Hoher Nerdfaktor am Wochenende

Menschen in schwarzen T-Shirts, Club-Mate zum Trinken, wenig Frauen, dafür viele langhaarige junge Männer, Eintrittskarten mit QR-Code und zubuchbarer Kaffee-Flat werden mit der Handykamera gescannt, es gibt Vorträge über Informatik, Raketenbauen und Steampunk und eine sehr kryptisch scheinende Abkürzung – Willkommen bei den „MetaRheinMain ChaosDays„, eine Veranstaltung der lokalen Chaos Computer Club Ableger oqlt e.V., cccffm, Chaos Darmstadt, CCC Mannheim, CCC Mainz sowie Chaostreff Kaiserslautern. Echo online: »Es gibt einen Bedarf an guten Hackern« Computertagung: Bei den »Chaosdays« im Piloty-Gebäude der TU treffen sich Experten aus dem Rhein-Main-Gebiet

Etwa 10 Kilometer weiter südlich, Menschen in bunten und schwarzen T-Shirts, Schalen mit Chili in den Händen, mehr Frauen, dafür Männer mit eher kurzen Haaren, Eintrittskarten mit Nummer, Vorträge über Raumfahrt oder den Maya-Kalender, ein Saal voller Modelle von Raketen- und Raumschiffbauern sowie Steampunk-Fans und ein abgespaceter Titel: Willkommen bei den „Space Days“ in Eberstadt. Echo online: 04./05.09.2010: „Space Days“ in Darmstadt, Offenbach Post: Brücke zwischen Science und Fiction

Ach ja, zwischendrin war noch Spieleabend.

„Thilo Sarrazin hat grundlegende genetische Zusammenhänge falsch verstanden“

Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland sagt etwas zu Sarrazinischen Regeln der Genetik. Wie üblich bei Wissenschaftlern, die ehrlich sind, sind die Aussagen aber nicht immer so absolut, wie es in einer politischen Debatte hilfreich wäre, sodass man immer wieder was findet, wo man einhaken könnte:

Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat bei der Vorstellung seines neuen Buches “Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen” provokante Thesen aufgestellt, die eine kontroverse Diskussion ausgelöst haben. In Bezug auf die Aussagen Sarrazins zur Genetik verwehrt sich der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.) entschieden gegen jede Verfälschung und politische Instrumentalisierung biologischer Fakten. – Sei es durch Thilo Sarrazin selbst, sei es durch andere Teilnehmer der derzeit laufenden öffentlichen und medialen Debatte.

Die genetischen Thesen von Herrn Sarrazin sind nicht mit den modernen Erkenntnissen zur Evolutionsbiologie des Menschen vereinbar. Evolutionsbiologisch gesehen ist der Mensch eine der genetisch homogensten Spezies die es auf der Erde gibt. Im Vergleich zu anderen Spezies sind die Unterschiede zwischen Populationsgruppen sehr gering. Tatsächlich sind die Unterschiede innerhalb von Populationsgruppen etwa 5-fach höher als zwischen ihnen. Weiterlesen →

Ausgleichender Fleiß

Schön, wenn man im Nachhinein auch mal Recht bekommt. An der Uni war mir immer aufgefallen, dass einige für geniale Wissenschaftler gehalten wurden, die tatsächlich aber „nur“ fleißig waren – ist ja auch hilfreich, aber eben nicht genial. Gibt ja auch in anderen Branchen die Sprüche von „10 Prozent Inspiration, 90 Prozent Transpiration“.

Im Rahmen der Sarrazin-Debatte sagt nun

die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern im FAZ-Interview: „Intelligenztests geben Auskunft über das geistige Potential einer Person, aber sie sind nur ein Baustein der menschlicher Kompetenz. Für die meisten Anforderungen auch im akademischen Bereich muss man kein Überflieger sein, und ein Weniger an Intelligenz kann durch ein Mehr an Fleiß ausgeglichen werden.“

Wie schön. Und es wird sich dennoch nichts ändern. Genau wie bei der Verwendung von „preiswert“ und „billig“.

