Nur SPD und Uwiga für Ortsbeiräte

Dienstag (16.) war der Uwiga-Antrag zur Ortsbeirateinrichtung im Stadtparlament. Vor vier Jahren war ein ähnlicher Antrag noch von der SPD abgelehnt worden, jetzt – in der Opposition – stimmte die SPD für den Antrag. Aber da die grün-schwarze Koalition sowie Uffbasse, Linke und FDP den Antrag ablehnten, kam er nicht durch.

Echo Online: Keine weiteren Ortsbeiräte – Uwiga scheitert erneut mit ihrem Anliegen – Bürgerjurys vom Tisch

Zu dem Thema hatte ich mir im Oktober schon meine Gedanken gemacht: Stadtteilfonds, Bürgerjurys – und dann doch Ortsbeiräte?

Kein „wat is en Dampfmaschin?“ – Energieunterricht an der Wilhelm-Leuschner-Schule

Gut, dass die Zehntklässler von heute nicht mehr – oder noch nicht – den Heinz Rühmann-Klassiker „Die Feuerzangenbowle“ kennen. Sonst wäre in der Energieunterrichtsstunde am Mittwoch laufend „Also, wat is en Dampfmaschin?“, „Da stelle mehr uns janz dumm“ oder „Jeder nor einen wenzigen Schlock“ aus dem Film von 1944 zitiert worden.

Denn die Umweltpädagogin hatte eine kleine Dampfmaschine mitgebracht. Mit der erklärte sie, wie im Prinzip ein Kohlekraftwerk funktioniert. Allerdings wird die Dampfmaschine mit Esbit-Stäbchen befeuert. Aber es wird wie im großen Original Wasser heiß gemacht und mit dem Dampf eine Turbine angetrieben, die wiederum Strom durch elektromagnetische Induktion erzeugt.

Nebenbei: Als ich als Kind erfuhr, dass es in einem Atomkraftwerk ähnlich läuft – mit der Hitze der Brennstäbe wird Wasser heiß gemacht – war ich ja etwas enttäuscht, dass da keine Atome den Strom erzeugen. So gesehen ist Photovoltaik da die direkteste Methode, da dort der Strom aus den Solarzellen kommt.

Echo Online: Die Dampfmaschine erklärt alles Und ich konnte das machen, was ich ganz gerne mache: Den Artikel mit Hintergrund anreichern, denn wer hat denn gerade mal eben Wirkungsgrade von Kraftwerken parat oder kann was zu der Ahnung sagen, dass die Ölvorräte doch seit Jahrzehnten für 40 Jahre reichen?

Echo Online: Wirkungsgrade und „statistische Reichweite“ der Ölreserven

Die Umweltpädagoginnnenstunde war ein Angebot der Entega und der Deutschen Umwelt-Aktion. Die HSE-Tochter will damit sicher auch auf ihren Ökostrom hinweisen. Entega-Ökostrom aus Photovoltaik kommt aus einem französischen und drei deutschen Solarparks, Strom aus Wind aus sechs Anlagen in Frankreich, einer in Polen, sieben deutschen Windparks, darunter ist auch der Offshore-Windpark „Global Tech 1“ in der Nordsee. Biogasanlagen stehen in Wixhausen, Semd, Lorsch und Tagewerben (in Sachsen-Anhalt). Geothermieanlagen stehen in Heubach bei Groß-Umstadt und in Mörfelden-Walldorf.

Die Entega und ihre Konzernmutter HSE vermitteln Unterrichtseinheiten zu verschiedenen Energiethemen. Die HSE kooperiert dabei mit der Deutschen Umwelt-Aktion.

Die Darmstädter Version des Hauptmann-von-Köpenick-Dilemmas?

Jetzt konnte ich tatsächlich eine relativ alte, selbst erlebte Geschichte verkaufen, weil sie gestern im Stadtparlament einen neuen Dreh bekam:

Vor einigen Jahren bettelte ein Mann mit einer Gitarre Gäste vor dem Café „Salve“ an. Er brauche etwas Geld, damit er die Genehmigung bezahlen könne, um auf der Straße spielen zu dürfen. Das klang natürlich sehr nach einer Hauptmann-von-Köpenick-Varinante (kein Geld für die Gebühr, keine Erlaubnis zum Spielen, keine Einnahmen, kein Geld für die Gebühr, …), also bekam er ein paar Euro.

