Mittwoch …

… will die Online-Tageszeitung „Heinertown.de“ starten. Mal sehen, denn die Ankündigung weckt bei mir (und bestimmt auch bei ein paar Medienschaffenden in Darmstadt und Deutschland) mittlere bis große Erwartungen:

„Mehr als sechs Monate lang waren Redakteure und IT-Experten, Grafiker und Marketing-Fachleute damit beschäftigt, den Start der neuen Online-Tageszeitungs-Community für Darmstadt vorzubereiten – jetzt geht es am Mittwoch dieser Woche endlich auch offiziell los. Mit einer spannenden, mehrfach täglich aktualisierten Darnstadt-Berichterstattung, mit kostenlosen privaten Kleinanzeigen und vielen weiteren interessanten Inhalten.„

Na, dass die Inhalte spannend und interessant sind, will ich doch mal schwer hoffen. Schließlich gibt es eine Mitgliedschaft ab 4,16 Euro im Monat.

Nachtrag: Heinertown hatte seinen redaktionellen Betrieb im November 2014 eingestellt. Der Herausgeber war im September 2014 gestorben. Ich hatte dazu auch ein paar Zeilen geschrieben.

Umstrittene Pensionsregelung im Stadtkonzern soll nachträglich geheilt werden

Wie das Echo meldet, soll heute der HSE-Aufsichtsrat erneut über die Pension des Vorstandsmitglieds Holger Mayer beraten. Angeblich war die „Branchenüblichkeit“ (auf die verwiesen wurde, als die FAZ die Regelung – „70 Prozent mit 49 Jahren“ aufdeckte) doch nicht nachgewiesen und soll nun nachträglich festgestellt werden.

Da können sich die Politiker im Aufsichtsrat ja mal an ihre Presseerklärungen vom Januar erinnern. Wie die Arbeitnehmervertreter abstimmen werden, kann ich mir schon denken, nachdem die sich ja erst neulich verbeten haben, dass das Stadtparlament sich einmischt.

Sieher auch:
Großzügige Pensionsregelung im Stadtkonzern?

Wie früher bei Königs – Update

Was mich ja ärgert ist, wenn ich als Normalbürger bei einer Einrichtung was frage, kann es mit der Antwort dauern, wenn überhaupt eine kommt.

Wenn ich im Namen der Zeitung frage, geht das dann erstaunlich flott. Ist das jetzt die demokratische Variante, in der früher sofort gesprungen wurde, wenn „seine Majestät“ sich einschaltete? Prinzipiell zu begrüßen, aber dennoch ärgerlich, finde ich. Denn als „Volk“ ist man unwichtig.

Wie war das noch, als im Winter ein Bus ausfiel und ich dann wissen wollte warum?

Am 14.2.2010 (Sonntag) waren ich zahlreiche andere unterwegs zum AEWG-Umzug nach Gräfenhausen.

Aber der 5515er-Bus, der um 11.51 Uhr an der Pallaswiesenstraße abfahren sollte, kam einfach nicht. Und die „RMV-Mobilitätszentrale“ (Nummer steht unter den Fahrplänen an der Haltestelle) konnte mir auch nicht weiterhelfen, weil sie die Leitstelle des Busunternehmens nicht erreichte. Und der Busfahrer des um 12.51 Uhr kommenden Busses, wusste nichts von einem Ausfall auf der Linie – soviel also zur Kundeninformation.

Die Busse, die pünktlich eine Stunde später kamen (ein 751er und ein 5515er) waren dann voll.

In einer E-Mail an die Dadina schrieb ich am 19. Februar:

Ich würde mich freuen zu erfahren was am 14.2. passiert war, warum der Bus nicht kam, warum die HAV-Leitstelle nicht für die RMV-Mobilitätszentrale erreichbar war

Am 26. Februar erfuhr ich von dem Busunternehnen:

am 14.02.2010 fiel bei dem Bus, mit dem die im Betreff genannte Linie gefahren werden sollte, die Heizung aus. Die kurze Pausenzeit des Fahrers reichte für die Werkstattfahrt, Reparatur und Rückfahrt zum Einsatzort Schloss nicht aus. Um größere Verspätungen auf mehreren Folgetouren zu vermeiden, setzte die Linie dann erst ab Windmühle ein.

Auf den Weiterstädter Linien haben wir keine Funkverbindung. Somit haben die anderen Fahrer auf der Linie keine Informationen über evtl. Vorfälle und können den Fahrgästen daher auch keine Auskünfte geben.

Abgesehen davon, dass es immer noch besser ist in einem kalten Bus auf dem Weg zu seinem Ziel zu sein, als an einer genauso kalten Haltestelle zu warten, wusste ich aber immer noch nicht, warum die Leitstelle nicht besetzt war.

