Als die SPD noch Wahlen gewann und die CDU Stimmung gegen Ausländer machte

SPD: 40,9 Prozent. CDU/CSU 35,1 Prozent. Das war das Ergebnis der Bundestagswahl vor genau 20 Jahren, am 27. September 1998. Da hieß es dann, dass es das für die CDU gewesen sei. Die Union habe ihre strukturelle Mehrheit verloren, sie werde sich auf Jahrzehnte in der Opposition einrichten können.

Und auch für die Hessenwahl im Frühjahr 1999 sah „Der Spiegel“ keine Chance für Roland Koch. Im Dezember 1998 schrieb er:

Roland Koch steckt tief im Elend der Christdemokraten, die seit dem Desaster der Bundestagswahl (…) So opponiert die Hessen-Union schon fast ein halbes Jahrhundert – und wohl auch die nächsten vier Jahre.

Aber irgendwas ist ja immer. Roland Koch entfachte eine Stimmungskampagne gegen die rot-grünen Doppelpasspläne – auf die die Bundesregierung aber auch nicht verzichten wollte – und gewann die Hessenwahl.

Deswegen regiert hier seit 20 Jahren nun die CDU.

Das Ende des letzten Zaren vor 100 Jahren

Wo der russische Zar war, stand nachher eine Kirche, könnte man meinen. Die Kapelle auf dem Foto ist die russische Kapelle auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Sie war die Hauskapelle des Zaren Nikoluas II., wenn er seine Verwandschaft in Darmstadt besuchte.

„Wie? Was ist los?“ soll der letzte russische Zar gefragt haben, als der Jekaterinburger Sicherheitschef Jakow Jurowski folgendes erklärt hatte: „Angesichts der Tatsache, daß Ihre Verwandten in Europa die Aggression gegen Sowjetrußland fortsetzen, hat das Ural-Exekutivkomitee beschlossen, Sie zu erschießen.“

Das war vor 100 Jahren in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 in Jekaterinburg. Zar war Nikolaus II. seit der Revolution im März 1917 schon nicht mehr, er hatte abgedankt und war mit Frau und Kindern gefangen genommen worden. Angeblich hatte er die Lage entspannt gesehen und war tatsächlich überrascht, als er erfuhr, dass er jetzt sterben wird.

Der Historiker Martin Aust geht davon aus, dass die Bolschewiki die Zarenfamilie töten ließen, um einen „Unsicherheitsfaktor“ zu beseitigen, da ihre Macht noch nicht gesichert war. Es gab Unruhen unter den Arbeitern, einen Bürgerkrieg mit Konterrevolutionären „Weißen“ Truppen und mit dem Frieden von Brest-Litowsk waren auch nicht alle in Russland einverstanden. Zudem standen „Weiße“ Truppen vor Jekaterinburg und die hätten die Zarenfamilie befreien können. Acht Tage später eroberten diese die Stadt und begannen den Tod des Zaren zu untersuchen.

Der Ort an dem die Familie umgebracht wurde, war ein Haus, dass dem Ingenieur Nikolai Ipatjew gehört hatte. Es wurde später ein Denkmal der Revolution, aber russische Monarchisten sahen in dem Ort eine Gedenkstätte, so dass der damalige Parteisekretär Boris Jelzin (ja, der) das Haus 1977 abreißen ließ. Inzwischen kann man den Ort noch besser finden, 2003 wurde dort die „Kathedrale auf dem Blut“ gebaut.

Und am Ort, 15 Kilometer entfernt von Jekaterinburg, wo die Toten verscharrt wurden, steht inzwischen das „Kloster der heiligen Zaren-Märtyrer„.

Den Deutschen (die Zarin war ja die hessische Prinzessin Alix) erzählten die Bolschewiki übrigens, dass die Zarin und die Kinder noch leben würden. 1924/25 erschien aber dann das Buch des Ermittlers Nikolai Sokolow, der zu dem Schluss gekommen war, dass Zar und Familie tot seien. Was die Zarenmutter, die erst 1928 starb, aber nie glauben wollte.

Echo online: Vor 100 Jahren wurde die Darmstädter Prinzessin Alix ermordet

SWR2: Sehnsucht nach dem Zaren – Russland zwischen Patriotismus und Propaganda

Eine Diskussion (44 Minuten) mit Prof. Dr. Jörg Baberowski, Osteuropa-Historiker, Humboldt-Universität Berlin, Katja Gloger, Autorin und Korrespondentin beim „Stern“ und Prof. Dr. Nikolaus Katzer, Deutsches Historisches Institut, Moskau.