Ich fragte damals beim Ordnungsamt nach, ob das mit der Gebühr stimme – nun, es stimmte nicht. Aber bald wird es wahr.

Echo Online: Straßenmusiker müssen künftig fünf Euro zahlen

Weiterstadt und Braunshardt wieder verbunden

Ein Radfahrer fährt durch die Unterführung Forststraße, die Braunshardt mit Weiterstadt verbindet.

Der Bahnübergang Forststraße ist nach eineinhalb Jahren Bauzeit zu einer Unterführung geworden.

Echo Online: Unterführung Forststraße ist fertig – Nach gut eineinhalb Jahren Bauzeit ist die Verbindung zwischen Weiterstadt und Braunshardt wieder offen. (Chronologie) Damit ist der Bahnübergang mit Schranken zu einer Straße unter der Bahnlinie durch geworden. Der Bau ist nicht nur eine kosmetische Baustelle gewesen, seit den neunziger Jahren waren an dem damaligen Bahnübergang mehrere Menschen tödlich verunglückt.

Am 4. Mai 1998 war es die Schülerin Esther Seifert. „Unsere Tochter war bei der Jugendstunde beim Jugendrotkreuz“, schilderte ihr Vater Hans-Gunther Seifert. „Auf dem Gepäckträger ihres Fahrrades hatte sie das Anmeldeformular für die Pfingstfreizeit.“ Esther Seifert wäre dieses Jahr 28 Jahre alt geworden.

Der Schatz von Kranichstein – Die DKP blickt auf die „Soziale Stadt“-Förderung

Die „Neue Mitte“ in Kranichstein war das letzte große Projekt des Städtebauprogramms „Soziale Stadt“ in Kranichstein.

1,3 Millionen Euro kostete die „Neue Mitte„, ein Platz in der Kranichsteiner Bartningstraße, der infolge von zwei Planungswerkstätten mit Bürgern und Einrichtungen entstanden war.

In ihrem aktuellen „Blickpunkt Kranichstein“ (PDF, 1,3MB) schreibt die DKP dazu

1,3 Millionen Euro in Beton gegossen – Bei der Besichtigung des Boulevards breche ich in spontanen Jubel aus. Da haben sich die Stadtplaner wirklich was nettes für uns ausgedacht. Sofort mache ich mich auf die Suche nach dem vergrabenen Schatz. Irgendwo müssen die 1,3 Millionen ja liegen. Oder habe ich da was falsch verstanden?

Sonntag (7.) hatte die DKP dann zu einer kleinen Begehung eingeladen. Echo Online: Kritik der Kommunisten an der „Sozialen Stadt“ – „Viel Geld in Beton investiert“: DKP-Mitglieder bemängeln bei Rundgang den Umgang mit Fördermitteln

Rund 7,5 Millionen Euro stecken über das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ in baulichen Maßnahmen in Kranichstein, in Eberstadt sind es um die 7,7 Millionen Euro.

Wo – ich nenne es mal – der „Schatz von Kranichstein“ vergraben ist, haben sich die Genossen (vielleicht unbemerkt) selbst beantwortet. Weiterlesen

Zeitzeugin in der Hessenwaldschule

Die Zeitzeugin Lilo Günzler (82) sprach am Mittwoch (3.) in der Hessenwaldschule.

„Ich hatte Angst. Angst, dass die Mama wieder so schrecklich weint.“ Am Mittwoch schilderte die Zeitzeugin Lilo Günzler in der Gräfenhäuser Hessenwaldschule, wie sie als Kind 1938 mit ihrer Mutter die brennende Frankfurter Synagoge am Börneplatz sah. Da merkte sie als Fünfjährige, dass Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland verfolgt wurden. Nur war das Judentum in ihrer Familie (ihr Vater war katholisch) nicht gelebt worden, sie kannte den Begriff gar nicht.

Lilo Günzler, die später Erzieherin wurde, schilderte Bombennächte und wie Frankfurter Juden, darunter ihre Mutter und ihr (Halb)bruder ins KZ Theresienstadt deportiert wurden. Die Pläne, wer von denen weiter transportiert und im KZ Auschwitz ermordet werden sollte, waren schon fertig. Nur hatte die Rote Armee das Vernichtungslager zuvor, am 27. Januar 1945, befreit.

