„So einfach war es eben nicht“ gestern im Amtsgericht

„So einfach war es eben nicht“, steht auf der Wand im Saal 18 des Darmstädter Amtsgerichts. Wo am Donnerstag ein eigentlich kleines Verfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung stattfand. Aber weil es eben doch nicht so einfach war, konnte das Urteil – Freispruch wegen Schuldunfähigkeit- erst nach acht Stunden verkündet werden. Unter anderem auch weil die Angeklagte gern ausführlich spricht und, selbst wenn sie Fragen stellt, sich in Monologen verliert und abschweift. Selbst ihr Anwalt sagte im Prozess, dass sie „lang formuliert und vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt“.

Die Angeklagte war die Riedstädterin, die Darmstädter, Stadt und Polizei als die Frau kennen, die die Tauben in der Innenstadt füttert. Was laut Darmstädter Satzung verboten ist, was aber die Angeklagte bestreitet, weil aus ihrer Sicht die Satzung nicht gültig ist. In dem Prozess ging es eigentlich nicht ums Füttern, sondern darum, dass die Angeklagte beim Füttern einen Passanten angegriffen haben soll.

Echo online: Freispruch wegen Schuldunfähigkeit

Der Prozess gestern war auch ein Beispiel, wie etwas nicht so läuft wie gedacht. Ein Zeuge sollte gestern zugunsten der Angeklagten aussagen Weiterlesen

So kapert man eine Wahlveranstaltung

Auch nicht schlecht: Auf einer Wahlveranstaltung der Linken dafür werben, die Grünen-Direktkandidatin zu wählen.

Aber etwas dreist war die Begründung: Damit es die CDU-Bewerberin nicht direkt in den Landtag schaffe.

Die Umfragen zu den Direktkandidaten in Darmstadt-Nord sehen nämlich bei den Erststimmen Grüne und SPD vorne – und die CDU auf dem dritten Platz.

Demo für die Wälder auf dem Luisenplatz

„Auch 200 Hektar sind ein wertvolles Biotop.“ (Ernst-Ludwig Becker, BUND Darmstadt)

Am Samstag wurde auf dem Luisenplatz für den Erhalt des Hambacher Forstes demonstriert, aber auch auf den Darmstädter Westwald geschaut.

Echo online: „Der Wald soll bleiben“

In der Vorbereitung zu dem Termin hatte ich zum Hambacher Forst ja einiges nachgeguckt. Und habe dann umgerechnet wie viel 200 Hektar – soviel ist von dem Hambacher Wald noch übrig – sind. Da war ich dann doch überrascht, denn 200 Hektar sind zwei Quadratkilometer. Das habe ich dann mehrmals nachgemessen (Google Maps kann auch Flächen ausrechnen), auch auf einer Website zum Hambacher Forst, da mir das so wenig schien. 200 Hektar, das ist zweimal das Merck-Werksgelände oder der Osten Bessungens zwischen Heinrich und Klappacher Straße und zwischen Heidelberger und Nieder-Ramstädter Straße.

Größte Überraschung war für mich, dass das Fürstentum Monaco auch nur 200 Hektar groß ist. Dass das kleiner als Darmstadt ist, hätte ich nicht gedacht.

Was allerdings nicht stimmt, war ein JPG aus dem Internet (nicht auf der Demo!), auf dem behauptet wurde, dass der Hambacher Wald 12.000 Jahre alt sei. Dazu hatte der Bonner Geobotanik-Professor Wolfgang Schumacher im Kölner Stadtanzeiger gesagt: „Vor 12.000 Jahren war im Hambacher Forst nichts als Tundra. Das richtige Alter dürfte bei 4000 bis 5000 Jahren liegen.“ Auch sei der Wald nicht der letzte große Mischwald.

Solche falschen Infografiken ärgern mich. Denn wenn man die Verbreiter dann darauf anspricht, dann kommen sie oder ihre Freunde gerne mit der „guten Sache“, dass das doch ein Anstoß zum Nachdenken sei oder gar „nur witzig gemeint“ sei. Auf der anderen Seite wird jedoch über Fake News gestöhnt und auf eine angebliche Lügenpresse geschimpft. Aber mal fünf Minuten googlen (so lange dauert das, ich habe das mal in meiner Browserhistory nachgeguckt), bevor man sowas „teilt“, ist dann doch zu viel. Und was ist, wenn der politische Gegner mit der „guten Sache“, „witzig“ und „Denkanstoß“ argumentiert?

