Von der Rundschau in Darmstadt bleibt nur noch ein Echo

Ab 1. Juli werden die „Frankfurter Rundschau“-Lokalteile für Groß-Gerau und Darmstadt von der „Echo Redaktionsservice GmbH“ gefüllt. „Echo Redaktionsservice“ gehört zum Medienhaus Südhessen, wie auch der Rundschau-Wettbewerber „Darmstädter Echo“.

Meedia: „Frankfurter Rundschau“ gibt Darmstadt auf

DWDL: Ausgelagert: „FR“ lässt Lokalseiten extern produzieren

Fulda-Info: ver.di befürchtet Verlust von Pressevielfalt in Südhessen

Bleibt bei mir die Frage, ob die Rundschau das gelassen hätte, wenn die Lokalteile entsprechend Abos nach sich gezogen hätten – oder ob es so oder so passiert wäre.

Am besten Ankündigung und Nachbesprechung

Vereine wollen ja gerne aufmerksam auf sich machen. Weswegen sie gerne von Aktionen am liebsten zwei Artikel in der Zeitung hätten. Einen der die Veranstaltung groß ankündigt und einen der danach groß von der Veranstaltung berichtet. Danach ist einfacher, weil man weiß was man hat.

Gestern aber war es anders: Ein Vorsitzender erzählte mir, was an Terminen anstehe. Als ich dann sagte, dass man das ja gut ankündigen kann, wollte er nicht mehr. „Dann ist das ja verbrannt.“ Dann nicht. Aber nachher wird über zu wenig Resonanz in der Presse geklagt.

Und dann waren da noch die Kleingärtner, die ein Sommerfest groß angekündigt wissen wollten, dann aber auf meinen Hinweis hin feststellten, dass sie besser nichts von Musik und nichts von der Großbildleinwand erzählen, weil sonst die Gema und der DFB (es war Fußballweltmeisterschaft) auf der Matte stehen. Dass ihr Fest aber ohne Fußball nur ein nettes Grillfest wird, wie so viele im Sommer, hatten sie wohl vergessen.

Glossen-Wiederverwertung: Tu was für Darmstadt

Vor rund einem Jahr schrieb ich eine Glosse, wie versucht wird, Darmstadt Klang in der Welt zu verschaffen. Jetzt brauchte ich nur noch einen Satz anzuhängen:

Unsere Lokalpolitiker versuchen ja vieles, um Darmstadt in Deutschland bekannt zu machen. Und was sie nicht alles tun: Das Stadtmarketing wird umgekrempelt. Sie machen Darmstadt zur Wissenschaftsstadt, geben einer heimatlosen Bundesjustizministerin einen Wahlkreis, freuen sich über das bundesweit bekannte Öko-Institut, holten die einmalige Jazzsammlung Joachim Ernst Berendts ins Jazzinstitut, weisen auf Merck, als älteste Pharmaunternehmen der Welt und die einzigartige GSI hin.
Oder locken T-Online in die Weststadt, wo gegenüber Europas Raumfahrtkontrollzentrum ESOC sitzt. Sie hegen den Jugendstil, das PEN-Zentrum Deutschland und das Deutsche-Polen-Institut. Sie feiern einen Preis eines aufsässigen Revoluzzers, weil er von der ansässigen Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung stammt und „Büchner-Preis“ heißt. Andere bauen ein Darmstadtium, um Kongresse aus aller Welt anzuziehen, und versuchen den ICE durch den Hauptbahnhof fahren zu lassen. Die Polizei verschickt sogar Faxe mit geheimen Personenschutzdaten und stellt Ermittlungsakten ins Internet.
Aber was kommt im Lande an, wenn man nach Darmstadt fragt? „Da kommt doch die SPD-Abgeordnete her, die die Ypsilanti nicht wählen wollte.“

Und seit zwei Tagen, ist Darmstadt die Stadt mit der Staatsanwaltschaft, die diese „No Angels“-Sängerin hat verhaften lassen. Oder so.

Zwischen Vereinsfronten geraten

Wieder was gelernt: Journalisten sind auch dann an den Läufen der Welt schuld, wenn sie keinen Artikel schreiben. Wie man es macht, ist es verkehrt.

