Zwei Journalisten, bunte Pralinenkästchen und ein Gedanke

Schloss Braunshardt im Sommer 2011.

Heute standen im Echo zwei Artikel über Schloss Braunshardt.

Seite 5, Südhessen regional: „Wie eine Schachtel bunter Pralinen“ sehe Schloss Braunshardt aus. Diesen Vergleich soll die englische Königin Victoria einst nach einem Besuch in ihr Tagebuch geschrieben haben.

Seite 22, Landkreis Darmstadt-Dieburg: Als „kleine bunte Pralinenkästchen“ soll die englische Königin Victoria 1865 die verschieden farbigen Salons und Zimmer des Braunshardter Schlosses bezeichnet haben, das vor 250 Jahren errichtet worden war.

So ein schönes Bild ließen sich die Kollegin – die ich nicht kenne – und ich natürlich nicht entgehen. Sie schrieb über die Zimmer in dem Rokokoschloss, ich über die Feiern zu 250 Jahre Schloss Braunshardt. Wir waren auch nicht gleichzeitig dort.

Fragt sich nur, welcher Wortlaut nun stimmt. Ich habe jedenfalls aus der Schloss-Broschüre abgeschrieben. (Soviel dann auch zum Leistungsschutzrecht.)

Verkaufsoffener Sonntag in Weiterstadt

Aktuell (6.1.2013): Loop & Co. haben heute (6.1.) offen – Verkaufsoffener Sonntag in Weiterstadt vom hessischen Verwaltungsgerichtshof nicht abgesagt

Sonntag (11. November 2012) war verkaufsoffener Sonntag in Weiterstadt. Anwohner im Stadtteil Riedbahn sorgten sich, dass es wieder so läuft wie an Allerheiligen, als wegen zuviel Verkehr (Shoppingtouristen aus den Bundesländern mit Feiertag plus Berufsverkehr und Baustelle auf der Bundesstraße) die Autos durch ihr Wohngebiet geleitet wurden.

Für Sonntag waren nun die Ampelphasen umgestellt und eine Bundestraßenkreuzung teilweise gesperrt worden. Was wohl half, denn es gab keinen Stau bis tief in den Stadtteil und auch keinen Rückstau bis ins Loop 5-Parkhaus.

Ok, rein ins Gewerbegebiet gab es schon Stau:

Verkaufsoffener Sonntag am 11.11.2012 in Weiterstadt.


Ihre für Sonntagnachmittag geplante Demonstration gegen Durchgangsverkehr in der Wiesenstraße hatten die Anwohnern jedoch abgesagt.

Die Demonstration um 16.30 Uhr sei von den Behörden und Gericht abgelehnt worden, sagte Anwohner Rainer Weiss. „Man hatte uns zwar eine Uhrzeit von 14:30 Uhr als Alternative zugestanden, aber dies, davon bin ich überzeugt, hätte uns nicht wirklich weiter gebracht.“ Weiss dankte „den Damen und Herren des 3. Polizeireviers, die eine hervorragende Arbeit leisten“, bat die rund 60 Anwesenden nach Hause zu gehen und erklärte die Demonstration für beendet.

Den Riedbahnern war der Kragen geplatzt, als an Allerheiligen der Verkehr aus dem verstopften Parkhaus des Einkaufszentrums Loop 5 durch ihre Anliegerstraße geleitet worden war. Shoppingtouristen aus Nachbarbundesländern und Berufsverkehr plus Baustelle auf der Bundesstraße B42, hatten den regulären Verkehrsfluss kollabieren lassen, sodass die Stadt die Anliegerstraße geöffnet hatte.

Ab 14.30 Uhr standen am Sonntag Landespolizei und zeitweise Stadtpolizei am Übergang zwischen Wiesen- und Riedstraße. Ursprünglich sollen sie die Demonstration absichern. Stattdessen kontrollierten sie nun Autofahrer oder hinderten sie durch die Anliegerstraße zu fahren. „Wenn ich da langfahre, kriege ich einen Knollen?“, fragte ein gut gelaunt wirkender Autofahrer durchs offene Fenster. „Stimmt“, riefen zwei Polizeibeamtinnen zurück, woraufhin der Fahrer die Riedstraße weiterfuhr. Wer die Wiesenstraße als Scheichweg aus Richtung Darmstadt genommen hatte, wurde kontrolliert und notiert. Kennzeichen aus Nürnberg, Darmstadt, Aschaffenburg oder Heppenheim legten nahe, dass die Fahrer keine Anlieger waren. „Das ist aber nicht so einfach, seitdem man sein Nummernschild behalten darf“, gab ein Polizist zu bedenken.

Als einen Moment lang kein Polizeiwagen vor Ort war, sprachen die Anwohner selbst Autosfahrer an, die sich auf den Weg durch Durchfahrt verboten-Straße machen wollten.

