Vakzinierung: Abgehängt von Israel, Großbritannien und den USA

Ourworldindata.org: COVID-19 vaccination doses administered per 100 people, Jan 2, 2021

Dass das mit dem Impfen gegen Covid-19 langsam anläuft, ok, aber wenn ich sehe, dass es zeitgleich woanders deutlich besser läuft, dann wundere ich mich ja schon.

Mir fällt auf, dass selbst Länder wie USA und UK mit bislang eher suboptimalen Pandemiemanagement (jedenfalls in meiner Wahrnehmung) drei- bis sechsmal besser als Deutschland gestartet sind.

Ich frage mich auch, wo bei der EU-Kommission, die die Vakzine einkaufen sollte, die Prioritäten lagen? Täglich infizieren sich Personen und es sterben Menschen in Größenordnungen von Flugzeugabstürzen. Und vor dieser zweiten Welle hatten alle Experten gewarnt. Weil es sie immer gibt.

Es verbrennen zur Zeit Milliarden Euro in den Volkswirtschaften und werden auch direkt über Konjunkturprogramme rausgehauen, um die Symptome der Coronavirus-Pandemie zu bekämpfen. Die 20 Milliarden Euro für die Mehrwertsteuersenkung sind z.B. so eine Maßnahme. Wieviel hätte man da bei Biontech oder Moderna kaufen können? Einiges (Preisliste pro Dosis: Astra Zeneca: 1,78 Euro; Johnson & Johnson: 6,95 Euro; Sanofi-GSK: 7,56 Euro; Curevac: 10,00 Euro; Biontech/Pfizer: 12,00 Euro; Moderna: 14,70 Euro.)

Rechnerische Kosten, um die ganze EU-Bevölkerung impfen zu können.

Hochgerechnet bedeutet das, dass 900 Millionen Impfdosen von jedem Hersteller insgesamt rund 50 Milliarden Euro gekostet hätten. 1,8 Milliarden Euro pro EU-Land. Und wenn man es auf die Bevölkerung umrechnet entsprechend mehr oder weniger. Deutschland bräuchte 166 Mio. Impfdosen, was so rund 9,3 Milliarden Euro bedeutet hätte. Zum Vergleich: Rund neun Milliarden Euro hatte alleine die Lufthansa bekommen. Und die sogenannte Novemberhilfe wird mit 26 Milliarden Euro veranschlagt.*

Und dann wollte man beim Vakzin, das an der Ursache ansetzt, sparen. Ausgerechnet da. Oder glaubte anscheinend, dass Forschung so geplant funktioniert wie im Computerspiel „Civilization“ und sich an die Daten im Businessplan hält – und man deswegen im Herbst 2020 garantiert aus sechs Anbietern günstig auswählen kann.

Und nein, ich muss kein Huhn sein, um zu erkennen, dass ein Ei faul ist. Israel ist beim Impfen 50x weiter als wir, hat aber nur 10x weniger Einwohner.

Nachtrag: Die EU-Kommission hat insgesamt zwei Milliarden Dosen bestellt. Aber von den 2 Milliarden können wir aktuell die 300 Millionen von Sanofi schonmal abziehen, weil die erst irgendwann im Jahr 2021 eine Zulassung beantragen werden. Ebenso haben die anderen bis auf Biotech bei uns zur Zeit noch keine Zulassung.

Genaugenommen ist aktuell ein zugelassener Impfstoff für 150 Mio. Menschen bestellt (Biontech, 300 Millionen Dosen für je zwei Impfungen). Im November. Man war gar nicht im Sommer ins „Risiko“ gegangen, auf falsche Pferde zu setzen.

Ruhrbarone.de: EU-Impfdebakel – Am 14. August schloss (die EU) einen Vertrag mit AstraZeneca ab, am 18. September mit Sanofi, am 7. Oktober mit Johnson & Johnson. Am 11. November wurde man sich mit Biontec einig, am 19. November mit Curevac und am 25. November mit Moderna.