Halloween auf der Burg Frankenstein

Wenn auf der Burg Frankenstein Halloween gefeiert wird, gibt es neben dem Rundgang durch den gruseligen Zwinger auch ein Bühnenprogramm im Burghof.

Es ist wieder soweit, auf der Burg Frankenstein in Nieder-Beerbach wird Halloween gefeiert.

Echo online: Schlange stehen für Monster

Das abendliche Halloween-Festival (ab 14 Jahren) ist noch am 27., 28., 30. und 31. Oktober sowie am 3. und 4. November. Kinder-Halloween an zwei Nachmittagen ist am 29. Oktober und 5. November. Karten gibt es nur im Vorverkauf, mehr Infos dazu unter www.frankenstein-halloween.de

Inwieweit die Burg Frankenstein mit dem Roman und den daraus abgeleiteten Filmen etwas zu tun hat, hat der Geschichtsverein Eberstadt-Frankenstein mal geprüft. Denn die Frankenstein-Autorin Mary Shelley war am 2. September 1814 nachts für drei Stunden in Gernsheim, weil sie mit einer Reisegesellschaft auf einem Schiff den Rhein entlangfuhr.

Geschichtsverein Eberstadt-Frankenstein:Behauptungen und Irrtümer zum Frankenstein (PDF)

Der Torturm ohne Halloween.

„Der Teer der Straßen brannte“

Kurz vor Mitternacht am 11. September 1944 wurde Darmstadt von der Royal Air Force bombardiert. Jörg Helene hatte das 2012 in seinem Blog beschrieben.

Darmundestat – Brandnacht: (…) insgesamt rund 700 Luftminen und Sprengbomben und die unvorstellbare Zahl von ca. 285.000 Brandbomben, die gezielt die ganze Stadt in Flammen setzten. (…) Selbst auf offenen Plätzen konnte man kaum noch atmen. Die Menschen starben auch im Freien reihenweise an Rauchvergiftungen. (…) Der Teer der Straßen brannte und schmolz in der Hitze und wer unachtsam hineintrat, blieb darin stecken. (…) Der Feuersturm war so kräftig, dass die Glocken der St.-Elisabethkirche am Herrngarten ganz von alleine und seltsam, unwirklich und dumpf zu läuten begannen.

Echo online: Peter Assmus erlebte den Angriff der Royal Air Force am 11. September 1944

Airfield Braunshardt

Das “Airfield Braunshardt” liegt zwischen Worfelden und dem Braunshardter Tännchen auf Büttelborner Gemarkung.

Weiterstadt steht im Zentrum der Luftfahrt. Im Norden der Flugplatz Egelsbach und der Frankfurter Flughafen; im Süden ist der Flugplatz des Modellflugvereins – und westlich war mal das „Airfield Braunshardt“. Letzteres klang so spannend, dass ich mich mal auf die Suche machte.

Echo online: In den Himmel über Braunshardt

Trolle im Wahlkampf: Bevölkerungswachstum

Neulich behauptete einen Grünen-Freud im Wahlkampf folgendens auf Facebook Darmstadt …

Manchmal ist das auf fb schon spaßig. Die jetzige grün-schwarze Koalition in Darmstadt sei in sechs Jahren erfolgreicher gewesen als die SPD die 60 Jahre davor, behauptet einer. Und als er nach einem Beispiel gefragt wird, werden als einziges die Einwohnerzahlen von 2011 und 2016 genannt. Ok, da wären zwar auch Bürgerversammlungen gewesen, die es vorher noch nie gab (eine zur Nordostumgehung lass ich jetzt mal unter den Tisch fallen), aber gut.

(Nachtrag: Dieses Manöver „steile These und ein drister Beleg“ ist übrigens die Taktik eine politischen Trolls. Denn während man sich an dem Beleg abarbeitet und guckt, ob der stimmt, kann der schon die nächste Behauptung in die Welt setzen etc.)

Da ich keine Lust habe, mich auf fb rumzuärgern (und am Ende gelöscht zu werden, weil der Kommentator seinen Kommentar und die daran anhängenden löscht) hier mal eine kleine Analyse (hier habe ich ja Hausrecht, das macht alles besser kontrollierbar, hier lasse nur ich Beiträge verschwinden. :-D).