Anwohner, die zum demonstrieren mit ihren Schildern („Mehr Kontrollen lassen Falschfahrer grollen“) gekommen waren, sahen die Umkehrer und Kontrollen mit Genugtuung. Aber auch wenn regelmäßig Nicht-Anlieger durchfuhren, waren am Sonntag keine Autoschlangen in der Wiesenstraße. Ein Polizist vom 3. Revier wies gegen 20.30 Uhr darauf hin, dass die geänderten Ampelphasen geriffen hätten. Er regte zudem an, zu überlegen, ob man den Linienbus aus der Straße verlegen könnte, da man dann die Straße leichter absperren könne.

Sandkastenspiele in Weiterstadt

Rektor Hagen Rothkirch bearbeitet einen Eichenstamm mit der Motorsäge. Die Stämme fassen seit Sonntag einen 100-Quadratmeter-Sandkasten im Hof der Weiterstädter Carl-Ulrich-Schule ein.

Echo online: Umfrage zeigt: „Sie wollen buddeln“ – Eigeninitiative – In Weiterstadt packen Kindern und Erwachsene gemeinsam an – Ergebnis: ein Riesen-Sandkasten.

Die Tücke eines sonnigen Wochenendes

Bei so einem schönen Wochenende mit zwei Freiluftterminen, muss ich mich immer daran erinnern, mich auch ja einzucremen. Denn dass ich zur Arbeit gehe und nicht zum Strand, interessiert die Sonne recht wenig.

Und so war ich in Kranichstein bei der Müllsammelaktion:
Echo Online: Sofa und Kochtopf in Bach und See

Sowie in der Autostadt Weiterstadt:
Echo Online: Tausende kommen zur Automobilausstellung

Das ganze sogar mit dem ÖPNV, denn von Kranichstein kam ich mit dem Zug nach Weiterstadt. Was auch eine gute Verbindung war, denn der Bus konnte während der Autoausstellung eh nicht über die Darmstädter Straße fahren.

400 Fahrgäste zuwenig kosten Weiterstadt 750.000 Euro

Nicht ganz glücklich stimmte am Montag in Weiterstadt der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss sowie der Haupt- und Finanzausschuss für eine städtische Beteiligung am behindertengerechten Umbau der Bahnsteige am Bahnhof Weiterstadt. Wenn die Stadt keine 750.000 Euro zuschießt, wird der Umbau sehr viel später kommen, da der Weiterstädter Bahnhof täglich keine 1000 Fahrgäste hat (sondern nur 600).

Das Bild zeigt links das Weiterstädter Bahnhofsgebäude, dann den niedigen Hausbahnsteigt, dann das Gleis und rechts den Mittelbahnsteig.

Der Bahnhof Weiterstadt, auch beim schönem Wetter nicht wirklich einladend – und auch nicht barierrefrei.

Da Papier zwar geduldig, aber nicht unendlich ist, reiche ich die letzten Absätze meines Artikels hier nach: Weiterstadts Behindertenbeauftragter Norbert Baron stellte die 1000-Fahrgäste-Grenze in Frage, da sie ihm „aus der Luft gegriffen“ schien. Man müsse auch überlegen, warum die 1000 Fahrgäste nicht erreicht würden, gab Baron zu bedenken. Ein Teil der Bahnnutzer würden wegen der zu niedrigen Bahnsteige den Bahnhof gleich meiden und so die Fahrgastzahlen reduzieren.

„Diese Zahl kommt vom Bund“, erklärte mir die Bahn AG-Pressestelle auf Nachfrage. Die Bundesrepublik engagiere sich erst ab täglich 1000 Fahrgästen mit Zuschüssen. Überlegungen von Stadtverordneten inwieweit dieser Fahrgast-Grenzwert rechtmäßig sei, sind im April 2006 vom Bundesverwaltungsgericht schon beantwortet worden. Damals ging es um die Barrierefreiheit der Station Oberkochen (knapp 9000 Einwohner) im Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Folgt man dem Urteil (BVerwG 9 C 2.05), stammt die „1000er-Regel“ aber nicht vom Bund. Laut Bundesverwaltungsgericht – das in seiner Entscheidung von einer „Konzernrichtlinie“ spricht – erlaubt die Eisenbahnbahnbau- und Betriebsordnung den Eisenbahnunternehmen über barrierefreie Zugäng nach Bedarf, Herstellungskosten und Erreichbarkeit zu entscheiden, wenn nicht besondere Situationen vorliegen.