Nicht-öffentliche Stadtparlament-Vorlagen nun auch im Internet

Morgen gibt es im Stadtparlament eine kleine aber wesentliche Änderung. Wer regelmäßig zuschaut, weiß, es gibt am Schluss einen nicht-öffentlichen Teil. Man darf also gehen und die Stadtverodneten beraten dann – meistens ganz schnell, ist ja keine Presse mehr da, bei der man sich profilieren kann – die Vorlagen.

Neu ist, dass die Überschriften der nicht-öffentlichen Vorlagen nun auch im Stadthaus in der Grafenstraße aushängen und im Internet stehen, z.B.:

Zur Beratung in nichtöffentlicher Sitzung vorgesehen:
1. Vergabe einer Dienstleistungskonzession (V-Nr. 2010/0287)

2. Verkauf der städtischen Grundstücke Gemarkung Arheilgen Flur 1 Nr. 117, Nr. 118/4,
Nr. 119/12 und einer Teilfläche von ca. 412 qm aus der Parzelle Nr. 118/3 (V-Nr. 2010/0298)

3. Städtische Beteiligungen HSE (V-Nr. 2010/0316)

4. Wissenschafts- und Kongresszentrum Darmstadt GmbH & Co. KG (V-Nr. 2010/0326)

Die Vorlagen in die Öffentlichkeit „gezerrt“ hat die Alternative Darmstadt (AD). Denen war aufgefallen, dass auch die nichtöffentlichen Vorlagen laut Hessicher Gemeindeordnung angekündigt werden müssen.

Aus AD-Sicht verstößt auch die Geschäftsordnung (GO) des Stadtparlaments gehen die HGO, da in der der GO der Stadtverordnetenvorsteher festlegen kann welche Vorlagen in nicht-öffentlichen Sitzung behandelt werden. Das aber müsse aus AD-Sicht die Gemeindevertretung jeweils beschließen.

Das Rechtsamt der Stadt Darmstadt hat daraufhin die bisherige Praxis geprüft und stellt fest, „dass nach der Kommentarliteratur in der öffentlichen Bekanntmachung der Tagesordnung (…) auch die Tagesordnungspunkte zu veröffentlichen sind deren Behandlung im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vorgesehen ist.“

Aber dennoch sind nach Rechtsamtausfassung frühere Beschlüsse nicht öffentlich angekündigter nicht-öffentliche Vorlagen gültig. „Nach der Rechtsprechung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes macht die unterlassene öffentliche Bekanntmachung der Tagesordnung die in der fraglichen Sitzung gefassten Beschlüsse allerdings nicht rechtswidrig.“

Wobei da bestimmt einige nochmal schauen werden, denn die Vorlage zum Sander-Museum wurde damals im nicht-öffentlichen Teil verabschiedet.

Apothekenwechsel im Martinsviertel

Vor rund sieben Jahren schrieb der Stern, Darmstadt sei die Stadt mit der höchsten Apothekendichte (pro Einwohner) Deutschlands. Inzwischen sind es weniger geworden, erstens weil Apotheken schließen und zweitens es mehr Darmstädter geworden sind. Aus den zwei Apotheken am Willy-Brandt-Platz wurde beispielweise eine (die Fuchsche Apotheke übernahm die Fleming-Apotheke und zog in deren Räume), woanders machte eine ganz zu. Und nun heißt es „Abschied von der Martins-Apotheke„. Die Apotheke schließt, weil die Engel-Apotheke den Zuschlag des Vermieters für die Apotheke im bald benachbarten Quartierszentrum bekommen hat.

Und wie es der Zufall will: Die Martins-Apotheke war auch 2003 Thema im Stern-Artikel, und so wissen wir jetzt nicht nur das Ende, sondern auch den Anfang: Weiterlesen →

Brennpunkt Darmstadt: No Angels, Kanzlerin und die Verschwörung gegen Sarrazin

Yes, endlich! Darmstadt war diese Woche Dreh- und Angelpunkt der Republik. Hier lief der Prozess gegen eine Sängerin zuende, die Bundeskanzlerin besuchte das ausgezeichnete Plus-Energiehaus an der TU-Darmstadt und ein Focus-Redakteur bricht eine Lanze für Thilo Sarrazin.