Aber deswegen wurde ja das Angebot der „RMV-Mobilitätszentrale“ konterkariert.

Auf die Antwort (auf mein Nachhaken am 26.Februar) warte ich noch bis heute nicht mehr – klar, ich habe ja als Bürger und Kunde gefragt es gab eine Antwort am 1.4.2010.

(Aber 30.000 Euro für eine Werbekampagne, damit die Leute Busse und Bahnen nutzen, weil das Verkehrsmittel ja „entspannend“, „schnell“ und „zuverlässig“ sei.)

Nachtrag: Am 1. April 2010 wurde mit mitgeteilt, dass es „außerhalb der Bürozeiten in der Firma nur einen Notdienst gebe.

„Darmstadt Card“ noch steigerungsfähig

Wer in Darmstadt einige Freizeitangebote an einem Wochenende komprimiert nutzen will, kann dies mit dem Rabattheftchen „Darmstadt Card“ etwas günstiger. Man kann auch zwei Tage am Stück mit Bussen und Bahnen fahren, und das nicht nur in Darmstadt sondern auch noch in den umliegenden Gemeinden wie Pfungstadt, Mühltal oder Weiterstadt (RMV-Tarifzone 40, PDF, ca. 260kB). Alleine wegen dieser Über-Tageskarte ist die „Darmstadt Card“ – bei entsprechend anstehenden Fahrten über drei Zonen – ihren Preis, nämlich 9 Euro, wert.

Aber so ganz scheint die Card nicht zu ziehen. So wurden 2007, 2008 und 2009 je 202, 223 und 256 Exemplare verkauft. Dies antwortete Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) heute dem CDU-Stadtverordneten Peter Mayer auf seine kleine Anfrage.

Damit war ich mit meinen vier Exemplaren im vergangenen Jahr schon ein echter Umsatzbringer mit einen Anteil 1,56 Prozent an dem Produkt.

Finanzielle Luft für Darmstädter Vereine – Sparkasse großzügig

Bürgermeister und Kämmerer Wolfgang Glenz (SPD) kündigte heute im Stadtparlament an, dass die Sparkasse Darmstadt Vereinen entgegenkommen wird, solange in Darmstadt die vorläufige Haushaltführung gilt. Die Sparkasse werde bei Kontoüberziehungen relativ großzügig sein, sagte Glenz und es würden den Vereinen keine Überziehungszinsen berechnet.

Die Kommune will mit dieser Vereinbarung den Vereinen entgegenkommen. Zur Zeit müssen die Vereine auf die normalerweise üblichen Abschlagszahlungen warten, weil die Stadt ohne beschlossenen Haushalt keine freiwilligen Leistungen bedienen darf.

Interview mit Walter Hoffmann

Diesen Freitag ist ein Interview mit OB Walter Hoffmann erschienen (Seite 3, PDF ca. 2,6MB) , dass ich und der Herausgeber der Bessunger Neuen Nachrichten/Eberstädter Lokalanzeiger geführt haben. Man sieht, das geht auch in Anzeigenblättchen.

Was mir auffiel: Walter Hoffmann sieht sich mehr als Vermittler zwischen den Positionen in der Stadt und gegenüber der Stadt. Und das führt dann zu Positionswechseln, beispielsweise beim ICE-Anschluss, die einsam und nicht immer nachvollziehbar scheinen.

Was von Tage übrig blieb: Biologie-Hessensiegerin bei „Jugend forscht“ kommt aus Maintal

Die „Jugend forscht“-Hessensiegerin im Fachgebiet Biologie ist 2010 Ann-Kathrin Förster aus Maintal. Die 20-jährige studiert im ersten Semester in Frankfurt Biochemie.

Sie untersuchte wie Musik von Mozart oder vom Rapper Eminem auf das Wachstum menschlicher Hautzellen (HaCaT-Zellen aus einem Heidelberger Labor) in Zellkulturen wirkt. „Ich hatte die Idee schon mit 17“, sagte sie während des Landeswettbewerbs, der Mittwoch und Donnerstag beim Darmstädter Pharma- und Chemieunternehmen Merck stattfand.

Nachdem sie damals ein Labor in der Frankfurter Uniklinik gefunden hatte, wo sie mit Zellkulturen arbeiten konnte, musste sie aber erst einmal warten: Sie durfte erst ab 18 im Labor arbeiten.

„Mein Prof hatte mir immer freie Hand gelassen“, schildert sie die Betreuung durch August Bernd im Zentrum der Dermatologie und Venerologie. Erst später habe er nachgefragt und so auf Wege und Ansätze hingewiesen.

