Zeugen aus Oberbayern sagen im Prozess um die Leiche im Wald bei Münster (Hessen) aus

Justizia im Sommer auf dem Darmstädter Justizzentrum am Mathildenplatz.

Personensuchen über die Medien können auch was bringen. Hier hatte ein Zeuge eigentlich Fußballergebnisse nachschauen wollen, stieß auf einen Artikel über einen Vermisstenfall, wurde zu einem anderen Text weitergeleitet und stellte dann fest, dass er die Frau gesehen hatte. Gestern sagten er und seine Frau im Darmstädter Landgericht aus.

Echo online: Ehepaar aus Oberbayern will Opfer und einen Mann auf Parkplatz im Spessart gesehen haben

Echo online, 22.6.2018: Frauen demonstrieren im und vor dem Darmstädter Landgericht
Echo online, 11.6.2018: Im Totschlagsprozess sollen Insekten Aufschluss über das Opfer geben
Echo online, 8.6.2018: Töchter des Opfers bezeichnen den Angeklagten als seltsam
Echo online, 5.6.2018: Frau aus Eifersucht getötet? – Mann aus Breuberg steht vor Gericht in Darmstadt

Protestaktion im Landgericht

Gestern fragte mich eine Kollegin im Landgericht, um was es denn in der Verhandlung gegen könnte. Ich zeigte auf die Gutachterbank mit zwei Doktorinnen und einem Professor aus der Frankfurter Rechtsmedizin und sagte, dass es vermutlich um den Todeszeitpunkt der getöteten Frankfurterin gehen würde und um Toxikologie. Aber es kam dann anders. Eine Frauengruppe begann plötzlich zu protestieren. Sie sehen ein Schema bei Prozessen, wenn es um Gewalt von Männern gegen Frauen geht.

Echo online: Frauen demonstrieren im und vor dem Darmstädter Landgericht

Landgericht verurteilt Stiefvater


Nach nur zwei Verhandlungstagen war der Prozess vorbei. Das Landgericht Darmstadt hat einen geständigen, 48 Jahre alten Deutschen aus Mühltal wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter zu einer Haftstrafe verurteilt. Sein Verteidiger klang im Plädoyer streckenweise wie ein Staatsanwalt.

Echo online: Landgericht Darmstadt verurteilt Mühltaler zu Haftstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs

Der 18. Dezember 2016 war kein guter Tag

Im 18. Dezember 2017 war der Wurm drin. Zweimal gingen an diesem vierten Advent Männer mit Messern auf Verwandte los. Zwischen fünf und sechs Uhr erstach ein Reinheimer seinen 80 Jahre alten Vater, und um die Mittagszeit griff ein Mann in Babenhausen seine Ehefrau und ihre Schwestern mit Messern an.

Im Babenhäuser Fall wurde Mitte August das Urteil gesprochen, die als Mord angeklagte Tat in Reinheim wird zur Zeit vor dem Darmstädter Landgericht verhandelt.

Echo online: Sohn räumt tödliche Messerstiche auf 80 Jahre alten Vater ein

Echo online, 17. August 2017: Wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen und einer gefährlichen Körperverletzung zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt

Urteil wegen Online-Drogenhandel


Beim Landgericht Darmstadt ging es vergangene Woche um Online-Drogenhandel. Ein Michelstädter hatte Drogen im sogenannten Darknet bestellt und nach Überzeugung des Gerichts auch verkauft.

Echo online: Drogendealer muss ins Gefängnis

Echo online, 27. Juli 2017: Odenwälder soll Drogen übers Internet verkauft haben

Ungünstig wirkte sich für den Angeklagten auch aus, dass das Gericht von „Drogenhandel mit Waffen“ ausging, was die Strafhöhe gleich auf mindestens fünf Jahre hochschraubt, wenn es nicht ein minderschwerer Fall ist.