Heute hielt mir ein Herr vor, dass nach einem Gespräch mit ihm – vor etwa eineinhalb Jahren – kein Artikel erschienen war.

Ich erklärte ihm, dass der Artikel leider nicht zustande kam, weil meine Recherchen damals zu lange gedauert hatten. Weil ich einen fairen Artikel schreiben wollte, hatte ich Stellungnahmen von der Stadt, dem einen Verein und seinem Verein abgewartet. Als ich dann alles zusammen hatte, waren fast vier zwei Wochen vorbei. Und damit der Artikel nicht mehr aktuell.

Nachtrag: Ich habe nachgeguckt. E-Mails nie zu löschen, hat auch Vorteile :-). Nach fünf Tagen antwortete mir der eine Verein, nach acht Tagen der des aufgebrachten Herrn, das Gespräch war 12 Tage danach. Fakt war, es hat zulange gedauert. Denn ein Kollege vom Sport-Ressort hatte das Thema auch schon gebracht.

Das leuchtete dem Herrn aber nicht ein. Oder passte nicht in seine Welt. Oder für ihn gilt die Bush-Doktrin (Wer nicht für uns ist, ist gegen uns). Und so wurde er anmaßend: Ich hätte beim dem Gespräch seinen Verein ausspioniert und weil ohne Artikel die Vereinsposition nicht publik war, sei ich mit an der Entwicklung, die folgte, schuld gewesen.

Da wurde ich dann doch mal laut. Einfach, um Grenzen aufzuzeigen. Mit Argumenten war da nichts zu holen, jede Reaktion hätte der mir negativ ausgelegt. Wenigstens hat mein Ausbruch meinen Blutdruck geschont.

Leider war der Herr von Anfang an auf Krawall gebürstet, sonst hätte ich daran gedacht ihm zu erklären, dass das mit Verschwörungstheorien zu 99,9 Prozent Unsinn ist. Weil die menschliche Logik ein plausibles Gesamtbild braucht, landet man früher oder später bei einer Verschwörungstheorie. Mit der passt dann nämlich wieder alles zusammen.

Um sich nicht zum paranoiden Kasper zu machen, sollte man lieber an folgendes denken:„Versuche nie durch Konspiration zu erklären, was auf Chaos oder Inkompetenz zurückgeführt werden muss.“ Josef Joffe

In meinem Fall träfe Inkompetenz zu. Weil ich nämlich nicht in der Lage war, die Infos schnell genug zusammen zubekommen.

Ich frage mich aber schon, wie solche Menschen auf die Idee kommen, dass sich ein Reporter mit ihm unterhält, wenn er einem sowas unterstellt?

Wenn ich mit ihm während meiner Recherche damals so gesprochen hätte, dann wäre der ganz schnell aufgestanden und gegangen. Aber ein Reporter, der soll dann trotzdem mit einem reden und sich jede Unverschämtheit bieten lassen? Seltsame Logik.

Frohe Ostern.

Nachtrag: Und nochmal nachgeschaut. Im September 2007 war meine Recherche, im Oktober 2008 (13 Monate später!) hat der eine Verein dann seine Abteilung geschlossen. Was ich damit zu tun haben soll, kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen.

„Der Arbeitsaufwand hat sich gelohnt“

Mitte März 2009 war ein Benefizkonzert in der Bessunger Knabenschule. Die Veranstalterin Hannah Müggenburg konnte insgesamt 2000 Euro für das brasilianische Straßenkinderprojekt AdoleScER erwirtschaftet. AdoleScER aus Recife in Nordostbrasilien bildet Kinder und Jugendliche nach dem Peer-Education Modell aus, um zu verhindern, dass sie mangels Chancen Mitglied einer Straßen- oder Drogenbande werden.

„Nachdem etwa 100 Gäste gekommen waren und sich eine schöne Atmosphäre gestaltet hatte“, war sich Hannah Müggenburg sicher, dass das Konzert gut laufen wird. 220 Eintritt zahlende Gäste waren schließlich in die Halle der Knabenschule gekommen, um die Darmstädter Bands „ImmerGrün“ und „Fnessnej“ sowie „Verlen“ aus Frankfurt/Kelkheim zu hören und zu sehen.

