Alles richtig gemacht

Blogger Felix Schwenzel war bei einem Pressetermin der Fantastischen Vier und hat mit seinem Blogeintrag dazu offenbar den Bandleader vergrätzt:

smudo findet hier irgendwas unverschämt, nennt mich „journalist“ mit anführungszeichen und hashtagt wirres.net mit #TwenVorurteilsBlog. entweder hab ich irgendwas falsch gemacht oder irgendwas richtig.

Vermutlich hat Smudo einfach „Journalist“ mit „PRler“ verwechselt. Das macht aber nichts, dass passiert vielen Menschen.

Die glauben, das man alles was die reingeben, eins zu eins ins Blatt/Medium gewuchtet wird, an Stelle von „Pressemitteilung“ seinen Namen oder sein Kürzel drunter schreibt und dem einen neutralen Anstrich verpasst. Und wenn man es mal nicht macht oder was dazwischenkommt, sind sie beleidigt – oder ergehen sich in Verschwörungstheorien.

„Szenetypische Stückelung“

Na, da müssten sich doch jetzt einige Rechtsanwälte freuen, dass ich das mit der „szenetypischen Stückelung“ mal etwas kritisch aufgegriffen habe:

Szenetypische Stückelung ist ein – von Rechtsanwälten wegen seiner Unschärfe kritisierter – Ermittlerbegriff, der für viele kleine Geldscheine steht und auf Drogenhandel hindeutet.

Einschränkungen beim HDTV

heise.de berichtet über eingeschränkte Aufzeichnungsmöglichkeiten bei HDTV-Sendern:

Letztlich dient die Festplatte eines CI-Plus-Recorders damit nur noch als Timeshift-Puffer; eine Archivierung von HD+-Aufnahmen ist ausgeschlossen.

Macht nur so weiter liebe Anbieter, dann spare ich mir halt den Fernseher. Um ehrlich zu sein, wegen Arte, ARD und ZDF alleine lohnt sich die große bunte Lampe im Wohnzimmer nunmal für mich nicht.

Wenn das bei den Rundfunkgebühren so bleibt wie bisher, kann man für die eingesparte Gebühr auf jeden Fall DVDs der guten Serien ausleihen. Und das dann ohne Werbeunterbrechung.

Das letzte Feudalsystem

Ach ja, in der Schweiz ist es genauso übel wie ich es damals über deutsche Unis hörte. Was mich langsam erschreckt ist, dass das 2010 die gleichen Geschichten sind die ich von vor 15 Jahren kenne.

Tagesanzeiger (Schweiz) – „Die Uni ist ein Feudalsystem“: Kaum ein Tag verging ohne unbezahlte Überstunden. Einige Male muckste sie auf. Der Professor schrie sie dann an: Sie sei zu geldgierig. Keine echte Wissenschaftlerin. Denn Wissenschaft, das sei Leidenschaft. Wer für ihn arbeitete, tat dies ohne Arbeitsvertrag, ohne geregelte Pflichten und Arbeitszeiten. «Es war die reinste Willkürherrschaft. Entweder man unterwarf sich, oder man wurde fertiggemacht.» Sie war nicht die Einzige, die irgendwann genug hatte. Drei ihrer Kollegen verliessen gleichzeitig mit ihr das Institut.

Im Deutschlandfunk gab es am 30. April eine Podiumsdiskussion zum Promovieren: Der Weg zur Promotion Schule oder freie Selbstbestimmung?, nachzuhören als MP3 (ca. 20MB).

Darmstädter Haushaltslöcher

(Dieser Artikel war im Frühjahr 2010 im „Vorhang auf“ erschienen.) Im März 2011 sind in Hessen Kommunalwahlen, die in Darmstadt mit den Oberbürgermeisterwahlen zusammenfallen könnten. Die nächste Stadtregierung wird für fünf Jahre gewählt sein, der OB für sechs Jahre. Die VORHANG AUF-Serie beleuchtet kommunalpolitische Hintergründe und Darmstädter Themen

Die Million als die kleinste Recheneinheit, wenn man auf den defizitären Darmstädter Haushalt schaut. Wie kommt es dazu und warum ist Darmstadt trotzdem nicht pleite?