Gehen wird davon aus, dass Moderna und Astrazeneca auch Zulassungen bekommen (weil sie sie schon in den USA und UK haben), sind es 860 Mio. Dosen, also für 430 Mio. Menschen in der EU.

Ok, das könnte reichen. Aber wie ich das verstehe, basiert diese Gesamtzahl auf weiteren Bestellungen vom Dezember.

Denn bis Mitte Dezember sah es so aus:

Spiegel: Deutschland wird wohl nicht genügend Vakzinen haben, um die Pandemie bereits im Sommer zu beenden (€) – Bi­ontech/​Pfi­zer, des­sen Kan­di­dat am 21. De­zem­ber zu­ge­las­sen wer­den soll, wird nach jet­zi­gem Stand im ers­ten Halb­jahr un­ge­fähr 45 Mil­lio­nen Do­sen nach Deutsch­land lie­fern kön­nen. Mo­der­na, des­sen Impf­stoff am 6. Ja­nu­ar zu­ge­las­sen wer­den soll, könn­te rund 15 Mil­lio­nen Do­sen lie­fern. Macht zu­sam­men rund 60 Mil­lio­nen Do­sen.“

* – Nebenbei zeigt dies, dass man mit Impfen eigentlich nicht den großen Reibach macht. Viel lohnender wäre es, wenn man nur Schnelltests hätte, die man oft wiederholen muss. Und Medikamente, die man täglich nehmen muss.

This illustration, created at the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), reveals ultrastructural morphology exhibited by coronaviruses.

(Ergänzt am 4.1.2021 um 12.14 Uhr)

Junger Mann vergibt Chance auf Neustart mit seiner Familie in Bickenbach

Ein junger Mann, der bis 2014 im nordhessischen Twistetal gelebt hat, will im südhessischen Bickenbach zur freiwilligen Feuerwehr. Der 24-Jährige sagt, er war schonmal bei einer Wehr in Nordhessen, die Feuerwehrleute zeigen ihm Gerätehaus und Fahrzeuge. Bei einem Einsatz wegen eines brennenden PKW-Anhängers darf er mitfahren. Aber er bringt sein polizeiliches Führungszeugnis einfach nicht bei. Als der stellvertretende Gemeindebrandinspektor immer wieder nachhakt, offenbart der Bewerber, dass er wegen Brandstiftung vorbestraft sei. Das geht natürlich nicht, damit konnte er nicht bei der Feuerwehr mitmachen. Das war im Sommer 2019.

Diese Woche wurde der inzwischen 26 Jahre alte Mann erneut wegen Brandstiftung und versuchter schwerer Brandstiftung in zwei Fällen vom Darmstädter Landgericht zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Echo online: Bickenbacher Brandstifter muss in Haft (€)

Die Folgen des zu späten Shutdowns

This illustration, created at the Centers for Disease Control and Prevention (CDC), reveals ultrastructural morphology exhibited by coronaviruses.

Jetzt werden weitere Einschränkungen diskutiert, weil die Fallzahlen nicht runter- und die Toten sogar hochgehen.

Tja, hätten die Landesregierungen auf die Warnung der Kanzlerin vor 19.200 Fällen/Tag an Heiligabend wenn es so weitergeht, gehört, wären wir auf einem deutlich niedrigeren Niveau (das einzige Mal wo es mal niedrig sein soll) Denn diese Warnung kam am 28. September und am 29. September war eine Ministerpräsidentenkonferenz. Und am 9. Oktober war noch eine. Zum Lockdown light entschloss man sich aber erst Ende Oktober.

Coronavirusfälle in Deutschland mit Blick auf die Zahlen im Oktober und November und den möglichen Fallzahlen bei einem Lockdown light im Oktober vs. dem im November. Quelle: ourworldindata.org

Und jetzt schaue ich mal auf die Kurve der Fälle pro 1.000.000 Einwohner.