Was das letzte mit Darmstadt zu tun hat? Der Redakteur macht aus dem inzwischen zu Eis erstarrtem Kaffee einer Sarrazin-Äußerung hier im Juni eine Verschwörung des hiesigen dpa-Mitarbeiters.

Ich weiß ja nicht, auf wen verlasse ich mich mehr nach einem mündlichen Vortrag, wie dem Sarrazins? Auf die Truppe, die sich hat berieseln lasssen, oder auf den der mitgeschrieben hat? Und dann gibt es noch so Weisheiten wie „wenn es quackt wie eine Ente, ist es eine Ente“.

Und ich dachte ja Journalisten sind eigentlich verschwörungsresistent, Konspiration wird uns schließlich an jeder Ecke präsentiert. Ist ja auch logisch, Verschwörungstheorien erklären perfekt, warum wie was gelaufen ist. Nur in der Regel läuft es eher blöd als konspirativ. Naja, und dann ist das vermeintliche Verschwörungsopfer ja manchmal auch nicht das hellste und hat auch Fehler gemacht – die es nur nicht einsehen will, ja nicht einmal nicht einsehen muss – war ja schließlich eine Verschwörung. Der perfekte Zirkelschluss.

Und selbst wenn im Juni falsch berichtet worden sein sollte, dann halte ich mich immer noch an Josef Joffe: „Versuche nie durch Konspiration zu erklären, was auf Chaos oder Inkompetenz zurückgeführt werden muss.“ Aber dass der Mann vom Focus an eine Verschwörung denkt, lässt sich ja auch wieder auslegen und an Verschwörung denken.

Nachtrag: Jörg hat festgestellt, dass Sarrazin was mit einem Charakter aus (dem) einen Darmstädter Lokalschwank gemeinsam hat …

Und wenn ich jetzt nochmal die dpa-Meldung anschaue und das was Sarrazin zur Zeit sagt, weiß ich gar nicht so recht, was der Focus-Redakteur da retten wollte?

Nachtrag, 7.9.2010: Mir erzählte jemand, der beim Sarrazin-Vortrag in Darmstadt dabei gewesen war, dass das was in der Zeitung stand so nicht gesagt wurde. Und dann ist da noch RP-Online:

Der Gastgeber der Veranstaltung, die Arbeitskreise Schule-Wirtschaft der Unternehmensverbände Südhessen, wandte sich gegen diese Darstellung: „Ein Zusammenhang von ethnischem Hintergrund und Intellekt wurde so von Herrn Sarrazin nicht hergestellt“, sagte der Geschäftsführer der Arbeitskreise, Reinhold Stämmler.

Hm. Den Geschäftsführer habe ich auch ein paar Mal getroffen und von dem würde ich auch nicht sagen, dass er lügt.

Aber das wird sich aufklären. Die Staatsanwaltschaft ermittelt ja und nach meinen Informationen hat sie die Teilnehmerliste der Veranstaltung angefordert.

Nachtrag, 6.10.2010: Die Sätze, die soviel wirbel machten, fielen in den letzten fünf Minuten wurde mir gesagt. Und auch, dass sie gefallen seien.


1. Der dpa-Mitarbeiter und ich kennen uns und ich habe auch für die dpa geschrieben.
2. Ein Diskussion, ob TS recht hat oder nicht – wie sie bei Stefan Niggemeier losgebrochen ist – werde ich nur sehr eingeschränkt zulassen. Wer das will, kann das in seinem Blog tun oder eines aufmachen. Ich empfehle WordPress.

Leichte Verschiebungen

So, liebe Leser, ich habe ab heute etwas ausgemistet. Die Pressemitteilungen (PM) finde ich ja ganz brauchbar, aber damit könnte man ja ein eigenen Blog füllen. Was ich von nunab bei der Außenstelle „Ludwigs Blick“ (http://ludwigsblick.wordpress.com) machen werde.