Betäubungsmittelgesetz § 30a: Mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren wird bestraft, wer Betäubungsmittel in nicht geringer Menge unerlaubt anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie ein- oder ausführt (§ 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1) und dabei als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat.
(2) Ebenso wird bestraft, wer mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unerlaubt Handel treibt oder sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt oder sich verschafft und dabei eine Schußwaffe oder sonstige Gegenstände mit sich führt, die ihrer Art nach zur Verletzung von Personen geeignet und bestimmt sind.

Gericht sieht mehr Planung als Chaos


Kleine Überraschung im Landgericht. Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädieren bei einem Angeklagten auf eine Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zu einem Bankraub, aber das Gericht sieht den Offenbacher, der den Fluchtwagen fuhr, als Mittäter, der bei der Planung dabei war: Dreieinhalb Jahre Haft, somit keine Bewährung.

Und auch sonst hatte das Gericht mehr Planung aller Angeklagten ausgemacht als es die schnelle Festnahme nahelegte. Die Truppe hatte am Weltspartag 2016 eine Bankfiliale überfallen und war nach wenigen Stunden verhaftet worden.

Echo online: Räuber-Trio muss nach Banküberfall in Babenhausen in Haft

Babenhäuser Bankräuber angeklagt

Das war gestern im Darmstädter Landgericht nicht einfach für eine Mutter mit drei Kindern. Während sie weinend einen Kinderwagen wiegte, gesteht ihr Partner und der Vater der Kinder, dass er sich hatte überreden lassen, einen Bekannten zu einem Banküberfall zu fahren.

Der Überfall war allerdings schlecht vorbereitet, die Räuber hatten die Flucht nicht geplant und das Auto hatte auch sein reguläres Kennzeichen …

Echo online: „Ich wollte nicht als Schlappschwanz dastehen.“

Forensische Psychiatrie: Der Mainstream geht in Richtung Sicherheit

„Kuscheljustiz“ wird den Gerichten häufig vorgeworfen. Angeblich fallen wegen „schwerer Kindheit“ viele milde Urteile. Mein Eindruck als Gerichtsreporter ist ein anderer. Und das sagt auch ein langjähriger Gutachter:

SpOn: „Unglück, Liebe, Rache – alles live“ – „Vielen ging es (Anfang der achtziger Jahre) darum, die Angeklagten vor dem Zugriff der Justiz zu retten. Resozialisierung war der Zentralbegriff. Das ist passé. Seit 20 Jahren geht der Mainstream des Fachs in Richtung Sicherheit vor dem Täter.“

Vor einem Jahr: Psychotischer Schub im Eurocity

Vor einem Jahr hatte das Landgericht Darmstadt einen Mann in eine Klinik für Psychiatrie geschickt, weil er am 1. September 2015 in einem Eurocity einen ihm unbekannten Fahrgast angegriffen hatte. Er hatte einen psychotischen Schub.

Echo online: Eurocity-Angreifer ist nicht schuldfähig

In dem Verfahren hatte der Fahrgast erzählt, dass ihn danach sogar der damalige Bahnchef Rüdiger Grube angerufen habe. Was zunächst etwas ungewöhnlich klang, aber gar nicht so unwahrscheinlich war, wie ich dann später feststellte. Der Immobilienkaufmann hatte in den 80er Jahren ein recht großes Unternehmen und wird einige Leute kennen.

Medienrummel

Neun Fernsehjournalisten stehen mit Mikrofonen und Kamersa im Viertelkreis vor einem Oberstaatsanwalt

TV-Journalisten brauchen O-Töne vom Oberstaatsanwalt.

Ein mittleres Medienaufgebot war heute im Landgericht, der „Bombenleger von Viernheim“ (2010 zu 12 Jahren Haft verurteilt) soll Möbel und Papier in seiner Zelle angezündet haben.
Da die TV-Kollegen ja nicht im Gerichtssaal filmen dürfen, „muss“ der Oberstaatsanwalt Klaus Tietze-Kattge auf dem Flur vor dem Saal erzählen, worum es geht.

Echo online: „Bombenleger von Viernheim“ wieder vor Gericht: Feuer in Zelle gelegt