Lincoln-Siedlung mal wieder in der Mitte vom ÖPNV abgeklemmt

Die in den Herbstferien geschlossene Haltestelle LIncoln-Siedlung aus dem daran vorbeifahrenden Ersatzbus fotografiert.

Das Mobilitätskonzept für die Lincoln-Siedlung hat ja einen Preis gewonnen. Daher finde ich es jetzt ja schon interessant, dass auf einen „wesentlicher Baustein“ (so die Stadt Darmstadt) des Konzepts mal eben verzichtet werden kann. Ich rede von der Haltestelle Lincoln-Siedlung, die bislang jedesmal wegfällt, wenn Bahnen anstelle von Bussen fahren müssen.

Wissenschaftsstadt Darmstadt: Wesentliche Bausteine
(…) Bau einer neuen Straßenbahnhaltestelle in Höhe des Quartiersplatzes, bereits zu Beginn der Quartiersbesiedlung (…)

Das war in den Sommerferien der Fall und jetzt wieder. Weil auf der Gleistrasse gebaut werden muss und daher Busse statt Bahnen fahren müssen.

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass es doch kein Problem sei zu den Haltestellen Landskronstraße oder Marienhöhe zu laufen. Klar, das geht. Nur warum ist woanders Laufen dann ein Problem – wenn es um die Straßenbahn zur Lichtwiese geht? Da ist es Studierenden nicht zuzumuten, dass die von der GBS aus zur Lichtwiese laufen. Ok, in Lincoln sind es um die 550 Meter, an der Lichtwiese etwa ein Kilometer.

Wenn die Haltestelle aber jedes Mal stillgelegt und „überfahren“ wird (es gibt keinen Ersatzhalt in der Lincoln-Siedlung), wenn auf der Gleistrasse zwischen Luisenplatz und Haltestelle Frankenstein Bauarbeiten notwendig sind, dann kommen mir Zweifel. Entweder am Sinn der Haltestelle, am Wert des Mobilitätskonzepts oder der Preiswürdigkeit des Konzepts. Und natürlich, warum man dort eine Million Euro für die Haltestelle ins Gleis gesetzt hat, wenn man auf den Halt so locker verzichten kann, wie es inzwischen in den Sommer- und Herbstferien demonstriert wurde.

Echo online, 8. Dezember 2017: Lincoln-Siedlung – Neue Haltestelle bald in Betrieb – Rund eine Million Euro hat Heag-Mobilo mit Unterstützung des Landes Hessen und der Stadt Darmstadt investiert.

Und was ist das für ein Signal an die Bürger, denen man gesagt hat: ‚Lincoln wird ein autoarmes Quartier. Und damit das auch schön klappt, bauen wir Euch eine feine Haltestelle vor die Haustür.‘?

Was ich im Landkreis beobachten kann ist, dass ÖPNV zuverlässig vorhanden sein muss, damit die Menschen aufs Auto verzichten. Wenn es da nur leichte Schwankungen gibt, wird gleich wieder mit dem Auto gefahren – und das dann wieder für einige Jahre bis Jahrzehnte.

Zeitsturmradler, 27. Juni 2018: Bauarbeiten entfernen zeitweise „wesentlichen Baustein“ fürs Mobilitätskonzept Lincoln

Chemie-Nobelpreisträgerin Frances Arnold: „Wenn Ihr Professor sagt, Sie könnten über Wasser laufen, dann können Sie kommen.“

Ha, der aktuellen Chemie-Nobelpreisträgerin Frances Arnold hatte ich 2013 mal die Hand geschüttelt. Da war sie von Merck mit der Emanuel-Merck-Lectureship ausgezeichnet worden und hielt einige Vorlesungen in Darmstadt.

Vor einigen Jahren hatte Frances Arnold auch mal die Wella-Dependance in Kalifornien beraten, es ging um Haarfarben und darum, wie man unter möglichst milden Bedingungen Enzymreaktionen ablaufen lassen könne.

Allerdings machte die Pionierin der „gerichteten Evolution“ beim Pressetermin 2013 an der TU Darmstadt auch ihre Ansprüche an Wissenschaftler deutlich und dass sie sich die Mitarbeiter aussuchen könne. „Wenn Ihr Professor sagt, Sie könnten über Wasser laufen – und ihr Aufenthalt ist finanziert – dann können Sie kommen.“

Was soviel bedeutet wie, man muss sehr gut sein und sein Geld mitbringen, beispielsweise indem einen die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert. Und das Budget der ‚Arbeitsgruppe Arnold‘ wird nicht belastet.

