„Darmstadt Card“ noch steigerungsfähig

Wer in Darmstadt einige Freizeitangebote an einem Wochenende komprimiert nutzen will, kann dies mit dem Rabattheftchen „Darmstadt Card“ etwas günstiger. Man kann auch zwei Tage am Stück mit Bussen und Bahnen fahren, und das nicht nur in Darmstadt sondern auch noch in den umliegenden Gemeinden wie Pfungstadt, Mühltal oder Weiterstadt (RMV-Tarifzone 40, PDF, ca. 260kB). Alleine wegen dieser Über-Tageskarte ist die „Darmstadt Card“ – bei entsprechend anstehenden Fahrten über drei Zonen – ihren Preis, nämlich 9 Euro, wert.

Aber so ganz scheint die Card nicht zu ziehen. So wurden 2007, 2008 und 2009 je 202, 223 und 256 Exemplare verkauft. Dies antwortete Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) heute dem CDU-Stadtverordneten Peter Mayer auf seine kleine Anfrage.

Damit war ich mit meinen vier Exemplaren im vergangenen Jahr schon ein echter Umsatzbringer mit einen Anteil 1,56 Prozent an dem Produkt.

Finanzielle Luft für Darmstädter Vereine – Sparkasse großzügig

Bürgermeister und Kämmerer Wolfgang Glenz (SPD) kündigte heute im Stadtparlament an, dass die Sparkasse Darmstadt Vereinen entgegenkommen wird, solange in Darmstadt die vorläufige Haushaltführung gilt. Die Sparkasse werde bei Kontoüberziehungen relativ großzügig sein, sagte Glenz und es würden den Vereinen keine Überziehungszinsen berechnet.

Die Kommune will mit dieser Vereinbarung den Vereinen entgegenkommen. Zur Zeit müssen die Vereine auf die normalerweise üblichen Abschlagszahlungen warten, weil die Stadt ohne beschlossenen Haushalt keine freiwilligen Leistungen bedienen darf.

Interview mit Walter Hoffmann

Diesen Freitag ist ein Interview mit OB Walter Hoffmann erschienen (Seite 3, PDF ca. 2,6MB) , dass ich und der Herausgeber der Bessunger Neuen Nachrichten/Eberstädter Lokalanzeiger geführt haben. Man sieht, das geht auch in Anzeigenblättchen.

Was mir auffiel: Walter Hoffmann sieht sich mehr als Vermittler zwischen den Positionen in der Stadt und gegenüber der Stadt. Und das führt dann zu Positionswechseln, beispielsweise beim ICE-Anschluss, die einsam und nicht immer nachvollziehbar scheinen.

Was von Tage übrig blieb: Biologie-Hessensiegerin bei „Jugend forscht“ kommt aus Maintal

Die „Jugend forscht“-Hessensiegerin im Fachgebiet Biologie ist 2010 Ann-Kathrin Förster aus Maintal. Die 20-jährige studiert im ersten Semester in Frankfurt Biochemie.

Sie untersuchte wie Musik von Mozart oder vom Rapper Eminem auf das Wachstum menschlicher Hautzellen (HaCaT-Zellen aus einem Heidelberger Labor) in Zellkulturen wirkt. „Ich hatte die Idee schon mit 17“, sagte sie während des Landeswettbewerbs, der Mittwoch und Donnerstag beim Darmstädter Pharma- und Chemieunternehmen Merck stattfand.

Nachdem sie damals ein Labor in der Frankfurter Uniklinik gefunden hatte, wo sie mit Zellkulturen arbeiten konnte, musste sie aber erst einmal warten: Sie durfte erst ab 18 im Labor arbeiten.

„Mein Prof hatte mir immer freie Hand gelassen“, schildert sie die Betreuung durch August Bernd im Zentrum der Dermatologie und Venerologie. Erst später habe er nachgefragt und so auf Wege und Ansätze hingewiesen.