Damit verwässert „Verwickeltes“ nicht weiter, denn eine reine Pressemitteilungswiedergabe sollte das hier ja nicht werden, andererseits ist es schade, wenn so manche PM versandet. Ebenso werden bei „Ludwigs Blick nach DA und dort“ die Südhessenlinks erscheinen.

Ich hoffe mal, dass das Konzept trägt.

Nachtrag: Tat es nicht. Denn zum einen waren manche PMs einfach zu lang und andere mussten von mir erst umformatiert werden, weil sie z.B. PDFs waren. Oder die Rechtschreibung zu eigenwillig war indem manche Worte komplett in Versalien geschrieben waren. Das machte dann doch zuviel Arbeit

Deutsche Annington – die ungeplante Echo-Serie

Manche Dingen fallen einfach zusammen. Wie diesen Monat Echo-Artikel über die Deutsche Annington:
16. August: Mängel und Schandflecke am Hauptbahnhof

Seitdem das Haus nicht mehr der Bahn gehöre, passiere „gar nichts“. Der Besitzer, die Deutschen Annington, sei nicht zu erreichen, der für die Immobilie zuständig Hausmeister auch nicht, sagt eine Mieterin.

19. August: „Bundesweit nur rausholen“

Der Mieterverein kennt das Unternehmen mit seinem „Schön, hier zu wohnen“-Slogan schon länger. „Der stimmt“, sagt Geschäftsführerin Heilmann ironisch, „problematisch wird es, wenn man etwas braucht.“ Das Unternehmen wolle „nur rausholen, doch nichts investieren“. Dem widerspricht Annington-Sprecherin Katja Weisker. Der Investor hinter der Annington (die britische Terra Firma) habe bisher keine Dividendenauszahlung bekommen. Das Geld gehe in die Sanierung, die Bestände und das Unternehmen.

20. August: Der Mietvertrag fehlt – Amtsgericht entscheidet voraussichtlich im Spätherbst

Der Richter gab auch einen Hinweis auf die künftige Miete, wenn man Zu- und Abschläge des Darmstädter Mietspiegels berücksichtige. Dabei kam er sogar auf einen zehn Cent niedrigeren Quadratmeter-Mietzins.

26. August: Angst vorm Aufzug

Mieter: Der Fahrstuhl in einem Hochhaus ist notorisch kaputt, weil sich die Deutsche Annington nicht kümmert. Unternehmen: Ein Außendienst fahre die Mieter mit ihren Anliegen sukzessive ab.

Wie mir gesagt wurde, besteht der Außendienst aus 220 Mitarbeitern, die bundesweit täglich 1300 Termine abarbeiteten. Wenn man das stumpf rechnet, sind das 5,9 Termine am Tag, bei einem Acht-Stunden-Tag hat ein Mitarbeiter für jeden Termin mit Anfahrt etwa 81 Minuten Zeit.

Nachtrag, 28.1.2011: „Vermieter muss auch investieren“ – Niederlage für Annington am Amtsgericht: Mieter muss keinen Zuschlag für Schönheitsreparaturen zahlen

Bond-Darsteller Connery wird heute 80 Jahre alt

Sean Connery wird heute 80 Jahre alt. Auch wenn er Bond als Rolle verfluchte, sie hat nunmal sein Leben geprägt. Für die W-Akten/Besserwisserseite hatte ich vor einigen Jahren drei Trivia-Sammlungen zum Thema Bond geschrieben (die sich teilweise wiederholen, ok, ok). Unter anderem mit Fakten wie: Bei den ersten drei Bond-Filmen läuft gar nicht Connery in der Eröffnung mit dem Punkt vor den Pistolenlauf, sondern der Stuntman Bob Simmons. Für „Feuerball“ wurde die Szene dann mit Connery neu aufgenommen.

2002: Die Another Day
2002: Ken Adam, Bond Setdesigner von „Dr. No“ bis „Moonraker“
2006: James Bond 1954 bis 2006 – Neuanfang und Rückblick