Entfernte Citytunnelkunst – Wer war „der Magistrat“?

Schraffuren und Pflanzrohre des Künstlers Helmut Lander zierten bislang die Brüstungen des Wilheminentunnels.

Die Darmstädter SPD-Fraktion kritisiert, wie der Magistrat der Stadt Darmstadt mit den Arbeiten im City-Tunnel des kürzlich verstorbenen Künstlers Helmut Lander umgegangen ist. Seit Mitte Juni werden die Betonbrüstungen des Citytunnels saniert. Dabei wurden Dekorationen des Künstlers entfernt und die Familie nicht informiert.

Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Dagmar Metzger stellt sich die Frage, wer in Darmstadt eigentlich darüber entscheidet, wann Kunst nicht mehr zeitgemäß sei. Die Arbeiten Helmut Landers hätten das Stadtbild geprägt. Dagmar Metzger blickt auch auf die Urheberrechte des Künstlers und erinnerte an den Urheberrechtsstreit des Architekten von Gerkan um die Deckengestaltung des Berliner Hauptbahnhofs. Die Deutsche Bahn habe den Rechtsstreit verloren und konnte sich nur durch einen Vergleich mit dem Architekten einigen.

Im Echo-Artikel zu den entfernten und teilweise abgebauten Werken stand zu dem Thema:

Echo online: Am Citytunnel werden Dekorationen von Helmut Lander entfernt – Der Magistrat habe sich gegen die Rekonstruktion entscheiden, weil sie „als Kunstwerke nicht mehr in unsere Zeit passen.“

Frage ist – nach einem Hinweis den ich bekam – nur, wer „der Magistrat“ war. Denn nach meinen Informationen war über die Entfernung der Tunnelkunst dort nicht gesprochen worden. Und auch in der Magistratsvorlage zur Tunnelsanierung steht nichts zu den Kunstwerken. 2006 waren „eine Vielzahl von Schäden“ festgestellt worden und der Tunnel sollte, klarer Fall, das war unstrittig, saniert werden.

Magistratsvorlage 2012/0131: Tunnel Wilhelminenstraße, Sanierung – Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer grundhaften Instandsetzung der Rampenstützwände und Notausgänge. Es ist geplant, die Arbeiten an allen Rampenstützwänden und Notausgängen der Ein- bzw. Ausfahrrampen (Hügelstraßen West, Hügelstraßen Ost, Rheinstraße, Mathildenplatz sowie Ausfahrt vom Parkhaus auf die Rheinstraße) und den 8 Notausgängen im November 2012 zu beginnen und im Juni 2013 zu beenden. Die Kosten der Betoninstandsetzungsmaßnahme liegen bei rd. 1,1 Mio. EUR einschließlich der Planungs- und Bauüberwachungskosten.

Wie ich erfuhr, hat Oberbürgermeister Jochen Partsch am Freitag (1.) auf Landers Beerdigung eine Trauerrede gehalten und unter anderem sich bei der Familie persönlich entschuldigt und gesagt, dass es ihm und der Stadt leid tue, dass nicht vorher mit der Familie gesprochen worden sei.

Glossen-Wiederverwertung: Tu was für Darmstadt

Vor rund einem Jahr schrieb ich eine Glosse, wie versucht wird, Darmstadt Klang in der Welt zu verschaffen. Jetzt brauchte ich nur noch einen Satz anzuhängen:

Unsere Lokalpolitiker versuchen ja vieles, um Darmstadt in Deutschland bekannt zu machen. Und was sie nicht alles tun: Das Stadtmarketing wird umgekrempelt. Sie machen Darmstadt zur Wissenschaftsstadt, geben einer heimatlosen Bundesjustizministerin einen Wahlkreis, freuen sich über das bundesweit bekannte Öko-Institut, holten die einmalige Jazzsammlung Joachim Ernst Berendts ins Jazzinstitut, weisen auf Merck, als älteste Pharmaunternehmen der Welt und die einzigartige GSI hin.
Oder locken T-Online in die Weststadt, wo gegenüber Europas Raumfahrtkontrollzentrum ESOC sitzt. Sie hegen den Jugendstil, das PEN-Zentrum Deutschland und das Deutsche-Polen-Institut. Sie feiern einen Preis eines aufsässigen Revoluzzers, weil er von der ansässigen Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung stammt und „Büchner-Preis“ heißt. Andere bauen ein Darmstadtium, um Kongresse aus aller Welt anzuziehen, und versuchen den ICE durch den Hauptbahnhof fahren zu lassen. Die Polizei verschickt sogar Faxe mit geheimen Personenschutzdaten und stellt Ermittlungsakten ins Internet.
Aber was kommt im Lande an, wenn man nach Darmstadt fragt? „Da kommt doch die SPD-Abgeordnete her, die die Ypsilanti nicht wählen wollte.“

Und seit zwei Tagen, ist Darmstadt die Stadt mit der Staatsanwaltschaft, die diese „No Angels“-Sängerin hat verhaften lassen. Oder so.

„Einer demokratischen Partei unwürdig“

Am Freitag war ich auf einer FDP-Veranstaltung:

Der Darmstädter FDP-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Leif Blum kritisierte unter Applaus den Umgang der SPD mit ihren vier Landtagsabgeordneten. „Wir müssen auch den Menschen sagen, dass das, was wir in der SPD erlebt haben, einer demokratischen Partei unwürdig ist.“

Ich hatte mich in dem Moment gefragt, wie die Stimmung in dieser Versammlung gewesen wäre, wenn Leif Blum zuvor verkündet hätte er und zwei Fraktionskollegen wählten nun Andrea Ypsilanti. Und man nicht locker über die SPD hätte reden können.

Ich persönlich meine auch, dass man besonders mit direkt gewählten Abgeordneten so nicht umgehen kann. Bei Mandatsträgern, die über die Liste gekommen sind, sehe ich persönlich das etwas anders (die Verfassung macht da keinen Unerschied, schon klar).