Der Lockdown light begann am 2. November, nach einer Woche, ab dem 9.11., stiegen die Fallzahlen nicht weiter an, blieben aber auf dem Plateau von über 200/1.000.000. Wenn ich das jetzt mal auf den 5. Oktober übertrage (das war auch ein Montag wie der 2.11.) und dann am 12. Oktober gucke, dann wäre das Plateau bei 48 Fällen/1.000.000 erreicht worden, also vier Mal weniger als jetzt.
Und bei den Todesfällen wären wir mit einem Lockdown light (ab 5. Oktober) bei zirka 0,2 Fällen/1.000.000 am 12. Oktober gelandet. Zur Zeit sind es laut Grafik 4,8/1.000.000.

Indikator X-Mas-Shopping

In der Darmstädter Innenstadt finden die Weihnachtseinkäufe wie immer an den Adventssamstagen statt: Drängeln, einem den Weg abschneiden, in den Abstand reinlaufen wie auf der Autobahn, spontan stehen bleiben, gern an Engpässen etc. Für mich ist das ein Indikator, wie gedankenlos die Leute sich auch sonst verhalten. Und sich dann fragen: „Warum gehen die Zahlen bei den Coronavirus-Infektionen nicht runter? Wir tragen doch Masken.“

Ich habe jetzt den Rest bestellt, den ich suchte, die Innenstadt meide ich lieber.

Ausgezeichneter schlampiger Umgang mit Worten – Wort des Jahres 2020

Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählt „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres 2020.

Und adelt damit den schlampigen Umgang mit Worten. Denn es heißt Coronavirus-Pandemie beziehungsweise Coronavirus. Es ist nicht die Biersorte.

Leider habe ich das aus Platzgründen und damit es nicht zu geschraubt klingt, das in meinen Texten nicht durchhalten können. Auch wenn es weh tat, sowas wie „Wegen Corona traf sich die Darmstädter Grünen-Fraktion erstmals über Video im Internet“ oder „Der Hofflohmarkt war aber kein Corona-Konzept“ zu schreiben.

Die Donald Trump-Library steht in Darmstadt

Wenn ein US-Präsident aus dem Amt scheidet, wird inzwischen seine Amtszeit in einer Bibliothek archiviert. Inzwischen gibt es einen ganzen Satz Präsidentenbibliotheken.

Wie die „Trump-Libary“ aussieht, zeigte nun die satirische Jimmy-Kimmel-Show vom 19. November. Nämlich wie das „Haus der Geschichte“ in Darmstadt, in dem unter anderem das Stadtarchiv und das Staatsarchiv sind.

Ein Screenshot der „Trump-Libary“, wie sie sich Jimmy-Kimmel-Live vorstellt.

Das richtige Haus der Geschichte am Darmstädter Karolinenplatz.

Geständnis bei „Nichts ist für die Ewigkeit“

Ein junges Paar hört im Auto Lied „Nichts ist für die Ewigkeit“ von der Band „Böhse Onkelz“. So fange ich meinen Artikel über den dritten Verhandlungstag um einen Raubmordprozess vor dem Darmstädter Landgericht an.

Ja, Musik kann, wenn der Leser sie kennt, einen Artikel illustrieren. Blöd nur, dass das auch ein ehemaliger Spiegelreporter gemacht hatte, der das Singen dann aber oft erfunden hatte. Und sowas hatte ich beim Schreiben natürlich dann auch im Kopf. Macht die Beschreibung eines Liedes den Text unglaubwürdig? Aber der Ermittlungsführer der Polizei hatte das ja in seiner Aussage so beschrieben. Und ich war nicht alleine im Gerichtssaal, als er weiter beschrieb, was in dem verwanzten Auto geredet wurde. Nämlich, dass der Angeklagte nach der Textzeile „Glaubst du, dass ich Kinder töten kann?“ gegenüber seiner Freundin ein Geständnis machte.

Odenwälder Echo: Geständnis im verwanzten Auto