Die Eberstädter Provinzial-Pflegeanstalt im Nationalsozialismus,

Dr. Immo Grimm, ehemaliger leitender Oberarzt der Hautklinik im Eberstädter Klinikum, hat die Geschichte der früheren Provinzial-Pflegeanstalt auf dem heutigen Klinikumsgelände erforscht.

Echo online: Das „Euthanasie“-Programm der NS-Diktatur und die Folgen in Eberstadt und Nieder-Ramstadt

Was mir auch da wieder auffiel, wie bei anderen NS-Verbrechen: Den Verwandten der Ermordeten wurden von den Einrichtungen falsche, normal klingende Todesursachen genannt. Auf der anderen Seite sahen sich die Täter im Recht und hatten ja auch einen Auftrag von ganz oben (Zentraldienststelle T4), aber dass sie ihre Morde verschleierten, zeigt mir, dass sie schon wussten, dass sie Verbrechen begingen.

Und was sich für mich aufklärte: Die sogenannte Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft, die die Menschen in grauen Bussen zwischen den Heimen letztendlich in den Tod transportierte, war nicht die mit den Gaswagen.

Ruth Reichardt und Immo Grimm: Ins Licht gerückt ... Von der Provinzial-Pflegeanstalt Eberstadt zum Teilklinikum der Stadt Darmstadt 1903 -2013
Ruth Reichardt und Immo Grimm: Ins Licht gerückt …
Von der Provinzial-Pflegeanstalt Eberstadt zum
Teilklinikum der Stadt Darmstadt 1903 -2013

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Insgesamt nun 266 Stolpersteine in Darmstadt gesetzt

Stolpersteine werden in der Hochstraße gesetzt.

Wenn Menschen am Straßenrand so zusammenstehen wie auf dem Foto, dann werden dort in der Regel Stolpersteine gesetzt. So am Freitag (22. April) in der Hochstraße 42. Dort wo jetzt ein Teil der Viktoriaschule-Neubauten steht, stand vor dem Krieg ein Haus neben der Schule.

Echo online: Vor der Viktoriaschule in der Hochstraße sind am Freitag fünf Stolpersteine zum Gedenken an die Familien Ranis und Gutenberg gesetzt worden

Einige Mitglieder der Familie Ranis konnten fliehen, darunter war auch Frieda (geb. Ranis), die 1933 mit ihrem Mann Karl Heß Deutschland verlassen konnte. Karl Heß war von 1928 bis 1933 Vorsitzender (entspricht dem heutigen Präsidenten) des SV Darmstadt 98.

Einige Mitglieder der Familie Ranis konnten fliehen, darunter war auch Frieda (geb. Ranis), die 1933 mit ihrem Mann Karl Heß Deutschland verlassen konnte. Karl Heß war von 1928 bis 1933 Vorsitzender (entspricht dem heutigen Präsidenten) des SV Darmstadt 98.[/caption]

In Darmstadt sind damit nun insgesamt 266 Steine gesetzt, die an Vertreibung und Vernichtung der Deutschen jüdischen Glaubens, der Zigeuner, politisch Verfolgter, Homosexueller, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfern während der Zeit des Nationalsozialismus erinnern.

Die Stellen im Bürgersteig, wo die Steine gesetzt werden, sind in der Regel etwas vorbereitet.

Förderverein Liberale Synagoge startet ins Erinnerungsarbeitsjahr 2016

(PM FLS) Der Förderverein Liberale Synagoge (FLS) hat 2016 zwei zentrale Projekte: Das 140 Jahre Liberale Synagoge-Jubiläum und das Karl Heß-Projekt. Karl Heß war Vorsitzender des SV 98, musste aber vor den Nazis nach Frankreich und später nach Brasilien fliehen.

Der FLS wird das ganze Jahr über mit Veranstaltungen an den runden Geburtstag der Liberalen Synagoge erinnern – das Jüdische Gotteshaus feiert 2016 seinen 140. Geburtstag.
Die Liberale Synagoge, ein eindrucksvoll-prachtvoller Sakral- und Monumentalbau von 24 Metern Höhe, der die Dächer Darmstadts überragte, war am 23. Februar 1876, vor genau 140 Jahren, im Beisein der versammelten Stadt und großherzoglichen Landesprominenz eröffnet worden. Erbaut wurde sie durch den Stadtbaumeister Eduard Köhler, vor allem von dessen Assistenten Stephan Braden. „Diese Liberale Synagoge war, wie es damals hieß, eine ‚Zierde unserer Stadt‘, gehörte bis zur Zerstörung im November 1938 während der Darmstädter Novemberpogrome zu den bedeutenden Wahrzeichen unserer Stadt“, erklärt der Vorsitzende des Fördervereins Liberale Synagoge, Martin Frenzel.

Zum 140. Geburtstag am Dienstag 23. Februar, 14.30 Uhr, wird der Förderverein Liberale Synagoge gleich in zweifacher Weise an die Geschichte des verschwundenen, heute vergessenen Gotteshauses an der Friedrich-/Fuchsstr. erinnern: Zum einen wird es – wie jedes Jahr seit Gründung des Vereins im Januar 2011 – einen kostenlosen Spezial-Rundgang „140 Jahre Liberale Synagoge Darmstadt. Auf den Spuren des Jüdischen Darmstadts und eines NS-Verbrechens“ in der Gedenkstätte Liberale Synagoge Klinikumsgelände geben.

