2.2.1914 – Die Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika wird fertig

In der Kolonie Deutsch-Ostafrika (Tanganjika ist der Name für das tansanische Festland) wird die Tanganjika-Bahn eröffnet. Sie verbindet über 1250 km Daressalam am Indischen Ozean mit dem Tanganjikasee.

Und da es gerade um Deutsch-Ostafrika geht und vor dessen Küste die Insel Sansibar liegt: Den „Helgoland-Sansibar-Vertrag“ von 1890 gab es so nicht, er hieß „Vertrag über Kolonien und Helgoland“. Denn Deutschland bekam das für seine strategischen Interessen wichtige Helgoland von Groß-Britannien und klärte einen ganzen Satz Grenz- und Gebietsfragen in Afrika ab. Es geht auch um Sansibar, ein aber selbstständiges Sultanat, das Deutschland den Briten überlässt. Eine damals typische Vereinbarung, hinweg über die Köpfe derer, die es betrifft.

Vertrag zwischen Deutschland und England über die Kolonien und Helgoland vom 1. Juli 1890: Deutschland verpflichtet sich, die Schutzherrschaft Großbritanniens anzuerkennen über die verbleibenden Besitzungen des Sultans von Zanzibar mit Einschluß der Insel Zanzibar und Pemba, …

Dass der Handel als Helgoland-Sansibar-Tausch in die Geschichte einging, lag am vom Kaiser zwangspensionierten Reichskanzler Otto von Bismarck, der von dem Vertrag und seinen Nachfolgern im Amt wenig hielt.

Planet Wissen: Bismarck, der 1884 selbst vergeblich versucht hatte, Helgoland zu erwerben, kritisiert den Handel und den Verzicht auf Sansibar öffentlich als Verlust für Deutschland, um seinen Nachfolger zu diskreditieren.

Deutsche Sicht auf den Balkan und die Lage zwischen den Großmächten – 2.1.1914

Die Darmstädter Zeitung (danke für den Tipp, Jörg) war amtliches Organ der Hessischen Landesregierung. Die Universitäts- und Landesbibliothek hat die Seiten gescannt und „ins Internet“ gestellt.


Die „Darmstädter Zeitung“ vom 2.1.1914 blickt neben – im wahrsten Sinne des Wortes Hofberichterstattung vom großherzoglichen und kaiserlichen Neujahrsauftakt – auf der ersten Seite auf den Balkankrieg 1913 zurück. (Wie man sieht, waren Zeitungen damals ziemliche Bleiwüsten.)

Deutschland müsse anders als zu Zeiten Bismarcks die Vorgänge auf dem Balkan berücksichtigen, heißt es da. Der frühere Reichskanzler hatte 1876 noch erklärt, dass das Deutsche Reich auf dem Balkan kein eigenes Interesse verfolgte, „welches auch nur (…) die gesunden Knochen eines einzigen pommerschen Musketiers wert wäre“. Das Deutsche Reich sei inzwischen wirtschaftlich auf der Balkanhalbinsel und im asiatischen Teil der Türkei engagiert. Und auch die Bündnispartner Österreich- Ungarn und Italien.

Nur einmal konnte Deutschland (…) Oesterreich-Ungarn nicht zur Seite stehen, als nämlich die auswärtige Politik Oesterreichs plötzlich einen Seitensprung zugunsten Bulgariens machte und dadurch das eng befreundete Rumänien vor den Kopf stieß. Damals war man in Oesterreich einigermaßen verstimmt, dass man in Deutschland diese Extratour nicht mittragen wollte. (…)

Worauf auch (zufällig) aktuell der Militärhistoriker Michael Epkenhans in einem Interview mit „Das Parlament“ hinweist: „Ein sehr gefährliches Spiel“ – „1912 und 1913 bei den beiden Balkankriegen hat Berlin Wien daran gehindert, einen Lokalkrieg zu führen, 1914 nicht mehr, weil man hoffte, damit Österreich, aber auch die eigene Position im Mächtesystem zu stärken.“

Als Erfolg wurde Anfang 1914 verbucht, dass die Türkei weitere deutsche Offiziere für die militärische Zusammenarbeit angefordert hatte.

Als im Herbst 1912 die Türkei im ersten Teil des Feldzugs Mißerfolg auf Mißerfolg erlitt, konnten sich die deutschfeindlichen Organe Frankreichs und Rußlands gar nicht genug darin tun, die türkischen Niederlagen als eine Blamage für die deutschen Instrukteure in der Türkei hinzustellen.