Eigentlich könnte ich es ganz kurz machen: Unglaublich aber wahr, aber die Einwohnerzahl Darmstadts wuchs schon die 60 Jahre davor. 1950 waren es 95.000, im Jahr 2010 waren es 144.000. Das sind 1,5 mal mehr als 1950. Bis 2016 wuchs die Bevölkerung dann auf 160.000 Einwohner. Das ist um das 1,1-fache. Also waren die Sozis (gegen die geht ja die Behauptung) erfolgreicher, die Stadt wachsen zu lassen.

Tata.

Bevölkerungsentwicklung Darmstadt 1939-2016

Dabei wäre ich sowieso vorsichtig, die Stadtentwicklung der vergangenen 60 Jahre komplett der SPD in die Schuhe zu schieben. Das haben die Genossen womöglich gar nicht verdient. Zwischen 1971 und jetzt war das Baudezernat nämlich wie folgt besetzt:

Herbert Reißer (CDU), Rafael Reißers Vater, war zwischen 1971 und 1980 Stadtbaurat, Wolfgang Rösch (CDU) war von 1981 bis 1994 Baudezernent. Bis dahin wurden hauptamtliche Dezernate noch mit einzelnen Oppositionspolitikern besetzt. Ihm folgte Michael Siebert von den Grünen, er war Bürgermeister und Baudezernent. Dann krachte die Koalition und von 1996 bis 1997 war Wolfgang Gehrke (CDU) Bürgermeister und Baudezernent, dann war Hans-Jürgen Braun (Grüne) Baudezernent (bis (2003). Dieter Wenzel (SPD) folgte ihm nach und 2009 wiedergewählt. Seit 2011 entscheiden die Grünen über das Baudezernat, das mit Brigitte Lindscheid (Grüne), dann Cornelia Zuschke (ok, parteilos aber auf Grünen-Ticket) und jetzt Barbara Boczek (Grüne) besetzt wurde. Ok, angenommen, das Amt ist unwichtig und der OB entscheidet eh alles. Warum wollte und will man es dann besetzen? Eben.

Und jetzt ernsthaft: Seit 1998 wächst Darmstadt wieder, zogen anfangs rund 1000 Neubürger pro Jahr in die Stadt sind es inzwischen 2000 pro Jahr. Die Erklärung dafür ist aber nicht die Farbenlehre der jeweiligen Regierungskoalition (1998 übrigens rot-grün) sondern, dass Darmstadt zu den Schwarmstädten gehört, wo junge Menschen wegen Ausbildung, Studium und Arbeitsplatz hinziehen. Und dann Freunde, Bekannte und andere nachholen, weil es dort so klasse sein soll.

Jetzt sind die Darmstädter Hochschulen und Unternehmen aber auch nicht in den vergangenen sechs Jahren entstanden, die gibt es schon etwas länger, Merck beispielsweise seit 1668, die Technische Hochschule seit 1877.

Bevölkerungszuwachs war das einzige Beispiel, das genannt wurde. Daher kann ich jetzt mit der Klugscheißerei schon aufhören.

Bauen und Dezernenten in Darmstadt

Ach ja, da neulich eine Facebook-Diskussion von Grünen-Sympathisanten abgewürgt wurde, habe ich noch zwei, drei Postings von da übrig. Unter anderem war die Nebelkerze gezündet worden, was denn so in den 60 Jahren unter SPD-Führung in Darmstadt so gebaut worden war? Damit sollte davon abgelenkt werden, dass es aktuell bei Grün-Schwarz bei größeren Projekten nicht so vorankommt.

Nachtrag: Siehe auch im Echo vom 11. März 2017: Lähmungserscheinungen im Städtebau.