„Eine reine Beschallung mit Mozart oder Eminem führte zu keinen nachweisbaren Effekt“, ist Försters Ergebnis. Bei abwechselnder Beschallung jedoch proliferieren (reifen) die Zellen schneller und auch der Stoffwechsel steigt. Aus Publikationen ist bekannt, dass bei mechanischen Dehnungsreizen Adhäsionsmoleküle (mit denen die Zellen anhaften) als Rezeptoren fungieren und schließlich zu einer gesteigerten Zellproliferation führen.

Die Studentin geht davon aus, dass die leichten Erschütterungen durch die Bässe bei Eminem und die dazwischen liegenden Ruhephasen entscheidend sind. Denn eine einheitliche Beschallung mit Mozart oder Eminem hatte keinen Effekt. Ann-Kathrin Förster vermutet, dass ein Wechel zwischen Stille und Eminem ähnlich wirkt und Mozartklänge wie Ruhepausen wirken.

Auch ein Hinweis darauf, dass die leichte mechanische Erschütterung wichtig ist, ist dass die Zellen nur dann besser wachsen, wenn die Lautsprecher und die Zellkulturflaschen über ein Blech in Kontakt stehen, zählt die Studentin ihre Ergebnisse auf. Auch der dünnere Boden in den Flaschen ist wichtig, in dickeren Petrischalen wuchsen die Zellen nicht besser.

Die zwei Tage in Darmstadt waren für Förster atmosphärisch gelungen. „Das ist ja kein echter Wettbewerb, es geht ja um den Austausch untereinander.“ Für ihre Arbeit nimmt sie „1000 neue Ideen“ mit, meinte sie, unter anderem Pflanzenkeime zu beschallen.

Studierende dürfen bei „Jugend forscht“ noch teilnehmen, wenn sie in ihrem ersten Studienjahr und nicht älter als 21 Jahre sind.

Alle Landessieger der anderen Fachgebiete stehen beim Sponsor merck.de. (Wer sich wundert, warum nur die Bio-Preisträgerin hier auftaucht: Ich habe vor zehn Jahren – doch schon so lange her – in Zellbiologie promoviert und etwas darüber schreiben mache ich ja ganz gern – jedenfalls lieber als Labor zu stehen.

A propos Mozart-Effekt
Der Mozart-Effekt (Mozartmusik verbessert angeblich bei Kindern die Gehirnleistung), der auch bei diesem Experiment im Hintergund stand, steht allerdings auf wackeligen experimentellen Beinen, da nur eine Arbeit diesen belegt, wie auch Ann-Kathrin Förster festgestellt hat. Spätere Untersuchen (auch diese) sehen Effekte durch Musik, aber nicht speziell durch Mozart.

Eine BMBF-Studie legt nahe, dass die Effekte sekundär sind:

Das eigene Musizieren steigert nach den Erkenntnissen der Forscherinnen und Forscher die Intelligenz – wenn auch nur leicht. Der Konsum von Musik dagegen macht nicht wirklich schlauer. Ein indirekter Effekt kann allerdings dennoch bei den Hausaufgaben helfen: Der Musikgenuss hebt die Stimmung – und damit auch, zumindest kurzfristig, die Leistungsbereitschaft. […] Musik, die Freude macht [nicht nur Mozart], fördert die Leistungsbereitschaft; Klänge, die weniger Spaß bereiten, sollte man beim Lernen – wie auch überhaupt – lieber meiden.

Nachfragen ändert was: FDP zum Darmstädter ICE-Anschluss

Bisher galt ja in Sachen ICE-Anschluss bei CDU, FDP, Grünen und SPD: Trasse über den Hauptbahnhof. Auch wenn das OB Walter Hoffmann (nebenbei noch SPD-Mitglied) etwas anderes vorschlägt.

In einer „Vorhang auf“-ICE-Geschichte (S. 14, Märzausgabe) fragte ich sicherheitshalber die Parteipositionen nochmal ab und da sagte mir Leif Blum, Darmstädter FDP-Chef in Partei und Parlament, dass ein ICE-Anschluss im Hauptbahnhof kein Wert an sich sei. Aha.

Eine tagesaktuelle Online-Nachrichten-Kauf-Verkaufs-Party-Kultur-Familien-Mitmach-Community kommt in die Stadt …

Da mach‘ ich seit 2005 im Lokalen rum und suche jedes Blog mit Darmstadt oder Darmstädter Stadtteilen im Namen und bekomme trotzdem nix mit. Aber jetzt hat das Gerücht was ich erstmals beim SKV Rot-Weiß hörte, auch eine URL: heinertown.de

Ab April bekommt Darmstadt damit die laut Herausgebern erste Online-Tageszeitungs-Community Deutschlands – für 4,99 Euro Mitgliedsbeitrag pro Monat.

