Hallo Wahlbetrüger, Bruchbudenbauer und Quacksalber!

Ich weiß ja nicht, wieso einige Menschen glauben, einem Journalisten beim Erstkontakt erstmal schlechte Absichten unterstellen zu müssen. Wie soll ich denn damit umgehen, wenn einer damit eröffnet, dass ich meine Arbeit nicht ordentlich und zu seinem Nachteil schreiben werde?

Oder anders herum: Was würden ein Politiker, Architekt oder Arzt sagen, wenn ich zur Begrüßung damit eröffne, dass er ja sowieso immer die Wähler belügt, nur baufällige Häuser baut oder Fehldiagnosen stellt? Oder dem Handwerker gleich Pfusch unterstelle? Eben.

Oder weiß der etwa mehr als ich und befürchtet, dass ich merke was da getrieben wird oder dass es im Verlauf der Veranstaltung offenbar wird?

Also mal kostenlose Medienberatung: Die Sache funktioniert besser, wenn man sich das mit „der Journaille“ nur denkt. Schließlich lebe ich davon, dass mir einer inhaltlich was sagt. Wer mauert, ist verdächtig etwas zu verbergen – und da wir in dem Moment nicht beim Landgericht sind, wird das negativ ausgelegt. Wenn nicht von mir, dann vom Leser. Also einfach seine Sicht der Dinge schildern, erklären und nochmal erklären. Ich frage auch lieber bei einem nach, mit dem ich im normalen Ton reden kann, als bei einem der Stress macht. Man sollte sich klar sein, dass in dem Moment jeder von uns nur seinen Job macht und ansonsten ganz zauberhaft ist. Weiterlesen

Hoher Nerdfaktor am Wochenende

Menschen in schwarzen T-Shirts, Club-Mate zum Trinken, wenig Frauen, dafür viele langhaarige junge Männer, Eintrittskarten mit QR-Code und zubuchbarer Kaffee-Flat werden mit der Handykamera gescannt, es gibt Vorträge über Informatik, Raketenbauen und Steampunk und eine sehr kryptisch scheinende Abkürzung – Willkommen bei den „MetaRheinMain ChaosDays„, eine Veranstaltung der lokalen Chaos Computer Club Ableger oqlt e.V., cccffm, Chaos Darmstadt, CCC Mannheim, CCC Mainz sowie Chaostreff Kaiserslautern. Echo online: »Es gibt einen Bedarf an guten Hackern« Computertagung: Bei den »Chaosdays« im Piloty-Gebäude der TU treffen sich Experten aus dem Rhein-Main-Gebiet

Etwa 10 Kilometer weiter südlich, Menschen in bunten und schwarzen T-Shirts, Schalen mit Chili in den Händen, mehr Frauen, dafür Männer mit eher kurzen Haaren, Eintrittskarten mit Nummer, Vorträge über Raumfahrt oder den Maya-Kalender, ein Saal voller Modelle von Raketen- und Raumschiffbauern sowie Steampunk-Fans und ein abgespaceter Titel: Willkommen bei den „Space Days“ in Eberstadt. Echo online: 04./05.09.2010: „Space Days“ in Darmstadt, Offenbach Post: Brücke zwischen Science und Fiction

Ach ja, zwischendrin war noch Spieleabend.

„Thilo Sarrazin hat grundlegende genetische Zusammenhänge falsch verstanden“

Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland sagt etwas zu Sarrazinischen Regeln der Genetik. Wie üblich bei Wissenschaftlern, die ehrlich sind, sind die Aussagen aber nicht immer so absolut, wie es in einer politischen Debatte hilfreich wäre, sodass man immer wieder was findet, wo man einhaken könnte:

Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat bei der Vorstellung seines neuen Buches “Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen” provokante Thesen aufgestellt, die eine kontroverse Diskussion ausgelöst haben. In Bezug auf die Aussagen Sarrazins zur Genetik verwehrt sich der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.) entschieden gegen jede Verfälschung und politische Instrumentalisierung biologischer Fakten. – Sei es durch Thilo Sarrazin selbst, sei es durch andere Teilnehmer der derzeit laufenden öffentlichen und medialen Debatte.

Die genetischen Thesen von Herrn Sarrazin sind nicht mit den modernen Erkenntnissen zur Evolutionsbiologie des Menschen vereinbar. Evolutionsbiologisch gesehen ist der Mensch eine der genetisch homogensten Spezies die es auf der Erde gibt. Im Vergleich zu anderen Spezies sind die Unterschiede zwischen Populationsgruppen sehr gering. Tatsächlich sind die Unterschiede innerhalb von Populationsgruppen etwa 5-fach höher als zwischen ihnen. Weiterlesen

Ausgleichender Fleiß

Schön, wenn man im Nachhinein auch mal Recht bekommt. An der Uni war mir immer aufgefallen, dass einige für geniale Wissenschaftler gehalten wurden, die tatsächlich aber „nur“ fleißig waren – ist ja auch hilfreich, aber eben nicht genial. Gibt ja auch in anderen Branchen die Sprüche von „10 Prozent Inspiration, 90 Prozent Transpiration“.