Im Haushaltsentwurf 2010 geht Bürgermeister und Kämmerer Wolfgang Glenz (SPD) von rund 380 Millionen Euro „ordentlichen Erträge“ aus. Die „ordentlichen Aufwendungen“ liegen bei knapp 443 Millionen Euro. Damit sind die Ausgaben höher als die Einnahmen. Darmstadts Gesamtschulden bei Banken, Bund und Land liegen bei 631 Millionen Euro. Ein großer Teil der Schulden (456 Millionen Euro) sind sogenannte „Investitionskredite“ mit denen Werte geschaffen wurden wie Straßen oder Gebäude. Pleite ist die Stadt nicht. Das Sachvermögen Darmstadts aus Gebäuden, Bädern oder Straßen ist 378 Millionen Euro höher als die Schulden. Zum Vergleich: Das Land Hessen hat 57,9 Milliarden mehr Schulden, als das gesamte Landesvermögen wert ist.

Wer Schulden hat, zahlt aber auch Zinsen. „Die Stadt muss jedes Jahr mehr als 30 Millionen Euro Zinsen bezahlen. Also rund fünfmal soviel, wie jährlich für die Schulsanierung benötigt würde“, erinnert André Schellenberg, haushaltspolitischer Sprecher der Darmstädter CDU-Fraktion.

Verwaltungs- und Pflichtaufgaben
Verwaltungs- und Pflichtaufgaben machen den größten Teil des Haushaltes aus. Größtenteils fließen die Aufwendungen in Aufgaben wie Abfall- und Abwasserentsorgung, Ordnungswesen, Wohnraumkosten bei Hartz IV oder hoheitliche Aufgaben. Der Anteil der Personal- und Versorgungsaufwendungen beträgt rund 22 Prozent. „Man kann davon ausgehen, dass eine Kommune nur rund zehn Prozent Manövriermasse hat, um freiwillige Aufgaben zu leisten“, schätzt der Kämmerer Wolfgang Glenz. Vereinsförderung mache dabei nur ein bis zwei Prozent aus, betont der Kämmerer.

Kosten, die der Bund den Gemeinden aufbürdet, können diese nicht abwenden. Beispielsweise lag der Bundeszuschuss für die Wohnkosten bei ALGII-Empfängern vor fünf Jahren noch bei 32 Prozent, jetzt sind es 23 Prozent. „Das macht bei uns in Darmstadt bei gleichen Fallzahlen gleich acht Millionen Euro aus“, rechnet Kämmerer Glenz vor. Schellenberg kritisiert hingegen „explosionsartig gestiegene Folgekosten“ als Folgen fehlerhafter und verschleppter städtischer Planung. „Wer wie Baudezernent Wenzel kleine Schlaglöcher in der Fahrbahndecke ignoriert, muss sich nicht wundern, wenn irgendwann die gesamte Straße inklusive Unterbau für weitaus mehr Geld saniert werden muss.“ Die „Neuen Wege in Arheilgen“ seien mangels Planung rund 20 Millionen Euro teurer geworden, und das Darmstadtium koste zur Zeit jährlich drei Millionen Zuschuss plus vier Millionen Abschreibung.

Der größte Teil der kommunalen Einnahmen (57 Prozent) kommt aus Steuern wie der Gewerbesteuer oder steuerähnlichen Erträge. Zuweisungen und Zuschüsse machen 16 Prozent der Einnahmen aus, Leistungsentgelte 14 Prozent. Damit sind Kommunen stark konjunkturabhängig. Die Gewerbesteuererträge werden 2010 laut Kämmerer um 20 Millionen auf 120 Millionen Euro sinken, der Einkommensteuerertrag um zehn Prozent auf 62,5 Millionen Euro. Da die Landestranferleistungen mit mehr Einwohnern steigen, plädiert die Darmstädter CDU unter anderem dafür die ehemaligen US-Kasernen zu zügig für Wohnbebauung und Gewerbe nutzbar zu machen. Auch die Stadt geht davon aus, dass dort mindestens 5000 Neu-Darmstädter wohnen können.

