karnevalartikel mal ein bisschen anders

Ich finde es ja schwierig über Karnevalssitzungen zu schreiben. Die haben über ein Dutzend Nummern und ich so zwischen 100 und 120 Zeilen Platz. Also jede Nummer 10 Zeilen und fertig? Das kann es auch irgendwie nicht sein.

Also guckte ich mal beim KV Weiterstadt auf die Jugendarbeit, um den Artikel über die Sitzung zu ergänzen. Der KVW ist ein eigener Verein und keine Abteilung eines größeren Sportvereins und hat fünfeinhalb Jugendgruppen.

Denn der auf Feierstunden gerne betonte Wert der Jugendarbeit ist keine Phrase, wie ein Blick auf den Darmstädter Carnevalclub (DCC) zeigt. Der DCC hatte nämlich angekündigt, seine Damen- und Herrensitzungen mangels Jugend einzustellen.

Echo online: Die letzten Büttenreden beim DCC

Dafür waren zugebuchte Gruppen dabei – die aber auch wieder sehr gut, wie beispielweise das Tanzcorps Rot-Weiße Funken Frickhofen (Landkreis Limburg-Weilburg). Überwindet die Abneigung gegen Gardetanz und guckt euch den Sprung der zwei Dutzend Frauen bei 1:29 im Video an. Das kann nicht jede Garde.

Die DCC-Stärken lagen bei ihren Protokollen und die für ihren Spott berüchtigten DCC-Singers mit gut geschriebenen Texten. Und die werden fehlen.

Zurschaustellung von Hilflosigkeit wird bestraft

Das Fotorecht ist geändert worden.

Mit einem neuen Absatz im § 201a im Strafgesetzbuch sollen bloßstellende Fotos verhindert werden:

Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt.

Natürlich gibt es ein paar Einschränkungen bei

Handlungen, die in Wahrnehmung überwiegender berechtigter Interessen erfolgen, namentlich der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dienen.

Aber darüber wird man vermutlich im Einzelfall vor Gericht streiten müssen/können/dürfen.

Rechtsanwalt Thomas Stadler findet, dass das Gesetz übers Ziel hinausschießt

Via rechtambild.de.

Kranichstein: Kunst im Bau

Wer bei der Gemeinnützigen Haftpflicht-Versicherungsanstalt (GHV) in Kranichstein Aufzug fährt, verpasst was. Denn das Treppenhaus ist Ausstellungsraum – und der Aufzug auch nicht der schnellste.

Die Versicherung hatte über 60 „agri cultura“-Ausstellungen organisiert und stellt nun die Werkedauerhaft in ihrer Verwaltung aus.

Echo online: Kinderzeichnungen erinnern an den Anfang – Gemeinnützige Haftpflicht-Versicherungsanstalt zeigt in Bartningstraße ihre Sammlung

Die GHV ist „Versicherer für Land und Leute“ und hat ihre Schwerpunkte unter anderem in Land- und Forstwirtschaft, Handel und Handwerk, bei Tierhaltern, Privatkunden, Bauherren und Grundstückeigentümern.

Metaebene: Lokalteil, heikel und nicht heiter

Der Darmstädter Sportdezernent und Bürgermeister Rafael Reißer fordert die Sportvereine zur Kooperation auf. Eine Kollegin hat konkret bei drei Vereinen in und nahe Kranichstein nachgefragt, wie das denn so aussieht mit der Zusammenarbeit. Kurz: Schlecht.

Echo Online: Die Vertrauensbasis ist nicht vorhanden – DJK/SSG, SV Blau-Gelb und TG 1875 sind nicht zur Kooperation bereit

Jetzt die Metaebene: Im Lokalen können meiner Erfahrung nach solche Artikel mit Blick auf Reibereien zwischen Vereinen ganz schnell heikel werden. Da kann man noch so fair schreiben, am Ende kann ein Verein glauben, als „der Böse“ rüber zu kommen, und man hat als Journalist einen Feind fürs Leben.

Da man sich ja im Lokalen laufend wiedersieht, kann das blöd sein.

Ich schrieb mal vor vielen Jahren was über die Hauptversammlung des Sportvereins A (keiner der drei oben erwähnten). Am nächsten Tag wollte Verein B – der auf der A-Versammlung auch kritisch erwähnt worden war – seine Version der Geschichte gedruckt haben. Verein B vermutete in seiner Mail an die Redaktion auch gleich Konspiration meinerseits, Weiterlesen