Im Rahmen der Sarrazin-Debatte sagt nun

die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern im FAZ-Interview: „Intelligenztests geben Auskunft über das geistige Potential einer Person, aber sie sind nur ein Baustein der menschlicher Kompetenz. Für die meisten Anforderungen auch im akademischen Bereich muss man kein Überflieger sein, und ein Weniger an Intelligenz kann durch ein Mehr an Fleiß ausgeglichen werden.“

Wie schön. Und es wird sich dennoch nichts ändern. Genau wie bei der Verwendung von „preiswert“ und „billig“.

Nicht-öffentliche Stadtparlament-Vorlagen nun auch im Internet

Morgen gibt es im Stadtparlament eine kleine aber wesentliche Änderung. Wer regelmäßig zuschaut, weiß, es gibt am Schluss einen nicht-öffentlichen Teil. Man darf also gehen und die Stadtverodneten beraten dann – meistens ganz schnell, ist ja keine Presse mehr da, bei der man sich profilieren kann – die Vorlagen.

Neu ist, dass die Überschriften der nicht-öffentlichen Vorlagen nun auch im Stadthaus in der Grafenstraße aushängen und im Internet stehen, z.B.:

Zur Beratung in nichtöffentlicher Sitzung vorgesehen:
1. Vergabe einer Dienstleistungskonzession (V-Nr. 2010/0287)

2. Verkauf der städtischen Grundstücke Gemarkung Arheilgen Flur 1 Nr. 117, Nr. 118/4,
Nr. 119/12 und einer Teilfläche von ca. 412 qm aus der Parzelle Nr. 118/3 (V-Nr. 2010/0298)

3. Städtische Beteiligungen HSE (V-Nr. 2010/0316)

4. Wissenschafts- und Kongresszentrum Darmstadt GmbH & Co. KG (V-Nr. 2010/0326)

Die Vorlagen in die Öffentlichkeit „gezerrt“ hat die Alternative Darmstadt (AD). Denen war aufgefallen, dass auch die nichtöffentlichen Vorlagen laut Hessicher Gemeindeordnung angekündigt werden müssen.

Aus AD-Sicht verstößt auch die Geschäftsordnung (GO) des Stadtparlaments gehen die HGO, da in der der GO der Stadtverordnetenvorsteher festlegen kann welche Vorlagen in nicht-öffentlichen Sitzung behandelt werden. Das aber müsse aus AD-Sicht die Gemeindevertretung jeweils beschließen.

Das Rechtsamt der Stadt Darmstadt hat daraufhin die bisherige Praxis geprüft und stellt fest, „dass nach der Kommentarliteratur in der öffentlichen Bekanntmachung der Tagesordnung (…) auch die Tagesordnungspunkte zu veröffentlichen sind deren Behandlung im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vorgesehen ist.“

Aber dennoch sind nach Rechtsamtausfassung frühere Beschlüsse nicht öffentlich angekündigter nicht-öffentliche Vorlagen gültig. „Nach der Rechtsprechung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes macht die unterlassene öffentliche Bekanntmachung der Tagesordnung die in der fraglichen Sitzung gefassten Beschlüsse allerdings nicht rechtswidrig.“

Wobei da bestimmt einige nochmal schauen werden, denn die Vorlage zum Sander-Museum wurde damals im nicht-öffentlichen Teil verabschiedet.

Apothekenwechsel im Martinsviertel

Vor rund sieben Jahren schrieb der Stern, Darmstadt sei die Stadt mit der höchsten Apothekendichte (pro Einwohner) Deutschlands. Inzwischen sind es weniger geworden, erstens weil Apotheken schließen und zweitens es mehr Darmstädter geworden sind. Aus den zwei Apotheken am Willy-Brandt-Platz wurde beispielweise eine (die Fuchsche Apotheke übernahm die Fleming-Apotheke und zog in deren Räume), woanders machte eine ganz zu. Und nun heißt es „Abschied von der Martins-Apotheke„. Die Apotheke schließt, weil die Engel-Apotheke den Zuschlag des Vermieters für die Apotheke im bald benachbarten Quartierszentrum bekommen hat.

Und wie es der Zufall will: Die Martins-Apotheke war auch 2003 Thema im Stern-Artikel, und so wissen wir jetzt nicht nur das Ende, sondern auch den Anfang: Weiterlesen