Am gleichen Tag wird es abends um 19.30 Uhr einen Bildvortrag des Fördervereins Liberale Synagoge im Rüdiger Breuer-Saal der Jüdischen Gemeinde (Wilhelm-Glässing-Str.) geben: Dort erinnert der Historiker und Buchautor Martin Frenzel an das Gotteshaus. Titel des Vortrags: „Eine Zierde unserer Stadt. 140 Jahre Liberale Synagoge (1876 – 1938 – 2003)“. Der Vortrag schlägt einen Bogen von der Einweihung vor 140 Jahren 1876 durch den Großherzoglichen Rabbiner Dr. Julius Landsberger über die Schändung und Zerstörung des Sakralbaus während der NS-Novemberpogrome 1938 bis zur scheinbar wundersamen Wiederkehr der Fragmente des Gotteshauses im Oktober 2003, vor dreizehn Jahren. Weiterlesen

Wicki Weißwas zur Weißen Rose

„Die Weiße Rose“ war aus aus einem studentischen Freundeskreis hervorgegangen und versuchte mit Flugblättern und Wandparolen gegen die nationalsozialistische Diktatur Widerstand zu schüren. Die berühmtesten Mitglieder waren die Geschwister Hans und Sophie Scholl.

Hans Scholl wurde am 22. September 1918 geboren. 1936 nahm er als 18-jähriger am Parteitag in Nürnberg teil, stellte aber enttäuscht fest, dass vernünftige Diskussionen dort nicht gefragt waren. Ab 1940 studierte er Medizin an der Maximilians-Universität in München

Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 geboren und studierte in München Biologie und Philosophie. Sie ist der gleiche Jahrgang wie der Darmstädter SS-Mann Hans Stark.

Andere Mitglieder waren u.a. Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf, Kurt Huber, Franz Joseph Müller, Heiner Guter, Wilhelm Geyer, Susanne und Hans Hirzel.

Hans Hirzel war übrigens Mitglied der rechtsgerichteten Republikaner und 1994 von seiner Partei als Bundespräsident vorgeschlagen worden.

Der Name „Die Weiße Rose“ beruht wahrscheinlich Weiterlesen

Ein Darmstädter geht mit 16 Jahren zur SS – Ausstellung zum Auschwitz-Prozess

Der Darmstädter Hans Stark (1921-1991) war der jüngste Angeklagte im Auschwitz-Prozess und wurde 1965 wegen mehrfachen Mordes verurteilt. Das Foto zeigt einen Ausschnitt einer Ausstellungstafel des hessischen Hauptstaatsarchivs.

Vor Jahren hatte ich mal zur SS einige Sachen nachgeschaut und war über einen Darmstädter gestolpert und entsetzt. Der Mann hieß Hans Stark, war Jahrgang 1921 und war der jüngste Angeklagte und Verurteilte im ersten Auschwitz-Prozess, der von 1963 bis 1965 in Frankfurt stattfand.

Der Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963-1965): Kommentierte Quellenedition (Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts)Der Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963-1965):
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Stark kam mit 16 Jahren zur SS und war in den vierziger Jahren Aufseher in Ausschwitz, erschoss Menschen und schüttete Zyklon B in die Gaskammern. Nach dem Krieg wurde er erst als Mitläufer gesehen. Als die ersten Anschuldigungen kam, konnte er sich kurzzeitig damit rausreden, dass er nur Pferdepfleger – da gibt es auch ein Foto – des SS-Kommandanten Höß gewesen wäre.

Die Widerstandskämpferin Sophie Scholl war übrigens auch 1921 geboren.

Warum ich auf Hans Stark komme? Im Foyer des Justus-Liebig-Hauses ist bis 10. April die Ausstellung „Die historische Wahrheit kund und zu wissen tun“ – Die justizielle Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Hessen. Die Ausstellung stammt vom hessischen Hauptstaatsarchiv. Der Katalog steht auch online.

Echo online: Aus dem Dienstzimmer ins „feindliche Ausland“. Die Überschrift bezieht sich auf einen Satz des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, der die Ermittlungen zum Auschwitz-Prozess entscheident vorangetrieben hatte.

Weil Fritz Bauer die juristische Verfolgung der NS-Verbrecher vorantrieb, hatte er wenig Freunde in der Justiz, in der ja auch ehemalige Nazis wieder untergekommen waren. Und so sagte Bauer: „Wenn ich mein Zimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland.“

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NS-Zeit: „Wer wollte, konnte Bescheid wissen“

Dienstag (27.) waren in Darmstadt historische Rundgänge zum Gedenken an die Befreiuung des KZ Auschwitz.

Echo Online: „Wer wollte, konnte Bescheid wissen“ – Auschwitz-Gedenktag: Drei Rundgänge erinnern an Darmstadt unter dem Nationalsozialismus

OB Jochen Partsch erwähnte nur kurz den Darmstädter SS-Mann, Gestapo-Führer und Juristen Werner Best. Er ist ein deutliches Beispiel für „Man konnte Bescheid wissen“. Werner Best hatte Weiterlesen