Kleine Welt, viermal an einem Abend

Beim Neujahrsempfang der SPD-Weiterstadt traf ich einen Darmstädter Stadtverordneten und war etwas überrascht, dass der da war. Denn die SPD ist nicht seine Partei. „Ich bin eingeladen worden“, sagte er mir erst ganz unschuldig, „mein Sohn ist hier der Vorsitzende“. Ok, der Nachname ist gleich, aber Ludwig ist hier doch recht häufig – oder?

Dann traf ich noch eine Behördenmitarbeiterin, die war da, weil ihr Freund eingeladen war. Na gut. Aber der ist einer der unabhängigen Kandidaten auf der Liste. Nachtrag: Die Mitarbeiterin ist in der SPD, zählt also nicht.

Dass die Vorsitzende eines Vereins, der Kinder betreut, eine Erzieherin in einer anderen Kreisgemeinde kannte, die ich zufällig kenne, war dann doch witzig. Kleiner Kreis.

Und dass einer der SPD-Stadtverordneten sich an mich erinnert hatte, weil ich er vor einigen Jahren die gleiche Rürup-Vorlesung wie ich besucht hatte, hätte eigentlich keine Überraschung mehr sein dürfen.

Biotopwertpunkte in Hessen

Wer irgendwo Natur zugebaut, muss das ausgleichen. In Hessen werden über Biotopwertpunkte die Ausgleichsmaßnahmen berechnet. Dazu gibt es die „Verordnung über die Durchführung von Kompensationsmaßnahmen“.

Im Anhang stehen in der „Wertliste nach Nutzungstypen“ die jeweiligen Wertpunkte pro Quadratmeter. Die Tabelle nennt sehr detailliert Werte für alle möglichen Biotope wie Asphaltweg (ja genau, Asphalt, hat 3 Punkte) oder Bachläufe (47-69 Punkte) oder Streuobstwiesen (zwischen 23 und 50 Punkten) bis hin zu Ziergärten (bis zu 25 Punkten). Am meisten Punkte bringen Biotope wie Moorgewässer (79 Punkte) oder Hartholzauwälder (72 Punkte).

Sobald es Punkte gibt wird aber auch beim Renaturieren auf Wirtschaftlichkeit geachtet. Auch bei Biotopwertpunkten sind die Kosten ein Faktor, der hilft Prioritäten zu setzen. Beispielsweise rechnet es sich nicht unbedingt einen Fläche zu kaufen und zu renaturieren, wenn man stattdessen durch einen kompletten Einkauf eines fertigen Biotops für den gleichen Preis mehr Biotoppunkte bekommt.

Praktisch umgesetzt sieht das dann so aus wie beispielweise in Weiterstadt. Echo online: Vom Stoppelfeld zum Biotop – Renaturierung des Schlimmergrabens

Kostenloser Strom im Loop5 für Elektroautos

Irgendwann beschwerte sich mal eine Bekannte, dass ihr Zeitungsartikel im Lokalteil zu wenig Hintergrund hätten. Das nagt seitdem in mir, und wenn ich die Chance und den Platz sehe, Hintergrund zu recherchieren, mache ich das auch. Voilà:

Echo online: Im Parkhaus geht’s an die Steckdose – Energie: Loop 5 und Entega bietenkünftig kostenlosen Stromtanken für Elektroautos an

Eine feine Sache. Nur: In Stadt und Landkreis sind es gerade mal 39 Elektroautos und 290 Hybridfahrzeuge gemeldet (Danke, liebe Pressestellen). In Land und Bund sieht es ähnlich überschaubar aus. Und wenn man gemein sein will: Die, die sich ein „prohibitiv hochpreisiges“ E-Auto leisten können, könnten den Strom dazu auch locker aus der Portokasse bezahlen.

Im Loop 5 in Weiterstadt sind ab sofort Ladestationen für Elektroautos kostenlos nutzbar. Die Stellplätze für die Autos sind mit diesem Tanksäulen-Pictogramm gekennzeichnet.

Aber bis 2020 sollen ja eine Million Autos auf deutschen Straßen mit Strom fahren, wenn man Wirtschaft und Bundesregierung und ihren Verkündungen vom Elektroautogipfel im Mai 2010 glaubt. Ein Ziel, das jedoch Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen aufgrund eigener Prognosen dämpft. Er rechnet bis 2020 mit 300.000 batterieangetriebenen Elektrofahrzeugen, 600.000, wenn man Hybrid-Antriebe dazunimmt.

Und Greenpeace ist sowieso misstrauisch gegenüber E-Autos: „Elektroantriebe können nur dann als Alternative zum Verbrennungsmotor gelten, wenn der Strom aus Erneuerbaren Energiequellen kommt.“ Das wäre beim Entega-Ökostrom im Loop 5 ja der Fall.

Nachtrag: Ende 2020 waren in Deutschland 309.083 Elektroautos unterwegs. Ende 2021 waren es 618.460.