„Die Bands und das leckere Essen fanden guten Anklang beim Publikum jeden Alters“, erzählt sie von dem Abend. „Überwältigend viele Besucher spendeten ihre Pfandflaschen oder stellten Essen für den Verkauf zur Verfügung und trugen somit viel zum endgültigen Gewinn bei.“ Zehn Helfer, die 16 Musiker und und die „Oberton“-Tontechniker zeigten großen Einsatz, freut sich die Dreiundzwanzigjährige. „Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen!“

„Viele waren auch wegen der Musik gekommen“, stellt sie fest. „Aber das war ja auch so gewollt: Mit einem guten Gefühl nach Hause gehen und dem Thema Entwicklungshilfe auf eine positive Weise begegnet zu sein.“

Die Psychologiestudentin hofft auf diese Weise Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren ohne ein schlechtes Gewissen zu machen.
Müggenburg, die eigentlich gar nicht gerne im Mittelpunkt steht, findet, sie habe durch den erfolgreichen Abend und die positiven Reaktion viel Kraft und Motivation bekommen. „Der doch sehr anstrengende Arbeitsaufwand hat sich daher gelohnt!“

Jetzt wird die Organisatorin erst einmal weiter studieren und natürlich an dem Thema dranbleiben. „Ich habe mich für ein Stipendium in dieser Richtung beworben und hoffe, dass sich dadurch wieder neue Möglichkeiten ergeben werden.“

Benefizkonzert mit Immergrün, Verlen und Fnessnej in der Knabenschule am 13. März

Manche Freunde sprächen schon vom „Müggenburg-Festival“, sagt Hannah Müggenburg mit Blick auf die vergangenen Wochen. Die Darmstädter Studentin organisiert seit Anfang des Jahres für den 13. März ein Benefizkonzert in der Bessunger Knabenschule zugunsten des „AdoleScER“-Projekts im brasilianischen Recife.
Da sie die Menschen hier ansprechen will, ist die Musik auch nicht südamerikanisch. Die Darmstädter Bands „Immergrün“und „Fnessnej“ spielen Independent Rock beziehungsweise Rock und Electronica-Musik. „Verlen“ ist eine Rockband aus Kelkheim.
Der Gewinn soll nach Recife gehen, wo „AdoleScER“ Kinder und Jugendliche über Aids, Bürgerrechte, Drogen, Gesundheit und Sexualität aufklärt. Müggenburg will mit dem Konzert nicht auf hilflose Betroffenheit setzen. „Ich will nicht zeigen wie schlimm es ist, sondern das jeder kleine Teil ein bisschen etwas verändert.“
„Meine Familie unterstützt dieses Projekt schon lange“, erklärt die Dreiundzwanzigjährige warum sie sich gerade für „AdoleScER“ einsetzt. „AdoleScER“ ist portugiesisch und steht mit seiner wechselnden Groß- und Kleinschreibung übersetzt für „Jugendlicher sein“. Es will Jugendliche aus Recifes Elendsvierteln ausbilden und ihnen gleichzeitig ermöglichen ihre Pubertät mit ihren Emotionen zu leben. Die täglich auf der Straße erlebte Gewalt färbte auch auf die Kinder ab, sie spielen Überfälle und Bandenkriminalitär realistisch nach. „Eine Umarmung ist dort ziemlich ungewöhnlich“, hat Müggenburg beobachtet., als sie 2008 für sieben Wochen in der nordostbrasilianischen Millionenstadt war. „Mit Anfang 20 driften viele in den Drogensumpf ab“, beschreibt die Psychologiestudentin.

Benefiz, 13. März 2009

Damit beginne in den Favelas eine Karriere als Drogendealer- und -konsument. „Wenn man einmal drin ist, weiß man zu viel und kommt nicht wieder raus“, beschreibt die Studentin das Dilemma.
Diesen Kreislauf will „AdoleScER“ mit dem „Peer Education“-Konzept durchbrechen. Angehörige einer sozialen Gruppe oder gleicher sozialer Stellung werden geschult, informieren sich dabei gegenseitig und tragen die Inhalte in die Slums. Die Teilnahme am Projekt hat Bedingungen. So muss man weiter zur Schule gehen und darf keinen Kontakt zu Drogenbanden haben. Da sich in den Vierteln alles herumspräche, funktioniere auch die Kontrolle, berichtet Müggenburg. „Die Kurse sind mittlerweile bei den Erwachsenen im Viertel anerkannt.“
Als die Studentin wieder in Deutschland war, hat sie hier alltägliche Dinge zu schätzen gelernt. Beispielsweise dass man hier alleine seine Wohnung verlassen könne. Oder dass man auch nachts an roten Ampeln anhalten kann. In Recife vermieden Autofahrer bei Dunkelheit stehen zu bleiben, um nicht überfallen zu werden.

