Tatsächlich wird man zu so einer Überschrift verleitet, wenn man sich ein wenig mit dem jetzt erschienenen Walter Scheele-Buch „Burg Frankenstein – eine Zeitreise“ beschäftigt. Darmstadt-Blogger Jörg Heléne hat das Buch des Journalistenkollegen gelesen und ausführlich besprochen. Unter anderem geht es um den Raketenentwickler Wernher von Braun, der an der TH Darmstadt an Wunderwaffen geforscht und 1944 in Nieder-Ramstadt gewesen sein soll.
Archiv der Kategorie: Geschichte
Am 25. März 1945 endete für Darmstadt der Zweite Weltkrieg
(PM Stadt Darmstadt) Am 25. März 1945 marschierten amerikanische Panzertruppen in Darmstadt ein und bescherten der stark zerstörten Stadt ein vorzeitiges Kriegsende.
Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Darmstadt 115.000 Einwohner, zum Kriegsende lebten noch etwa 51.000 Menschen in Kellerhöhlen, Gartenhäuschen und den weniger zerstörten Vororten. Das öffentliche Leben war nahezu zum Stillstand gekommen. Die rund 200 in der Stadt und den Stadtteilen stationierten Soldaten und Volkssturmmänner hatten die an den Ausfallstraßen errichteten Panzersperren verlassen und sich in amerikanische Gefangenschaft begeben oder abgesetzt. Weiterlesen
Ein Darmstädter geht mit 16 Jahren zur SS – Ausstellung zum Auschwitz-Prozess

Der Darmstädter Hans Stark (1921-1991) war der jüngste Angeklagte im Auschwitz-Prozess und wurde 1965 wegen mehrfachen Mordes verurteilt. Das Foto zeigt einen Ausschnitt einer Ausstellungstafel des hessischen Hauptstaatsarchivs.
Der Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963-1965):
Kommentierte Quellenedition –
Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts
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Stark kam mit 16 Jahren zur SS und war in den vierziger Jahren Aufseher in Ausschwitz, erschoss Menschen und schüttete Zyklon B in die Gaskammern. Nach dem Krieg wurde er erst als Mitläufer gesehen. Als die ersten Anschuldigungen kam, konnte er sich kurzzeitig damit rausreden, dass er nur Pferdepfleger – da gibt es auch ein Foto – des SS-Kommandanten Höß gewesen wäre.
Die Widerstandskämpferin Sophie Scholl war übrigens auch 1921 geboren.
Warum ich auf Hans Stark komme? Im Foyer des Justus-Liebig-Hauses ist bis 10. April die Ausstellung „Die historische Wahrheit kund und zu wissen tun“ – Die justizielle Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Hessen. Die Ausstellung stammt vom hessischen Hauptstaatsarchiv. Der Katalog steht auch online.
Echo online: Aus dem Dienstzimmer ins „feindliche Ausland“. Die Überschrift bezieht sich auf einen Satz des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, der die Ermittlungen zum Auschwitz-Prozess entscheident vorangetrieben hatte.
Weil Fritz Bauer die juristische Verfolgung der NS-Verbrecher vorantrieb, hatte er wenig Freunde in der Justiz, in der ja auch ehemalige Nazis wieder untergekommen waren. Und so sagte Bauer: „Wenn ich mein Zimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland.“
Die Akte General (2016)
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Auschwitz – Geschichte eines Vernichtungslagers.
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TH Darmstadt und Nationalsozialismus – „ Der Blick auf die eigene Vergangenheit war lange Zeit ebenso lückenhaft wie geschönt.“
(PM Technische Universität Darmstadt) Das vom Präsidium der TU Darmstadt im 2009 beauftragte Forschungsprojekt „TH Darmstadt und Nationalsozialismus“ ist erfolgreich abgeschlossen. Ein Ergebnis der bewusst bis 1960 reichenden umfangreichen und mit vielen Quellen aufwartenden Aufarbeitung: Insbesondere Ingenieure und Naturwissenschaftler bot das NS-Regime im Interesse von Aufrüstung und Krieg große Entfaltungsmöglichkeiten. Wissenschaftler stellten sich freiwillig zur Verfügung und verknüpften ihre Haltung mit eigenen Zielen. Ein Kern von rund einem Dutzend Professoren bestimmte die Geschicke der TH zwischen 1930 und 1960.