Der Kommentar findet, dass sich das deutsch-britische Verhältnis verbessert hat und hofft auf weitere Fortschritte in den nächsten Jahren.

In früheren Zeiten hätten bei Hetzereien der beschriebenen Art gegen Deutschland englische Blätter die führende Rolle gehabt. Diesmal waren es ausschließlich französische und russische Organe, während sich die englische Presse ebensowohl wie die englische Regierung sehr zurückhielten. Dies ist ein erneuerter Beweis für die Verbesserung der deutsch-englischen Beziehungen. Deutschland und England sind während der sehr schwierigen Verhandlungen über die Orientalischen Angelegenheiten fast stets im Einverständnis miteinander gewesen, wenn auch natürlich England sich ebensowenig von seinen Freunden Rußland und Frankreich trennen konnte, wie Deutschland von Oesterreich-Ungarn und Italien. (…) Zu gleicher Zeit haben die schon seit langer Zeit schwebenden wirtschaftlichen Abmachungen zwischen Deutschland und England über asiatische und koloniale Verständigungen sowie afrikanische Fragen erhebliche Fortschritte gemacht und stehen nahe vor einem Abschluss. Der Hauptwert dieser Abmachungen besteht darin, dass die möglichen Reibungsflächen zwischen beiden Ländern eine Verminderung erfahren und darum zu hoffen ist, dass die Besserung der Beziehungen zwischen denn stammverwandten Nationen in den nächsten Jahren noch weitere Fortschritte machen wird. Das aber ist von nicht geringer Bedeutung für den Weltfrieden, wenn Frankreich nicht England auf seiner Seite weiß, so wird es sich sehr davor hüten einen Krieg mit Deutschland vom Zaune zu brechen.

Neujahrworte 1914, Rückblick auf den Balkankrieg 1913

Der französische Präsident Raymond Pointcaré blickte zum neuen Jahr 1914 auf die Balkankriege und dass dort wieder Frieden geschaffen werden müsse.

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1912 hatten sich junge Balkanstaaten auf Kosten des Osmanischen Reichs vergrößert, waren aber nach einem erfolgreichen, 1912 begonnenen ersten Krieg, sich 1913 beim Beuteverteilen in die Haare gekommen. Wegen der verschiedenen Interessen und den Beteiligungen der Großmächte galt der Balkan als das „Pulverfass“ Europas – was sich dann am 28.Juni 1914 in bosnischen Sarajewo auch bestätigte als es mit der Ermordung des österreich-ungarischen Thronfolgers quasi gezündet wurde.

Welt.de: Der Krieg, der den Ersten Weltkrieg vorwegnahm – 1913, ein Jahr vor den Schüssen von Sarajevo, führten sechs Balkanstaaten einen Krieg gegeneinander, der fast ein globaler geworden wäre. Am Ende standen Völkermord und Massenvertreibungen.

In Neujahrsansprachen im Deutschen Reicht wirkt die „Zabern-Affaire“ nach. Am 28. Oktober 1913 hatte ein preußischer Offizier in der elsässischen Stadt Zabern Elsässer beleidigt („Und wenn Sie dabei so einen ‚Wackes‘ über den Haufen stechen, so schadet es nichts. Sie bekommen von mir dann noch zehn Mark Belohnung.“) und es war zu Unruhen und Übergriffen des Militärs gekommen.

Der liberale Reichstagsabgeordnete Conrad Haußmann (Fortschrittliche Volkspartei) kritisierte in einem Zeitungsartikel die Missachtung der Arbeit durch den Adel und die Missachtung bürgerlicher Rechte durch das Militär. Er kritisiert die „Züchtung des Respekts vor Titeln und Rangstufen. Die deutsche Menschheit wird amtlich noch nach Ranglisten klassifiziert und gesellschaftlich gewertet (…) Man konserviert Klassen. Um Staatsdiener zu erhöhen, erniedrigt man die Staatsbürger.“

Der Fraktionsvorsitzende der Deutschkonservativen Partei Kuno Graf von Westarp, warnte hingegen vor einer „Machterweiterung des Reichstages und einer Schmälerung der Rechte des Kaisers“ und Oktavio Freiherr von Zedlitz und Neukirch (Freikonservative Partei) will gegen eine Entwicklung zu einer sozialen und bürgerlichen Demokratie mit allen Mitteln kämpfen.

Die Schriftstellerin Marianne Weber erinnerte daran, dass noch Staatsbürgerrechte, Gleichberechtigung in der Ehe, Erschließung aller Berufsarten und Bildungsmöglichkeiten zu erkämpfen seien.