„Eine reine Beschallung mit Mozart oder Eminem führte zu keinen nachweisbaren Effekt“, ist Försters Ergebnis. Bei abwechselnder Beschallung jedoch proliferieren (reifen) die Zellen schneller und auch der Stoffwechsel steigt. Aus Publikationen ist bekannt, dass bei mechanischen Dehnungsreizen Adhäsionsmoleküle (mit denen die Zellen anhaften) als Rezeptoren fungieren und schließlich zu einer gesteigerten Zellproliferation führen.

Die Studentin geht davon aus, dass die leichten Erschütterungen durch die Bässe bei Eminem und die dazwischen liegenden Ruhephasen entscheidend sind. Denn eine einheitliche Beschallung mit Mozart oder Eminem hatte keinen Effekt. Ann-Kathrin Förster vermutet, dass ein Wechel zwischen Stille und Eminem ähnlich wirkt und Mozartklänge wie Ruhepausen wirken.

Auch ein Hinweis darauf, dass die leichte mechanische Erschütterung wichtig ist, ist dass die Zellen nur dann besser wachsen, wenn die Lautsprecher und die Zellkulturflaschen über ein Blech in Kontakt stehen, zählt die Studentin ihre Ergebnisse auf. Auch der dünnere Boden in den Flaschen ist wichtig, in dickeren Petrischalen wuchsen die Zellen nicht besser.

Die zwei Tage in Darmstadt waren für Förster atmosphärisch gelungen. „Das ist ja kein echter Wettbewerb, es geht ja um den Austausch untereinander.“ Für ihre Arbeit nimmt sie „1000 neue Ideen“ mit, meinte sie, unter anderem Pflanzenkeime zu beschallen.

Studierende dürfen bei „Jugend forscht“ noch teilnehmen, wenn sie in ihrem ersten Studienjahr und nicht älter als 21 Jahre sind.

Alle Landessieger der anderen Fachgebiete stehen beim Sponsor merck.de. (Wer sich wundert, warum nur die Bio-Preisträgerin hier auftaucht: Ich habe vor zehn Jahren – doch schon so lange her – in Zellbiologie promoviert und etwas darüber schreiben mache ich ja ganz gern – jedenfalls lieber als Labor zu stehen.

A propos Mozart-Effekt
Der Mozart-Effekt (Mozartmusik verbessert angeblich bei Kindern die Gehirnleistung), der auch bei diesem Experiment im Hintergund stand, steht allerdings auf wackeligen experimentellen Beinen, da nur eine Arbeit diesen belegt, wie auch Ann-Kathrin Förster festgestellt hat. Spätere Untersuchen (auch diese) sehen Effekte durch Musik, aber nicht speziell durch Mozart.

Eine BMBF-Studie legt nahe, dass die Effekte sekundär sind:

Das eigene Musizieren steigert nach den Erkenntnissen der Forscherinnen und Forscher die Intelligenz – wenn auch nur leicht. Der Konsum von Musik dagegen macht nicht wirklich schlauer. Ein indirekter Effekt kann allerdings dennoch bei den Hausaufgaben helfen: Der Musikgenuss hebt die Stimmung – und damit auch, zumindest kurzfristig, die Leistungsbereitschaft. […] Musik, die Freude macht [nicht nur Mozart], fördert die Leistungsbereitschaft; Klänge, die weniger Spaß bereiten, sollte man beim Lernen – wie auch überhaupt – lieber meiden.

USAmerikanisch

Da ist was dran: Wider den Begriff „US-amerikanisch“.

Ich wurde 1995 von einem Kolumbianer (?) auf „US-amerikanisch“ geeicht. Ich sagte „Amerika“ und er fragte ob, ich die „Vereinigten Staaten“ meine. „Die haben uns nämlich auch noch den Namen gestolen“, meinte er, warum der Unterschied wichtig sei.