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Schüler aus Darmstadt, Frankreich, Italien und Tschechien im Haus der Geschichte

Eine internationale Schülergruppe recherchierte diese Woche im Staatsarchiv am Karolinenplatz.
Zeitzeugin Edith Erbrich

Die noch 1945 ins KZ Theresienstadt deportierte Zeitzeugin Edith Erbrich sprach am Mittwoch (12.) in der Albrecht-Dürer-Schule in Weiterstadt.
Persönlicher als abstrakte Ermordetenzahlen in Millionenhöhe sein können, schilderte die Frankfurterin Edith Erbrich (77) auf einer Veranstaltung des DGB-Weiterstadt rund 80 Oberstufenschülern, wie sie als Kind in Deutschland schikaniert, verfolgt und drei Monate vor Kriegsende ins KZ Theresienstadt kam. Echo Online: Kartoffelschalen gegen den Hunger.
Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass die SS ursprünglich geplant hatte, sie und andere Kinder weiter ins KZ Auschwitz zu deportieren und am 9. Mai 1945 zu vergasen. Auschwitz war am 27. Januar 1945 von der Roten Armeee befreit worden, am 8. Mai kapitulierte die Wehrmacht bedingungslos.
9.9.1914 – Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg benennt Kriegsziele
In einem sogenannten Septemberprogramm hat Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg für seinen Stellvertreter in Berlin, Staatssekretär Clemens von Delbrück, Kriegsziele formuliert; eine „vorläufige Aufzeichnung über die Richtlinien unserer Politik beim Friedensschluß“.
Interessant ist (mit Blick auf die EU von heute) ein Passus zu einer wirtschaftlichen Union, „mitteleuropäischer Wirtschaftsverband“ genannt. Mit Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, Österreich -Ungarn, Polen und eventuell Italien, Schweden und Norwegen, Luxemburg würde deutsches Bundesland. Und die Sache natürlich unter deutscher Vorherrschaft. Da könnte man mit dem Wissen von heute in Griechenland oder Italien doch auf Ideen kommen.
Frankreich
Von den militärischen Stellen zu beurteilen, ob die Abtretung von Belfort, des Westabhangs der Vogesen, die Schleifung der Festungen und die Abtretung des Küstenstrichs von Dünkirchen bis Boulogne zu fordern ist.In jedem Falle abzutreten, weil für die Erzgewinnung unserer Industrie nötig, das Erzbecken von Briey. Ferner eine in Raten zahlbare Kriegsentschädigung; sie muß so hoch sein, daß Frankreich nicht imstande ist, in den nächsten 15-20 Jahren erhebliche Mittel für Rüstungen aufzuwenden.
Des weiteren: Ein Handelsvertrag, der Frankreich in wirtschaftliche Abhängigkeit von Deutschland bringt, es zu unserem Exportland macht und uns ermöglicht, den englischen Handel in Frankreich auszuschalten. Dieser Handelsvertrag muß uns finanzielle und industrielle Bewegungsfreiheit in Frankreich schaffen – so, daß deutsche Unternehmungen nicht mehr anders als französische behandelt werden können.Belgien
Angliederung von Lüttich und Verviers an Preußen, eines Grenzstriches der Provinz Luxemburg an Luxemburg.
Zweifelhaft bleibt, ob Antwerpen mit einer Verbindung nach Lüttich gleichfalls zu annektieren ist. Gleichviel, jedenfalls muß ganz Belgien, wenn es auch als Staat äußerlich bestehen bleibt, zu einem Vasallenstaat herabsinken, in etwa militärisch wichtigen Hafenplätzen ein Besatzungsrecht zugestehen, seine Küste militärisch zur Verfügung stellen, wirtschaftlich zu einer deutschen Provinz werden. Bei einer solchen Lösung, die die Vorteile der Annexion, nicht aber ihre innerpolitisch nicht zu beseitigenden Nachteile hat, kann franz. Flandern mit Dünkirchen, Calais und Boulogne, mit großenteils flämischer Bevölkerung diesem veränderten Belgien ohne Gefahr angegliedert werden. Den militärischen Wert dieser Position England gegenüber werden die zuständigen Stellen zu beurteilen haben.Luxemburg wird deutscher Bundesstaat und erhält einen Streifen aus der jetzt belgischen Provinz Luxemburg und eventuell die Ecke von Longwy.