4 Minuten 37 – Leilas Dilemma

Leila (Inken Paland) betritt ihre Wohnung und bemerkt einen Einbrecher. Kameramann im Hintergrund ist Johannes Tran (Hochschule Darmstadt).

Da stand vergangene Woche im Hof der Nachbarschaft plötzlich Ausrüstung mit Filmkameras herum. Und dann kam noch ein Tisch mit Catering dazu, so dass ich dann doch mal fragte, was da gedreht wird. Und damit hatte ich sehr spontan einen Ortstermin bei einem studentischen Filmprojekt, zu dem ich so gut wie keine Anfahrt hatte.

Echo online: Dreharbeiten im Johannesviertel

Im Film „4 Minuten 37“ (das ist noch ein Arbeitstitel) geht es darum, darum, dass eine junge Frau (gespielt von Inken Paland) nach Hause kommt und einen Einbrecher bemerkt. Sie ruft die Polizei, kommt dann aber in ein Dilemma. Die 4 Minuten 37 sind die Zeit, die Leila hat, um sich zu entscheiden. Der ganze Film soll um die zehn Minuten dauern.

In Zeiten, in denen Filme mit iPhones gedreht und geschnitten werden, fragte ich Produzentin Katharina Hein (Uni Mainz) sowie Drehbuchautorin und Regisseurin Corinna Kranig (Hochschule Mainz/Sorbonne), warum denn mit „richtigem“ Equipment gearbeite wurde. Aber das ist relativ einfach, erklärten die beiden. Mit professioneller Beleuchtung hat man das Licht unter Kontrolle, im Treppenhaus ist es etwas zu duster und das Licht, das aus der Wohnung kommt, sieht dann auch besser aus. Und bei einer Kamera mit großem Sensor kann man besser mit Schärfe und Unschärfe im Bild arbeiten.

Der Film soll dann bei verschiedenen Festivals eingereicht werden, unter anderem auch für Weiterstadt.

Da auch studentische Filmprojekte Geld kosten, haben die Macherinnen ein Crowdfunding eingerichtet: https://www.startnext.com/4minuten37.

Falsche Polizistin wegen Betrugs verurteilt


Auch wenn der sogenannte „Polizistentrick“ auf den ersten Blick wie eine Masche kleiner Krimineller aussieht, so ist er organisierte Kriminalität. In dem Prozess vor dem Amtsgericht Darmstadt erfuhr man heute, dass die Organisatoren ein Callcenter in der Türkei betreiben, von dem aus in Deutschland Senioren angerufen werden. Die Anrufer behaupten, sie wären von der Polizei.

Und schaffen es dann ihre Opfer so zu verunsichern, dass diese bereit sind, Geld und Wertsachen einem „Kollegen“ oder einer „Kollegin“ zu geben, damit der oder die diese sicher vor Einbrechern und korrupten Bankmitarbeitern „aufbewahrt“. Im Darmstädter Fall wurde behauptet, eine Kollegin käme vorbei, um die Sachen bei der Autobahnpolizei zu deponieren. Diese falsche Polizistin konnte dann aber von der richtigen Polizei verhaftet werden, weil die Geschädigte in Eberstadt beim zweiten Anruf der Bande misstrauisch geworden war. Der Schaden lag bei nur zwei Opfern bei rund 165.000 Euro – eines in Heidesheim und eines in Darmstadt.

Hessenschau.de/dpa: Falsche Polizistin muss ins Gefängnis

Die Sprecherin vom Polizeipräsidium Südhessen sagte mir, dass der Trick mit dem falschen Polizisten der Nachfolger des „Enkeltricks“ sei. Sie rät, dass die Menschen ihre älteren Angehörigen auf das Thema ansprechen und für die Masche sensibilisieren.

Die Anrufer schaffen es ihre Opfer durch geschickte Gesprächsführung so zu verunsichern, dass diese am Ende auch der echten Polizei nicht mehr glauben. Die Betrüger rufen dazu auch mehrmal an, geben sich als Richter und Staatsanwälte aus, und erhöhen so den Druck auf die Opfer. Zudem werden sie noch vor korrupten Polizisten gewarnt, so dass sie keinem mehr trauen. So geschehen im Februar im Taunus: Falsche Polizisten hatten einen 90-Jährigen so durcheinander gebracht, dass er auf echte Beamte schoss.