„Heinertown“ ist schonmal ein geschickter Name, weil er das URL-Umlautproblem bei „Darmstädter Wieauchimmerblog“ löst.

Ab April kommt dann der journalistische Dreisatz:
Stufe 1: Super Sache, das beste seit geschnitten Brot.
Stufe 2: Doch nicht wie geschnitten Brot.
Stufe 3: Haben wir schon immer gewusst.

Mal kein Pferd auf dem Flur – Karnevalsberichte im Lokalteil

Blogger Thomas Trappe bietet eine Mustervorlage für einen Artikel über eine Karnevalssitzung an. Zugegeben, manchmal bis oft ist man an Bratwurstjournalismus mit Narrenkappe nah dran, und die Versuchung fürs nächste Jahr Textbausteine zu erstellen ist wirklich groß. Aber ich hatte das auch schon anders angepackt. Man hat ja auch einen eigenen Anspruch, weil man nach ein paar Sitzungen dazugelernt hat und nicht immer das gleiche abliefern will – so ganz frei von Selbstwahrnehmung ist man schließlich auch im Lokalen nicht.

Männerballett in Variationen – bis zum Striptease
KC Eiche: Damensitzung unter dem Motto „Einmal um die ganze Welt“ – Bewusster Verzicht auf Büttenreden.

Mit den Worten „Same procedure as every year“, bekommt Tontechniker Bernd Rohr vor der KC-Eiche-Damensitzung eine weitere Musik-CD in die Hand gedrückt. Das Männerballett vom Griesheimer CVS St. Stephan ist wie jedes Jahr bei der Sitzung des Karnevalsclub Eiche in der Heimstättensiedlung mit dabei. Der Abend steht unter dem Motto „Einmal um die ganze Welt“, aber tatsächlich ist es Männerballett in Variationen – von Männern in Frauenkleidern über Akrobatik bis zum Striptease. Kein Platz im Programm ist für Protokoller oder Büttenreden reserviert.

Nachdem „Calypso Sun“ aus Oberwalgern mit ihren Versionen von Udo-Jürgens-Schlagern die Sitzung eröffnet haben, überschlagen sich die Männer auf der Bühne. Die vierzehn Jungs von „Flying Energy“ aus Weiterstadt wirbeln in roten Rennfahreranzügen zu „Gib Gas, ich will Spaß“ über die Bühne, die ersten Zuschauerinnen stehen schon auf den Bänken und klatschen begeistert mit.

Susanne Röhrich, Heike Binder und Erika Märzendorfer besuchen den KCE seit Jahren. „Wir werden sehen, wie lange die Schminke hält“, sagen sie über ihre Maskierung. Sie finden den Abend „superspitze“. Ganz Lokalpatriotinnen, loben sie die „Marsch Mellows“ und „Zu Schee“-Auftritte. Das KCE-Trommlercorps und das KCE-Männerballett feiern in diesen Jahr ihr elftes Jubiläum.

Bei den „Mühlbachräubern“ aus Schneppenhausen, die als tanzende Polizisten Räder schlagen, fallen in der Zugabe die Hemden und die Hosen. Und als die Truppe in knappen Shorts ihre Gummiknüppel schwingt, kocht die Stimmung im Saal.

Milena Schreiber ist „etwas enttäuscht“. Sie und ihre Freundin Traudel Luley vermissen die Büttenreden. „Lachen übers Alltagsgeschäft und Politik gehören auch dazu“, finden die beiden als Touristinnen verkleideten Büttelbornerinnen.

René Krieger, Pressewart vom Karnevalsclub Eiche erklärt: „Büttenreden bei der Eiche-Damensitzung kann man vergessen. Die wollen nur Party machen.“ Das Publikum habe den Rednern einfach nicht zugehört und geschwätzt, deswegen habe man auf die Reden verzichtet. Cowgirl Katrin Bozenhard aus Rüsselsheim und Chinesin Karina Müller aus Bischofsheim finden das richtig. „Geil, keine langweiligen Vorträge. Stimmung pur.“

Und so geht der Abend weiter mit johlenden Zuschauerinnen, die von den Bänken nicht mehr runterkommen. Auch die beiden Damen aus Büttelborn gehören dazu.

In der Schlussnummer der Sitzung geht es noch mal richtig zur Sache. Nach der Frage „Are you ready for this?“ fliegen unter krachenden Donnerschlägen – und Jubel aus dem Publikum – die Mäntel der „Top Guns“-Showtänzer in die Ecke und legen muskulöse Oberkörper frei. Und nicht nur die.

Mit jedem fallenden Kleidungsstück beantworten die Tänzer die „Was steckt darunter“-Frage immer mehr, auch wenn sie den Damen die letzten Details mit US-Flaggen vorenthalten. (erschienen am 16.02.2009 im Darmstädter Echo)