Es wurde in der Vergangenheit schon einiges gebaut – ob es uns heute noch gefällt, ist was anderes: Da wären zum Beispiel die ganzen Kranichsteiner Wohngebiete (K6, K5 etc) mit neuen Wohnformen nachdem die Maysche Hochhausplanung (auch ein Bauprojekt) von Ende der 60er Jahre gestoppt worden war, das Berufsschulzentrum Nord, das Bürgerparkviertel, das Hundertwasserhaus, die TU-Lichtwiese, die GSI, das neue Landgericht am Mathildenplatz, das Gewerbegebiet in Arheilgen Richtung Weiterstadt, das Muckerhaus, die Eberstädter Zweistelle der Stadtbücherei, der Umbau der Heaghallen zur öffentlich nutzbaren Centralstation, der Umbau des Zentralbads zum Jugendstilbad, Erhalt und Neuausrichtung des Hofgut Oberfeld, der Bürgerpark Nord und seine Sportanlagen, die Straßenbahn nach Kranichstein für 25 Millionen Euro, die ganzen „Soziale Stadt“-Projekte in Eberstadt und Kranichstein, das neue Staatstheater, der neue Büchnerplatz davor, der Umbau des Landestheaters zum Staatsarchiv, die Entwicklung der Telekom-City, die Weststadt, die Sanierung des Martinsviertels ab 1972 mit 46,6 Millionen Euro, Wiederaufbau des alten Pädagogs, der Citytunnel, das Luisencenter, das Darmstadtium, die neue Synagoge, die Gedenkstätte „Liberale Synagoge“ oder die „Meisterbauten“ zu denen u.a. das Justus-Liebig-Haus gehört.

Also ist an der Grünen-Wahlkampflegende, dass 60 Jahre nichs passiert sei, nichts dran.

Und der Gag ist, dass zwischen 1971 bis heute die SPD nur sieben Jahre lang den Baudezernenten stellte. Herbert Reißer (CDU), Rafael Reißers Vater, war zwischen 1971 und 1980 Stadtbaurat, Wolfgang Rösch (CDU) war von 1981 bis 1994 Baudezernent. Im folgte Michael Siebert von den Grünen, er war Bürgermeister und Baudezernent. Dann krachte die Koalition und von 1996 bis 1997 war Wolfgang Gehrke (CDU) Bürgermeister und Baudezernent, dann bis 2003 Hans-Jürgen Braun (Grüne). Dieter Wenzel (SPD) folgte ihm nach (mitgewählt von den Grünen) und 2009 wiedergewählt (von den Grünen), trotz damals schon offensichlicher Fehlleistungen.

Die Zusammenarbeit mit der SPD endete 2009, als die Grünen die Nordostumgehung neu bewerteten und dann ablehnten, aber die SPD auf der Trasse beharrte. 2011 kam mit Brigitte Lindscheid eine Grüne ins Baudezernat und ihre Nachfolgerin Cornelia Zuschke fuhr auf Grünen-Ticket.

Das bedeutet, die Mitglieder der aktuellen Koalition stellten innerhalb von grob 46 Jahren (zwischen 1971 und heute) 35 Jahre den Baudezernenten und die Grünen waren zwischen 2003 und 2011 mit Dieter Wenzel so einverstanden, dass sie ihn wiedergewählt hatten.

Die Folge einer erfolgreichen Ardennenoffensive

So spannend ich ja kontrafaktische Geschichte finde, manchmal sind die Folgen aufgrund einer kleinen Änderung viel simpler, als man es denkt. Heute jährt sich mal wieder die sogenannte Ardennenoffensive, mit der Adolf Hitler 1944 den Zweiten Weltkrieg nochmal zu deutschen Gunsten wenden wollte.

Die Offensive misslang, wie wir wissen. Aber selbst ein Sieg hätte nicht mehr viel gebracht, wie der Militärhistoriker Karl-Heinz Frieser 2015 auf welt.de vermutete:

„Dann wäre wohl die erste Atombombe nicht auf Hiroshima, sondern auf eine deutsche Stadt abgeworfen worden.“

Streitkultur Anno 1916

Ja, so stritt man sich unter adeligen Offizieren vor 100 Jahren:

Erich von Falkenhayn: „Wenn der Marschall es besser machen kann und noch Mut und Lust zu dieser Aufgabe hat, so soll er sie übernehmen!“ Paul von Hindenburg: „An Mut hat es mir bisher, soviel ich weiß, nie gefehlt; aber die Lust an meiner Aufgabe haben Eure Exzellenz mir allerdings oft zu verderben gewusst.“

Wicki Weißwas: Zeitsprung in Alaska

Vor 149 Jahren erlebten die Einwohner Alaskas eine Zeitreise. Sie gingen am 6. Oktober 1867 ins Bett und wachten am 18. Oktober 1867 wieder auf. Denn an dem Tag (also dem 18. Oktober) kam das zuvor russische Alaska zu den USA, die das Gebiet im März 1867 gekauft hatten (Zauberspiegel: 30. März 1867 Alaska an USA verkauft). Der Zeitsprung kam zustande, weil das russische Kaiserreich den julianischen und die USA den gregorianischen Kalender hatten.