Echo Online: Blick in die Hölle – Die 82 Jahre alte Lilo Günzler spricht an der Gräfenhäuser Hessenwaldschule über ihre Kindheit in der Nazizeit

Was ich auch noch unglaublich finde: Die Deportationen fanden noch im Februar und März 1945 statt. Da standen die Alliierten schon im Westen und im Osten auf Reichsgebiet und Deutschland vor der militärischen Niederlage.

Im Westen haben die Alliierten Mitte Februar 1945 die Reichsgrenze bei Aachen und den Vogesen überschritten, im Osten steht die Rote Armee nicht mehr weit weg von Berlin.

Das Bürgerhaus Braunshardt und die Kosten

Eine Weiterstädter Frage, die ich mal in einem Artikel angehen wollte, hat sich am Donnerstag (4.) selbst beantwortet: Wer in der Politik ist eigentlich für und wer ist gegen das Bürgerhaus Braunshardt? Denn ich hatte so ein paar Meinungen mitbekommen und dachte, dass ich da mal nachfragen müsste.

Politisch gibt es nun eine Antwort: Die CDU blickt auf die Haushaltslage und ist angesichts des knappen Etats dagegen, ein Bürgerhaus zu bauen.

Echo Online: Kritische Stimmen zum BürgerhausWas die Bürgerhäuser kosten

Echo Online, 27.10.2014: Weiterstädter Bürgerhäuser unter der Lupe – Betrieb der drei Gebäude kostet jährlich rund 643.000 Euro

Echo Online, 25.8.2014: Seit Jahren wird in Etappen am Weiterstädter Bürgerzentrum gearbeitet

Ahnungslose Busfahrer finden ihr Ziel dann doch

Dass Busunternehmen ihre Fahrer nicht unbedingt in die Motoreinstellungen (z.B. für Stadt- oder Überlandverkehr) einweisen, wurde mir mal erzählt – damit die sie halt nicht verstellen.

Das man den Fahrern aber nichtmal sagt, für welche Kunden und welche Tour gebucht sind, fand ich gestern dann doch etwas seltsam.

Ich sollte über die „Jobtournee“ berichten (Studierende und Absolventen treffen neun Unternehmen an ihren Standorten). Treffpunkt war um 10.30 Uhr am Hauptbahnhof, aber um 10.15 Uhr war noch niemand zu sehen. Es war kalt und es waren schon ein paar andere Studenten da, die draußen frierten und nicht wussten wohin, da noch keine „Reiseleitung“ da war.

Aber dafür gab es zwei Busse (ich wusste, dass es drei Busse sind) mit den Nummern „1“ und „2“ in den Fenstern, die für die Rundfahrt ganz geeignet erschienen. Ich fragte die beiden Fahrer, ob sie für die „Jobtournee“ fahren – und die wussten von nichts, aber so gar nichts; sagten sie jedenfalls (ja, sie konnten perfekt Deutsch).

Aber als es dann um 11 Uhr losging, stiegen wir in genau diese Busse ein – und kamen auch ans Ziel.

Ein dreifach ungewöhnlicher Prozess

1. Wenn man jemanden überfällt, dann beraubt man in der Regel nicht den Ex-Schwager. 2. Ein Angeklagter wird selten von der Verhandlung ausgeschlossen, weil er zu sehr stört. Und bei der Richterin war es sogar das erste Mal in 20 Jahren. 3. So ein krummes Strafmaß hatte ich bisher noch nicht: Drei Jahre, sechs Monate und zwei Wochen. Die zwei Wochen stammen aus einer frühren Geldstrafe, die mit ins Urteil einbezogen werden musste.

Echo Online: Schwager überfallen – Mehr als dreieinhalb Jahre Haft für Angeklagten

Der Förderverein, der als Kerbverein angefangen hat

Echo Online: Der Förderverein Kranichstein wird dieses Jahr 25 Jahre alt. Er veranstaltet die „Bunte Wiese“ und ist Keimzelle vieler Projekte

Übrigens: Ein Bild, dass der Fotograf André Hirtz von der „Bunten Wiese“ im Mai gemacht hat (und mit meinem Text, *trittbrettfahrbeimruhm*) wurde als eines der besten „Presse-Fotos Hessen-Thüringen 2014“ ausgezeichnet