Das Darmstädter Haushaltsloch ist hausgemacht?
Für die Kommunalaufsicht, das Regierungspräsidium, ist die Sache jedoch klar, das Darmstädter Haushaltsloch ist hausgemacht. „Die seit Jahren bestehende Haushaltsschieflage ist zwar auch durch schwindende Erträge, im Wesentlichen jedoch durch hohe Aufwendung entstanden“, erklärt RP-Sprecher Gerhard Müller für seine Behörde. Die städtische Infrastruktur werde bei hohen Standards auf hohem Niveau gehalten. Was allerdings los ist, wenn die Öffnungszeiten von Stadtteilbüros, Bezirksverwaltungen und Stadtbüchereien eingeschränkt werden, ist auch bekannt.

Das Regierungspräsidium sieht seinerseits Spielräume bei den Gewerbe- und Grundsteuern, da diese teilweise unter dem Landesdurchschnitt liegen. Die Darmstädter Kämmerei bewertet eine Gewerbesteuererhöhung jedoch aus mit Blick auf Nachbargemeinden als kontraproduktiv.

Aus Sicht der Stadt kann mit den bestehenden Gesetzen die schwankende Einnahmesituation nicht verstetigt werden, daher müsste die Kommunalfinanzierung reformiert werden. CDU-Haushälter Schellenberg hält ebenfalls eine Verstetigung der kommunalen Steuereinnahmen durch höhere Einkommens- und Umsatzsteueranteile für möglich.

Die Grundsteuer anzuheben wäre perspektivisch sinnvoll, erklärt Darmstadts Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel für die Stadt, dies müssten dann aber alle hessischen Kommunen mitmachen.

Aber, wenn man ehrlich ist: Ganz ohne Schuldenmachen wird keine Partei regieren wollen und können. Politiker treten mit verschiedenen Konzepten an, um die Gesellschaft und das Umfeld zu gestalten, Entwicklungen zu befördern und ungerechte Schieflagen auszugleichen. Und nur weil ein Vorgänger den Haushalt warum auch immer in die Grütze geritten hat, wird man nicht auf auf Autopilot umschalten und auf eigene Projekte verzichten. Die bis im vergangenen Jahr regierenden Ampelkoalition hatte beispielsweise das Ziel die Kinderbetreuung in Darmstadt auszubauen und die Stadt zur kinderfreundlichsten in Hessen zu machen.

Ab 30. April: Schäden an Radwegen via Internet melden

Zu hohe Bordsteinkanten, fehlende Markierungen, verwirrende Schilder – solche und andere Schäden an Radwegen können Bürger im Rhein-Main-Gebiet künftig via Internet melden: Heute am 30. April wird die „Meldeplattform Radverkehr für die Region Frankfurt RheinMain“ online geschaltet. Und auch Darmstadt, Erzhausen und Weiterstadt sind bei den teilnehmenden 54 Städten und Gemeinden der Region Frankfurt Rhein-Main dabei.

http://www.meldeplattform-radverkehr.de

Bürger können ihre Beobachtungen dem System melden und mit eigenen Bildern illustrieren. Eine digitale Karte hilft bei der Lokalisierung. Das System informiert dann automatisch den Ansprechpartner der betreffenden Kommune. Zudem bietet das System den Kommunen die Möglichkeit, den Bürger für Rückfragen zu kontaktieren und über die Erledigung seines Hinweises zu benachrichtigen.

Das System wurde im Auftrag der Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain (IVM) entwickelt. Projektpartner sind unter anderem das Land Hessen, der Allgemeine Deutscher Fahrrad Club-Hessen und das Radfahrbüro der Stadt Frankfurt. Für die technische Realisierung ist die Ingenieurgruppe IVV aus Aachen verantwortlich.

Von Dezember 2009 bis März 2010 wurde die Meldeplattform von acht Kommunen (Frankfurt am Main, Offenbach am Main, Darmstadt, Mühlheim am Main, Neu-Isenburg, Hofheim am Taunus, Friedrichsdorf und Bad Homburg v. d. Höhe) getestet. Schon während des Probelaufs wurde sie mit dem deutschen Fahrradpreis – „Best for Bike 2010“ als fahrradfreundlichste Entscheidung des Jahres 2010 ausgezeichnet.

Projektleiter Jan Annendijck von der IVM GmbH sieht dadurch die positiven Erfahrungen des Testbetriebes bestätigt: „Inzwischen wurden in diesen acht Kommunen bereits die ersten Meldungen bearbeitet. Ein gutes Beispiel ist eine defekte Fahrradampel, die bereits einen Tag nach der Meldungseingabe repariert war.“

Die Meldeplattform ist ab sofort über den Hessischen Radroutenplaner (www.radroutenplaner.hessen.de) erreichbar. Kommunen der Region, die sich dem System noch anschließen wollen, können sich bei der IVM jederzeit anmelden.