Es ist zu erreichen die Gründung eines mitteleuropäischen Wirtschaftsverbandes durch gemeinsame Zollabmachungen, unter Einschluß von Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, Österreich-Ungarn, Polen und eventl. Italien, Schweden und Norwegen. Dieser Verband, wohl ohne gemeinsame konstitutionelle Spitze, unter äußerlicher Gleichberechtigung seiner Mitglieder, aber tatsächlich unter deutscher Führung, muß die wirtschaftliche Vorherrschaft Deutschlands über Mitteleuropa stabilisieren.
Die Frage der kolonialen Erwerbungen, unter denen in erster Linie die Schaffung eines zusammenhängenden mittelafrikanischen Kolonialreichs anzustreben ist, desgleichen die Rußland gegenüber zu erreichenden Ziele werden später geprüft.
Als Grundlage der mit Frankreich und Belgien zu treffenden wirtschaftlichen Abmachungen ist eine kurze provisorische, für einen eventuellen Präliminarfrieden geeignete Formel zu finden.
Holland
Es wird zu erwägen sein, durch welche Mittel und Maßnahmen Holland in ein engeres Verhältnis zu dem Deutschen Reiche gebracht werden kann.
Dies engere Verhältnis müßte bei der Eigenart der Holländer von jedem Gefühl des Zwanges für sie frei sein, an dem Gang des holländischen Lebens nichts ändern, ihnen auch keine veränderten militärischen Pflichten bringen, Holland also äußerlich unabhängig belassen, innerlich aber in Abhängigkeit von uns bringen. Vielleicht ein die Kolonien einschließendes Schutz- und Trutzbündnis, jedenfalls enger Zollanschluß, eventuell die Abtretung von Antwerpen an Holland gegen das Zugeständnis eines deutschen Besatzungsrechtes für das befestigte Antwerpen wie für die Scheldemündung wäre zu erwägen.
Historiker bewerten das in den 50er Jahren aufgetauchte Dokument nicht einheitlich. Die einen sehen darin eine Momentaufnahme, eine Idee, entstanden unter dem Eindruck der ersten Siege; andere sehen darin einen entlarvenden Plan des Reiches. Offziell oder verkündet wurde das Programm nicht.
ZDF-Dokumentation zur Marneschlacht 1914
Im ZDF lief 1977 eine Dokumentation zur Marne-Schlacht. Die Sendung wurde im Januar auf Phoenix wiederholt. Der Reiz war, dass „ Generale – Anatomie der Marneschlacht„die Schlacht ohne Geballer als Kammerspiel zwischen den Generälen auf deutscher Seit darstellte.
Inzwischen stehen die beiden Teile (1, 2), von Sebastian Haffner moderiert, auf YouTube
Allerdings berichten „Spiegel“ und „Zeit“ in ihren Rezensionen, trotz der Behauptung Haffners, dass das gezeigte alles belegt sei, dass Fehler und frei erfundene Szenen drin seien. Schade, so gibt es nur einen Eindruck wieder, wie das damals so lief.
31.7.1914 – Geldprobleme in Russland
Der russische Außenminister Sergej Sasonow telegrafiert am 31. Juli 1914 an die Botschaft in Paris. Die aktuelle Lage sei für die russischen Banken wegen Devisenmangels sehr schwierig. Französischen Banken sollten wenn möglich ihre Forderungen aufschieben.
Die Vorhersage Wilhelms II.
Christopher Clark über Wilhelm II. in einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger:
Wilhelm II. hatte eine scharfe Intelligenz. Wenn er über die Weltläufe abstrakt räsonierte, konnte er zu sehr klugen Einsichten kommen. (…) Im November 1916 bemerkte er bei einem Besuch in Wien, er verstehe nicht, warum sich so viele Nörgler und Pessimisten über den Verlauf des Krieges äußerten. Die Deutschen müssten doch nur warten: In Russland werde eine Revolution kommen, die Briten hätten kein Geld mehr und in Frankreich sei die Moral unglaublich niedrig. Das war keine unkluge Diagnose, nur hörte niemand auf ihn. (… Aber) In der Tat waren selbst seine gesündesten Einsichten eingebettet in einen Schwall zügelloser Äußerungen, stilistischer Entgleisungen und peinlicher Bekenntnisse.
Im Vorfeld des Krieges gab es auch einen Satz Ansagen, die sich als richtig herausstellten: Die Vorhersagen des Admirals, des Eisenbahnbarons und des Altkanzlers