Benefizkonzert mit „Immergrün“, „Verlen“ und „Fnessnej“am 13. März, 20 Uhr, in der Halle der Bessunger Knabenschule, Ludwigshöhstraße 42, Haltestelle Weinbergstraße. Eintritt 5 Euro, Karten ab 20 Uhr an der Abendkasse.

Wenn die Agentur sich irrt

Agenturmeldungen übernehmen mag ich keiner Zeitung verübeln, nicht jede kann ein deutschland- und weltweites Korrespondentennetz bezahlen. Wenn man aber hier eine Lokalredaktion wie die Frankfurter Rundschau hat, frage ich mich schon, warum man diese DDP-Meldung blind übernahm:

Die SPD hat aber auch wirklich ein Händchen für skurrile Tagungsorte […] Nun also das „Dynamikum“ in Darmstadt, ein Hort der experimentellen Wissenschaft. Die hessische SPD will dort am Samstag nach dem Debakel des Jahres 2008 einen neuen Landesvorstand wählen

Das angesprochenen Gebäude sehen viele Bürger zwar als misslungenes Städtebau-Experiment, aber es heißt „Darmstadtium“ und nicht „Dynamikum“.

Zitate aus dem Bauausschuss

Dienstag tagte der lokale Bauausschuss und beriet unter anderem über Straßensanierung mit Bundesmitteln aus dem Konjunkturprogramm II.

„Schon interessant, dass wir eine Wirtschaftskrise brauchen, damit sich da was tut.“
Rafael Reißer (CDU) über die Ursache, warum nun Geld da ist.

Ja, Krise als Chance. Man könnte meinen eine Krise ist so klasse, warum machen wir das nicht immer so?

„Anstelle die Flammenhöhe zu regulieren, sollte man mit den Löscharbeiten anfangen.“
Ctirad Kotoucek (CDU) bei seiner Forderung Straßenschäden jetzt auch zu sanieren und nicht nur zu messen.

„Aber es ist doch die Zeitung da.“
Jörg Dillmann (Uffbasse) zur Ausschussvorsitzenden Brigitte Lindscheid, als sie sich beklagte, dass sich die Inhalte der Wortmeldungen wiederholen.

Hessische Steuerfahnderaffäre – „Oder in Darmstadt“

Ein Stern-Artikel berichtet über die Personalpolitik bei der Steuerfahndung. Frankfurter Steuerfahnder sollen sich gegen eine neue Richtlinie gewehrt haben und deswegen kaltgestellt worden sein.

Nach seinem elfseitigen schriftlichen Protest, in dem er rechtliche und organisatorische Bedenken detailliert darlegt, wird ihm an einem Montag mitgeteilt, dass er ab Donnerstag aus der Steuerfahndung ans Finanzamt nach Darmstadt abgeordnet sei.

Das ist eben der Preis des sicheren Arbeitsplatzes, und jeder Beamte, der meckert, kennt die Gefahr: Wenn du heute das Maul aufmachst, bist du morgen vielleicht in Hintertupfingen. Oder in Darmstadt.

Naja, so schlimm ist es hier nun auch nicht. Was im Artikel steht, ist allerdings haarsträubend, wenn es denn stimmt.

Nebenbei sieht man was einem entgeht, wenn der mediale Fokus auf Koalitionsaussagen liegt. Und was bei einer Alleinregierung alles laufen kann.

via

Schnee!

Hieß es früher „es hat geschneit“, heißt es heutzutage „Schneechaos“.

Ich bekam es heute morgen um 5 Uhr früh mit. Da wachte ich nämlich auf, als der erste Schneeräumer über die Straße schrappte.

Dann habe ich den Schnee weggefegt und das den Tag über dreimal.