Die Polizei hat dazu ein paar Hinweise zusammengestellt:

  • Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten.
  • Die Polizei ruft Sie niemals unter der Polizeinotruf-Nummer 110 an. Das tun nur Betrüger. Sind Sie sich unsicher, wählen Sie die Nummer 110. Benutzen Sie dabei aber nicht die Rückruftaste, da Sie sonst wieder bei den Betrügern landen. Sie können sich aber auch an das örtliche Polizeirevier wenden. Erzählen Sie den Beamten von den Anrufen. Am besten ist, wenn Sie die Nummer Ihrer örtlichen Polizeibehörde sowie die Notrufnummer 110 griffbereit am Telefon haben, damit Sie sie im Zweifelsfall selber wählen können.
  • Sprechen Sie am Telefon nie über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen.
  • Geben Sie Betrügern keine Chance, legen Sie einfach den Hörer auf.
    Nur so werden Sie Betrüger los.
  • Auflegen sollten Sie, wenn
  • Sie nicht sicher sind, wer anruft.
  • Sie der Anrufer nach persönlichen Daten und Ihren finanziellen Verhältnissen fragt, z.B. nach Bargeld, Schmuck oder Wertgegenständen.
  • Sie der Anrufer auffordert, Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände herauszugeben, bzw. Geld zu überweisen, insbesondere ins Ausland.
  • Sie der Anrufer unter Druck setzt.
  • Sie der Anrufer dazu auffordert, zu Fremden Kontakt aufzunehmen, z.B. zu einem Boten, der Ihr Geld und Ihre Wertsachen mitnehmen soll.

Gewonnen :-)

Die Straßenbahn am Luisenplatz musste ganz schnell anhalten. Der Heag Mobilo-Heinerblick aus dem September 2018

Ha, ich habe einen Mini-Fotowettbewerb auf Facebook gewonnen. Die Heag Mobilo, die in Darmstadt Busse und Straßenbahnen betreibt, sucht jeden Monat ein Foto, dass mit ihren Fahrzeugen oder Einrichtungen zu tun hat (Heinerblick des Monats). Unter den eingereichten Bildern wird dann mit Likes abgestimmt. Und diesen Monat gefiel mein Bild den meisten. Weswegen es jetzt einen Monat lang auf den Displays in Bussen und Bahnen zu sehen sein wird.

In einer ersten Version hatte ich tagsüber eine abfahrende Straßenbahn auf der Nordseite des Platzes fotografiert. Aber es sieht besser aus, wenn die Bahn von links nach rechts „fährt“. Ok, das konnte ich auch durch spiegeln erreichen, aber ich wollte für den „Heinerblick“ ein Bild einreichen, bei dem man nicht groß was erklären muss. Wenn ich das Foto unten horizontal spiegele, wird der Ludwig auf der Säule Linkshänder und das Luisencenter steht auch falsch.

Der erste Entwurf für den Heinerblick.

Politik ist auch Mehrheiten zu organisieren

Tja, nun wurde die Lichtwiesenbahn mit einer Mehrheit (34 zu 31 Stimmen, bei 71 Stadtverordneten) doch von Darmstädter Stadtparlament beschlossen. Und einige fragen nun, warum die Opposition nicht ihre Leute zusammen bekommen hat?

Da gibt es ein paar Gründe: Man weiß man nicht sicher, ob sich der Aufwand lohnt, deswegen unbedingt zu kommen, es könnte ja sein, dass einige nicht mit ihrer Fraktion abstimmen (wie es bei der Lichtwiesenbahn jetzt ja war und schonmal war).

Zudem sind Stadtverordnete nicht hauptberuflich Stadtparlamentarier und nicht jeder kann sich für die Sitzung freinehmen. Im weiteren kam die Lichtwiesenbahn ja recht kurzfristig über den Oberbürgermeister auf die Tagesordnung. (Wir erinnern uns: Eigentlich sollte das Thema gar nicht ins Parlament.) Daher könnte es auch sein, dass einige aus beruflichen oder privaten Gründen nicht mehr umdisponieren konnten.

Und dann ist der der Druck, den eine Regierung und ihre Fraktionsführungen auf „ihre Leute“ ausüben können, viel stärker, als der den Fraktionsvorsitzende in der Opposition entwickeln können. „Willst Du etwa unsere Dezernenten beschädigen?“ „Du willst doch für Dein Thema auch unsere Mehrheit?“ etc. sind dann so die Fragen, die man gestellt bekommt, wenn man von der Regaierungslinie abweichen will. Und da das manchmal auch ein wenig wie eine kleine Familie für einige ist, macht man am Ende mit.