Nachtrag: Da der Link oben nicht mehr geht, versuche ich mal eine Zusammenfassung: Man brauche die Differenzierung „US-Amerkanisch“ nur selten, da bei uns mit „amerikanisch“ und „Amerika“ in den meisten Föllen die USA gemeint sind. Was sich auch daran zeige, dass man alle anderen Staaten auf dem amerikanischen Kontinent mit ihren Namen benennt und man da nicht von „brasil-amerikanisch“ etc. spreche.

Leistung lohnt sich … naja … vielleicht

Sueddeutsche.de hat mit einer Kündigungsberaterin gesprochen:

sueddeutsche.de: Dienstag – der beste Tag zum Kündigen
Auch heute noch wird eine Kündigung als Scheitern erlebt.

Schmidt: Ja, aber das ist falsch. Früher wurde in der Regel wegen Fehlverhaltens oder Minderleistung gekündigt. Heute gibt es meist eine Quote: Zum Beispiel müssen zehn Prozent der Belegschaft abgebaut werden. Da geht es oft um ganz andere Überlegungen als um die Leistung des Einzelnen.

Forschung: Es zählt der Inhalt des Stapels und nicht seine Höhe

Nach über zig Jahren kommt bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Erkenntnis, dass Qualität und nicht Quantität zählen.

Zeit.de: „Schluss mit der Salamitaktik“ – Bei Anträgen für Forschungsmittel hat der Wissenschaftler bessere Chancen, der die längste Publikationsliste aufweisen kann. Auch auf eine Professur wird nur derjenige berufen, dessen Schriftenverzeichnis äußerst umfangreich ist. […] Um die Publikationsflut einzudämmen und die Qualität der Forschung wieder in den Mittelpunkt zu stellen, will die DFG – die größte Forschungsfördergemeinschaft – ab Juli für ihre Anträge neue Regeln anwenden. Künftig dürfen Forscher nur noch fünf maßgebliche Werke anführen.

Da kann man sich schon fragen, ob die DFG auf Forschung oder Interessen geachtet hat – oder etwa zu doof war, das mit den Publikationslisten zu durchschauen. Da die Forscher ja selber in der DFG sind, kennen sie den Listentrick aus eigener Praxis. Daraus folgt die gute Nachricht: So doof waren sie schonmal nicht.

Dass Arbeiten möglichst aufgeteilt wurden, war doch schon zu Zeiten meiner Promotion (vor 15 Jahren) lange beklagt und ich selbst hatte so meine Zweifel an einem Focus-Uni-Ranking (einem der ersten in den Neunzigern) weil das die Qualität anhand der Höhe der publizierten Papierstapel gemessen hatte. Alle wissen und wussten, dass ein guter/fleißiger Forscher nicht unbedingt ein guter Hochschullehrer ist – und umgekehrt. Aber die DFG und die Berufunggremien offenbar nicht. Also was steckte dahinter? Jedenfalls nicht die Suche nach der Wahrheit und dem was die Welt zusammenhält.

Griechisches Gold im Zweiten Weltkrieg – Eine Odyssee

„Wir“ – also die Deutschen im Zweiten Weltkrieg – sollen uns damals das griechische Gold unter den Nagel gerissen haben. Sagte Vizepremier Theodoros Pangalos der BBC. Ja, die Deutschen haben damals tatsächlich so ziemlich jedes Verbrechen begangen, nur nicht dieses Gold geraubt.

Handelsblatt: Die Wahrheit über das Gold der Griechen – Das Gold, 18,86 Tonnen, wurde im Frühjahr 1941 beim Vormarsch der Deutschen auf die Insel Kreta gebracht. Als deutsche Fallschirmjäger auch dort landeten, kam das Gold nach Alexandria, später nach Pretoria und schließlich nach London. Nach Kriegsende wurde es zurückgebracht und in der Bank von Griechenland eingelagert. Dort liegt es heute noch. Inzwischen ist der Goldschatz der Griechen sogar auf 112,4 Tonnen angewachsen.