Cannabis vs. Nikotin

Der psychiatrische Gutachter: „Es gibt Leute, die sagen ‚Cannabis ist weniger schädlich als Nikotin‘. Was in Teilen richtig ist.“ Und fügte hinzu: „Ich will das jetzt nicht propagieren.“ Denn der Facharzt für Psychiatrie merkte, dass die Richter anfingen zu grinsen.

In der Pause plauderte ich mit einem Verteidiger. „Als der Gutachter das mit dem Cannabis sagte, habe ich mich gleich umgedreht, weil ich mir dachte, dass Sie das bestimmt aufschreiben.“

Stimmt.

Wortwahl

Über den Begriff „sexuellen Missbrauch“ muss man nachdenken und seine Verwendung überdenken. Im März griff das schonmal kurz ein Echo-Kommentar auf:

Missbrauch sagen Juristen dazu – aber dieser Begriff ist noch verquerer, als es juristische Fachwörter üblicherweise sind. Denn er legt den absurden Schluss nahe, dass es einen bestimmungsgemäßen Gebrauch von Kindern oder Jugendlichen zum Zwecke sexueller Befriedigung geben könnte.

Und heute Sueddeutsche-online:

Das Wort vom „sexuellen Missbrauch“ von Kindern und Jugendlichen verunklart und versteckt die Wahrheit. Es ist ein Wort aus der Zeit der Schweigekartelle, aus der Zeit, in der sexuelle Übergriffe an Kindern verharmlost, verschwiegen oder gar nicht zur Kenntnis genommen wurden. Dieses Wort sexueller „Missbrauch“ tut so, als gäbe es auch einen durchaus tolerablen sexuellen „Gebrauch“ von Minderjährigen. Es gibt ihn nicht. Der sexuelle Missbrauch in Erziehungs- und Abhängigkeitsverhältnissen ist sexuelle Gewalt.

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Nachwuchsförderung und Sprachlosigkeit am Luisenplatz

„Ich mache fürs Uni-Radio eine Umfrage“, kam eine Studentin heute auf mich zu. „Ok“, sagte ich und die Studentin fragte: „Der Stadtrat hat ja dem Bau der Nordostumgehung zugestimmt, „was sagen sie dazu?“

Ich sagte erstmal nichts, denn ich hatte plötzlich ganz viele Gedanken im Kopf: „Was sag ich jetzt? Wieso, wird die jetzt doch gebaut? Wann war das, denn im letzten Stadtparlament war da doch nichts beschlossen worden, ich war doch da? Ach, ist die doch nicht von Heinertown, die fragen doch so viel? Welcher Stadtrat hat denn für die Nordostumgehung gestimmt? War das am Ende doch das Stadtparlament? Und wenn überhaupt, dann ist doch die Finanzierung noch gar nicht gesichert? Meint die jetzt den beschlossenen Luftreinhalteplan in dem die NOU noch drinsteht? Und ist ‚Journalisten fragen Journalisten‘ überhaupt ein sinnvolles Konzept?“

„Hm“, sagte ich, „da fällt mir jetzt so nichts ein.“ Irgendwie musste ich das Schweigen ja auflösen. „Ich brauche das aber für ein Studien-Projekt in Mainz.“ ‚Aha, dachte ich, daher die Verwirrung wegen Stadtrat und Stadtparlament. Und es ist gar nicht die TU. Und da habe ich nachgefragt: „Wann hat das Parlament denn zugestimmt?“ – „Ja, im Februar.“ – ‚Ach so“, dachte ich, ‚das war der Satzungsbeschluss‘. Ohne Finanzierung wird da kein Zentimeter gebaut.

Und so wurde das meine Antwort“: Ein knapp gescheiterter Bürgerentscheid ist nunmal auch gescheitert. Da die Regeln fürs Quorum vorher allen bekannt waren, sollte man sich da bitte an die Spielregeln halten. Aber bei dem momentanen Haushaltsdefizit brauchen wir die Nordostumgehung erstmal nicht.“

Veröffentlicht unter Medien